Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
  Classical Music Home > Opera Libretti

Opera Libretti




Beethoven | Bellini | Berg | Berlioz | Bizet | Cavalieri | Cavalli | Clerambault | Debussy | Donizetti | Falla | Gluck | Gounod | Granados | Hallstrom | Handel | Hartke | Haydn | Kalman | Leoncavallo | Mascagni | Massenet | Mercadante | Meyerbeer | Monteverdi | Mozart | Pacius | Petitgirard | Portugal | Puccini | Purcell | Rachmaninov | Rossini | Sacchini | Strauss Johann II | Verdi | Wagner Richard | Wagner Siegfried | Walton | Weber
 
Wagner Richard
Bruder Lustig
English
Title Page
German
Act 1
Act 2
Act 3

2. Aufzug

 
Der Vorhang öffnet sich. Großes Zimmer, festlich zur Hochzeit geschmückt. Hinten, etwas links, breites Fenster, offen, durch welches man auf die Giebel des Marktplatzs sieht. Rechts (am Prospekt) Erker-Vorbau, zu dem die nur durch das vorspringende Dach geschützte Freitreppe führt. Vorn, die beiden Wände entlang, eine Stufe erhöht, Bänke und Tische mit Gerät.
 
Von der Kirche kehrt das Brautpaar, Walburg und Konrad, in’s neue Heim zurück, geleitet von den Hochzeitsgästen; unter ihnen Heinrich und Rüle, verlobt, der Bürgermeister und die ganze Verwandtschaft, welche das neue Paar beglückwünschen. Konrad und Walburg setzen sich links. Heinrich und Rüle gegenüber. Bier und Wein wird geschenkt, Speisen gereicht. Bald darauf Platzt zum Tanz geschafft. Der Bürgermeister tritt in die Mitte mit einem großen Humpen und bringt das Hoch auf die Neuvermählten aus.
 
1. Szene
 
Bürgermeister
Hebt den Becher, frohe Zecher!
Donnernd laßt ein Hoch erschallen,
Glück und tausendfaches Heil
dem Paare traut sei alleweil!
 
Chor
Donnernd laßt ein Hoch erschallen,
daß die Wände prallen.
Glück und tausendfaches Heil
dem Paare traut sei  alleweil!
 
Bürgermeister
Und eh’ der Mond die Rund erneut,
naht ein zweites Paar dem Ziele:
Wieder gibt es Hochgezeit:
Junker Heinrich und Jumpfer Rüle!
(Stühle und Tische werden bei Seite geräumt)
 
Chor
Tanz!…
(Die Burschen markieren durch Stampfen den Rhythmus.
Der Rundtanz wird unterbrochen. Der Jüngling und
die Maid treten in die Mitte. Erst sie - er etwas später;
die Pantomine muß den Worten des Chores entsprechend ausgeführt werden)
 
Chor-Alt:
Da steht es,…
 
Sopran
…das Mädchen und guckt und lugt.
 
Chor
Der Bursch ihr naht zart, betugt!
 
Sopran
Nicht leidet’s sie lang so ruh’g zu steh’n!
 
Tenöre
Zum Tanze sie beide schon sich dreh’n!
(Unterbrechung des Rundtanzes. Pantomine weiter. Der Vater der Maid kommt dazu)
 
Tenöre
Schaut…
 
Bässe und Tenöre
Da kommt er! Ihr Vater dazu!
 
Soprane und Alt
Und erste die Mutter, die hat ein närrisch Getu!
 
Bässe und Tenöre
Er schimpft!
 
Soprane und Alt
Sie zankt!
 
Bässe und Tenöre
Sie kurren zu zwei!
 
Soprane und Alt
Armes Pärchen! Nund ist’s vorbei!
(Die Maid fleht ihren Vater, der Jüngling seine Mutter, den Liebenden nachzugeben)
 
Baß
Kommt der Moppel nicht bald daher,
geht die Sache kreuz und quer.
 
Alt
Geht die Sache kreuz und quer.
(Moppel, der Ehevermittler, eilt herbei)
 
Sopran
Da ist er! Moppel hilf heraus!
 
Sopran und Alt
Hier gibt’s Zank und argen Strauß.
 
Tenor
Moppel der denkt: Das Geld es doch tut!
 
Baß
Vermitteln drum will er das Heiratsgut!
 
Alt
Der Vater, der mag nicht!
 
Sopran
Die Mutter, die möcht’ schon!
 
Tenöre
Ärmste Maid!
 
Alt
Armer Sohn!
 
Sopran
Ärmste Maid!
 
Tenöre
Ärmster Sohn!
 
Tenöre und Bässe
Halt!
 
Alt (auf den Vater deutend)
Da seht, er wird weich!
 
Tenöre und Sopran
Der Alte gibt nach!
 
Tenöre und Bässe
(Tanz der Burschen, derb polternd, um die Gruppe der Mimiker)
Brav Moppel! Du hast es erreicht!
(Sopran und Alt dazu)
Brav Moppel, du hast es erreicht!
Möchtest wohl deinen Lohn dafür!
 
Bässe
Der Alte dagegen weist ihm die Tür.
 
Alt
Der Moppel, der jammert!
 
Soprane
Der Moppel, der heult!
 
Tenöre
Die Maid mit dem Burschen zu Hilfe eilt.
 
Chor
Der Moppel ist froh, froh ist die Maid,
und der Bursch lacht vor Freude.
Tanzen wir, tanzen wir froh herum!
Der Moppel war brav! Nur sein Buckel, der ist krumm!…
 
Der Bürgermeister
Zum Hahnenschlag!
 
Chor
Zum Hahnenschlag!
 
Bürgermeister
Hier stehet er, schuldbeladen:
furchtbar schuf er ringsum Schaden!
Deine Sünden dir zu künden,
Richter sind wird dir, o Tier!
 
Chor (während weiterem Gesang vom Bürgermeister)
Gockel, Gockel, tuck, tuck, tuck…
 
Bürgermeister
Klagt ihr Hennen, die er verführt!
All ihr Elend ihn nicht rührt!
Daß von früh bis zur späten Nacht
nur auf Eier sind bedacht.
Falsch mit Brocken wollt er locken,
gluckste, tuckste, daß sie kämen,
tät sie dann beim Schopfe nehmen!
Betrogen hast du Nachbars Hahn!
Knüpftest auch mit Perlhuhn an, ja
selbst – weh der armen Ente,
fiel sie Tropf, in deine Hände!
Für alle Sünden, die du begangen,
wirst du Frevler jetzt gehangen!
Denn solchen Bissen
heute zu missen,
wisse, Hähnchen, wäre bös!
Befiel drum dem Teufel deine Seele!
Strick jetzt fest um die Kehle!
Auf den Sockel drum, du Gockel!
Du Schuft, das kommt davon!
Gockel, Gockel, das ist dein Lohn!
 
(Der Bürgermeister will eben den Hahn erhängen, als Walburg lebhaft dazwischen fährt)
 
Walburg (nimmt dem Bürgermeister den Hahn weg)
Laß das arme Tier! Grausames Spiel!
 
Bürgermeister und Chor
Geh! Walburg! Willst du uns den Spaß verderben?
 
Rüle (gereizt)
Immer muß sie‘s anders wollen! Nehmt ihr nur den Gockel weg!
 
 
2. Szene
 
Trompeten erklingen auf dem Marktplatz. Alles wendet sich erstaunt dem Hintergrund zu. Herold hinter der Szene
 
Bürgermeister
Was gibt’s?
 
Herold
Achtet, was ich sage:
Bring’ euch des Kaisers Klage!
Zwei Jahr’ schon sind’s, daß ihr verwehrt:
den Zehnten er von euch begehrt!
Und nicht allein darob ergrollt:
noch Einmal er verzeih’n wollt;
doch daß geheim in euern Mauern
Frevler an dem Mächt’gen lauern,
und daß seine Boten ungezügelt,
ein Dreister frech hat verprügelt,
dafür will er Rechenschaft:
der Rache zu walten nach Rechtes Kraft!
Fürchtet des Krieges Graus,
liefert ihr den Mann nicht aus.
 
Tenöre
Was dräut er so?
 
Bässe
Verdirbt uns das Fest!
 
Bürgermeister
Mit dem sich’s nicht spaßen läßt!
 
Alt
Was will er?
 
Sopran
Was sucht er?
 
Herold
Bruder Lustig heißt er!
 
Baß
Bruder Lustig?
 
Tenöre
Kennt ihr den?
 
Bürgermeister (zum Fenster hinunterrufend)
Bruder Lustig? Von ihm wußt’ ich!
Ist‘s nicht der, der vernarrt Kaiser packte beim langen Bart?
 
Herold
Eben der ist’s! Er werd’ gerichtet!
 
Chor
Bruder Lustig?
 
Bürgermeister
Hier gibt’s keinen!
 
Herold
Nicht lügen! Es könnt’ euch schlimm bekommen!
Wartet! Ich werd’ ihn mir schon finden!
 
Chor (lebhaftes durcheinander)
 
Tenöre
Was will er hier oben?
 
Soprane
Schnell! die Riegel vorgeschoben!
 
Bürgermeister
Nicht doch! Laßt ihn seh’n!
 
(Der Herold, hinter ihm die Trompeter, tritt ein.
Er stellt sich in die Mitte im Hintergrund und
mustert alle. Heinrich, innerlich unruhig, setzt
die gleichgültigste Miene auf. Sein Blick fällt
dazwischen verstohlen auf Walburg, deren Miene,
fast etwas lächelnd stumm ihm sagt: »fürchte nichts,
ich verrate dich nicht.« (Der Herold deutet mit
dem Finger auf Heinrich)
 
Rüle
Warum schaut er so?
 
Herold
Der da! Wie der ihm gleicht!
 
Heinrich
Ich? Wem?
 
Herold
Ja du! dem, den ich suche!
 
Heinrich
Ei was! wie sonderbar!
 
Soprane und Tenor
Das ist ja der Heinrich!
 
Heinrich
Stamm’ aus Kempten – Willst du noch mehr?
 
Herold
Schwörst du, daß du so heißt?
 
Heinrich
Den Schwur willig ich leist’!
 
Herold
Und schwör ihr, daß er’s ist?
 
Chor
Gelobt sei’s ohne List!
 
Herold
Schwur muß gelten. Ich werd’s ihm melden!
 
(Der Bürgermeister, welcher längere Zeit sinnend in sich gekehrt saß, reibt sich jetzt froh die Hände; doch heimlich, daß der Herold nichts gewahrt)
 
Bürgermeister
Schlau Michel! Schlau Schlingel schau! Halt! Ich hab’!
(zum Herold gewandt)
Weißt du, was? Ich hab‘s bedacht,
wie man’s jetzt am besten macht!
(Er tritt in die Mitte)
Es könnt ja sein, weiß ich’s auch nicht:
daß was Wahres ist in an der Geschicht’!
Vielleicht, daß jener ungekannt
bergend wo ein Schlupfloch fand.
Was nun den Zehnten anbelangt,
darüber noch so manches schwankt.
Drum meld’ dem Kaiser, wack’rer Mann,
was der Stadtrat weis’ ersann!
ganz allein vor dem Tor –
denn Geheimes für sein Ohr
hab’ ich treulich ihm zu künden,
sollen wir uns morgen finden.
Doch zuvor der Herr
uns schwör’ daß nicht lauert wo sein Heer!
Zieh nun ab und künd’ ihm dies genau,
merk’ wohl, wie ich’s dich wies!
(Er macht dem Herold ein ebenso freundliches
wie deutliches Zeichen, sich zu entfernen.)
Leb wohl!
(Der Herold entfernt sich zögernd.)
Gott befohlen!
(nach vorn sich wendend, höhnisch)
Mach dich Wicht, auf deine Sohlen.
(Die Meister sehen, am Fenster und am Erker stehend, dem Abziehenden nach.)
 
Bürgermeister
Ist er fort?
(Mit unheimlich wildem Lachen zum Fenster eilend)
 
Bässe
Schon weit!
 
Walburg
Herold! Tor! Hast es übersehen!
Eine hub zum Schwur nicht die Hand
 
Heinrich (für sich)
Verrät sie mich?
 
Walburg
Hätt’st du sie nach ihm gefragt,
zögst nicht ab mit Hohn und Spott!
Wärst du nicht davongeeilt,
wüßtest jetzt, wo jener weilt!
 
Chor, Rüle, Bürgermeister
Kennst du ihn? Wie?…Was sagt sie?…Sprich…Du kennst ihn…
 
Walburg (mit schmerzlich bitterem Lächeln)
Merkt ihr nicht, daß ich scherze?
 
(Der Bürgermeister, welcher auf Walburg nicht achtend, nur an seine List denkt, lacht laut auf, nimmt mehrere Stadtväter beim Arm und geht, lebhaft sprechend, mit ihnen ab. Die übrigen Hochzeitsgäste folgen ihnen, nachdem sie sich von Walburg und Conrad verabschiedet haben, in Paare geteilt.)
 
Bürgermeister
Juchhe! Hört ihr Väter meine List!
 
Chor
Was hast du vor?
 
Bürgermeister
Kommt nur!
 
 
3. Szene
 
(Walburg steht am Fenster und blickt den Abziehenden nach. Konrad betrachtet sie ernst verwundert.)
 
Konrad
Nun Walburg! Lausch, wie sie lachend von dannen zieh’n!
Nur du läßt das Trauern nicht sein.
Scheuch’ die Wolken! Heiß’ sie flieh’n
und gönn’ auch uns der Sonne Schein!
Deinen Schmerz, wer wird ihn nicht teilen?
Mitleid fühlt auch meine Brust.
Doch zu lang’ darf er nicht weilen!
Nicht verbittern uns’re Lebenslust.
Siech war die Mutter, hatte lange gelitten,
willig bot sie dem Tod die Hand.
Willst du nimmermehr heiter sein,
selbst am Hochzeitstag heute?
Willst du der Klage dich weih’n,
verdüstern dieser Stunden Freude?
Zur Mutter die Liebe, reinstes Gefühl,
wer wollte die Treue nicht preisen!
Doch darfst du darum so fremd und kühl
des Gatten Liebe spröd von dir weisen?
Sprich jetzt Walburg!
Laß uns lachen!
Ich darf es fordern! Mein bist du nun!
Laß nicht in mir eine Stimme erwachen!
Möge sie ewig schlafend ruh’n!
(Er will von einem Strauch eine Rose abschneiden)
Sieh die schöne Rose!
(Er sucht nach seinem Messer in der Tasche)
Verdammt! Greif’ ich doch immer zum Messer wieder,
und blieb mir ja nur seine Hülle.
Weiß der Himmel, wo ich’s verlor!
(Walburg blickt Konrad fragend an)
Schau’! Walburg! Grad’ wie er jetzt zu mir sah,
so traf mich damals: dein Blick!
Sonderbar! wie’s geschah’,
denk ich an jenen Tag zurück.
Im Dunkel strauchelnd stürzte mein Pferd.
Fremd war ihm wie mir jener Pfad.
Fast erdrückt lag ich zur Erd!
Den Huf das Tier in die Hüfte mir trat.
Das Blut floß hin: Es klafften Wunden,
zur Ohnmacht waren die Sinne mir entschwunden!
Erwachend aus betäubendem Schlaf,
schmerzbefreit und sanft gebettet,
durch Unbekannte treulich gerettet.
Da war’s wo dein Blick mich traf!
fragend, nicht zu erfragen,
wie ein Rätsel nicht zu lösen
Und doch Harm.
Fremd und doch gekannt!
Kalt nicht – doch auch nicht warm!
Was hatte an mich ihn gebannt?
Und wie der Fremde nun wieder kam,
die ihn gepflegt zum Weib zu nehmen,
warum Walburg, da so zahm,
ihrem Werber nicht rief: Nein!
Was mich zaghaft bang erfüllte,
ob es in die auch widerhallt;
ob aus dem Nebel sich enthüllte
klar der Liebe Lichtgestalt:
Dein »Ja« durft’ jenes Bangen scheuchen!
Ihm mußte der Zweifel weichen!
Walburg liebt mich!
O Jubelklang!
der in meinen Kummer drang!
 
Walburg
Horch, wer ist draußen?
 
Konrad
Hörtest du wen?
 
Walburg (Sie deutet nach rechts)
Mir schien dort im Zimmer.
(Konrad geht zur Tür und öffnet dieselbe. Walburg glaubt, daß er hinausgegangen ist; sie eilt zu einer Truhe, will sie eben öffnen, als sie bemerkt, daß Konrad still steht und nach ihr schaut. Sie läßt den Deckel fallen und blickt Konrad starr ins Auge. Beide stehen regungslos.)
 
Walburg (Sie will ihre Erregung verbergen und fragt gleichgültig)
Ist nichts dort drinnen? So täuschte ich mich!
vielleicht war es doch von der Straße.
(Walburg macht sich alsdann mit Blumen zu schaffen)
 
Konrad (auf die Blumen deutend)
Du müßtest sie besprengen – Hol Wasser!
 
Walburg
Geh du doch! Oder gut! Laß sein! Ich brings!
(ungern entschließt sie sich, zu gehen)
(Sie ist beim Erker angelangt, als sie sich plötzlich wendet)
Wo gehst du hin?
 
Konrad (betroffen)
Ich? Ich hab’ mich nicht gerührt.
 
Walburg
Ich will nicht…daß du…
 
Konrad
Woher so zornig! ganz verwandelt!
(Walburg wendet sich wieder zum Gehen; doch läßt es sie nicht; sie kehrt sich abermals zu Konrad um)
 
Walburg
Was willst du immer da drüben an meiner Truhe?
 
Konrad
An deiner Truhe? Wich ich vom Ort?
(Walburg eilt zur Truhe und stellt sich vor dieselbe)
 
Walburg
Die Truhe ist mein! Sie kümmert dich nicht!
 
Konrad
Bestreit ich’s? Was könnt’ ich von ihr wollen?
Warum so erregt? Birgst du Geheimes,
was ich nicht sehen sollt?
Oder soll Überraschung mir werden?
Ei Frauchen! Wenn du so trotzt,
am Ende trotz dann auch ich!
Dein Gatte bin ich! Deiner Launen Meister!
Und wenn dem so wär’, daß ich sehen wollte,
was du da birgst,
müßte mein Weib folgsam sein und mir es weisen –
du machst mich neugierig.
So laß denn seh’n!
 
Walburg
Nein, ich will nicht!
 
Konrad
Mein Weib! Ich will!
 
Walburg (in ein erzwungenes Gelächter ausbrechend)
Haha! Da hab’ ich dich!
Dich zu prüfen, welch Sinnes du bist,
ersann ich dich List.
(in Wut ausbrechend)
O Schmach! Mißtrauend, mißfroh dein Wesen!
Ist’s also wahr, was andre mich warnten?
Hätt’ ich ‘s gewußt, eh’ es geschah,
nimmer nahm ich dich zum Gatten.
(gegen sich selbst erbittert)
Blöd, von Aberglauben umwoben ward ich deine Braut!
Schicksal närrisch wähnend, wo Trug nur ward gebraut.
 
Konrad(erschreckt)
Walburg! Verzeih! Wer kann für seine Art!
Mensch! Ein armer Mensch, trägt sich an der Laster Last schon müd’ genug!
Komm, Teure, setz dich zu mir!
Von den Wangen weiche des Zornes Glut!
Laß Läst’ges tief versinken!
Laß uns Versöhnung trinken!
Wart! Ich hol’ ein Fläschchen!
 
Walburg
Und ich die Gläser dazu!
(Sie will die Gläser holen; doch kaum ist Konrad hinaus, eilt sie ängstlich zur Truhe. Walburg sucht hastig in der Truhe herum)
Ob ich es gut wohl barg?
 
(Konrad hat an der Tür gelauscht, er tritt wieder ein. Walburg erschrickt zu Tod)
 
Konrad (düster)
Walburg! (gebieterisch) Jetzt halt ich nicht länger – Zeig her!
 
(Konrad geht entschlossen auf die Truhe zu. Walburg tritt zurück, gleichgültig; sodann in krampfhaft heiteres Lachen ausbrechend.)
 
Walburg
So guck nur hinein bis zum Boden und noch tiefer!
Hast du was? Wie? Noch nichts?
Jetzt hat er’s! wieder nicht?
Blöder! Such doch besser!
Das Messer! Ja! Dein Messer!
In der Ecke links!
Hast du’s noch nicht!
(Walburg, immer erregter, nähert sich allmählich dem Fenster, um es zu öffnen)
Es paßt in deine Hülle!
Hast mir‘s ja geschenkt.
Weißt du’s denn nicht?
Du ließ’t es liegen! Jaja! Dein Messer! Weißt du wann?
So frag die Mar! Behexter! Denk doch dran!
Die Andreasnacht!
(Konrad findet das Messer; er starrt Walburg an; dann mustert er das Gefundene. Sie hat das Fenster aufgerissen)
Zu Hilfe!
 
Konrad
Das Messer?
Ja, sie faßt es: die Hülle! Das Messer ist’s!
Dies Zeichen bezeugt es! Wie kamst du zu dem Messer?
 
Walburg (hinausrufend)
Helft mir! Zu Hilfe!
 
Konrad
Warum rufst du um Hilfe? Warum bangt es dich so?
Die Andreasnacht! Was riefst du von ihr?
Behext sei ich? Die Mar? Totenbleich ist dein Gesicht entstellt!
 
Walburg
Rettet mich! Er rast!
 
Konrad
Heraus mit der Wahrheit!
 
Walburg
Nahst du mir, so stürz ich hinaus!
 
Konrad (er reißt sie nach vorn)
He! Sprich! bin ich einer Hexe vermählt?
Feuer sühn’ das Verbrechen! Wie kamst du zu dem Messer!
 
Walburg
Rettet mich! Laß mich! Ich sagt‘ es schon!
 
Konrad
Die Andreasnacht!
Mein Traum,-jene Nacht!
ich wurde zum Mahl geladen!
Da fehlte was!
Beim Schmaus – mein Beklemmen!
Das Erwachen!
war es da, wo ich dich zum ersten Mal erschaut?
Sprich jetzt, fürchte mein Rasen;
denn wär’s, daß ein Teufelszauber uns geeint – Weib! Dann weh Dir!
(Walburg will sich von ihm befreien; sie fällt zu Boden)
 
 
4. Szene
 
Walburg
Hilfe! Laß mich los!
 
Chor
Was gibt’s?…Der Lärm!…Was ist?…Schaut!
Am Hochzeitstag! Er rast!…
Was tobt er? Konrad! Bist du von Sinnen?…
Schaut! Konrad! Was ist?…
 
Konrad
Kümmert’s dich? Mach dich fort!
Mein ist sie, und was sie verbrach, das strafe ich!
 
Chor
Verbrechen?
 
Heinrich
Ein Verbrechen?
 
Chor
Ist er von Sinnen?
 
Konrad
Ja, eine Zauberin ist sie. Sprich nochmals!
Was vorhin du riefst: Behext sei ich!
War’s nicht so? Die Andreasnacht?
Kennt ihr die? Wißt ihr von einer Zaubernacht?
 
Rüle
Walburg! Entsetzlich! Ergabst du dich der Zauberei?
 
Sopran
Entsetzlich! Walburg! Verteidige dich! Weh dir!
 
Alt
Walburg! Gott: ist es wahr? Verteidige dich!
 
Tenöre
Entsetzlich! Welcher Frevel! Ist’s wahr, was er sagt?
 
Bässe
Sag! Walburg! Begingst du solchen Frevel?
Wär’s wahr?
 
Heinrich
Wenn wirklich Strafe Walburg trifft,
wenn der Zauberei sie schuldig ist,
so sind sie es alles hier, die Mädchen!
(auf die Mädchen deutend)
und keine darf der Straf’ entgeh’n!
 
Rüle und Sopran
Heinrich! Zeihst du uns solchen Verbrechens?
 
Alt
Wie? Wären wir schuldig?
 
Bässe
Höhnst du unsre Töchter?
 
Heinrich
Wenn Walburg schuldig ist, bist du es doppelt!
 
Rüle
Dreister! Unterstehst du dich!
 
Heinrich (ironisch)
Ei Rüle! Willst du deinen Bräutigam schon belügen?
 
Rüle
Belügen?
 
Heinrich
Traute Rüle! Sieh nur Bräutchen!
Wirst ja rot und bleich zugleich!
Ja, du lügst; denn ist Walburg schuldig,
so bist du doppelt frevelnd,
weil durch Lügen du leugnest,
was jene klar bekennt!
 
Rüle und Sopran
Das ist zu viel! Klagst du ohne Zeugnis!
 
Alt
Darf er sie so schmäh’n?
 
Bässe und Tenöre
Hab Acht! Klagst du ohne Zeugnis?
 
Heinrich
Nur die Wahrheit! Mein Rülchen, weißt du denn nicht,
wer in jener Nacht bei der Urme am Fenster erschien?
Der Heinrich war es, aber nicht sein Geist!
Ich! Der leibhaft’ge Heinrich!
Ich hatt’ es ihr angedroht, sie zu verraten,
wenn sie mir nicht zu Willen schafft.
Nun wollt’ ich dir erscheinen;
denn ich wähnte noch immer,
daß auf Erden nur dich zum Weibe möcht begehren!
Ich Narr!
Ich glaubte, das Schicksal so zu ertrotzen!
Falschen Zauber bannte sie:
beim Glockenzeichen sollte ich durch’s Fenster lugen!
Jaja! Rüle! Ich hatte euch alle belauscht!
Wißt ihr den Holzstoß noch,
wie der niederkrachte?
Und wer war’s, der die Walburg beschwatzte?
Hat sie euch nicht gewarnt?
Und wer höhnte? Rüle war’s!
Wohl gefiel mir’s nicht! Doch verliebt war ich noch!
Wie damals – als Bursch wähnt ich ja noch immer:
sowie die Rüle gäb’es keine mehr!
So gibt es keine! die schamlos verlogen Walburg des Zaubers schilt!
Verachtend sich wendet,
wo sie selbst zum Verbrechen reizte!
Die dreifach log! Schande über dich! Schande!
 
Chor
Allenthalben Trug und Zauberei!
Verdammte Urme!
 
Konrad
Was jene fehlten, kümmert mich nicht!
Walburg ist mein Weib!
Vor Gott mir angetraut.
Mir allein die schuld’ge Rede steht!
 
Heinrich
Solang du das Messer in der Hand noch hältst,
weich ich nicht von hier!
 
Konrad
Erfrechst du dich? Mein ist sie!
 
Heinrich (geht auf Konrad zu und entreißt Walburg seiner Hand)
Willst du sie lasen! Brauch roh deine Faust für Männer!
So faßt man nicht Frauen!
 
Konrad (höhnisch)
Spielt sich der Herr als Richter auf!
(Konrad geht heftig auf Walburg zu, die sich hinter Heinrich geflüchtet hat. Dieser stellt sich schützend vor ihr auf)
Her das Weib!
 
Heinrich
Treib mich nicht zum Zorn
 
Chor
Halt ein! bist du toll…
Konrad! Mäßig sein…
Konrad! Weh…
 
Konrad
Weich zurück und gib sie mir! Die Dirne! Die Zauberin!
(Konrad will Walburg hervorzerren)
 
Heinrich
Hilft denn nichts, so helf meine Kraft!
(Er schlägt Konrad mit einem wuchtigen
Faustschlag zu Boden)
(Zu Walburg)
Flieh mit mir!
(Faßt Walburg und enteilt.
Er verriegelt die Tür hinter sich)
 
Der Vorhang fällt schnell
 
 
5. Szene
 
Der Vorhang teilt sich schnell. Das Innere einer romanischen Kapelle, teils ausgemalt. Heinrich stürzt mit der halbohnmächtigen Walburg am Arm, herein, verriegelt die Türen, legt Walburg auf einen Stein, eilt zu den anderen Toren, die er ebenfalls verschließt.
 
Sonnenuntergangsbeleuchtung durch die Fenster. Kleine Öllämpchen brennen. Heinrich atmet tief. Walburg, kauernd, keines Wortes fähig, birgt ihr Gesicht mit ihrem Arm.
 
Wachsender Tumult vor der Kirche. Es wird an den Türen heftig gerüttelt.
 
Tenöre, Bässe
Mach auf! Schnell!
Mach auf! Gib sie heraus!
 
Priester
Gib sie heraus! Hüte dich, den Ort zu entweih’n!
Hüte dich! Bei Gott, kein Verzeih’n!
Entweihung! fürchte das Wort!
flieh den heiligsten Ort,
den du Frevler sündig berührst!
 
Heinrich
Ei! mein Pfäffchen! Du da draußen!
Wie du sprichst: so ehern, kühn!
Du sonst im Heiligtum hier hausen,
sorg’, daß sie die Kirche flieh’n!
Entweih’ ich Gottes hehren Sitz,
wenn vor der Rache eines Narren
ich dies hilflose Weib beschütz’?
Kehre dich weg von diesem Tor
und kehr vor der eig’nen Tür!
 
Chor (hinter der Szene)
Schande!
 
Priester
Nimmst du zurück dein Wort?
 
Heinrich
Nicht ein’s und lach’,
wenn ich schweigend den Mund halt’!
Will Gott mich verdammen, werd’ ich’s schon fühlen!
D’rum laßt uns in Frieden!
 
Chor (hinter der Szene)
Heinrich! Gib nach!
Fürchte die Hölle…
Bangt dir’s nicht vor Strafe…
Fürchtest du nicht der Hölle Strafe…
 
Priester
Noch einmal frag’ ich: Willst du es so?
 
Heinrich
Ja, ich will es so!
 
Priester
So hör denn:
Durch Eh’bruch ist die Kirch entweiht,
die frevelnd dies Paar betrat!
Verdammt sei’n sie in Ewigkeit für ruchlose Unzuchtstat!
Nieder reißt der Kirche Wände,
neu zu bau’n durch heilige Hände.
Hört ihr’s, die ihr Gott versucht!
Hört es! Ihr seid verflucht!
 
Chor (hinter der Szene)
Weh’ euch!
 
(Der Priester und das Volk entfernen sich.)
 
 
6. Szene
 
Heinrich (düster)
Verflucht! Verdammt!
So klingt mir’s dröhnend in’s Ohr.
Der Raum verrammt,
der liebend sonst öffnet sein Tor!
Geschändet, entweiht – in Ewigkeit! –
Stürzt ihr Steine nicht über mich?
Brich doch Gewölb! zerschmetternd brich!
Bergen die Mauern so gräßlichen Sünder?
Seid, mich vernichtend, Gottes Kinder!
Ihr wankt nicht? Steht starr und stumm
Wandelt auch euch sein Fluch schon um?
Unrein und durch uns befleckt,
Nichts, was eure Huld erweckt.
Huld wär’s und höchstes Laben.
wolltet ewig ihr uns begraben!
Denn wär’ es so,
wie jener sprach,
dann lieber tot, als schmähliche Schmach!
(Er blickt lang auf Walburg)
Walburg! Verdammt!
Red’ ich zu ihr? Zagend zögr’ ich!
Als schlief sie, liegt sie dort!
Nur ein unruhvolles Atmen deutet auf waches Träumen.
Heinrich! Wo hattest du dein Aug’?
Welcher Kobold verwirrte meinen Sinn?
Walburg!
(leidenschaftlich breit)
O kann ich mich noch halten,
nicht ihr zu Füßen fallen,
und sie zu flehen, daß sie mir verzeiht!
Walburg! Holde! Sie! Meine Retterin!
Sonst ein glückliches Paar des Himmels heil’ger Segen,
Engel zart in lichter Schar
helfend Hände regen!
Glockenläuten, Orgel tönt!
Alles Lieb’ und Freud’ verschönt!
Und wir? Wo ist Freude?
Wo ist Licht und Lust und Lachen?
Der Hölle Pforte der Altar,
vor dem den Eid wir legen!
Des Priesters Fluch der Segen,
den Gott uns reichte dar.
Verdammt! Doch aus Menschenmund.
Wird denn durch ihn Gott uns kund?
(Er wendet sich zum Altar)
Heilige Jungfrau! Sieh herab!
Mitleid mit uns Armen hab’!
Sündenfrei, wahnenthoben
thronst du da oben
Und das Christkind hat so munt’rs Gelug,
als wüßt’ es noch nichts von der menschen Trug!
Ach wärst du immer Kind geblieben!
Was bracht es Dir,
 die Menschen zu lieben!
Weisen wolltest du irdisch Wähnen
hin zu göttlich reinem Segen.
O Wahn! Ein Kind noch da! Unkund seiner Kraft!
Wie er mit spielenden Fingern
der Mutter den Mantel rafft!
Und ihr guten Heil’gen traut!
Wie ihr so lieb herunterschaut!
Von euch ich gern es wissen möcht.
Sind wir wirklich schlecht?
Sehr ihr nicht in’s Herz hinein?
Täuscht auch euch der falsche Schein?
Nein wir sind nicht schlecht.
In uns schlägt das Herz noch recht!
Blickt herab und ruft: »Euch wird vergeben!
Verwirkt ist nicht euer Leben!«
Traut uns und glaubt ja dem Priester nicht,
wenn der so heilig geht! Der ist schlecht!
Ja der, nicht ich! Und gar sie!
Seid ihr noch bös? Kein Ton?
Euch zu versöhnen, wie sollt’ ich’s machen?
Brachte schon manchen zum Lachen,
der meinte, ermüßte mir droh’n!
»Bruder Lustig« nannte mich mein Kaiser,
hab’ ihn oft in Trübsinn erheitert!
Soll ich was‘ singen? Ach, bin ja heiser!
All’ mein Witz heut’ kläglich scheitert!
Und doch, ich will es wagen!
(Er setzt sich auf die Orgelbank und will spielen:
Unwillkürlich fällt ihm nur ein, was er zuletzt gehört:
Die Weise des Hochzeitswalzers)
 
Walburg (ohne sich zu wenden)
Nicht!
 
Heinrich
Weh! Nun mußt’ ich wahrlich sie noch kränken!
Der böse Hochzeitstanz!
So laß’ ich’s sein! Schweigen.
(Er stützt sich auf seinen Arm, als wollte er allmählich einnicken)
Ihr Heiligen nickt mir ja doch nicht!
Und die Himmelsmutter schaut so ernst drein!
Nur der Kleine lacht und hebt die Finger!
(halb im Schlummer)
Lacht er? Auch ein Bruder Lustig?
 
(beide im Halbtraum, glauben der Kirche Mauern sich lösen zu seh’n. Ein zarter Nebelhauch erfüllt den Raum. Die Gestalten der Heiligen scheinen sich zu beleben. Auf Wolken abwärts schwebend neigt sich die Jungfrau segnend zu Walburg und Heinrich.)
 
Sopransolo (hinter der Szene)
Selig sind, die reinen Herzens,
und ihrer wird das Himmelreich! Selig…
 
Engelchor
Selig! Und ihrer wird das Himmelreich…
 

 


Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
10:48:31 AM, 20 September 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-208-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.