Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
  Classical Music Home > Opera Libretti

Opera Libretti




Beethoven | Bellini | Berg | Berlioz | Bizet | Cavalieri | Cavalli | Clerambault | Debussy | Donizetti | Falla | Gluck | Gounod | Granados | Hallstrom | Handel | Hartke | Haydn | Kalman | Leoncavallo | Mascagni | Massenet | Mercadante | Meyerbeer | Monteverdi | Mozart | Pacius | Petitgirard | Portugal | Puccini | Purcell | Rachmaninov | Rossini | Sacchini | Strauss Johann II | Verdi | Wagner Richard | Wagner Siegfried | Walton | Weber
 
Wagner Siegfried
Sternengebot
English
Title Page
German
Prelude and Prologue
Act I
Act II
Act III

 
Zweiter Akt
 
Vorspiel Herzensgebot
 
Erste Szene
 
Gemach in der Burg; großes doppelteiliges Fenster mit Altan. Blick auf Bäume und Dächer.
 
(Konrad und Hiltrud spielen Schach.)
 
Hiltrud
Aber Männchen, du Zerstreuter –
Du sinnst und spielst nicht weiter:
Wer heut verliert, gibt dem andern viel:
Vergaßt du des Spieles Ziel?
 
Konrad
Da hört!
Ein Siegespreis,
Von dem ich nichts weiß?
 
Hiltrud
Hie Helferich, hie Adalbert,
Wird dem Sieger vom Feind beschert!
 
Konrad
Ei ei! Entschieden durchs Schach!
Daß ich nur drob nicht höhn und lach!
 
Hiltrud
Tourney! Das ist wohl edlere Art,
Wie man ein Pärchen paart?
 
(Sie spielen weiter; Hiltrud hält plötzlich an.)
Hör’!
Christoph will uns bald verlassen;
Du seist zu barsch, er könnt’s nicht ertragen.
Was reizt dich der Treue zu wildem Hassen?
 
Konrad
(weiterspielend)
Verdammter Bauer! Feig und träg,
Stehst dem König dort im Weg!
 
Hiltrud
Jetzt naht im Sturm
Um die Ecke der Turm.
 
Konrad
Ein behäbiger Wicht,
Doch stört er mich nicht!
 
Hiltrud
(unterbrechend)
Der arme Herbert! Um ihn mich’s reut!
 
Konrad
Mir scheint: Frau Hiltrud ist zerstreut!
 
Hiltrud
Der Neider hatte er zwar viele:
Doch Mord, wen schauert’s nicht davor!
 
(Konrad steht plötzlich auf; er will zur Türe, bleibt aber sinnend stehen.)
 
Hiltrud
Was suchst du?
 
Konrad
(leise vor sich hin)
Der Brief!
(Christoph tritt ein. Konrad faßt ihn heftig am Arm und sieht ihm forschend ins Auge.)
 
Konrad
Kannst du mir ins Auge schau’n?
 
Christoph
So gut wie and’re schon auch!
 
Konrad
(hastig)
Ging ein Bote nach Nürnberg?
 
Christoph
Ich weiß von nichts.
 
Konrad
Was willst du dann?
 
Christoph
(verlegen)
Verzeihung – der Kurzbold –
 
Konrad
Der Kurzbold?
 
Christoph
Er fragt, ob er dich sehen könnte –
Ach Herr – der Dreiste!
 
Konrad
Zager Alter, sprich rasch!
 
Christoph
Er möcht’ gern nah beseh’n, –
Er muß verrückt sein! –
Schlag’ mich lieber, als daß ich’s sag’!
 
Konrad
Sprechen sollst du!
 
Christoph
Ob du –
Ob du nicht auch einen Buckel hättest!
 
Konrad
(auflachend)
Gewiß! Sag’ ihm das:
Ein jeder hätte seinen Buckel!
Meiner säß im Hirn!
 
(Christoph geht zögernd ab.)
 
Hitrud
Das läßt du dich fragen?
Wer ist der grausliche Kauz?
 
Konrad
(setzt sich wieder und spielt weiter)
Misch dich nicht in fremde Dinge!
(ironisch)
Daß alles stets im Haus gelinge,
Das lieg’ euch Frauen mehr am Herzen!
 
Hiltrud
(lächelnd)
‘s ist wahr!
Nur zum Flicken und Sticken,
Kochen und Braten
Wären wir Weiber gut geraten!
Gewiß!
Zu flicken, was ihr nimmer vereint!
Zu sticken Gewebe der Freundschaft dem Feind!
Wo ihr Schnellen Geduld verliert,
Weib recht langsam, langsam rührt!
Sie rührt und quirlt, bis es euch erweicht:
Wann hätten wir nicht alles erreicht!
Trauter, trau!
Und glaub’ daran:
Klüger als der klügste Mann
Ist selbst noch die dümmste Frau!
Und Adalbert wird dein Eidam werden,
Du magst dich auch trotzig gebärden!
Nütz’ ihn als Freund!
Fürcht’ ihn als Feind!
 
Konrad
Aus Furcht gäb’ ich mein Kind ihm hin?
 
Hiltrud
Vernunft, begreif’, bringt Gewinn!
 
Konrad
Wenn er im Kampfspiel erliegt,
Geschlagen, hätte er dennoch gesiegt?
 
Hiltrud
Wache! König! Wach!
Die Königin droht Schach!
Sie naht! Die Kühne, sie naht!
Versperrt ist dir der Pfad!
Kein Bauer, kein Läufer, kein Reiter dich schützt,
Eingekerkert dein Helferich sitzt!
Siegreich jubelnd höhn’ ich:
Schach und matt dein armer König!
 
Konrad
(heftig aufbrausend, schlägt auf das Brett, so daß die Figuren zu Boden fallen)
Ja! Schach und matt!
Schacher! Verrat!
Schach und Schmach!
Lieg’ ich brach!
Reiß ihm die Krone vom Haupt,
Des Diadems falsch flimmernd lockenden Schein!
Des Purpurmantels beraubt,
Seiner eitel fallenden Falten!
Ein Bettler laß mich sein!
Fluchverfolgt mein Walten!
Seit jedem Tag, da ich’s erlebte,
Daß ein Feind die Maid mir nahm,
Nach der mein Herz mit Sehnen strebte,
Mißglückte mir alles, mein Walten ward lahm!
Sie hätte den Erben mir gespendet,
Den Erben, meines Lebens Hoffen!
Sie hätte die Pfeile von mir gewendet,
Mit denen die Sorge, die Angst und Qual
Mich seither getroffen!
Von Sternen und Sehern nächtlich beraten,
Auf Irrglaubens krumm-engen Pfaden,
Am Abgrund stehend – nicht vor – nicht zurück:
Gespenstern Geselle! Traum-wirrer Tor!
Schnür um den Hals den würgenden Strang:
Schach dem König! Jauchze dein Sang!
Da liegt er in Ketten auf dürrem Stroh!
He! Kühne Siegerin! Juble!
Bist du nun froh?
 
(Trompeten hinter der Szene; Agnes eilt freudestrahlend herein und blickt durch das offene Fenster.)
 
Agnes
Sie kommen!
Mutter! Vater! Auf! Zum Tourney!
 
(Betroffen hält sie an, als sie ihre Eltern erblickt, Hiltrud, das Gesicht verhüllt, weinend – Konrad, abgewandt, mit verschränkten Armen, düster das Haupt geneigt)
 
Agnes
Was ist nun wieder das?
Kaum bin ich zur Tür hinaus,
Gibt’s beim Schach den alten Strauß?
So kluge Eltern! Und so dumm,
Zanken sich beim Spiel herum!
(Sie bückt sich, um die gefallenen Figuren aufzuheben.)
 
Agnes
(indem sie zuerst einen Läufer, dann einen Reiter ergreift)
Wart! Du bist’s! Du fliegst hinaus!
Du auch! Da habt ihr euren Lohn!
(Sie wirft die Figuren zum Fenster hinaus.)
Mutter! Komm! Schmücke dich fein!
Vater! Wo ist dein Festgewand!
Ei du Brummbär! Laß das Murren sein!
Reicht euch die Versöhnungshand!
(Sie nimmt Konrad bei den Händen und zieht ihn zu Hiltrud.)
Wollt ihr?
(Sie zupft ihrer Mutter das Tuch weg.)
Aber Vater!
(ärgerlich)
Aber Mutter!
Heut’ seid ihr aber garstig!
(Sie zwingt die Eltern, sich die Hand zu reichen.)
So! Jetzt sind die Hände beisammen!
Seht ihr euch an?
Versöhnung?
 
Konrad
Ich vergaß mich! Verzeih!
 
Hiltrud
(kalt)
Um uns’res Kindes willen!
 
(Agnes umarmt die Eltern. – Die Dienerschaft eilt herbei und schmückt Herzog und Herzogin. Wachsende Bewegung außen, Trompetenrufe. – Der Vorhang fällt. – Festmarsch)
 
 
Zwischenspiel
Zweite Szene
 
Freie Gegend. Links die Außenwand des zum Turnier bestimmten Zirkus. Hintergrund: weite offene Landschaft; die Stadt nimmt man rechts im Hintergrund an.
Großer Festzug zum Turnier. Mit Gefolge reiten vorbei:
Die Herzöge von Lothringen, Böhmen, Bayern, der Babenberger, Helferich, vom Volk besonders begrüßt, ein Zug Frauen, in ihrer Mitte Agnes, welche auf einem Kissen den Kranz trägt, zuletzt Konrad und Hiltrud. Nachdem sich alles versammelt hat, werden die Tore der Arena geöffnet. Alle treten ein. Fanfaren aus der Arena. Die Bühne wird leer; nur der Kurzbold kauert am Eingangstor.
 
Chor
Heil! Heil! Herzog Konrad –
Heil euch allen!
Ruhm, Ehr’ und Glück
Bringe den Rittern dieser Tag!
Heil! Heil! Heil!
 
Kurzbold
(grell)
Großer Konrad! Stolz und steif!
‘s ist recht schön, ein Herrscher zu sein!
(Handbewegung zum Kopf)
Wie stünde mir wohl solch ein Reif?
Elbegast! Schmiedet ihn fein! –
Es war einmal ein buckliger Mann,
Der war im Leben übel dran.
Gar gern hätt’ der erfahren,
Wer seine Eltern waren!
Dem Vater wär’ er schon auf der Spur,
Es fehlte ihm ein Zeugnis nur!
Die Mutter fänd’ er wohl mal hocken:
Mäuse-atmend, wo? Am Brocken!
 
(Dem Kampfspiel beizuwohnen, kommt verspätet Bertha.)
 
Kurzbold
(Bertha entgegenschreiend)
Zu spät! Zu spät!
 
Bertha
(mit der Hand nach den oberen Reihen der Arena deutend)
Dort oben find’ ich noch Platz! –
 
Kurzbold
(auf ihre Hand deutend)
O weh! Was sah ich!
Schnell! Zeig her!
 
Bertha
(ängstlich)
Was siehst du?
 
Kurzbold
(faßt ihre Hand)
Die Linien!
Was les’ ich?
Wie das kreuzt!
Und hier! Am Daumen:
Sag die Wahrheit! Mädchen!
Ein Geheimnis!
 
Bertha
Laß meine Hand!
 
 
Kurzbold
Jetzt schwillt die Ader!
Dirne! Du weißt etwas!
Was ist’s mit deiner Herrin?
 
Bertha
Herrin? Ich hab’ keine mehr!
Laß mich los!
Es sprüht aus dir wie Funken!
(Sie reißt sich los und eilt in den Zirkus.)
 
 
Dritte Szene
 
(Helferich tritt heftig heraus. Er schnürt den Panzer am Hals auf.)
 
Helferich
Luft! Zum Ersticken!
(setzt sich auf einen Stein – etwas rechts vorn)
 
Kurzbold
(holt von einem Brunnen Wasser und nähert sich Helferich)
Mein Held ist müd’!
Ein Trunk gefällig?
 
(Helferich weist ihn ruhig ab, ohne hinzusehen.)
 
Kurzbold
Ein hitz’ger Tag!
Der Preis hängt hoch!
Da heißt’s fliegen, haschen und nicht stürzen!
‘s wär’ arg, wenn die Kraft ihm wich,
Auf den sie alle schau’n: Jung-Helferich!
(ironisch)
Herr Adalbert, wohl auch recht tüchtig,
Doch neben dir, wie ist er nichtig!
(nähertretend)
Ein Gang mißglückt!
Das ist’s, was dich drückt!
Ein Gang! Die andern müssen gelingen!
(Er hält ihm ein Fläschchen hin.)
Mißtrau mir nicht: das Fläschchen, schau!
Das bringt dir Sieg und die geliebte Frau!
Zum Riesen stärkt es die Kraft;
Trankst du den Zaubertrank,
Nichts kostet’s! Nur ein Wort!
Eine Frage: nenn mir den Ort,
Wo jener Bursche weilt!
 
Helferich
Hinweg!
Verruchter Krüppel!
 
Kurzbold
(vernimmt eine Fanfare aus dem Zirkus und wendet sich jäh)
Hei! Schau! Wie man die Tücher schwenkt!
Ob Adalbert schon den Kranz empfängt?
(ab in die Arena)
 
Helferich
O Helferich!
Wie zaghaft zahm!
Warum ring’ ich auch mit?  Frommt mir der Preis,
Den, errungen, ich von mir weis’?
 
(Heinz tritt auf; er sieht Helferich sitzen und schleicht sich von rückwärts an ihn heran.)
 
Oder regt sich noch geheimes Hoffen?
Erspäh’ ich eine Spalte offen,
Durch die ein Lichtstrahl zu mir dräng’?
(Er fühlt plötzlich seine Augen von zwei Händen bedeckt.)
 
Heinz
Wer bin ich? Rate!
 
Helferich
(reißt die Hände weg)
Verweg’ner Scherz!
Heinz! Wie kamst du her?
 
Heinz
Durchs Fenster gesprungen!
 
Helferich
Unseliger!
Hatt’ ich dich nicht beschworen:
Nur kurze Zeit Geduld!
Dann wärst du frei!
Der Boden schwankt, wohin du trittst!
Was willst du hier?
 
Heinz
Zuschau’n!
Meinst du, ich laß mich so einsperren?
Hast du das Recht dazu?
Bist ein zweiter Kurzbold du?
Ja, ja! Männchen! Dir trau ich auch nicht!
Drum laß mich in Frieden! Ade!
(Er will in den Zirkus gehen.)
 
Helferich
So geh denn hin!
Dein Tod wär’ mein Glück!
 
Heinz
(betroffen anhaltend)
Oho? –
Den Spaß gönn’ ich dir nicht!
(Trommelwirbel)
Zwar! Schade! Mich zuckt’s!
(Er lugt in die Arena.)
O wie schön! –
(besinnend)
‘Dein Tod wär’ mein Glück?’
Was sie nur alle haben?
(indem er in der Richtung nach der Stadt abgeht)
 
Helferich
(lauscht mit wachsender Unruhe)
Hör’ ich recht?
Sein würde der Sieg?
(Er springt auf.)
Gott! Verlaß mich nicht!
(Er eilt in die Arena.)
 
Volk
Seht! Helferich naht!
Heil! Heil!
 
Kurzbold
(beobachtet vom Ausgangstor aus den Vorgang)
(grell)
Jetzt wird’s heiß!
Um Leben und Liebe!
Hoho! Der rennte ihm die Lanze durch den Leib!
Helferich strauchelt:
Der Zelter bockt
Am Boden weiter!
Jetzt die Schwerter!
Weh dir, Sonnenritter!
Nahmst du mein Tränkchen!
Geworfen!
Jetzt wär’ sie Adalberts!
Sonderbar! Kein rechter Jubel will erklingen!
Traut-Agnes schaut so bleich darein!
Den Kranz muß sie ihm reichen!
Das Laub sticht!
Und jetzt im Festzug heim zum Gelag’!
 
 
Vierte Szene
 
(Der Zug tritt aus dem Zirkus, zuletzt, abseits Helferich. Kurzbold tritt dem Babenberger mit verwegenem Stolz entgegen.)
 
Kurzbold
Heil! Düst’rer Adalbert!
Heil, dir, siegestrunk’ner Babenberger!
Sagt, wer hätt’ es je gedacht,
Daß er den Preis erringt?
Als zweiter stets im Kampf verlacht,
Wie kommt’s, daß er Sieg heut’ erzwingt?
 
Konrad
Ein Trunk’ner vertritt uns den Weg!
 
Kurzbold
Nüchtern! Allzu nüchtern!
Warum Helferichs Kraft erlahmt,
Begreift, wenn ihr den Grund vernahmt!
Dem raubt Gott das Waffenglück,
Der’s nicht wagt, hinan zu schau’n!
Scheu senkt sich der Blick,
Denn Gewissen bindet Grau’n!
 
Konrad
Ein Verrückter! Treibt ihn fort!
 
Kurzbold
Nüchtern! Allzu nüchtern!
Wißt ihr, warum er erlag?
Soll ich’s sagen? Gut, ich klage!
Jubler ihr! Auf Freude versessen!
Habt ihr Herbert schon vergessen?
Feile Mörder, sagt ihr, hätten ihn getötet!
(auf Helferich deutend)
Einer war’s, blickt hin, wer jetzt errötet!
 
Alle
Wagst du’s? Verleumder!
 
Kurzbold
Zerstückelt mich, wenn ich log!
Ist er frei von Schuld,
Leicht zu beweisen, wird ihm gelingen,
Wo in jener Nacht er war!
 
Helferich
Mit welchem Recht verklagst du mich?
 
Kurzbold
Die Frage, schau, ist töricht!
Forschtest du, warum ich klage,
Vielleicht würd’ ich zu sprechen zögern!
Denn dich zu hassen hätt’ ich einen Grund?
Acht’ ich dich doch!
Der Beste bist du unter den Bösen!
Nun schuf mich Gott, wie ich bin!
Was schafft er auch Kröten und Spinnen,
Wespen und Schlangen,
Die Gift verspritzen, stechen, zischeln!
Sinnlos listig, doch zur Lust!
 
Herzog
Mach’ ein Ende!
 
Kurzbold
Hörtet ihr nicht von Quellspürern,
Solchen, die geheimnisvoll,
Wo Wasser in der Tiefe rieselt,
Ahnend wittern und enthüllen?
Solch einer bin ich!
Das Wasser, das ich witt’re, das heißt: Weh!
Der Schacht, den ich spüre, der heißt Schuld!
Hier rieselt nun so mancher Quell!
Das spürt’ ich, drum ist er zur Stell’:
Der verruchte Krüppel!
Wüßt’ er nur alles, was er ahnt,
Wovon ihm so manches schwant!
Armer Kurzbold! Zu Höh’rem geboren:
Ein Knecht in der Kutte, die Haare gesChoren!
Der Weh-, Wahn- und Wirren-Witt’rer!
Der Schuldspürer!
Der ist’s, der dich verklagt!
 
Helferich
(ruhig)
Wenn ich erwid’re, dich des Gleichen zieh’ –
Einen Zeugen brächte,
Den du meuchlings morden wolltest!
 
Kurzbold
Gut! Klage!
Aber erst, wenn ich von dir erfahren:
Wo anders warst du in jener Nacht?
 
Helferich
(mit erzwungener Gelassenheit)
In welcher Nacht?
 
Kurzbold
Da Herbert fiel?
 
Helferich
Ich entsinn’ mich nicht –
 
Kurzbold
‘s ist kurz erst her!
 
Helferich
(verlegener)
Ich war –
 
Kurzbold
Nun?
 
Helferich
Unverschämter!
 
Herzog
Und wär’ er dort gewesen,
Müßt’ er am Morde schuld sein?
 
Kurzbold
So schwör’ er seine Unschuld!
 
(Helferich schweigt.)
 
Chor
(flüsternd)
Er schweigt?
Ein dunkles Geheimnis!
Sprich! Verteid’ge dich!
 
Herzog
Du schweigst?
 
(Helferich steht regungslos. Alles blickt betroffen auf ihn. Er entgürtet sein Schwert und reicht es dem Herzog; dann hält er beide Arme vor, um sich fesseln zu lassen – keiner wagt es.)
 
Bertha
(welche mit wachsender Unruhe zugeschaut hat, bricht sich nach vorn Bahn und schreit auf)
Halt ein! Es ist nicht!
Er ist schuldlos!
 
Alle
(durcheinander)
Wer ist sie! Was will sie?
Sprich, weißt du was?
 
(Bertha starrt Helferich, dann die Umstehenden an; sie will sprechen, versucht mehrmals, stockt aber immer wieder.)
 
Kurzbold
Mitleid! Ein edles Gefühl!
Sie möchte gern! Und weiß doch nicht!
 
(Der Zug setzt sich in Bewegung. – Abendrot. – Bertha, in heftiges Weinen ausbrechend, sinkt auf die Knie und ruft tränenerstickt)
 
Bertha
O gerechter Himmel!
Schuldlos! Ohn’ alle Schuld! –
 
(Der Vorhang fällt.)
 

 


Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
1:17:45 AM, 17 April 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-208-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.