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Zweiter Akt
Vorspiel ‘Herzensgebot
Erste Szene
Gemach in der Burg; großes doppelteiliges Fenster mit
Altan. Blick auf Bäume und Dächer.
(Konrad und Hiltrud spielen Schach.)
Hiltrud
Aber Männchen, du
Zerstreuter –
Du sinnst und
spielst nicht weiter:
Wer heut verliert,
gibt dem andern viel:
Vergaßt du des
Spieles Ziel?
Konrad
Da hört!
Ein Siegespreis,
Von dem ich nichts
weiß?
Hiltrud
Hie Helferich, hie
Adalbert,
Wird dem Sieger vom
Feind beschert!
Konrad
Ei ei! Entschieden
durchs Schach!
Daß ich nur drob
nicht höhn und lach!
Hiltrud
Tourney! Das ist
wohl edlere Art,
Wie man ein Pärchen
paart?
(Sie spielen weiter; Hiltrud hält plötzlich an.)
Hör’!
Christoph will uns
bald verlassen;
Du seist zu barsch,
er könnt’s nicht ertragen.
Was reizt dich der
Treue zu wildem Hassen?
Konrad
(weiterspielend)
Verdammter Bauer!
Feig und träg,
Stehst dem König
dort im Weg!
Hiltrud
Jetzt naht im Sturm
Um die Ecke der
Turm.
Konrad
Ein behäbiger Wicht,
Doch stört er mich
nicht!
Hiltrud
(unterbrechend)
Der arme Herbert! Um
ihn mich’s reut!
Konrad
Mir scheint: Frau Hiltrud
ist zerstreut!
Hiltrud
Der Neider hatte er
zwar viele:
Doch Mord, wen
schauert’s nicht davor!
(Konrad steht plötzlich auf; er will zur Türe, bleibt
aber sinnend stehen.)
Hiltrud
Was suchst du?
Konrad
(leise vor sich hin)
Der Brief!
(Christoph tritt ein. Konrad faßt ihn heftig am Arm und
sieht ihm forschend ins Auge.)
Konrad
Kannst du mir ins
Auge schau’n?
Christoph
So gut wie
and’re schon auch!
Konrad
(hastig)
Ging ein Bote nach
Nürnberg?
Christoph
Ich weiß von nichts.
Konrad
Was willst du dann?
Christoph
(verlegen)
Verzeihung –
der Kurzbold –
Konrad
Der Kurzbold?
Christoph
Er fragt, ob er dich
sehen könnte –
Ach Herr – der
Dreiste!
Konrad
Zager Alter, sprich
rasch!
Christoph
Er möcht’ gern
nah beseh’n, –
Er muß verrückt
sein! –
Schlag’ mich
lieber, als daß ich’s sag’!
Konrad
Sprechen sollst du!
Christoph
Ob du –
Ob du nicht auch
einen Buckel hättest!
Konrad
(auflachend)
Gewiß! Sag’
ihm das:
Ein jeder hätte
seinen Buckel!
Meiner säß im Hirn!
(Christoph geht zögernd ab.)
Hitrud
Das läßt du dich
fragen?
Wer ist der
grausliche Kauz?
Konrad
(setzt sich wieder und spielt weiter)
Misch dich nicht in
fremde Dinge!
(ironisch)
Daß alles stets im
Haus gelinge,
Das lieg’ euch
Frauen mehr am Herzen!
Hiltrud
(lächelnd)
‘s ist wahr!
Nur zum Flicken und
Sticken,
Kochen und Braten
Wären wir Weiber gut
geraten!
Gewiß!
Zu flicken, was ihr
nimmer vereint!
Zu sticken Gewebe
der Freundschaft dem Feind!
Wo ihr Schnellen
Geduld verliert,
Weib recht langsam, langsam
rührt!
Sie rührt und
quirlt, bis es euch erweicht:
Wann hätten wir
nicht alles erreicht!
Trauter, trau!
Und glaub’
daran:
Klüger als der
klügste Mann
Ist selbst noch die
dümmste Frau!
Und Adalbert wird
dein Eidam werden,
Du magst dich auch
trotzig gebärden!
Nütz’ ihn als
Freund!
Fürcht’ ihn
als Feind!
Konrad
Aus Furcht
gäb’ ich mein Kind ihm hin?
Hiltrud
Vernunft,
begreif’, bringt Gewinn!
Konrad
Wenn er im
Kampfspiel erliegt,
Geschlagen, hätte er
dennoch gesiegt?
Hiltrud
Wache! König! Wach!
Die Königin droht
Schach!
Sie naht! Die Kühne,
sie naht!
Versperrt ist dir
der Pfad!
Kein Bauer, kein
Läufer, kein Reiter dich schützt,
Eingekerkert dein
Helferich sitzt!
Siegreich jubelnd
höhn’ ich:
Schach und matt dein
armer König!
Konrad
(heftig aufbrausend, schlägt auf das Brett, so daß die
Figuren zu Boden fallen)
Ja! Schach und matt!
Schacher! Verrat!
Schach und Schmach!
Lieg’ ich
brach!
Reiß ihm die Krone
vom Haupt,
Des Diadems falsch
flimmernd lockenden Schein!
Des Purpurmantels
beraubt,
Seiner eitel fallenden
Falten!
Ein Bettler laß mich
sein!
Fluchverfolgt mein
Walten!
Seit jedem Tag, da
ich’s erlebte,
Daß ein Feind die
Maid mir nahm,
Nach der mein Herz
mit Sehnen strebte,
Mißglückte mir
alles, mein Walten ward lahm!
Sie hätte den Erben
mir gespendet,
Den Erben, meines
Lebens Hoffen!
Sie hätte die Pfeile
von mir gewendet,
Mit denen die Sorge,
die Angst und Qual
Mich seither
getroffen!
Von Sternen und
Sehern nächtlich beraten,
Auf Irrglaubens
krumm-engen Pfaden,
Am Abgrund stehend
– nicht vor – nicht zurück:
Gespenstern Geselle!
Traum-wirrer Tor!
Schnür um den Hals
den würgenden Strang:
Schach dem König!
Jauchze dein Sang!
Da liegt er in
Ketten auf dürrem Stroh!
He! Kühne Siegerin!
Juble!
Bist du nun froh?
(Trompeten hinter der Szene; Agnes eilt freudestrahlend
herein und blickt durch das offene Fenster.)
Agnes
Sie kommen!
Mutter! Vater! Auf!
Zum Tourney!
(Betroffen hält sie an, als sie ihre Eltern erblickt, Hiltrud,
das Gesicht verhüllt, weinend – Konrad, abgewandt, mit verschränkten
Armen, düster das Haupt geneigt)
Agnes
Was ist nun wieder
das?
Kaum bin ich zur Tür
hinaus,
Gibt’s beim
Schach den alten Strauß?
So kluge Eltern! Und
so dumm,
Zanken sich beim
Spiel herum!
(Sie bückt sich, um die gefallenen Figuren aufzuheben.)
Agnes
(indem sie zuerst einen Läufer, dann einen Reiter
ergreift)
Wart! Du
bist’s! Du fliegst hinaus!
Du auch! Da habt ihr
euren Lohn!
(Sie wirft die Figuren zum Fenster hinaus.)
Mutter! Komm!
Schmücke dich fein!
Vater! Wo ist dein
Festgewand!
Ei du Brummbär! Laß
das Murren sein!
Reicht euch die
Versöhnungshand!
(Sie nimmt Konrad bei den Händen und zieht ihn zu Hiltrud.)
Wollt ihr?
(Sie zupft ihrer Mutter das Tuch weg.)
Aber Vater!
(ärgerlich)
Aber Mutter!
Heut’ seid ihr
aber garstig!
(Sie zwingt die Eltern, sich die Hand zu reichen.)
So! Jetzt sind die
Hände beisammen!
Seht ihr euch an?
Versöhnung?
Konrad
Ich vergaß mich!
Verzeih!
Hiltrud
(kalt)
Um uns’res
Kindes willen!
(Agnes umarmt die Eltern. – Die Dienerschaft eilt
herbei und schmückt Herzog und Herzogin. Wachsende Bewegung außen,
Trompetenrufe. – Der Vorhang fällt. – Festmarsch)
Zwischenspiel
Zweite Szene
Freie Gegend. Links die Außenwand des zum Turnier
bestimmten Zirkus. Hintergrund: weite offene Landschaft; die Stadt nimmt man
rechts im Hintergrund an.
Großer Festzug zum Turnier. Mit Gefolge reiten vorbei:
Die Herzöge von Lothringen, Böhmen, Bayern, der
Babenberger, Helferich, vom Volk besonders begrüßt, ein Zug Frauen, in ihrer
Mitte Agnes, welche auf einem Kissen den Kranz trägt, zuletzt Konrad und Hiltrud.
Nachdem sich alles versammelt hat, werden die Tore der Arena geöffnet. Alle
treten ein. Fanfaren aus der Arena. Die Bühne wird leer; nur der Kurzbold
kauert am Eingangstor.
Chor
Heil! Heil! Herzog Konrad
–
Heil euch allen!
Ruhm, Ehr’ und
Glück
Bringe den Rittern dieser
Tag!
Heil! Heil! Heil!
Kurzbold
(grell)
Großer Konrad! Stolz
und steif!
‘s ist recht
schön, ein Herrscher zu sein!
(Handbewegung zum
Kopf)
Wie stünde mir wohl
solch ein Reif?
Elbegast! Schmiedet
ihn fein! –
Es war einmal ein
buckliger Mann,
Der war im Leben
übel dran.
Gar gern hätt’
der erfahren,
Wer seine Eltern
waren!
Dem Vater wär’
er schon auf der Spur,
Es fehlte ihm ein
Zeugnis nur!
Die Mutter
fänd’ er wohl mal hocken:
Mäuse-atmend, wo? Am
Brocken!
(Dem Kampfspiel beizuwohnen, kommt verspätet Bertha.)
Kurzbold
(Bertha entgegenschreiend)
Zu spät! Zu spät!
Bertha
(mit der Hand nach den oberen Reihen der Arena deutend)
Dort oben
find’ ich noch Platz! –
Kurzbold
(auf ihre Hand deutend)
O weh! Was sah ich!
Schnell! Zeig her!
Bertha
(ängstlich)
Was siehst du?
Kurzbold
(faßt ihre Hand)
Die Linien!
Was les’ ich?
Wie das kreuzt!
Und hier! Am Daumen:
Sag die Wahrheit!
Mädchen!
Ein Geheimnis!
Bertha
Laß meine Hand!
Kurzbold
Jetzt schwillt die
Ader!
Dirne! Du weißt
etwas!
Was ist’s mit
deiner Herrin?
Bertha
Herrin? Ich
hab’ keine mehr!
Laß mich los!
Es sprüht aus dir
wie Funken!
(Sie reißt sich los und eilt in den Zirkus.)
Dritte Szene
(Helferich tritt heftig heraus. Er schnürt den Panzer am
Hals auf.)
Helferich
Luft! Zum Ersticken!
(setzt sich auf einen Stein – etwas rechts vorn)
Kurzbold
(holt von einem Brunnen Wasser und nähert sich Helferich)
Mein Held ist
müd’!
Ein Trunk gefällig?
(Helferich weist ihn ruhig ab, ohne hinzusehen.)
Kurzbold
Ein hitz’ger
Tag!
Der Preis hängt
hoch!
Da heißt’s fliegen,
haschen und nicht stürzen!
‘s wär’
arg, wenn die Kraft ihm wich,
Auf den sie alle
schau’n: Jung-Helferich!
(ironisch)
Herr Adalbert, wohl
auch recht tüchtig,
Doch neben dir, wie
ist er nichtig!
(nähertretend)
Ein Gang mißglückt!
Das ist’s, was
dich drückt!
Ein Gang! Die andern
müssen gelingen!
(Er hält ihm ein Fläschchen hin.)
Mißtrau mir nicht:
das Fläschchen, schau!
Das bringt dir Sieg
und die geliebte Frau!
Zum Riesen stärkt es
die Kraft;
Trankst du den
Zaubertrank,
Nichts
kostet’s! Nur ein Wort!
Eine Frage: nenn mir
den Ort,
Wo jener Bursche
weilt!
Helferich
Hinweg!
Verruchter Krüppel!
Kurzbold
(vernimmt eine Fanfare aus dem Zirkus und wendet sich
jäh)
Hei! Schau! Wie man
die Tücher schwenkt!
Ob Adalbert schon
den Kranz empfängt?
(ab in die Arena)
Helferich
O Helferich!
Wie zaghaft zahm!
Warum ring’
ich auch mit? Frommt mir der Preis,
Den, errungen, ich
von mir weis’?
(Heinz tritt auf; er sieht Helferich sitzen und schleicht
sich von rückwärts an ihn heran.)
Oder regt sich noch
geheimes Hoffen?
Erspäh’ ich
eine Spalte offen,
Durch die ein
Lichtstrahl zu mir dräng’?
(Er fühlt plötzlich seine Augen von zwei Händen bedeckt.)
Heinz
Wer bin ich? Rate!
Helferich
(reißt die Hände
weg)
Verweg’ner
Scherz!
Heinz! Wie kamst du
her?
Heinz
Durchs Fenster
gesprungen!
Helferich
Unseliger!
Hatt’ ich dich
nicht beschworen:
Nur kurze Zeit
Geduld!
Dann wärst du frei!
Der Boden schwankt,
wohin du trittst!
Was willst du hier?
Heinz
Zuschau’n!
Meinst du, ich laß
mich so einsperren?
Hast du das Recht
dazu?
Bist ein zweiter Kurzbold
du?
Ja, ja! Männchen!
Dir trau ich auch nicht!
Drum laß mich in
Frieden! Ade!
(Er will in den Zirkus gehen.)
Helferich
So geh denn hin!
Dein Tod wär’
mein Glück!
Heinz
(betroffen anhaltend)
Oho? –
Den Spaß gönn’
ich dir nicht!
(Trommelwirbel)
Zwar! Schade! Mich
zuckt’s!
(Er lugt in die Arena.)
O wie schön! –
(besinnend)
‘Dein Tod
wär’ mein Glück?’
Was sie nur alle
haben?
(indem er in der Richtung nach der Stadt abgeht)
Helferich
(lauscht mit wachsender Unruhe)
Hör’ ich
recht?
Sein würde der Sieg?
(Er springt auf.)
Gott! Verlaß mich
nicht!
(Er eilt in die Arena.)
Volk
Seht! Helferich
naht!
Heil! Heil!
Kurzbold
(beobachtet vom Ausgangstor aus den Vorgang)
(grell)
Jetzt wird’s
heiß!
Um Leben und Liebe!
Hoho! Der rennte ihm
die Lanze durch den Leib!
Helferich
strauchelt:
Der Zelter bockt
Am Boden weiter!
Jetzt die Schwerter!
Weh dir,
Sonnenritter!
Nahmst du mein
Tränkchen!
Geworfen!
Jetzt wär’ sie
Adalberts!
Sonderbar! Kein
rechter Jubel will erklingen!
Traut-Agnes schaut
so bleich darein!
Den Kranz muß sie
ihm reichen!
Das Laub sticht!
Und jetzt im Festzug
heim zum Gelag’!
Vierte Szene
(Der Zug tritt aus dem Zirkus, zuletzt, abseits Helferich.
Kurzbold tritt dem Babenberger mit verwegenem Stolz entgegen.)
Kurzbold
Heil! Düst’rer
Adalbert!
Heil, dir,
siegestrunk’ner Babenberger!
Sagt, wer
hätt’ es je gedacht,
Daß er den Preis
erringt?
Als zweiter stets im
Kampf verlacht,
Wie kommt’s,
daß er Sieg heut’ erzwingt?
Konrad
Ein Trunk’ner
vertritt uns den Weg!
Kurzbold
Nüchtern! Allzu nüchtern!
Warum Helferichs
Kraft erlahmt,
Begreift, wenn ihr
den Grund vernahmt!
Dem raubt Gott das
Waffenglück,
Der’s nicht
wagt, hinan zu schau’n!
Scheu senkt sich der
Blick,
Denn Gewissen bindet
Grau’n!
Konrad
Ein Verrückter!
Treibt ihn fort!
Kurzbold
Nüchtern! Allzu
nüchtern!
Wißt ihr, warum er
erlag?
Soll ich’s
sagen? Gut, ich klage!
Jubler ihr! Auf
Freude versessen!
Habt ihr Herbert
schon vergessen?
Feile Mörder, sagt
ihr, hätten ihn getötet!
(auf Helferich deutend)
Einer war’s,
blickt hin, wer jetzt errötet!
Alle
Wagst du’s?
Verleumder!
Kurzbold
Zerstückelt mich,
wenn ich log!
Ist er frei von
Schuld,
Leicht zu beweisen,
wird ihm gelingen,
Wo in jener Nacht er
war!
Helferich
Mit welchem Recht
verklagst du mich?
Kurzbold
Die Frage, schau,
ist töricht!
Forschtest du, warum
ich klage,
Vielleicht
würd’ ich zu sprechen zögern!
Denn dich zu hassen
hätt’ ich einen Grund?
Acht’ ich dich
doch!
Der Beste bist du
unter den Bösen!
Nun schuf mich Gott,
wie ich bin!
Was schafft er auch
Kröten und Spinnen,
Wespen und
Schlangen,
Die Gift
verspritzen, stechen, zischeln!
Sinnlos listig, doch
zur Lust!
Herzog
Mach’ ein
Ende!
Kurzbold
Hörtet ihr nicht von
Quellspürern,
Solchen, die
geheimnisvoll,
Wo Wasser in der
Tiefe rieselt,
Ahnend wittern und
enthüllen?
Solch einer bin ich!
Das Wasser, das ich
witt’re, das heißt: Weh!
Der Schacht, den ich
spüre, der heißt Schuld!
Hier rieselt nun so
mancher Quell!
Das spürt’
ich, drum ist er zur Stell’:
Der verruchte
Krüppel!
Wüßt’ er nur
alles, was er ahnt,
Wovon ihm so manches
schwant!
Armer Kurzbold! Zu
Höh’rem geboren:
Ein Knecht in der
Kutte, die Haare gesChoren!
Der Weh-, Wahn- und
Wirren-Witt’rer!
Der Schuldspürer!
Der ist’s, der
dich verklagt!
Helferich
(ruhig)
Wenn ich
erwid’re, dich des Gleichen zieh’ –
Einen Zeugen brächte,
Den du meuchlings
morden wolltest!
Kurzbold
Gut! Klage!
Aber erst, wenn ich
von dir erfahren:
Wo anders warst du
in jener Nacht?
Helferich
(mit erzwungener Gelassenheit)
In welcher Nacht?
Kurzbold
Da Herbert fiel?
Helferich
Ich entsinn’
mich nicht –
Kurzbold
‘s ist kurz
erst her!
Helferich
(verlegener)
Ich war –
Kurzbold
Nun?
Helferich
Unverschämter!
Herzog
Und wär’ er
dort gewesen,
Müßt’ er am
Morde schuld sein?
Kurzbold
So schwör’ er
seine Unschuld!
(Helferich schweigt.)
Chor
(flüsternd)
Er schweigt?
Ein dunkles
Geheimnis!
Sprich!
Verteid’ge dich!
Herzog
Du schweigst?
(Helferich steht regungslos. Alles blickt betroffen auf
ihn. Er entgürtet sein Schwert und reicht es dem Herzog; dann hält er beide
Arme vor, um sich fesseln zu lassen – keiner wagt es.)
Bertha
(welche mit wachsender Unruhe zugeschaut hat, bricht sich
nach vorn Bahn und schreit auf)
Halt ein! Es ist
nicht!
Er ist schuldlos!
Alle
(durcheinander)
Wer ist sie! Was
will sie?
Sprich, weißt du
was?
(Bertha starrt Helferich, dann die Umstehenden an; sie
will sprechen, versucht mehrmals, stockt aber immer wieder.)
Kurzbold
Mitleid! Ein edles
Gefühl!
Sie möchte gern! Und
weiß doch nicht!
(Der Zug setzt sich in Bewegung. – Abendrot.
– Bertha, in heftiges Weinen ausbrechend, sinkt auf die Knie und ruft
tränenerstickt)
Bertha
O gerechter Himmel!
Schuldlos!
Ohn’ alle Schuld! –
(Der Vorhang fällt.)
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