|
Zweiter Aufzug
Das Theater stellt einen unterirdischen dunkeln Kerker
vor. Den Zuschauern links ist eine mit Steinen und Schutt bedeckte Zisterne; im
Hintergrunde sind mehrere mit Gitterwerk verwahrte Öffnungen in der Mauer,
durch welche man die Stufen einer von der Höhe herunterführenden Treppe sieht. Rechts
die letzten Stufen und die Tür in das Gefängniß. Eine Lampe brennt.
Erster Aufritt
Florestan (allein)
(Er
sitzt auf einem Steine, um den Leib hat er eine lange Kette, deren Ende in der
Mauer befestigt ist.)
Nr. 11 – Introduction und Arie
Florestan
Gott! welch’ Dunkel hier! O grauenvolle
Stille! Öd’ ist es um mich her: Nichts lebet außer mir. O schwere
Prüfung! Doch gerecht ist Gottes Wille! Ich murre nicht: das Maß der Leiden
steht bei dir. In des Lebens Frühlingstagen ist das Glück von mir
gefloh’n; Wahrheit wagt’ ich kühn zu sagen, und die Ketten sind
mein Lohn. Willig duld’ ich alle Schmerzen, ende schmählich meine Bahn; süßer
Trost in meinem Herzen: meine Pflicht hab’ ich getan! (in einer an Wahnsinn grenzenden, jedoch
ruhigen Begeisterung)
Und spür’ ich nicht linde, sanft säuselnde
Luft? und ist nicht mein Grab mir erhellet? Ich seh’, wie ein Engel im
rosigen Duft sich tröstend zur Seite mir stellet, – ein Engel, Leonoren, der Gattin so gleich, der
führt mich zur Freiheit in’s himmlische Reich.
(Er sinkt erschöpft von der letzten
Gemütsbewegung auf den Felsensitz nieder, seine
Hände verhüllen sein Gesicht.)
Zweiter Auftritt
Rocco, Leonore, Florestan
(Die beiden Ersten, die man bei dem Schein einer
Laterne die Treppe herabsteigen sah, tragen einen
Krug und Werkzeuge zum Graben. Die Hintertür
öffnet sich und das Theater erhellt sich zur Hälfte.)
Nr. 12 – Melodram und Duett
Leonore
Wie kalt ist es in diesem
unterirdischen Gewölbe!
Rocco
Das ist natürlich, es ist
ja sehr tief.
Leonore
Ich glaubte schon, wir
würden den Eingang gar nicht finden.
Rocco
Da ist er.
Leonore
Er scheint ganz ohne
Bewegung.
Rocco
Vielleicht ist er tot.
Leonore
Tot!?
Rocco
Nein, nein, er schläft. – Das müssen wir
benützen und gleich ans Werk gehen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.
Leonore
Es ist unmöglich, seine Züge zu unterscheiden.
– Gott, steh mir bei, wenn er es ist!
Rocco
Hier, unter diesen Trümmern, ist die Zisterne von der
ich dir gesagt habe. – Wir brauchen nicht viel zu graben um an die
Öffnung zu kommen. Du gib mir eine Haue und stelle dich hierher. – Du
zitterst, – fürchtest du dich?
Leonore
Oh nein, es ist nur so
kalt.
Rocco
So mache fort, beim
Arbeiten wird dir schon warm werden.
(Rocco fängt gleich mit dem Ritornell an zu arbeiten.
Während dessen benutzt Leonore die Momente, wo
sich Rocco bückt, um den Gefangenen zu betrachten.)
Rocco (während der Arbeit,
mit halblauter Stimme)
Nur hurtig fort, nur frisch
gegraben, es währt nicht lang, er kommt herein.
Leonore (ebenfalls arbeitend)
Ihr sollt ja nicht zu
klagen haben, ihr sollt gewiß zufrieden sein.
Rocco (einen großen Stein an
der Stelle, wo er hinabstieg, hebend)
Komm, hilf doch diesen
Stein mir heben, – hab Acht! hab Acht! – er hat Gewicht.
Leonore (hilft heben)
Ich helfe schon, –
sorgt euch nicht; ich will mir alle Mühe geben.
Rocco
Ein wenig noch!
Leonore
Geduld!
Rocco
Er weicht!
Leonore
Nur etwas noch!
Rocco
Es ist nicht leicht!
(Sie rollen den Stein über die Trümmer, und holen Atem.)
Rocco (wieder arbeitend)
Nur hurtig fort u.s.w.
Leonore (ebenfalls wieder
arbeitend)
Laßt mich nur wieder
Kräfte haben, wir werden bald zu Ende sein.
Rocco
Nur hurtig fort u.s.w.
Leonore (betrachtet den
Gefangenen, während
Rocco, von ihr abgewendet, mit gekrümmtem
Rücken arbeitet; leise, für sich)
Wer du auch sei’st,
ich will dich retten,
bei Gott! du sollst kein
Opfer sein!
Gewiß, ich löse deine
Ketten,
ich will, du Armer, dich
befrei’n.
Rocco (sich schnell
aufrichtend)
Was zauderst du in deiner
Pflicht?
Leonore (fängt wieder an zu
arbeiten)
Mein Vater! nein, ich
zaud’re nicht.
Rocco
Nur hurtig fort u.s.w.
Leonore
Ihr sollt ja nicht u.s.w.
Laßt mich nur u.s.w.
(Rocco trinkt; Florestan erholt sich und hebt das Haupt
in die Höhe, ohne sich noch gegen Leonore zu wenden.)
Leonore
Er erwacht!
Rocco
Er erwacht, sagst du?
Leonore
Ja, er hat soeben seinen
Kopf gehoben.
Rocco
Du bleibst hier! –
Ich muß allein mit ihm reden. - Nun, habt ihr ein wenig geruht?
Florestan
Geruht?
Leonore
(Diese Stimme!)
Florestan
Wie fände ich Ruhe?
Leonore
(Oh Gott! Er ist’s!)
Florestan
Sagt mir, wer ist der
Gouverneur dieses Gefängnisses?
Rocco
Don Pizarro.
Florestan
Pizarro?Schickt nach Sevilla, fragt
nach Leonore Florestan...
Rocco
Ruhe!
Florestan
...sagt ihr, daß ich hier
in Ketten liege, sagt ihr ...
Rocco
Es ist unmöglich, sage ich
Euch.
Florestan
Aus Barmherzigkeit, gebt
mir Wasser, Wasser!
Leonore
Hier ist etwas Wein.
Florestan
Wer ist das?
Rocco
Mein Schließer. – Du
bist ja so bewegt!
Leonore
Wer sollte es nicht sein,
Ihr selbst, Vater Rocco ...
Rocco
Du hast recht. Der Mensch
hat so eine Stimme ...
Leonore
Ja, sie dringt in die
Tiefe des Herzens.
Nr. 13 – Terzett
Florestan
Euch werde Lohn in bessern
Welten,
der Himmel hat euch mir
geschickt.
O Dank! Ihr habt mich süß
erquickt;
ich kann die Wohltat nicht
vergelten.
Rocco (leise zu Leonore, die
er bei Seite zieht)
Ich labt’ ihn gern,
den armen Mann,
es ist ja bald um ihn
getan.
Leonore (für sich)
Wie heftig pochet dieses
Herz,
es wogt in Freud’
und scharfem Schmerz!
Florestan (für sich)
Bewegt seh’ ich den
Jüngling hier,
und Rührung zeigt auch
dieser Mann.
O Gott, du sendest
Hoffnung mir,
daß ich sie noch gewinnen
kann.
Leonore
Die hehre, bange Stunde
winkt,
die Tod mir oder Rettung
bringt.
Rocco
Ich tu’, was meine
Pflicht gebeut,
doch hass’ ich alle
Grausamkeit.
Leonore (leise zu Rocco,
indem sie ein Stückchen
Brot aus der Tasche zieht)
Dies Stückchen Brot,
– ja, seit zwei Tagen trag’ ich es immer schon bei mir.
Rocco
Ich möchte gern, doch
sag’ ich dir, das hieße wirklich zu viel wagen.
Leonore
Ach! (schmeichelnd) Ihr labtet gern den armen Mann.
Rocco
Das geht nicht an, das
geht nicht an.
Leonore (wie vorhin)
Es ist ja bald um ihn
getan.
Rocco
So sei es, ja, so
sei’s! du kannst es wagen.
Leonore (in größter Bewegung Florestan
das Brot reichend)
Da nimm das Brot, du armer
Mann!
Florestan (Leonorens Hand
ergreifend
und an sich drückend)
O dank dir, Dank, o Dank!
Euch werde Lohn in bessern
Welten,
der Himmel hat euch mir
geschickt.
O Dank, ihr habt mich süß
erquickt!
Bewegt seh’ ich den
Jüngling hier,
und Rührung zeigt auch
dieser Mann,
o wenn ich sie gewinnen
kann!
Leonore
Der Himmel schicke Rettung
dir,
dann wird mir hoher Lohn
gewährt.
Ihr labt’ ihn gern,
den armen Mann!
Rocco
Mich rührte oft dein
Leiden hier,
doch Hilfe war mir streng
verwehrt.
(für sich) Ich labt’
ihn gern, den armen Mann,
es ist ja bald um ihn
getan!
Leonore
O mehr, als ich ertragen
kann!
Florestan
O daß ich euch nicht
lohnen kann!
(Florestan verschlingt das Stück Brot.)
Rocco (nach augenblicklichem
Stillschweigen)
Alles ist bereit. Ich gehe
das Signal zu geben.
Florestan
Wo geht er hin? (Pfiff)
Ist das der Vorbote meines
Todes?
Leonore
Beruhige dich! Vergiß
nicht, es gibt eine
Vorsehung. Ja! Es gibt
eine Vorsehung.
(Sie entfernt sich und geht gegen die Zisterne.)
Dritter Auftritt
Vorige, Pizarro (vermummt in einen Mantel)
Pizarro (zu Rocco, die
Stimme verstellend)
Ist alles bereit?
Rocco
Ja, Herr! – Soll ich
ihm die Ketten abnehmen?
Pizarro
Nein!
Schließ ihn nur los. Die Zeit drängt.
Nr. 14 – Quartett
Pizarro
Er sterbe! Doch er soll
erst wissen,
wer ihm sein stolzes Herz
zerfleischt.
Der Rache Dunkel sei
zerrissen!
Sieh’ her, du hast
mich nicht getäuscht!
(Er schlägt den Mantel auf.)
Pizarro, den du stürzen
wolltest,
Pizarro, den du fürchten
solltest,
steht nun als Rächer hier.
Florestan (gefaßt)
Ein Mörder steht vor mir.
Pizarro
Noch einmal ruf’ ich
dir,
was du getan, zurück.
Nur noch ein Augenblick,
und dieser Dolch –
(Er will Florestan durchbohren.)
Leonore (stürzt mit einem durchdringenden Geschrei hervor
und bedeckt Florestan mit ihrem Leibe)
Zurück!
Florestan
O Gott!
Rocco
Was soll?
Leonore
Durchbohren mußt du erst
diese Brust!
Der Tod sei dir geschworen
für deine Mörderlust.
Pizarro (schleudert sie fort)
Wahnsinniger!
Rocco (zu Leonore)
Halt’ ein!
halt’ ein!
Florestan
O Gott! o mein Gott!
Pizarro
Er soll bestrafet sein!
Leonore (noch einmal ihren
Mann bedeckend)
Töt’ erst sein Weib!
Pizarro
Sein Weib?
Rocco
Sein Weib?
Florestan
Mein Weib?
Leonore (zu Florestan)
Ja, sieh’ hier Leonore!
Florestan
Leonore!
Leonore (zu den Anderen)
Ich bin sein Weib,
geschworen
hab’ ich ihm Trost,
Verderben dir!
Pizarro (für sich)
Welch’ unerhörter
Mut!
Florestan (zu Leonore)
Vor Freude starrt mein
Blut!
Rocco
Mir starrt vor Angst mein
Blut!
Leonore (für sich)
Ich trotze seiner Wut!
Pizarro
Soll ich vor einem Weibe
beben?
Leonore
Der Tod sei dir
geschworen!
Pizarro
So opfr’ ich beide
meinem Grimm.
(Dringt wieder auf sie und Florestan ein.)
Leonore
Durchbohren mußt du erst
diese Brust!
Pizarro
Geteilt hast du mit ihm
das Leben, so teile nun den Tod mit ihm!
Leonore (zieht hastig eine
kleine Pistole aus der
Brust und hält sie Pizarro vor)
Noch einen Laut –
und du bist tot!
(Leonore hängt an Florestans Halse.)
Ach! du bist gerettet!
großer Gott!
Florestan
Ach! ich bin gerettet!
großer Gott!
Pizarro (betäubt)
Ha! der Minister! Höll’
und Tod!
Rocco (betäubt)
O was ist das? gerechter
Gott!
(Pizarro steht betäubt; eben so Rocco. Leonore hängt
an Florestan’s Halse. Man hört die Trompete
stärker.
Pause.)
Vierter Aufritt
Vorige, Jaquino, zwei Offiziere, Soldaten (mit Fackeln)
(Jaquino, Offiziere und
Soldaten erscheinen an
der obersten Gitteröffnung der Treppe.)
Jaquino (spricht während der
Musikpause)
Vater Rocco! Vater Rocco!
Der Herr Minister ist angekommen!
Rocco
Gelobt sei Gott! Wir kommen, ja wir kommen augenblicklich!
Und Leute mit Fackeln sollen heruntersteigen und den Gouverneur hinaufbegleiten!
(Die Soldaten kommen bis an die Tür herunter. Die
Offiziere und Jaquino gehen oben ab.)
Quartett folgt
Leonore und Florestan
Es schlägt der Rache
Stunde,
du sollst/ich soll
gerettet sein!
Die Liebe wird im Bunde
mit Mute dich/mich
befrei’n!
Pizarro
Verflucht sei diese
Stunde!
die Heuchler spotten mein!
Verzweiflung wird im Bunde
mit meiner Rache sein!
Rocco
O fürchterliche Stunde!
O Gott! was wartet mein?
Ich will nicht mehr im
Bunde
mit diesem Wütrich sein!
(Pizarro stürzt fort, indem er Rocco einen Wink gibt,
ihm zu folgen; dieser benützt den Augenblick, da
Pizarro schon geht, faßt die Hände beider Gatten,
drückt sie an seine Brust, deutet gen Himmel und eilt
nach. Die Soldaten leuchten Pizarro voraus.)
Fünfter Auftritt
Leonore, Florestan
Florestan
Leonore!
Leonore
Florestan!
Nr.
15 – Duett
Leonore
und Florestan
O namenlose Freude!
Mein Mann an meiner
Brust!/An Leonorens Brust!
Nach unnennbaren Leiden
so übergroße Lust!
Leonore
Du wieder nun in meinen
Armen!
Florestan
O Gott! wie groß ist dein
Erbarmen!
Leonore und Florestan
O dank dir, Gott, für diese Lust!
Mein Mann/Weib an meiner Brust!
Florestan
Du bist’s!
Leonore
Ich bin’s!
Florestan
O himmlisches Entzücken!
Leonore
Du bist’s!
Florestan
Ich bin’s!
Leonore
O himmlisches Entzücken!
Florestan
Leonore!
Leonore
Florestan!
Leonore
und Florestan
O namenlose Freude u.s.w.
Sechster Aufritt
Rocco, die Vorigen
(Rocco
stürzt herein. Alle drei ab.)
Verwandlung
Paradeplatz des Schlosses, mit der
Statue des Königs.
Siebenter Aufritt
Don Fernando, Pizarro, Jaquino,
Marzelline,
Offiziere,
Schloßwachen, die Gefangenen, Volk
(Die Schloßwachen marschieren auf und bilden
ein offenes Viereck.
Dann erscheint von einer
Seite der Minister Don Fernando, von Pizarro und Offizieren begleitet. Volk
eilt herzu. Von der andern Seite treten, von Jaquino und Marzelline geführt,
die Staatsgefangenen ein, die vor Don Fernando niederknieen.)
Nr.
16 – Finale
Das
Volk und die Gefangenen
Heil! Heil sei dem Tag, Heil sei der
Stunde,
die lang ersehnt, doch unvermeint,
Gerechtigkeit mit Huld im Bunde,
vor unsers Grabes Tor erscheint! Heil!
Don Fernando
Des besten Königs Wink und Wille
führt
mich
zu euch, ihr
Armen, her,
daß ich der Frevel Nacht enthülle,
die All’ umfangen schwarz und
schwer.
Nicht länger knieet sklavisch
nieder,
(Die
Gefangenen stehen auf.)
Tyrannenstrenge sei mir fern.
Es sucht der Bruder seine Brüder,
und kann er helfen, hilft er gern.
Das
Volk und die Gefangenen
Heil sei dem Tag! Heil sei der
Stunde! Heil!
Don
Fernando
Es sucht der Bruder u.s.w.
Achter Auftritt
Die Vorigen, Rocco (durch
die Wachen dringend),
hinter
ihm Leonore und Florestan
Rocco
Wohlan, so helfet! helft den Armen!
Pizarro
Was seh’ ich? Ha!
Rocco
(zu Pizarro)
Bewegt es dich?
Pizarro
(zu Rocco)
Fort, fort!
Don
Fernando (zu Rocco)
Nun rede!
Rocco
All’ Erbarmen vereine diesem
Paare sich!
(Florestan
vorführend)
Don Florestan –
Don
Fernando (staunend)
Der Totgeglaubte, der Edle, der für
Wahrheit stritt?
Rocco
Und Qualen ohne Zahl erlitt.
Don
Fernando
Mein Freund, der Totgeglaubte?
– Gefesselt, bleich steht er vor mir.
Leonore
und Rocco
Ja, Florestan, ihr seht ihn hier.
Rocco
(Leonore
vorstellend)
Und Leonore –
Don
Fernando (noch mehr betroffen)
Leonore?
Rocco
Der Frauen Zierde führ’ ich
vor, sie kam hierher –
Pizarro
Zwei Worte sagen –
Don Fernando
Kein Wort!
(zu Rocco)
Sie kam? –
Rocco
Dort
an mein Tor, und trat als Knecht in meine Dienste,
und tat so brave treue Dienste, daß
ich – zum Eidam sie erkor.
Marzelline
O weh’ mir! was vernimmt mein
Ohr!
Rocco
Der Unmensch wollt’ in dieser
Stunde
vollzieh’n an Florestan den
Mord –
Pizarro
(in größter Wut)
Vollzieh’n! Mit ihm! –
Rocco
(auf sich und Leonoren deutend)
Mit uns im Bunde!
(zu
Don Fernando) Nur euer Kommen rief ihn fort.
Das
Volk und die Gefangenen (sehr
lebhaft)
Bestrafet sei der Bösewicht,
der Unschuld unterdrückt!
Gerechtigkeit hält zum Gericht
der Rache Schwert gezückt.
(Pizarro wird abgeführt.)
Don
Fernando (zu Rocco)
Du schlossest auf des Edlen Grab,
jetzt nimm ihm seine Ketten ab!
Doch halt! – Euch, edle Frau,
allein,
euch ziemt es ganz ihn zu
befrei’n.
Leonore
(nimmt die Schlüssel, löst, in größter
Bewegung,
Florestan die Ketten ab; er sinkt in
Leonorens
Arme)
O Gott! welch’ ein Augenblick!
Florestan
O unaussprechlich süßes Glück!
Don
Fernando
Gerecht, o Gott, ist dein Gericht!
Marzelline
und Rocco
Du prüfest, du verläßt uns nicht.
Alle
O Gott! o welch’ ein
Augenblick u.s.w.
Das
Volk und die Gefangenen
Wer ein holdes Weib errungen,
stimm’ in unsern Jubel ein!
Nie wird es zu hoch besungen,
Retterin des Gatten sein.
Florestan
Deine Treu’ erhielt mein
Leben,
Tugend schreckt den Bösewicht.
Leonore
Liebe führte mein Bestreben,
wahre Liebe fürchtet nicht.
Das
Volk und die Gefangenen
Preist mit hoher Freude Glut
Leonorens edlen Mut!
Florestan
(vortretend und auf Leonore weisend)
und
die Männer
Wer ein solches Weib u.s.w.
Leonore
(ihn umarmend)
Liebend ist es mir gelungen,
dich aus Ketten zu befrei’n;
liebend sei es hoch besungen,
Florestan
ist wieder mein!
Marzelline,
Jaquino, Don Fernando und Rocco
Wer ein solches Weib u.s.w.
Das
Volk und die Gefangenen
Wer ein holdes Weib u.s.w.
Leonore
und Florestan
Liebend ist er mir/dir gelungen,
dich/mich aus den Ketten zu
befrei’n.
Marzelline,
Jaquino, Don Fernando und Rocco
Liebend ist es ihr gelungen,
ihn aus den Ketten zu
befrei’n.
Leonore
Liebend sei es hoch besungen,
Florestan ist wieder mein!
Alle andere
Nie wird es zu hoch besungen,
Retterin des Gatten sein!
Ende |