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Opera Libretti




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Wagner Richard
Gotterdammerung
Synopsis
Introduction
Act I
Act II
Act III

Erster Aufzug

Auf dem Walkürenfelsen. Die Szene ist dieselbe wie am Schlusse des zweiten Tages. Nacht. Aus der Tiefe des Hintergrundes leuchtet Feuerschein. Die drei Nornen, hohe Frauengestalten in langen, dunklen und schleierartigen Faltengewändern. Die erste (älteste) lagert im Vordergrunde rechts unter der breitästigen Tanne; die zweite (jüngere) ist an einer Steinbank vor dem Felsengemache hingestreckt; die dritte (jüngste) sitzt in der Mitte des Hintergrundes auf einem Felssteine des Höhensaumes. Eine Zeitlang herrscht düsteres Schweigen.

Die erste Norn

ohne sich zu bewegen
Welch Licht leuchtet dort?

Die zweite Norn

Dämmert der Tag schon auf?

Die dritte Norn

Loges Heer lodert feurig um den Fels.
Noch ist's Nacht.
Was spinnen und singen wir nicht?

Die zweite Norn

zu der ersten
Wollen wir spinnen und singen,
woran spannst du das Seil?

Die erste Norn

erhebt sich, während sie ein goldenes Seil von sich löst und mit dem einen Ende es an einen Ast der Tanne knüpft
So gut und schlimm es geh',
schling' ich das Seil und singe.
An der Weltesche wob ich einst,
da groß und stark dem Stamm entgrünte
weihlicher Äste Wald.
Im kühlen Schatten rauscht' ein Quell,
Weisheit raunend rann sein Gewell';
da sang ich heil'gen Sinn.
Ein kühner Gott
trat zum Trunk an den Quell;
seiner Augen eines
zahlt' er als ewigen Zoll.
Von der Weltesche
brach da Wotan einen Ast;
eines Speeres Schaft
entschnitt der Starke dem Stamm.
In langer Zeiten Lauf
zehrte die Wunde den Wald;
falb fielen die Blätter,
dürr darbte der Baum,
traurig versiegte des Quelles Trank:
trüben Sinnes ward mein Gesang.
Doch, web' ich heut'
an der Weltesche nicht mehr,
muß mir die Tanne
taugen zu fesseln das Seil:
singe, Schwester, - dir werf' ich's zu.
Weißt du, wie das wird?

Die zweite Norn

windet das zugeworfene Seil um einen hervorspringenden Felsstein am Eingange des Gemaches
Treu beratner Verträge Runen
schnitt Wotan in des Speeres Schaft:
den hielt er als Haft der Welt.
Ein kühner Held
zerhieb im Kampfe den Speer;
in Trümmer sprang
der Verträge heiliger Haft.
Da hieß Wotan Walhalls Helden
der Weltesche welkes Geäst
mit dem Stamm in Stücke zu fällen.
Die Esche sank;
ewig versiegte der Quell!
Fessle ich heut'
an den scharfen Fels das Seil:
singe, Schwester, - dir werf' ich's zu.
Weißt du, wie das wird?

Die dritte Norn

das Seil auffangend und dessen Ende hinter sich werfend
Es ragt die Burg, von Riesen gebaut:
mit der Götter und Helden heiliger Sippe
sitzt dort Wotan im Saal.
Gehau'ner Scheite hohe Schicht
ragt zuhauf rings um die Halle:
die Weltesche war dies einst!
Brennt das Holz
heilig brünstig und hell,
sengt die Glut
sehrend den glänzenden Saal:
der ewigen Götter Ende
dämmert ewig da auf.
Wisset ihr noch,
so windet von neuem das Seil;
von Norden wieder werf' ich's dir nach.
Sie wirft das Seil der zweiten Norn zu

Die zweite Norn

schwingt das Seil der ersten hin, die es vom Zweige löst und es an einen andern Ast wieder anknüpft
Spinne, Schwester, und singe!

Die erste Norn

nach hinten blickend
Dämmert der Tag?
Oder leuchtet die Lohe?
Getrübt trügt sich mein Blick;
nicht hell eracht' ich das heilig Alte,
da Loge einst entbrannte in lichter Brunst.
Weißt du, was aus ihm ward?

Die zweite Norn

das zugeworfene Seil wieder um den Stein windend
Durch des Speeres Zauber
zähmte ihn Wotan;
Räte raunt' er dem Gott.
An des Schaftes Runen,
frei sich zu raten,
nagte zehrend sein Zahn:
da, mit des Speeres
zwingender Spitze
bannte ihn Wotan,
Brünnhildes Fels zu umbrennen.
Weißt du, was aus ihm wird?

Die dritte Norn

das zugeschwungene Seil wieder hinter sich werfend
Des zerschlagnen Speeres
stechende Splitter
taucht einst Wotan
dem Brünstigen tief in die Brust:
zehrender Brand zündet da auf;
den wirft der Gott in der Weltesche
zuhauf geschichtete Scheite.
Sie wirft das Seil zurück, die zweite Norn windet es auf und wirft es der ersten wieder zu

Die zweite Norn

Wollt ihr wissen,
wann das wird?
Schwinget, Schwestern, das Seil!

Die erste Norn

das Seil von neuem anknüpfend
Die Nacht weicht;
nichts mehr gewahr' ich:
des Seiles Fäden find' ich nicht mehr;
verflochten ist das Geflecht.
Ein wüstes Gesicht wirrt mir wütend den Sinn:
das Rheingold raubte Alberich einst:
weißt du, was aus ihm ward?

Die zweite Norn

mit mühevoller Hand das Seil um den zackigen Stein des Gemaches windend
Des Steines Schärfe schnitt in das Seil;
nicht fest spannt mehr der Fäden Gespinst;
verwirrt ist das Geweb'.
Aus Not und Neid
ragt mir des Niblungen Ring:
ein rächender Fluch
nagt meiner Fäden Geflecht.
Weißt du, was daraus wird?

Die dritte Norn

das zugeworfene Seil hastig fassend
Zu locker das Seil, mir langt es nicht.
Soll ich nach Norden neigen das Ende,
straffer sei es gestreckt!
Sie zieht gewaltsam das Seil an: dieses reißt in der Mitte
Es riß!

Die zweite Norn

Es riß!

Die erste Norn

Es riß!
Erschreckt sind die drei Nornen aufgefahren und nach der Mitte der Bühne zusammengetreten: sie fassen die Stücke des zerrissenen Seiles und binden damit ihre Leiber aneinander

Die drei Nornen

Zu End' ewiges Wissen!
Der Welt melden Weise nichts mehr.
Hinab! Zur Mutter! Hinab!
Sie verschwinden
Tagesgrauen. Wachsende Morgenröte, immer schwächeres Leuchten des Feuerscheines aus der Tiefe
Orchesterzwischenspiel. Tagesgrauen - Sonnenaufgang - Heller Tag. Siegfried und Brünnhilde treten aus dem Steingemache auf. Siegfried ist in vollen Waffen, Brünnhilde führt ihr Roß am Zaume

Brünnhilde

Zu neuen Taten, teurer Helde,
wie liebt' ich dich, ließ ich dich nicht?
Ein einzig' Sorgen läßt mich säumen:
daß dir zu wenig mein Wert gewann!
Was Götter mich wiesen, gab ich dir:
heiliger Runen reichen Hort;
doch meiner Stärke magdlichen Stamm
nahm mir der Held, dem ich nun mich neige.
Des Wissens bar, doch des Wunsches voll:
an Liebe reich, doch ledig der Kraft:
mögst du die Arme nicht verachten,
die dir nur gönnen, nicht geben mehr kann!

Siegfried

Mehr gabst du, Wunderfrau,
als ich zu wahren weiß.
Nicht zürne, wenn dein Lehren
mich unbelehret ließ!
Ein Wissen doch wahr' ich wohl:
daß mir Brünnhilde lebt;
eine Lehre lernt' ich leicht:
Brünnhildes zu gedenken!

Brünnhilde

Willst du mir Minne schenken,
gedenke deiner nur,
gedenke deiner Taten:
gedenk' des wilden Feuers,
das furchtlos du durchschrittest,
da den Fels es rings umbrann.

Siegfried

Brünnhilde zu gewinnen!

Brünnhilde

Gedenk' der beschildeten Frau,
die in tiefem Schlaf du fandest,
der den festen Helm du erbrachst.

Siegfried

Brünnhilde zu erwecken!

Brünnhilde

Gedenk' der Eide, die uns einen;
gedenk' der Treue, die wir tragen;
gedenk' der Liebe, der wir leben:
Brünnhilde brennt dann ewig
heilig dir in der Brust!
Sie umarmt Siegfried

Siegfried

Laß ich, Liebste, dich hier
in der Lohe heiliger Hut;
Er hat den Ring Alberichs von seinem Finger gezogen und reicht ihn jetzt Brünnhilde dar
zum Tausche deiner Runen
reich' ich dir diesen Ring.
Was der Taten je ich schuf,
des Tugend schließt er ein.
Ich erschlug einen wilden Wurm,
der grimmig lang' ihn bewacht.
Nun wahre du seine Kraft
als Weihegruß meiner Treu'!

Brünnhilde

voll Entzücken den Ring sich ansteckend
Ihn geiz' ich als einziges Gut!
Für den Ring nimm nun auch mein Roß!
Ging sein Lauf mit mir
einst kühn durch die Lüfte,
mit mir verlor es die mächt'ge Art;
über Wolken hin auf blitzenden Wettern
nicht mehr schwingt es sich mutig des Wegs;
doch wohin du ihn führst,
- sei es durchs Feuer -
grauenlos folgt dir Grane;
denn dir, o Helde,
soll er gehorchen!
Du hüt' ihn wohl;
er hört dein Wort:
o bringe Grane oft Brünnhildes Gruß!

Siegfried

Durch deine Tugend allein
soll so ich Taten noch wirken?
Meine Kämpfe kiesest du,
meine Siege kehren zu dir:
auf deines Rosses Rücken,
in deines Schildes Schirm,
nicht Siegfried acht' ich mich mehr,
ich bin nur Brünnhildes Arm.

Brünnhilde

O wäre Brünnhild' deine Seele!

Siegfried

Durch sie entbrennt mir der Mut.

Brünnhilde

So wärst du Siegfried und Brünnhild'?

Siegfried

Wo ich bin, bergen sich beide.

Brünnhilde

lebhaft
So verödet mein Felsensaal?

Siegfried

Vereint, faßt er uns zwei!

Brünnhilde

in großer Ergriffenheit
O heilige Götter!
Hehre Geschlechter!
Weidet eu'r Aug' an dem weihvollen Paar!
Getrennt - wer will es scheiden?
Geschieden - trennt es sich nie!

Siegfried

Heil dir, Brünnhilde, prangender Stern!
Heil, strahlende Liebe!

Brünnhilde

Heil dir, Siegfried, siegendes Licht!
Heil, strahlendes Leben!

Beide

Heil! Heil! Heil! Heil!
Siegfried geleitet schnell das Roß dem Felsenabhange zu, wohin ihm Brünnhilde folgt. Siegfried ist mit dem Rosse hinter dem Felsenvorsprunge abwärts verschwunden, so daß der Zuschauer ihn nicht mehr sieht: Brünnhilde steht so plötzlich allein am Abhange und blickt Siegfried in die Tiefe nach. Man hört Siegfrieds Horn aus der Tiefe. Brünnhilde lauscht. Sie tritt weiter auf den Abhang hinaus und erblickt Siegfried nochmals in der Tiefe: sie winkt ihm mit entzückter Gebärde zu. Aus ihrem freudigen Lächeln deutet sich der Anblick des lustig davonziehenden Helden. Der Vorhang fällt schnell. Das Orchester nimmt die Weise des Hornes auf und führt sie in einem kräftigen Satze durch. Darauf beginnt sogleich der erste Aufzug
Die Halle der Gibichungen am Rhein. Diese ist dem Hintergrunde zu ganz offen; den Hintergrund selbst nimmt ein freier Uferraum bis zum Flusse hin ein; felsige Anhöhen umgrenzen das Ufer. Gunther und Gutrune auf dem Hochsitze zur Seite, vor welchem ein Tisch mit Trinkgerät steht; davor sitzt Hagen

Gunther

Nun hör', Hagen, sage mir, Held:
sitz' ich herrlich am Rhein,
Gunther zu Gibichs Ruhm?

Hagen

Dich echt genannten acht' ich zu neiden:
die beid' uns Brüder gebar,
Frau Grimhild' hieß mich's begreifen.

Gunther

Dich neide ich: nicht neide mich du!
Erbt' ich Erstlingsart,
Weisheit ward dir allein:
Halbbrüderzwist bezwang sich nie besser.
Deinem Rat nur red' ich Lob,
frag' ich dich nach meinem Ruhm.

Hagen

So schelt' ich den Rat,
da schlecht noch dein Ruhm;
denn hohe Güter weiß ich,
die der Gibichung noch nicht gewann.

Gunther

Verschwiegest du sie,
so schelt' auch ich.

Hagen

In sommerlich reifer Stärke
seh' ich Gibichs Stamm,
dich, Gunther, unbeweibt,
dich, Gutrun', ohne Mann.
Gunther und Gutrune sind in schweigendes Sinnen verloren

Gunther

Wen rätst du nun zu frein,
daß unsrem Ruhm' es fromm'?

Hagen

Ein Weib weiß ich,
das herrlichste der Welt:
auf Felsen hoch ihr Sitz;
ein Feuer umbrennt ihren Saal;
nur wer durch das Feuer bricht,
darf Brünnhildes Freier sein.

Gunther

Vermag das mein Mut zu bestehn?

Hagen

Einem Stärkren noch ist's nur bestimmt.

Gunther

Wer ist der streitlichste Mann?

Hagen

Siegfried, der Wälsungen Sproß:
der ist der stärkste Held.
Ein Zwillingspaar,
von Liebe bezwungen,
Siegmund und Sieglinde,
zeugten den echtesten Sohn.
Der im Walde mächtig erwuchs,
den wünsch' ich Gutrun' zum Mann.

Gutrune

schüchtern beginnend
Welche Tat schuf er so tapfer,
daß als herrlichster Held er genannt?

Hagen

Vor Neidhöhle den Niblungenhort
bewachte ein riesiger Wurm:
Siegfried schloß ihm den freislichen Schlund,
erschlug ihn mit siegendem Schwert.
Solch ungeheurer Tat
enttagte des Helden Ruhm.

Gunther

in Nachsinnen
Vom Niblungenhort vernahm ich:
er birgt den neidlichsten Schatz?

Hagen

Wer wohl ihn zu nützen wüßt',
dem neigte sich wahrlich die Welt.

Gunther

Und Siegfried hat ihn erkämpft?

Hagen

Knecht sind die Niblungen ihm.

Gunther

Und Brünnhild' gewänne nur er?

Hagen

Keinem andren wiche die Brunst.

Gunther

unwillig sich vom Sitze erhebend
Wie weckst du Zweifel und Zwist!
Was ich nicht zwingen soll,
darnach zu verlangen machst du mir Lust?
Er schreitet bewegt in der Halle auf und ab. Hagen, ohne seinen Sitz zu verlassen, hält Gunther, als dieser wieder in seine Nähe kommt, durch einen geheimnisvollen Wink fest.

Hagen

Brächte Siegfried die Braut dir heim,
wär' dann nicht Brünnhilde dein?

Gunther

wendet sich wieder zweifelnd und unmutig ab
Was zwänge den frohen Mann,
für mich die Braut zu frein?

Hagen

wie vorher
Ihn zwänge bald deine Bitte,
bänd' ihn Gutrun' zuvor.

Gutrune

Du Spötter, böser Hagen!
Wie sollt' ich Siegfried binden?
Ist er der herrlichste Held der Welt,
der Erde holdeste Frauen
friedeten längst ihn schon.

Hagen

sehr vertraulich zu Gutrune hinneigend
Gedenk' des Trankes im Schrein;
heimlicher
vertraue mir, der ihn gewann:
den Helden, des du verlangst,
bindet er liebend an dich.
Gunther ist wieder an den Tisch getreten und hört, auf ihn gelehnt, jetzt aufmerksam zu
Träte nun Siegfried ein,
genöss' er des würzigen Tranks,
daß vor dir ein Weib er ersah,
daß je ein Weib ihm genaht,
vergessen müßt' er des ganz.
Nun redet: wie dünkt euch Hagens Rat?

Gunther

lebhaft auffahrend
Gepriesen sei Grimhild',
die uns den Bruder gab!

Gutrune

Möcht' ich Siegfried je ersehn!

Gunther

Wie suchten wir ihn auf?
Ein Horn auf dem Theater klingt aus dem Hintergrunde von links her. Hagen lauscht

Hagen

Jagt er auf Taten wonnig umher,
zum engen Tann wird ihm die Welt:
wohl stürmt er in rastloser Jagd
auch zu Gibichs Strand an den Rhein.

Gunther

Willkommen hieß' ich ihn gern!
Horn auf dem Theater, näher, aber immer noch fern. Beide lauschen
Vom Rhein ertönt das Horn.

Hagen

ist an das Ufer gegangen, späht den Fluß hinab und ruft zurück
In einem Nachen Held und Roß!
Der bläst so munter das Horn!
Gunther bleibt auf halbem Wege lauschend zurück
Ein gemächlicher Schlag,
wie von müßiger Hand,
treibt jach den Kahn wider den Strom;
so rüstiger Kraft in des Ruders Schwung
rühmt sich nur der, der den Wurm erschlug.
Siegfried ist es, sicher kein andrer!

Gunther

Jagt er vorbei?

Hagen

durch die hohlen Hände nach dem Flusse rufend
Hoiho! Wohin,
du heitrer Held?

SiegfriedS Stimme

aus der Ferne, vom Flusse her
Zu Gibichs starkem Sohne.

Hagen

Zu seiner Halle entbiet' ich dich.
Siegfried erscheint im Kahn am Ufer
Hieher! Hier lege an! Siegfried legt mit dem Kahne an und springt, nachdem Hagen den Kahn mit der Kette am Ufer festgeschlossen hat, mit dem Rosse auf den Strand

Hagen

Heil! Siegfried, teurer Held!
Gunther ist zu Hagen an das Ufer getreten. Gutrune blickt vom Hochsitze aus in staunender Bewunderung auf Siegfried. Gunther will freundlichen Gruß bieten. Alle sind in gegenseitiger stummer Betrachtung gefesselt

Siegfried

auf sein Roß gelehnt, bleibt ruhig am Kahne stehen
Wer ist Gibichs Sohn?

Gunther

Gunther, ich, den du suchst.

Siegfried

Dich hört' ich rühmen weit am Rhein:
nun ficht mit mir, oder sei mein Freund!

Gunther

Laß den Kampf!
Sei willkommen!

Siegfried

sieht sich ruhig um
Wo berg' ich mein Roß?

Hagen

Ich biet' ihm Rast.

Siegfried

zu Hagen gewendet
Du riefst mich Siegfried:
sahst du mich schon?

Hagen

Ich kannte dich nur an deiner Kraft.

Siegfried

indem er an Hagen das Roß übergibt
Wohl hüte mir Grane! Du hieltest nie
von edlerer Zucht am Zaume ein Roß.
Hagen führt das Roß rechts hinter die Halle ab. Während Siegfried ihm gedankenvoll nachblickt, entfernt sich auch Gutrune, durch einen Wink Hagens bedeutet, von Siegfried unbemerkt, nach links durch eine Tür in ihr Gemach
Gunther schreitet mit Siegfried, den er dazu einlädt, in die Halle vor

Gunther

Begrüße froh, o Held,
die Halle meines Vaters;
wohin du schreitest,
was du ersiehst,
das achte nun dein Eigen:
dein ist mein Erbe, Land und Leut',
hilf, mein Leib, meinem Eide!
Mich selbst geb' ich zum Mann.

Siegfried

Nicht Land noch Leute biete ich,
noch Vaters Haus und Hof:
einzig erbt' ich den eignen Leib;
lebend zehr' ich den auf.
Nur ein Schwert hab' ich,
selbst geschmiedet:
hilf, mein Schwert, meinem Eide!
Das biet' ich mit mir zum Bund.

Hagen

der zurückgekommen ist und jetzt hinter Siegfried steht
Doch des Niblungenhortes
nennt die Märe dich Herrn?

Siegfried

sich zu Hagen umwendend
Des Schatzes vergaß ich fast:
so schätz' ich sein müß'ges Gut!
In einer Höhle ließ ich's liegen,
wo ein Wurm es einst bewacht'.

Hagen

Und nichts entnahmst du ihm?

Siegfried

auf das stählerne Netzgewirk deutend, das er im Gürtel hängen hat
Dies Gewirk, unkund seiner Kraft.

Hagen

Den Tarnhelm kenn' ich,
der Niblungen künstliches Werk:
er taugt, bedeckt er dein Haupt,
dir zu tauschen jede Gestalt;
verlangt dich's an fernsten Ort,
er entführt flugs dich dahin.
Sonst nichts entnahmst du dem Hort?

Siegfried

Einen Ring.

Hagen

Den hütest du wohl?

Siegfried

Den hütet ein hehres Weib.

Hagen

für sich
Brünnhild'!...

Gunther

Nicht, Siegfried, sollst du mir tauschen:
Tand gäb' ich für dein Geschmeid,
nähmst all' mein Gut du dafür.
Ohn' Entgelt dien' ich dir gern.
Hagen ist zu Gutrunes Türe gegangen und öffnet sie jetzt. Gutrune tritt heraus, sie trägt ein gefülltes Trinkhorn und naht damit Siegfried

Gutrune

Willkommen, Gast, in Gibichs Haus!
Seine Tochter reicht dir den Trank.

Siegfried

neigt sich ihr freundlich und ergreift das Horn; er hält es gedankenvoll vor sich hin und sagt leise
Vergäß' ich alles, was du mir gabst,
von einer Lehre lass' ich doch nie:
den ersten Trunk zu treuer Minne,
Brünnhilde, bring' ich dir!
Er setzt das Trinkhorn an und trinkt in einem langen Zuge. Er reicht das Horn an Gutrune zurück, die verschämt und verwirrt ihre Augen vor ihm niederschlägt

Siegfried

heftet den Blick mit schnell entbrannter Leidenschaft auf sie
Die so mit dem Blitz den Blick du mir sengst,
was senkst du dein Auge vor mir?
Gutrune schlägt errötend das Auge zu ihm auf

Siegfried

Ha, schönstes Weib!
Schließe den Blick;
das Herz in der Brust
brennt mir sein Strahl:
zu feurigen Strömen fühl' ich
ihn zehrend zünden mein Blut!
mit bebender Stimme
Gunther, wie heißt deine Schwester?

Gunther

Gutrune.

Siegfried

leise
Sind's gute Runen,
die ihrem Aug' ich entrate?
Er faßt Gutrune mit feurigem Ungestüm bei der Hand
Deinem Bruder bot ich mich zum Mann:
der Stolze schlug mich aus;
trügst du, wie er, mir Übermut,
böt' ich mich dir zum Bund?
Gutrune trifft unwillkürlich auf Hagens Blick. Sie neigt demütig das Haupt, und mit einer Gebärde, als fühle sie sich seiner nicht wert, verläßt sie schwankenden Schrittes wieder die Halle

Siegfried

von Hagen und Gunther aufmerksam beobachtet, blickt ihr, wie festgezaubert, nach; dann, ohne sich umzuwenden, fragt er):
Hast du, Gunther, ein Weib?

Gunther

Nicht freit' ich noch,
und einer Frau soll ich mich schwerlich freun!
Auf eine setzt' ich den Sinn,
die kein Rat mir je gewinnt.

Siegfried

wendet sich lebhaft zu Gunther
Was wär' dir versagt, steh' ich zu dir?

Gunther

Auf Felsen hoch ihr Sitz -

Siegfried

mit verwunderungsvoller Hast einfallend
"Auf Felsen hoch ihr Sitz;"

Gunther

ein Feuer umbrennt den Saal -

Siegfried

"ein Feuer umbrennt den Saal"... ?

Gunther

Nur wer durch das Feuer bricht -

Siegfried

mit der heftigsten Anstrengung, um eine Erinnerung festzuhalten
"Nur wer durch das Feuer bricht"... ?

Gunther

- darf Brünnhildes Freier sein.
Siegfried drückt durch eine Gebärde aus, daß bei Nennung von Brünnhildes Namen die Erinnerung ihm vollends ganz schwindet

Gunther

Nun darf ich den Fels nicht erklimmen;
das Feuer verglimmt mir nie!

Siegfried

kommt aus einem traumartigen Zustand zu sich und wendet sich mit übermütiger Lustigkeit zu Gunther
Ich - fürchte kein Feuer,
für dich frei ich die Frau;
denn dein Mann bin ich,
und mein Mut ist dein,
gewinn' ich mir Gutrun' zum Weib.

Gunther

Gutrune gönn' ich dir gerne.

Siegfried

Brünnhilde bring' ich dir.

Gunther

Wie willst du sie täuschen?

Siegfried

Durch des Tarnhelms Trug
tausch' ich mir deine Gestalt.

Gunther

So stelle Eide zum Schwur!

Siegfried

Blut-Brüderschaft schwöre ein Eid!
Hagen füllt ein Trinkhorn mit frischem Wein; dieses hält er dann Siegfried und Gunther hin, welche sich mit ihren Schwertern die Arme ritzen und diese eine kurze Zeit über die Öffnung des Trinkhornes halten
Siegfried und Gunther legen zwei ihrer Finger auf das Horn, welches Hagen fortwährend in ihrer Mitte hält

Siegfried

Blühenden Lebens labendes Blut
träufelt' ich in den Trank.

Gunther

Bruder-brünstig mutig gemischt,
blüh' im Trank unser Blut.

BEIDE

Treue trink' ich dem Freund.
Froh und frei entblühe dem Bund,
Blut-Brüderschaft heut'!

Gunther

Bricht ein Bruder den Bund,

Siegfried

Trügt den Treuen der Freund,

BEIDE

Was in Tropfen heut' hold wir tranken,
in Strahlen ström' es dahin,
fromme Sühne dem Freund!

Gunther

trinkt und reicht das Horn Siegfried
So - biet' ich den Bund.

Siegfried

So - trink' ich dir Treu'!
Er trinkt und hält das geleerte Trinkhorn Hagen hin. Hagen zerschlägt mit seinem Schwerte das Horn in zwei Stücke. Siegfried und Gunther reichen sich die Hände

Siegfried

betrachtet Hagen, welcher während des Schwures hinter ihm gestanden
Was nahmst du am Eide nicht teil?

Hagen

Mein Blut verdürb' euch den Trank;
nicht fließt mir's echt und edel wie euch;
störrisch und kalt stockt's in mir;
nicht will's die Wange mir röten.
Drum bleibt ich fern vom feurigen Bund.

Gunther

zu Siegfried
Laß den unfrohen Mann!

Siegfried

hängt sich den Schild wieder über
Frisch auf die Fahrt!
Dort liegt mein Schiff;
schnell führt es zum Felsen.
Er tritt näher zu Gunther und bedeutet diesen
Eine Nacht am Ufer harrst du im Nachen;
die Frau fährst du dann heim.
Er wendet sich zum Fortgehen und winkt Gunther, ihm zu folgen

Gunther

Rastest du nicht zuvor?

Siegfried

Um die Rückkehr ist mir's jach!
Er geht zum Ufer, um das Schiff loszubinden

Gunther

Du, Hagen, bewache die Halle!
Er folgt Siegfried zum Ufer. - Während Siegfried und Gunther, nachdem sie ihre Waffen darin niedergelegt, im Schiff das Segel aufstecken und alles zur Abfahrt bereit machen, nimmt Hagen seinen Speer und Schild
Gutrune erscheint an der Tür ihres Gemachs, als soeben Siegfried das Schiff abstößt, welches sogleich der Mitte des Stromes zutreibt

Gutrune

Wohin eilen die Schnellen?

Hagen

während er sich gemächlich mit Schild und Speer vor der Halle niedersetzt
Zu Schiff - Brünnhild' zu frein.

Gutrune

Siegfried?

Hagen

Sieh', wie's ihn treibt,
zum Weib dich zu gewinnen!

Gutrune

Siegfried - mein!
Sie geht, lebhaft erregt, in ihr Gemach zurück
Siegfried hat das Ruder erfaßt und treibt jetzt mit dessen Schlägen den Nachen stromabwärts, so daß dieser bald gänzlich außer Gesicht kommt

Hagen

sitzt mit dem Rücken an den Pfosten der Halle gelehnt, bewegungslos
Hier sitz' ich zur Wacht, wahre den Hof,
wehre die Halle dem Feind.
Gibichs Sohne wehet der Wind,
auf Werben fährt er dahin.
lhm führt das Steuer ein starker Held,
Gefahr ihm will er bestehn:
Die eigne Braut ihm bringt er zum Rhein;
mir aber bringt er - den Ring!
Ihr freien Söhne, frohe Gesellen,
segelt nur lustig dahin!
Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch,
des Niblungen Sohn.
Ein Teppich, welcher dem Vordergrunde zu die Halle einfaßte, schlägt zusammen und schließt die Bühne vor dem Zuschauer ab. Nachdem während eines kurzen Orchester-Zwischenspieles der Schauplatz verwandelt ist, wird der Teppich gänzlich aufgezogen
Die Felsenhöhle (wie im Vorspiel). Brünnhilde sitzt am Eingange des Steingemaches, in stummen Sinnen Siegfrieds Ring betrachtend; von wonniger Erinnerung überwältigt, bedeckt sie ihn mit Küssen. Ferner Donner läßt sich vernehmen, sie blickt auf und lauscht. Dann wendet sie sich wieder zu dem Ring. Ein feuriger Blitz. Sie lauscht von neuem und späht nach der Ferne, von woher eine finstre Gewitterwolke dem Felsensaume zuzieht

Brünnhilde

Altgewohntes Geräusch
raunt meinem Ohr die Ferne.
Ein Luftroß jagt im Laufe daher;
auf der Wolke fährt es wetternd zum Fels.
Wer fand mich Einsame auf?

WaltrauteS Stimme

aus der Ferne
Brünnhilde! Schwester!
Schläfst oder wachst du?

Brünnhilde

fährt vom Sitze auf
Waltrautes Ruf, so wonnig mir kund!
in die Szene rufend
Kommst du, Schwester?
Schwingst dich kühn zu mir her?
Sie eilt nach dem Felsrande
Dort im Tann
- dir noch vertraut -
steige vom Roß
und stell' den Renner zur Rast!
Sie stürmt in den Tann, von wo ein starkes Geräusch, gleich einem Gewitterschlage, sich vernehmen läßt. Dann kommt sie in heftiger Bewegung mit Waltraute zurück; sie bleibt freudig erregt, ohne Waltrautes ängstliche Scheu zu beachten
Kommst du zu mir?
Bist du so kühn,
magst ohne Grauen
Brünnhild' bieten den Gruß?

Waltraute

Einzig dir nur galt meine Eil'!

Brünnhilde

in höchster freudiger Aufgeregtheit
So wagtest du, Brünnhild' zulieb,
Walvaters Bann zu brechen?
Oder wie - o sag' -
wär' wider mich Wotans Sinn erweicht?
Als dem Gott entgegen Siegmund ich schützte,
fehlend - ich weiß es -
erfüllt' ich doch seinen Wunsch.
Daß sein Zorn sich verzogen,
weiß ich auch;
denn verschloß er mich gleich in Schlaf,
fesselt' er mich auf den Fels,
wies er dem Mann mich zur Magd,
der am Weg mich fänd' und erweckt',
meiner bangen Bitte doch gab er Gunst:
mit zehrendem Feuer umzog er den Fels,
dem Zagen zu wehren den Weg.
So zur Seligsten schuf mich die Strafe:
der herrlichste Held
gewann mich zum Weib!
In seiner Liebe leucht' und lach' ich heut' auf.
Sie umarmt Waltraute unter stürmischen Freudenbezeigungen, welche diese mit scheuer Ungeduld abzuwehren sucht
Lockte dich, Schwester, mein Los?
An meiner Wonne willst du dich weiden,
teilen, was mich betraf?

Waltraute

heftig
Teilen den Taumel, der dich Törin erfaßt?
Ein andres bewog mich in Angst,
zu brechen Wotans Gebot.
Brünnhilde gewahrt hier erst mit Befremdung die wildaufgeregte Stimmung Waltrautes

Brünnhilde

Angst und Furcht fesseln dich Arme?
So verzieh der Strenge noch nicht?
Du zagst vor des Strafenden Zorn?

Waltraute

düster
Dürft' ich ihn fürchten,
meiner Angst fänd' ich ein End'!

Brünnhilde

Staunend versteh' ich dich nicht!

Waltraute

Wehre der Wallung:
achtsam höre mich an!
Nach Walhall wieder
drängt mich die Angst,
die von Walhall hierher mich trieb.

Brünnhilde

erschrocken
Was ist's mit den ewigen Göttern?

Waltraute

Höre mit Sinn, was ich dir sage!
Seit er von dir geschieden,
zur Schlacht nicht mehr schickte uns Wotan;
irr und ratlos ritten wir ängstlich zu Heer;
Walhalls mutige Helden mied Walvater.
Einsam zu Roß, ohne Ruh' noch Rast,
durchschweift er als Wandrer die Welt.
Jüngst kehrte er heim;
in der Hand hielt er seines Speeres Splitter:
die hatte ein Held ihm geschlagen.
Mit stummem Wink Walhalls Edle
wies er zum Forst, die Weltesche zu fällen.
Des Stammes Scheite hieß er sie schichten
zu ragendem Hauf rings um der Seligen Saal.
Der Götter Rat ließ er berufen;
den Hochsitz nahm heilig er ein:
ihm zu Seiten hieß er die Bangen sich setzen,
in Ring und Reih' die Hall' erfüllen die Helden.
So sitzt er, sagt kein Wort,
auf hehrem Sitze stumm und ernst,
des Speeres Splitter fest in der Faust;
Holdas Äpfel rührt er nicht an.
Staunen und Bangen binden starr die Götter.
Seine Raben beide sandt' er auf Reise:
kehrten die einst mit guter Kunde zurück,
dann noch einmal - zum letztenmal -
lächelte ewig der Gott.
Seine Knie umwindend, liegen wir Walküren;
blind bleibt er den flehenden Blicken;
uns alle verzehrt Zagen und endlose Angst.
An seine Brust preßt' ich mich weinend:
da brach sich sein Blick -
er gedachte, Brünnhilde, dein'!
Tief seufzt' er auf, schloß das Auge,
und wie im Traume
raunt' er das Wort:
"Des tiefen Rheines Töchtern
gäbe den Ring sie wieder zurück,
von des Fluches Last
erlöst wär' Gott und Welt!"
Da sann ich nach: von seiner Seite
durch stumme Reihen stahl ich mich fort;
in heimlicher Hast bestieg ich mein Roß
und ritt im Sturme zu dir.
Dich, o Schwester, beschwör' ich nun:
was du vermagst, vollend' es dein Mut!
Ende der Ewigen Qual!
Sie hat sich vor Brünnhilde niedergeworfen

Brünnhilde

ruhig
Welch' banger Träume Mären
meldest du Traurige mir!
Der Götter heiligem Himmelsnebel
bin ich Törin enttaucht:
nicht faß ich, was ich erfahre.
Wirr und wüst scheint mir dein Sinn;
in deinem Aug' - so übermüde -
glänzt flackernde Glut.
Mit blasser Wange, du bleiche Schwester,
was willst du Wilde von mir?

Waltraute

heftig
An deiner Hand, der Ring,
er ist's; - hör' meinen Rat:
für Wotan wirf ihn von dir!

Brünnhilde

Den Ring? - Von mir?

Waltraute

Den Rheintöchtern gib ihn zurück!

Brünnhilde

Den Rheintöchtern - ich - den Ring?
Siegfrieds Liebespfand?
Bist du von Sinnen?

Waltraute

Hör' mich! Hör' meine Angst!
Der Welt Unheil haftet sicher an ihm.
Wirf ihn von dir, fort in die Welle!
Walhalls Elend zu enden,
den verfluchten wirf in die Flut!

Brünnhilde

Ha! Weißt du, was er mir ist?
Wie kannst du's fassen, fühllose Maid!
Mehr als Walhalls Wonne,
mehr als der Ewigen Ruhm
ist mir der Ring:
ein Blick auf sein helles Gold,
ein Blitz aus dem hehren Glanz
gilt mir werter
als aller Götter ewig währendes Glück!
Denn selig aus ihm leuchtet mir Siegfrieds Liebe:
Siegfrieds Liebe!
O ließ' sich die Wonne dir sagen!
Sie - wahrt mir der Reif.
Geh' hin zu der Götter heiligem Rat!
Von meinem Ringe raune ihnen zu:
die Liebe ließe ich nie,
mir nähmen nie sie die Liebe,
stürzt' auch in Trümmern
Walhalls strahlende Pracht!

Waltraute

Dies deine Treue?
So in Trauer
entlässest du lieblos die Schwester?

Brünnhilde

Schwinge dich fort!
Fliege zu Roß!
Den Ring entführst du mir nicht!

Waltraute

Wehe! Wehe!
Weh' dir, Schwester!
Walhalls Göttern weh'!
Sie stürzt fort. Bald erhebt sich unter Sturm eine Gewitterwolke aus dem Tann

Brünnhilde

während sie der davonjagenden, hell erleuchteten Gewitterwolke, die sich bald gänzlich in der Ferne verliert, nachblickt
Blitzend Gewölk,
vom Wind getragen,
stürme dahin:
zu mir nie steure mehr her!
Es ist Abend geworden. Aus der Tiefe leuchtet der Feuerschein allmählich heller auf. Brünnhilde blickt ruhig in die Landschaft hinaus
Abendlich Dämmern deckt den Himmel;
heller leuchtet die hütende Lohe herauf.
Der Feuerschein nähert sich aus der Tiefe. Immer glühendere Flammenzungen lecken über den Felsensaum auf
Was leckt so wütend
die lodernde Welle zum Wall?
Zur Felsenspitze wälzt sich der feurige Schwall.
Man hört aus der Tiefe Siegfrieds Hornruf nahen. Brünnhilde lauscht und fährt entzückt auf
Siegfried! Siegfried zurück?
Seinen Ruf sendet er her!
Auf! - Auf! Ihm entgegen!
In meines Gottes Arm!
Sie eilt in höchstem Entzücken dem Felsrande zu. Feuerflammen schlagen herauf: aus ihnen springt Siegfried auf einen hochragenden Felsstein empor, worauf die Flammen sogleich wieder zurückweichen und abermals nur aus der Tiefe heraufleuchten. Siegfried, auf dem Haupte den Tarnhelm, der ihm bis zur Hälfte das Gesicht verdeckt und nur die Augen freiläßt, erscheint in Gunthers Gestalt

Brünnhilde

voll Entsetzen zurückweichend
Verrat! Wer drang zu mir?
Sie flieht bis in den Vordergrund und heftet von da aus in sprachlosem Erstaunen ihren Blick auf Siegfried

Siegfried

im Hintergrunde auf dem Steine verweilend, betrachtet sie lange, regungslos auf seinen Schild gelehnt; dann redet er sie mit verstellter - tieferer - Stimme an
Brünnhild'! Ein Freier kam,
den dein Feuer nicht geschreckt.
Dich werb' ich nun zum Weib:
du folge willig mir!

Brünnhilde

heftig zitternd
Wer ist der Mann,
der das vermochte,
was dem Stärksten nur bestimmt?

Siegfried

unverändert wie zuvor
Ein Helde, der dich zähmt,
bezwingt Gewalt dich nur.

Brünnhilde

von Grausen erfaßt
Ein Unhold schwang sich auf jenen Stein!
Ein Aar kam geflogen,
mich zu zerfleischen!
Wer bist du, Schrecklicher?
Langes Schweigen
Stammst du von Menschen?
Kommst du von Hellas nächtlichem Heer?

Siegfried

wie zuvor, mit etwas bebender Stimme beginnend, alsbald aber wieder sicherer fortfahrend
Ein Gibichung bin ich,
und Gunther heißt der Held,
dem, Frau, du folgen sollst.

Brünnhilde

in Verzweiflung ausbrechend
Wotan! Ergrimmter, grausamer Gott!
Weh'! Nun erseh' ich der Strafe Sinn:
zu Hohn und Jammer jagst du mich hin!

Siegfried

springt vom Stein herab und tritt näher heran
Die Nacht bricht an:
in diesem Gemach
mußt du dich mir vermählen!

Brünnhilde

indem sie den Finger, an dem sie Siegfrieds Ring trägt, drohend ausstreckt
Bleib' fern! Fürchte dies Zeichen!
Zur Schande zwingst du mich nicht,
solang' der Ring mich beschützt.

Siegfried

Mannesrecht gebe er Gunther,
durch den Ring sei ihm vermählt!

Brünnhilde

Zurück, du Räuber!
Frevelnder Dieb!
Erfreche dich nicht, mir zu nahn!
Stärker als Stahl macht mich der Ring:
nie - raubst du ihn mir!

Siegfried

Von dir ihn zu lösen,
lehrst du mich nun!
Er dringt auf sie ein; sie ringen miteinander. Brünnhilde windet sich los, flieht und wendet sich um, wie zur Wehr. Siegfried greift sie von neuem an. Sie flieht, er erreicht sie. Beide ringen heftig miteinander. Er faßt sie bei der Hand und entzieht ihrem Finger den Ring. Sie schreit heftig auf. Als sie wie zerbrochen in seinen Armen niedersinkt, streift ihr Blick bewußtlos die Augen Siegfrieds

Siegfried

läßt die Machtlose auf die Steinbank vor dem Felsengemach niedergleiten
Jetzt bist du mein,
Brünnhilde, Gunthers Braut. -
Gönne mir nun dein Gemach!

Brünnhilde

starrt ohnmächtig vor sich hin, matt
Was könntest du wehren, elendes Weib!
Siegfried treibt sie mit einer gebietenden Bewegung an. Zitternd und wankenden Schrittes geht sie in das Gemach

Siegfried

das Schwert ziehend, mit seiner natürlichen Stimme
Nun, Notung, zeuge du,
daß ich in Züchten warb.
Die Treue wahrend dem Bruder,
trenne mich von seiner Braut!
Er folgt Brünnhilde
Der Vorhang fällt

 


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2:10:12 PM, 14 July 2014
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