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Handel
Allegro
English
Introduction
Introduction
Part the First
Part the Second
Part the Third
German
Introduction
Part the First
Part the Second
Part the Third

Dritter Teil


(18)

Nr. 41 Ouverture

 

Larghetto
Fuga

(„Konzert für Orgel
und Orchester B-Dur“,
op. 7, Nr. 1, HWV 306)

(19)

Nr. 42 Accompagnato
Il Moderato42 (Baß)

 

Fort! Laßt eure ruchlose Prahlerei
mit den Hirngespinsten kaum erprobter Freuden,
die sich, über jedes Maß hinaus verfolgt,
durch dieses Übermaß in Schmerz verkehren.

(20)

Nr. 43 Arie (Baß)

 

Komm, laß du dein Licht erglänzen,
o Mäßigung, du Gnade des Himmels,
die der weise Schöpfer der Welt
den törichten Menschen geschenkt hat,
um sie vor sich selbst zu schützen.
Beschreitet, wie seit je, den Mittelweg,
seid weder abgrundtief traurig, noch eitel übermütig.
Nein, seid stets in Blick und Haltung gleich,
ruhig, heiter und gelassen.

(21)

Nr. 44 Accompagnato (Baß) und Chor

 

In deiner Rechten halte holde Mäßigung,
mit ihr erscheine rosige Gesundheit,
und in deiner Linken wahre Zufriedenheit,
niemals berührt von unbesonnener Leidenschaft,
Genügsamkeit im Verein mit Freizügigkeit,
in engster Freundschaft, die doch so oft als
Feindinnen gelten
keusche, vom Verstand sicher geleitete Liebe,
mit ehrlicher Freude und reinen Genüssen,
glückliches Leben, Gabe des Himmels,
vieler lächelnder Jahre, die unser harren.
Nimm die ganze heitere Schar
in dein Gefolge auf.
Chor
Nimm die ganze heitere Schar
in dein Gefolge auf.

(22)

Nr. 45 Arie (Sopran)

 

Komm und hindere mit sanfter Hand die,
die ihr eigenes Verderben hofieren,
die, um ein Extrem zu meiden,
blindlings in ein anderes rennen.
Lehre sanft, welchen Segen es bringt,
den maßvollen Gesetzen der Natur zu gehorchen,
sicher zwischen zwei Klippen zu steuern
und stets besonnen die goldene Mitte zu wählen.

(23)

Nr. 46 Rezitativ (Tenor)

 

Dann werden sie ihr kurzes Leben nicht
länger damit vergeuden,
sich in hektischer Fröhlichkeit und kindischer Spielerei
von ihrem Ziel immer weiter zu entfernen,
Tag und Nacht mit Tanz und lärmendem
Treiben zu verbringen
oder leblosen Standbildern gleich
trübselig zu grübeln und zu träumen.

(24)

Nr. 47 Arie (Tenor)

 

Ein jedes Tun wird geadelt
durch Gesetz, Maß, Ort und Zeit,
bis sich des Lebens Bau
in würdigem Ebenmaß zum Himmel erhebt.

(25)

Nr. 48 Duette (Sopran und Tenor)

 

Wie der Tag die Nacht beschleicht
und ihre Schatten zerschmilzt,
so bannt die Wahrheit den Zauber der Einbildung,
so vertreibt der Morgenglanz der Vernunft
die Gespinste, die den Geist verschleierten,
und läßt es Tag werden im Reiche der Gedanken.

(26)

Nr. 49 Chor

 

Schenk uns deine Freuden, o Mäßigung,
allein in ihnen finden wir das wahre Leben.

Ende des Oratoriums
1 Der Dichter wählt die Bezeichnung L’Allegro für eine glückliche Person, die er einen
idealisierten Tag auf dem Land und einen festlichen Abend in der Stadt verbringen läßt.
„Lebhaftes Tonstück“ (Duden, a.a.O., S. 107);
„Florio’s Dict. (1598) führt an: „Allegro, ioyfull, merie, iocond, sportfull, pleasant, frolike.“
Ital. „allegro“ = Lat. alacrem, accus of alacer ;
(Verity, a.a.O., S. 65);
Lat. „alacer“ = frisch, feurig (Stowasser, a.a.O., S. 52).
2 John Miltons Mythologie ist eklektisch; der Dichter wählte sich die Gestalten der antiken
Mythologie nach seinem Gutdünken aus und formte sie gelegentlich auch nach seinen
jeweiligen „poetischen Bedürfnissen“ um. Da die Antike keine Göttin der Melancholie
kannte, erfand er sie; da sie Eltern haben mußte, machte er sie zum Kind des Cerberus und
der Nacht. (Verity, a.a.O., S. 65.)
Die Philosophie der Renaissance unterschied zwischen zwei Typen der Melancholie. Der eine
Typus wurde als Ursache von Depressionen und paranoiden Zuständen als Krankheit
charakterisiert, der andere, den man in England auch als „contemplative mood“ bezeichnete,
galt als eine Befindlichkeit, die den Menschen in die höchsten philosophischen Höhen zu
führen wußte.
3 Auch „Kerberos“ oder „Zerberus“, „der Verschlinger der Herzen“, der Höllenhund, einer
aus der ungeheuren Brut des Typhon, des gräßlichen Geschöpfes mit hundert feuerspeienden
Schlangenköpfen, und der menschenfressenden Schlange Echidna, zu der auch die Hydra und
die Chimaira gehörten. Cerberus bewacht die Pforte zum Hades, der Unterwelt der
griechischen Antike. Dem altgriechischen Dichter Hesiod zufolge besitzt Cerberus fünfzig
Köpfe, die meisten Schriftsteller begnügen sich indes damit, ihm drei Köpfe zuzumessen. Zu
allem Überfluß ziert Cerberus zudem ein Schlangenkopf und ein Schlangenschwanz, mit dem
er vor den Geistern, die den Hades betraten, wedelte. Die Geister, die dem Hades zu
entrinnen suchten, packte er und fraß sie auf. Nur Orpheus gelang es, das Untier durch seinen
Gesang zu verzaubern, während Herakles ihn mit brachialer Gewalt an die Oberwelt
schleppte, um ihn später wieder dem Hades zurückzugeben. Aus dem Speichel, der dem
Hund bei seinem unfreiwilligen Ausflug aus dem Maul troff, erwuchs der Eisenhut, mit
dessen Gift die kolchische Zauberin Medea Theseus zu töten suchte. John Miltons
Beschreibung des Höllenhundes, Cerberus sitzt in einer Höhle und überwacht den Styx, lehnt
sich eng an die Darstellung an, die der berühmteste römische Dichter des augusteischen
Zeitalters, Publius Vergilius Maro (70 – 19 v. Chr.), in seinem Epos „Aeneis“ (6,417 – 18)
gibt.
4 Der Begriff leitet sich von „Styx“ ab, einem der vier Flüsse, die den Hades durchzogen.
Styx, „die Flut des tödlichen Hasses“, ist auch ein Synonym für die Hölle.
5 Nach Verity (a.a.O., S. 66) hat es lange Diskussionen innerhalb der mit dem Werk und der
Persönlichkeit William Shakespeares befaßten Forschung gegeben, welcher Spezies dieser
Vogel zuzuordnen sei, denn weder unter den verschiedenen Arten der Raben noch unter
denen der Krähen lassen sich Nachtvögel finden. Dementsprechend hat man an die Eule, die
Rohrdommel, den Ziegenmelker oder an den Nachtreiher gedacht und sie als möglichen
„night-raven“ ins Spiel gebracht. Wahrscheinlich hat John Milton aber doch an einen Raben
gedacht, dessen rauhes Krächzen von alters her als Zeichen nahenden Unheils gedeutet wird
und von dem man sagte, daß er ein von der Pest bedrohtes Haus umflöge.
„... O! it comes o’er my memory,
As doth the raven o’er the infected house,
Boding to all, ...“ (Shakespeare, „Othello“, IV, 1, 20 f.)
6 Nach Meinung des altgriechischen Dichters Homer lebten die Cimmerier (oder Kimmerier)
hinter der nördlichen Grenze Skythiens „am Ende der Welt“ in einem sonnenlosen
Landstrich, in dem ewige Finsternis herrschte; daher nennt man auch eine dichte, dicke
Finsternis eine „cimmerische Finsternis“.
Ovid (a. a. O., XI, 592-6) verlegt den Wohnsitz des Morpheus in eine Höhle, in das Land der
Cimmerier.
(Hughes, a.a.O., S. 68.)
7 Il Penseroso, eine nachdenkliche Person, verbringt seine Nächte mit Waldspaziergängen
und einsamen Studien. Durch die Umformung von Miltons Texten tritt L’Allegro in einen
direkten Dialog mit Il Penseroso und später mit Il Moderato (einer ausgeglichenen Person).
Der Name Penseroso hat in der philologischen Forschung mehrfach nicht unerhebliche
Irritationen ausgelöst, da man der Meinung war, daß sich der Name „pensieroso“ schreiben
müsse. Dabei wurde aber übersehen, daß zu Lebzeiten John Miltons „penseroso“ die normale
Schreibweise war.
Ein Französisch-Italienisches Lexikon, Genf 1644 schreibt:
„Pensif, penseroso, cher pensa. Pourquoy estes-vous si pensif, perche state voi cosi
penseroso? Il est tout pensif, Egli è tutto penseroso.“
(Verity, a.a.O., S. 95; der Titel des Französisch-Italienischen
Lexikons wird nicht genannt.)
8 Wörtlich „Bildner“. In der altgriechischen Mythologie ist Morpheus der Gott des
Schlummers und des Traumes.
Ovid (a.a.O., 11,592 – 677) beschreibt Morpheus als einen der tausend Söhne des Somnus,
des römischen Gottes des Schlafes (griech. Hypnos). Nur Morpheus und zwei seiner Brüder,
Icelos und Phantasos, treten unter diesen tausend Söhnen als individuelle Gestalten hervor:
Morpheus nimmt in den Träumen menschliche Gestalt an, Icelos erscheint in Gestalt eines
Tieres, während Phantasos auch als ein unbelebter Gegenstand auftauchen kann.
9 Die „Leichtherzige“ oder „Heitere“, eine der drei Grazien.
Euphrosyne wurde auch als die Göttin der Anmut verehrt. Ihre Schwestern sind Aglaia und
Thalia.
10 In der altgriechischen Mythologie sind die drei Grazien die Töchter des Zeus; sie wurden
auch als „Huldgöttinnen“ verehrt. John Milton machte sie zu Kindern der Venus und des
Bacchus.
11 Venus war in der römischen Mythologie ursprünglich die Göttin der Fruchtbarkeit der
Gärten; erst später wurde sie der altgriechischen Aphrodite gleichgesetzt und als Göttin der
Schönheit und der sinnlichen Liebe verehrt. Im römischen Kult gewann sie als Großmutter
des Iulus, des Sohnes des Aeneas, besondere Bedeutung, denn auf Iulus wurde die iulische
Linie der römischen Kaiser zurückgeführt.
12 Der Gott des Weines und Schutzpatron der Trunkenbolde.
„Bakchos“ ist ein anderer griechischer Name für Dionysos; „Bacchus“ ist die latinisierte
Form für „Bakchos“.
13 Die Göttin des Herdfeuers. In der griechischen Mythologie ist sie eine Tochter des Saturn.
Daß Vesta dem Saturn die Melancholie geboren habe, ist eine Erfindung John Miltons.
Vielleicht wollte er damit ausdrücken, daß die Melancholie ein Kind der Reinheit und der
Einsamkeit sei, denn Vesta wurde auch als Göttin der Keuschheit verehrt. Sie legte einen Eid
ab, ihre Jungfrauenschaft bewahren zu wollen. In ihrem Heiligtum brannte ein nie
verlöschendes Feuer, das von jungen Mädchen, den Vestalinnen, unterhalten wurde.
14 „Saturn“ oder auch „Saturnus“ erscheint in vielfach einander widersprechenden
Darstellungen. Eine dieser Traditionen verehrte ihn als römischen Gott der Fruchtbarkeit;
eine andere berichtet von ihm als König von Latium, der die Menschen das Handwerk und
die schönen Künste lehrte und ihnen durch die Einführung des Ackerbaus die Zivilisation
brachte. Die Zeit seiner segensreichen, milden Regentschaft wurde später als das „Goldene
Zeitalter“ bezeichnet. Eine andere Überlieferung versetzte Saturn nach Kreta auf den Berg
Ida. Von dort aus beherrschte er die Welt, bis er von seinem Sohn Jupiter gestürzt wurde. In
einer weiteren römischen Tradition galt er als Sohn des Uranus und der Erde und wurde mit
Kronos gleichgesetzt. Innerhalb dieser Tradition war er „solitary“, vereinsamt, weil er seine
eigene Nachkommenschaft verschlungen hatte. In der Astrologie symbolisiert Saturn die
kontemplative Melancholie.
15 Eine Nymphe ist ein göttlicher Geist, der an einem bestimmten Platz wohnt oder mit einem
Naturphänomen identisch ist. Die Oreaden waren Bergnymphen, die Naiaden waren
Nymphen der Quellen, Bäche und Seen, die Nereiden waren Meeresnymphen. Dryaden,
Hamadryaden und Meliai waren Baumnymphen. Als eine Art „Untergöttin“ stellt sie in der
antiken Mythologie das Walten der Naturkräfte in der Landschaft dar.
16 Die Göttin der Jugend der griechischen Mythologie. Sie ist die Tochter des Zeus und der
Hera. Während der Schmausereien der olympischen Tafelrunde oblag es ihr, den Göttern den
Wein ein- und nachzuschenken.
17 Durch das Fasten, so meint man auch noch heutzutage, öffnet sich die Seele himmlischen
Eingebungen und Visionen. John Milton gestaltet seine Überzeugung in allegorisierter Form,
daß nur der Dichter zu den höchsten Weihen aufsteigt, der ein abstinentes Leben zu führen
bereit ist.
18 Jupiter (auch „Juppiter“) ist der oberste und mächtigste Gott der römischen Mythologie
und wird von ihr mit dem altgriechischen Zeus gleichgesetzt. Sein Name besteht aus zwei
zusammengezogenen Wörtern, die „Himmlischer Vater“ bedeuten. Ihm ist unter anderem das
Wetter untertan. Seine Waffen sind Blitz und Donner.
19 Die Musen (oder „Musai“) sind die Schutzgöttinnen der Künste und der Wissenschaften.
Sie sind die neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne: Kleio, Euterpe, Thalia, Melpomene,
Terpsichore, Erato, Polyhymnia (oder Polymnia), Urania und Kalliope. Als himmlische
Musikerinnen sollen sie für die Götter, bei besonderen Gelegenheiten auch für die
Sterblichen gesungen haben. Mit seinem Bild von den um den Altar gescharten Musen spielt
John Milton auf die Einleitung der „Theogony“ des Hesiod an:
„The Muses haunt the hill of Helicon, mighty and divine, and dance with tender feet around
the fountain (Aganippe) and the altar of the great son of Kronion.“ (Verity, a.a.O., S.
101.)
20 Bergvölker zeichnen sich nach Vorstellungen vieler Historiker und Anthropologen durch
ihren besonders ausgeprägten Freiheitssinn aus. Die Nymphe als Personifikation der Freiheit
verbindet sich bei John Milton offenbar auch mit den „Oreaden“, den Bergnymphen, die in
der altgriechischen Mythologie in besonders wilden und unzugänglichen Regionen leben.
Dazu schreibt Verity (a.a.O., S. 71 f.):
„One of the passages in which we seem to catch an echo of Milton’s own voice. Love of
Liberty (‚the nurse of all great wits‘, as he says in the Areopagitica) was with him an
intensely strong feeling. It kept him from entering the Church, ‚because he who would take
orders must subscribe slave’. It led him a few years later (1639) to surrender his life of study
and enter on one of political struggle; ... . Also, it is well to remember that L’Allegro was
written at a time when the absolutism of Charles I. was each month growing more decided.“
21 Nach Meller/Sühnel (a.a.O., S. 184) ist mit „ihr“ „sweet liberty“, die „süße Freiheit“
gemeint.
22 Über die Frage, wer an das Fenster kommt, um einen guten Morgen zu entbieten, gehen die
Meinungen der Philologen weit auseinander. Während die einen vorschlagen, daß es die
Fröhlichkeit, die Lerche oder die Morgenfrühe seien, meinen die anderen, es sei L’Allegro
selbst, der an das Fenster tritt und den anbrechenden Tag begrüßt.
So schreibt Verity (a.a.O., S. 73 f.):
„Who is it that comes and salutes whom? Is it the lark that greets the poet? If so, we must
make ,to come‘ and ,bid‘ depend on ,hear‘, though ,hear to come‘ is awkward.“
Verity verweist allerdings auf William Shakespeare, „Comedy of Errors“ , V, 1, 25: „Who
heard me to deny it or forswear it?“ und fährt dann fort:
„Or is it the poet who goes to the window and bids the world in general good morning? ... I
am afraid that the lark must be meant: it is to fly close by the poet’s window as it descends to
the ground – perhaps even perch on the window-sill – and bid him good morning. Of course,
this is entirely untrue to nature, but it is just the kind of inaccuracy that we note often in
Milton.“
23 Cherub und Cherubim werden in der Bibel vielfach erwähnt, unter anderem:
„Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit
dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.“
1. Mose 3,24
„Und David sammelte abermals die ganze junge Mannschaft in Israel, dreißigtausend Mann,
und machte sich auf und zog mit dem ganzen Volk, das bei ihm war, nach Baala in Juda, um
die Lade Gottes von dort heraufzuholen; diese ist genannt nach dem Namen des HERRN
Zebaoth, der über den Cherubim thront.“ 2. Sam. 6,2
„Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen. Er fuhr auf dem
Cherub und flog daher, er schwebte auf den Fittichen des Windes.“ Ps. 18,10 f.
„Du Hirte Israels höre, der du Josef hütest wie die Schafe! Erscheine, der du thronst über den
Cherubim.“ Ps. 80,2
„Der HERR ist König, darum zittern die Völker; er sitzt über den Cherubim, darum bebt die
Welt.“
Ps. 99,1
„Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich vor dem Cherub.“ Hes. 9,3
„Und ich sah, und siehe, an der Himmelsfeste über dem Haupt der Cherubim glänzte es wie
ein Saphir, und über ihnen war etwas zu sehen wie ein Thron.“
Hes. 10,1
„Und die Herrlichkeit des HERRN erhob sich vor dem Cherub zur Schwelle des Hauses, und
das Haus wurde erfüllt mit der Wolke und der Vorhof mit dem Glanz der Herrlichkeit des
HERRN. Und man hörte die Flügel der Cherubim rauschen bis in den äußeren Vorhof wie die
Stimme des allmächtigen Gottes, wenn er redet.“ Hes. 10,4 f.
“Du warst ein glänzender, schirmender Cherub, und auf den heiligen Berg hatte ich dich
gesetzt, ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine.“ Hes. 28,14
Eine der hebräischen Traditionen sieht den Cherub als einen Feuer- oder Flammenboten oder
„Blitzengel“, eine andere beschreibt ihn als ein fabelhaftes Tier, das man sich aus den
Symbolen der Macht und Stärke, aus Mensch, Stier, Adler und Löwe zusammengesetzt und
als Wächter der Bundeslade dachte. In der mittelalterlichen Anschauung waren die Cherubim
innerhalb der neunfachen Rangordnung der Engel dazu ausersehen, sich der Kenntnis und
Betrachtung Gottes hinzugeben. Dieses Bild verbindet John Milton mit den Visionen des
Hesekiel.
24 Auch „Philomele“ („Freundin des Gesanges“).
(Hughes, a.a.O., S. 73.)
Philomele ist eine Tochter des Königs Pandion. Ihre Schwester Prokne wurde dem
thrakischen König Tereus als Lohn für dessen Söldnerdienste zur Frau gegeben. Mit einer
niederträchtigen List gelang es Tereus Philomele zu verführen. Um sie daran zu hindern,
seine Untat preiszugeben, schnitt ihr der Verführer die Zunge heraus, doch gelang es der
jungen Frau, die Untat im Gewebe eines Gewandes bildlich darzustellen. Gemeinsam
nahmen die Schwestern schreckliche Rache: Sie schlachteten den Sohn der Prokne und des
Tereus, schnitten seinen Leichnam in Stücke, kochten und brieten ihn und setzten ihn dem
Tereus als Festmahl vor. Als Tereus merkte, was er da gegessen hatte, wollte er sie töten. Auf
ihrer Flucht wurde Philomele von den erbarmungsvollen Göttern in eine Nachtigall und
Prokne in eine Schwalbe verwandelt. Philomeles Name dient daher als Synonym für die
Nachtigall. (Ovid, a.a.O., 6,424 – 6,674; Apollodor, a.a.O., 3, 14, 8.)
25 Mit „Segensspruch“ („charm“) sind die kurzen Verse gemeint, mit denen die Nachtwächter
bei ihren regelmäßigen Rundgängen durch die Gassen und Straßen die Stunden ausriefen.
Eine weitere Aufgabe des „bellman“ bestand darin, den Wetterbericht zu geben. So notiert
Samuel Pepys (a.a.O.) am 16. Januar 1660 in sein Tagebuch:
„I staid up till the bellman came by with his bell just under my window as I was writing of
this very line, and cried ‚Past one of the clock, and a cold, frosty, windy morning’“
26 Das Bild des „Turmes“ läßt eine Reihe von Assoziationen zu: Platon („Politeia“, 560 b)
spricht von der „Akropolis“ der Seele; bei Jesaja (21, 8) hingegen findet sich die Wendung:
„Herr, ich stehe auf der Warte bei Tage immerdar und stelle mich auf meine Wacht jede
Nacht.“ (Hughes, a.a.O., S. 74.)
Il Penseroso sitzt in einer Kammer des Turmes, während L’Allegro den Turm aus der Ferne
sieht.
27 „Ursa Major“, auch der „Große Wagen“ genannt, ist ein Sternbild, das aufgrund seiner
Position am nördlichen Himmel nicht untergeht, sondern im frühen Morgenlicht verblaßt. Mit
der Wendung „outwatch the Bear“ will John Milton ausdrücken, daß Il Penseroso sich nicht
zu Bett legt, sondern bis zum frühen Morgen wacht. Gleichzeitig aber verbindet sich mit
diesem Bild die Assoziation, daß die Wahrheit niemals untergeht.
28 Gott des Handels, der Schutzpatron der Kaufleute, Schelme und Diebe und der Bote der
Götter der griechischen Antike (röm. Merkur). Er ist der Sohn der scheuen arkadischen
Nymphe Maia und des Zeus. Eine seiner Aufgaben war es, die Seelen der Verstorbenen in
den Hades zu geleiten. Er diente dem Zeus als Herold und Bote, aber auch als
Sachverständiger und Helfer in dessen ständigen Liebesabenteuern. Unter dem Namen
Hermes Trismegistus, der Dreimalgrößte, wurde im ersten Jahrhundert der ägyptische Gott
Thoth (Gott der Schrift, der Zahlen und der Bücher) in die Mythologie der Spätantike
eingeführt und als Verbreiter geheimer Weisheiten, göttlicher Schreiber und der Stifter der
Wissenschaften verehrt. In der spätantiken Gnosis wurde er zum mystischen allumfassenden
Gott, unter dessen Namen eine große Zahl von Schriften in Umlauf war, die sich mit
Problemen der Entstehung des Kosmos und des Menschengeschlechtes befaßt, darunter auch
eine Erlösungslehre.
Nach Francis Bacon bestand seine Dreifaltigkeit in seiner Macht und seinem Reichtum als
König, seiner Kenntnis und Erleuchtung als Priester und seiner Weisheit und Universalität als
Philosoph. (Hughes, a.a.O., S. 74.)
29 Der Philosoph Platon (lat. Plato) lebte und lehrte in Athen. Er wurde im Mai des Jahres
427 v. Chr. als Kind einer altadligen Familie in Athen geboren. Sein Oheim war Kritias, das
Haupt der 30 Tyrannen. Ungefähr um 387 v. Chr. gründete er die Akademie, eine
Philosophenschule, die aus ganz Griechenland einen starken Zulauf hatte. Dort lehrte er
unentgeltlich bis zu seinem Tod im Jahre 347 v. Chr. (Lamer, a.a.O., S. 586 f.)
30 Die Neuplatoniker glaubten, daß die Seelen erleuchteter Menschen in ihren von den
Göttern zugemessenen Gestirnen leben.
31 Die hier genannten Städte und Namen sind Epitome, Inbegriffe, der wesentlichen Themen
der griechischen Tragödie. Theben ist eine Stadt im altgriechischen Böotien, in deren Mauern
sich das Schicksal des Ödipus vollzog.
John Milton verweist hier auf „König Ödipus“ und „Antigone“ von Sophokles (ca. 497 – ca.
406 v. Chr.), sowie auf die Tragödien des Aischylos (ca. 524 – ca. 455 v. Chr.) und des
Euripides (ca. 485 – 407 v. Chr.).
32 Die griechische Mythologie berichtet, daß König Tantalus seinen Sohn Pelops geschlachtet
und den Göttern als Speise vorgesetzt habe. Die Götter aber wurden dieser Greuel inne,
bestraften König Tantalus und erweckten Pelops zu neuem Leben. Pelops seinerseits ist der
Vorfahre einer vom Zorn der Götter geschlagenen Königsfamilie, zu ihr gehören Atreus,
Thyestes, Agamemnon, Orest, Iphigenie und Elektra.
33 Homer bezeichnete Troja als eine heilige Stadt, weil sie dem Mythos nach von den Göttern
erbaut wurde.
34 Während der Aufführung einer Tragödie trugen die Schauspieler des Elisabethanischen
Zeitalters „buskins“, Stiefel mit hohen Hacken, daher nannte man eine Tragödie auch
„buskin“.
35 Ein berühmter Dichter und Sänger der griechischen Antike. Der altgriechische Historiker
Diodor bezeichnete ihn als Sohn und Erben des Orpheus; eine andere Tradition bezeichnet
ihn als einen Priester der Demeter und Begründer aller religiösen Poesie. (The Milton
Reading Room, a.a.O.)
Die Überlieferung über ihn ist uneinheitlich. Vornehmlich die Bewohner Athens nahmen ihn
für sich in Anspruch und verehrten ihn als Erfinder des Hexameters. Platon bezeichnete die
Mondgöttin Selene als die Mutter des Musaios.
36 In der griechischen Mythologie gilt Orpheus als der bedeutendste Sänger und
Kitharaspieler nach Apollon. Sein Gesang verzauberte nicht nur die Menschen, sondern auch
Tiere und Pflanzen. Die vorherrschende Überlieferung nennt als seine Eltern Oiagros und die
Muse Kaliope. Seiner Herkunft nach ist er ein Thraker, Angehöriger eines Volkes, dem ein
tiefer religiöser Sinn und eine außergewöhnliche musikalische Begabung nachgesagt wurde.
Unter den mythischen Begründern und „Erfindern“ der Musik steht Orpheus an erster Stelle.
Il Penseroso betont die magische Macht der Musik des Orpheus, während L’Allegro den
Kampf des Orpheus um Eurydike in den Vordergrund seiner Betrachtungen stellt.
(The Milton Reading Room, a.a.O.)
37 Pluto (auch „Pluton“) ist der euphemistische Name für Hades. Dieser Beiname bezieht sich
auf den Reichtum (ploutos) des Herrschers der Unterwelt. Orpheus gelang es, durch seinen
Gesang das Herz der Persephone (röm. Proserpina), der Gemahlin des Pluto, so zu rühren,
daß sie ihn beschwor, dem unglücklichen Sänger die Seele der Eurydike zurückzugeben.
Pluto ließ sich erweichen und versprach, Eurydike freizugeben, allerdings unter der
Bedingung, daß sich Orpheus auf dem Rückweg in die Oberwelt nicht ein einziges Mal nach
Eurydike umsehen durfte. Orpheus machte sich mit Eurydike auf den Weg. Erschreckt von
ihm unerklärlichen Geräuschen, warf er dennoch einen Blick zurück und verlor Eurydike für
immer. (Ovid, a.a.O., Buch 10.)
38 Auch „Hymenaios“; er ist die Schutzgottheit der Hochzeit und der Gott der Ehe. Hymen
war eine mythische Verkörperung der „Hymenäen“, die dem Brauch gemäß bei Hochzeiten
gesungen wurden. In vielen Darstellungen umhüllt Hymen ein safrangelbes Gewand. Eine
strahlende Fackel in seiner Rechten erleuchtet seine nächtlichen Pfade.
Hughes (a.a.O., S. 71) und Verity (a.a.O., S. 89) weisen auf eine Regieanweisung in Ben
Jonsons „Masque of Hymen“ hin, die da lautet:
„On the other hand, entered Hymen (the god of marriage) in a saffron-coloured robe, his
under vestures white, his socks yellow, a yellow veil of silk on his left arm, his head crowned
with roses and marjoram, in his right hand a torch of pine-tree.“
39 Römischer Gott der Wälder und des Ackerbaus.
Er hatte einige Merkmale mit Pan gemeinsam und wurde auch als Gott der Herden von den
Hirten verehrt.
40 Eine Musik sanften, weiblichen Charakters. Nach Edmund Spenser, „Present State of
Ireland“ berichtet Aristoteles, daß der persische König Cyrus nach seinem Triumph über das
Heer der Lydier entschied, daß die Unterlegenen ihre sehr kriegerische Musik nicht mehr
spielen durften, sondern sich künftig ausschließlich einer sanften, melodiösen Spielweise zu
befleißigen hatten. Diese von den persischen Unterdrückern erzwungene Veränderung des
musikalischen Ausdrucks soll den ursprünglich wilden Charakter des lydischen Volkes so
sehr verändert haben, daß sie zu sanften und folgsamen Untertanen wurden.
(Verity, a.a.O., S. 92.)
Plato verbindet diesen musikalischen Modus vor allem mit der Trägheit, Nachlässigkeit und
Disziplinlosigkeit.
(„Nomoi“, a.a.O., S. 35 ff.)
Dieses in der abendländischen Tradition des Mittelalters und der Renaissance verbreitete
Vorurteil, der lydische Modus schwäche im Gegensatz zur „keuschen“ dorischen und geistig
anregenden ionischen Tonart die moralischen Instanzen der menschlichen Seele, übernimmt
John Milton nicht, sondern verweist vielmehr auf die Meinung von Cassiodor, der behauptet,
daß der lydische Modus entspannend sei und die Seele der Menschen entzücke und daher
allein exzessives Leid und übermäßigen Kummer zu stillen vermöge. (Hughes, a.a.O., S. 71.)
In Drydens „Alexander’s Feast“ findet sich die Wendung:
„Softly sweet, in Lydian measures, soon he sooth’d his soul to pleasures“ (Verity,
a.a.O., S. 93)
41 Goldene Lilien, die auf den anmutigen Auen des Elysiums sprießen, dort, wo die Seelen
der von den Göttern gesegneten Menschen hausen; diese Blumen sind der Persephone
geweiht.
42 Der in Ausgeglichenheit lebende Mensch.

 


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