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Wagner Siegfried
Sternengebot
English
Title Page
German
Prelude and Prologue
Act I
Act II
Act III

Dritter Akt
 
Erste Szene
 
Saal in der Burg, festlich geschmückt und beleuchtet; großer offener Bogen, durch einen Vorhang abzuschließen, dahinter Treppen, Terrasse, Ausblick in die Ferne.
 
Vorabend der Hochzeit von Adalbert und Agnes.
 
(Huldigungsreigen. Agnes und Adalbert sitzen links erhöht, rechts der Herzog und die Herzogin. Beim Öffnen des Vorhangs nahen die Gäste in Paaren, wie zum Reigen. Sie verbeugen sich huldigend vor dem Brautpaar und den Eltern. Nach Beendigung des Gesanges setzen sie sich rechts und links, so daß Mitte und Hintergrund für die pantomimischen Darstellungen frei bleiben.)
 
Reigen der Gäste
 
Chor
Spend’, o Himmel, Glück und Frieden diesem Paar!
Spende Segen ihnen überall dar!
Sorg, daß nie Kummer sie drück’!
Gib, daß ihnen blühe das Glück!
Zarten Fächelns holdes Weh’n!
Frohen Lächelns Freud’ – Besteh’n!
All deine Wonnen verschwende an sie!
All deine Gaben wende an sie!
 
(Eine Elfe tritt ein; sie verneigt sich vor Agnes und deutet pantomimisch den Beginn des Huldigungsreigens an. Die folgenden Gestalten der Wald-, Fluren- und Hausgeister bringen jede ihre Gaben dar; dieselben werden in der Mitte des Saales niedergelegt und aufgehäuft. Zunächst kommen Gnomen, Zwerge und Heinzelmännchen mit Metallgerät, Schmucksachen, Gefäßen etc. Sie eilen auf Agnes zu, flüstern ihr geheime Wünsche ins Ohr. Die Elfe weist sie an, die Schätze in die Mitte zu tragen und anzuhäufen.
Auf einem zweirädrigen goldenen Wagen, von Schnittern gezogen, fährt die Ährenkönigin herein. In der Hand hält sie einen Ährenkranz. Dem Wagen folgen Mädchen mit Garben, welche sie auf den Haufen legen. Die Ährenkönigin nimmt die von den Heinzelmännchen Agnes aufgesetzte Krone ab und legt ihren Kranz auf das Haupt der Braut. Die Elfen erscheinen im Hintergrund.)
 
Anmutiger Elfenreigen zum Gesang der Gäste
 
Chor
(zu Agnes gewandt)
Jubelnd sollt’ unser Lied dir erklingen!
Schmerz doch hemmt seines Fluges flatternde Schwingen!
Dich verlieren! Dir entsagen:
Dann nur werden wir’s ertragen,
Wenn wir wissen, daß dein Stern
Ungetrübt auch in der Fern’,
Glückverheißend wie bisher,
Dir erstrahle licht und hehr!
 
(Polternd naht der Knecht Ruprecht. Alles stiebt ängstlich auseinander. Er schaut wild um sich, rast hin und her, droht mit Fluchgebärden dem Brautpaar, dem Herzog und der Herzogin. Die Elfe und die Ährenkönigin nähern sich ihm, um ihn zu beschwichtigen. Er will nicht. Sie deuten auf die holde Braut. Die anderen Elfen treten auch hinzu. Er wird beruhigt und will seine Gaben hinstreuen. Da nahen böse Feen und stacheln ihn auf. Die guten Feen treten dazwischen. Es gelingt ihnen, die Flüche jener zunichte zu machen. Ruprecht wirft seine Schätze hin; die bösen Feen fliehen.)
 
Reigen aller zum Gesang
 
Chor
Weicht fern, böse Feen!
Hier wird euch nimmer Sieg zuteil!
Euer Fluch muß verweh’n,
Wo wir walten zu ihrem Heil!
Ruprecht selbst, dem groben Knecht,
Ist heute echte Wohltat recht!
Alles bannt der Liebe Macht!
Milden Mondes dämmernder Schein
Läßt nicht Kummer zum Feste ein!
 
(Zuletzt, als Magier verkleidet, erscheint auch der Kurzbold; er trägt in jedem Arm eine geschnitzte Holzbüste.)
 
Kurzbold als Magier
Der Magier aus dem Morgenland
Ist auch zur Hand, huldigend!
Nicht Gold, nicht Korn ist’s, was ich habe;
Zwei Schwestern bring’ ich euch als Gabe:
Conscientia, das ist ihr Name:
Bona hier die sittig zahme.
Leider heut’ trüb und in Trauer!
Mala jene, erzeuget Schauer,
(dreht die Büste abwechselnd zum Herzog und zu Adalbert)
Wenn sie dahin, wo Malum sitzt,
Mit dem Blicke blinzelnd blitzt!
(Er wirft die Büsten auf den Haufen.)
 
Chor
Der Kurzbold ist’s!
Fort du! Hinaus!
Treibt ihn hinaus!
 
Der Magier
Nur ein Kunststück noch! Eine Zauberei!
Drei Schatten zieh’ ich herbei,
Drei H, ach nicht gern,
Sind dem Glanz heut’ fern!
Herbert, Heinz und Helferich!
(Er will eine Beschwörung machen.)
 
Chor
Hinaus den Frechen!
Faßt ihn!
 
Agnes
(lebhaft sich aufrichtend)
Laßt ihn zieh’n!
Ich hörte sagen:
Bucklige brächten Glück!
 
(Die Diener lassen den Kurzbold los.)
 
Kurzbold
(blickt betroffen zu Agnes auf)
Wie? Mitleid? Jungfrau – hier? – Dank!
Dank sei die Warnung:
Trau deinem Traum! –
 
(Der Herzog gibt das Zeichen zum Aufbruch. Die aufgehäuften Schätze und Gaben werden in feierlichem Zuge von den Zwergen, Feen und Elfen etc. hinausgetragen. Die Gäste verneigen sich vor dem Brautpaar und den Eltern. Adalbert wird von den Grafen hinausgeleitet, nachdem er sich von Agnes verabschiedet hat. Agnes und Konrad bleiben allein zurück. Er will seine Tochter ans Herz drücken; sie wehrt ihn sanft ab und geht in ihr Gemach ab. Der Herzog blickt ihr traurig nach und entfernt sich zögernd. Christoph zieht den großen Vorhang zusammen, löscht die Fackeln bis auf eine aus; dazwischen lugt er nach den Gemächern der Braut; er verriegelt die Türen, ausgenommen einen kleinen Mauereingang; durch diesen lauscht er die Treppe hinab. Agnes, in schlichtem weißen Gewande, tritt hastig ein.)
 
 
Zweite Szene
 
Agnes
Hast du’s erlangt?
Bestachst du den Wärter?
 
Christoph
Das war nicht nötig!
‘s ist jeder ihm hold!
 
 
Agnes
So kommt er?
O Gott! –
Geh’! wart’ unten und bring ihn!
(Christoph ab. Agnes allein; es fiebert in ihr; fröstelnd schauert sie zusammen; wähnend, es sei kalt, eilt sie zum Kamin und facht das Feuer an.)
 
Agnes
Närrin! Feuer im Sommer!
Nein doch! Herbst ist’s!
Naß und kalt fällt das Laub:
Laub der Hoffnung! –
 
(Sie hört Schritte; Christoph erscheint an der Türe, Helferich folgt. Ersterer zieht sich zurück.)
 
 
Dritte Szene
 
(Langes Schweigen; Agnes, verwirrt, weiß nicht, wie sie reden soll.)
 
Agnes
Helferich!
Welch ein Wiederseh’n! –
Verzeih, daß ich dich kommen ließ!
Von dir zu fordern, hätte ich ein Recht?
Fremd bin ich ja dir geworden,
Die einst deinem Herzen nah sich wähnte!
Ach! Wie hat sich alles verändert,
Seit aus dem Krieg du gekehrt!
Wie ich dem Sieger jubelnd entgegenflog,
Da wich dein Blick mir aus;
Und traf er mich, so war er matt;
Ein Schleier, der nicht wich,
Der zwischen uns’re Seelen schlich!
Es fuhr in mich mit jähem Schmerz:
Erkaltet ist sein Herz!
Doch neues Hoffen mich durchzückte,
Als ich im Kampfspiel dich erblickte.
Sieger wird er! ‘Wer könnt’ ihm gleichen!’ –
Weh! Ich sehe dich wankend weichen.
Geschlagen wirst du, des Mordes verklagt!
Ein Frecher, der es wagt!
Und du riefst nicht:
‘Du  lügst!’
Auf alle Fragen düster du schwiegst!
O sprich! Sag es mir offen!
Was ist’s? Was lastet auf dir?
Was hat deinen Mut betroffen?
 
Helferich
Zerreiß mir das Herz nicht!
Laß mich schweigen!
Mich bindet ein Schwur!
 
Agnes
(immer eindringlicher)
Ein Schwur? Ein Gelübde?
Ich lös’ es!
Mir darfst du vertrau’n!
Eines sag nur:
Das verbietet kein heiligster Schwur:
Bist du schuldig?
 
Helferich
Zweifelst du an mir?
 
Agnes
Unseliger! Warum sprachst du nicht?
Welch Geheimnis? Ich fleh’ dich!
Spielst du mit dem eig’nen Leben,
Vernichte nicht auch das meine! –
Ich soll Adalbert gehören –
 
 
Helferich
Du wirst es nicht!
Ein and’rer ist dir bestimmt.
 
Agnes
(erstaunt)
Du sprichst,
Als hätt’st du die Zukunft erschaut!
 
Helferich
Das hab’ ich!
Das hat auch dein Vater!
Er wird dem folgen müssen,
Was Sterne ihm künden ließen.
 
Agnes
Hat meinen Vater Wahn berückt,
Traut er trugvollem Weissagungswort:
Wär’ dann auch ich in das Netz verstrickt?
Ist mein Leben nicht frei?
 
Helferich
Du nennst dich frei?
Und folgst ohne Liebe dennoch dem Freier?
 
Agnes
(außer sich)
Helferich!
Denkst du so niedrig von mir? –
Mürb’ durch der Mutter Drängen gab ich nach;
Doch zum Schein nur! –
Daß ich dich kommen ließ,
Zeigt dir das nicht meines Herzens Entschluß?
Zwar! Was darf ich hoffen!
Kalt grüßte mich dein Gruß –
 
Helferich
O Agnes! Mußt’ ich’s nicht!
Unglücksnacht!
Hätt’ ich nicht gewacht!
Am Siegestag war’s – Jubel im Lager.
Ein einz’ger saß bekümmert, dein Vater.
Gezwungen lächelnd, von Sorge durchfurcht,
Gewitterschwül lastet’s auf seinen Brauen.
Unbeachtet sich wähnend, schlich er davon;
Ich fürchtete Schlimmes; drum folgt ich ihm.
Waldwärts ging’s – geheimer Spur,
Zu einer Seherin, im Felsen gekauert.
Hätt’ ich’s nicht gehört!
Nichts wüßt’ ich von deines Vaters Sternengebot.
 
Agnes
Was sollen uns Sterne?
Wer kennt ihren Willen?
 
Helferich
Ob an Sterne der Glaube, an nächtliche Zeichen,
An des Fonichs Kraft, an des Kobolds Schleichen.
All’ eins, wie du den Wahn benennst,
Genug, daß du es dein Schicksal wähnst.
Und wie die Kunde, die du erhalten,
So wird das Los sich dir gestalten.
Eng verkettet sind Wahn und Geschick!
Sie zu spalten schrick zurück! –
Sein Eidam würde des Kalwen Sohn:
Die Kunde gab deinem Vater die Nacht!
Er lachte! Er trotzte! Er kannte nur Hohn!
Um die Ruhe doch hatt’ es ihn gebracht!
Wie oft er das Netz zerreißen wollte:
Spinne wob es wieder neu!
Und ob er auch raste, frevelte, grollte!
Schicksalsspruch, er blieb sich treu!
 
Agnes
Und jener lebt?
 
Helferich
Er lebt!
Morgen sollst du ihn sehen!
Du wirst ihn schau’n
Und wirst ihn lieben!
Aus des Jünglings Blick
Leuchtet das Glück!
Die Sonne lachte seiner Geburt!
Als ich erweckt ward, flackerte fahl
Des schwindenden Mondes kühler Strahl.
 
Agnes
Doch, was hat das mit deinem Schwur?
 
Helferich
(zögernd)
Er galt – der Ehre –
 
Agnes
Du zögerst wieder?
 
Helferich
Ach! Laß mich!
 
Agnes
Willst du mit halber Kunde mich quälen?
 
Helferich
Die Ehre – einer Frau zu retten –
 
Agnes
Einer Frau?
Verschweigst du den Namen? –
Ist es Julia?
 
Helferich
Ihr Haus barg Heinrich den Kalwen –
Ihn vor neuer Gefahr zu retten 
Julias Liebe schmählich benützend,
Schlich ich hin.
Ihr Gatte entdeckt mich, wir fechten.
Des Sterbendes Wunsch willfahrend,
Schwur ich Schweigen. –
AGNES
Dem Himmel Dank!
Aus wolkig lastendem Grau
Klar sehe ich zum Himmelsblau!
Helferich! Edler!
Ein neues Leben
Laß mich dir geben!
 
Helferich
Verrätst du, was ich dir vertraut?
 
Agnes
Fürchte nichts! Wir Frauen sind klug,
Mit Worten ein Spiel: das ist noch nicht Trug!
Und strahlt dein Mut, deine Ehre licht,
Leuchtet und lacht uns die Liebe nicht wieder?
Wenn ich den Jüngling bitte, mir zu entsagen,
Was trennte uns dann noch?
 
Helferich
(düster)
Unschuld’ges Blut!
Herberts Tod! –
Dies zu sühnen, gibt’s einen Weg:
Nach Osten hin, gegen Heidentum im Kampf,
Streit’ ich für des Heilands Ruhm!
Leb wohl! Leb wohl!
Und wenn der Tag uns trennen muß,
Nicht Schmerz sei unser letzter Gruß!
 
Agnes
(heftig)
Du gehst? Bleib! Ach bleib!
(Von Schmerz und Liebe überwältigt, stürzt Helferich auf Agnes zu; sie sinkt in seine Arme; ein Kuß wehmutsvoller Wonne beglückt die Scheidenden)
 
(Christoph erscheint an der kleinen Pforte.)
 
Agnes
(zu Christoph)
Birg den Grafen hier in der Burg –
Vollführe, was er fordert 
 
(Helferich und Christoph ab. Agnes blickt Helferich nach; sie sinkt erschöpft auf ein Lager. Die Fackel erlischt allmählich. Das Kaminfeuer verbreitet immer stärkeren Rauch, der sich wie ein Nebel durch den Raum zieht.)
 
 
Vierte Szene
 
(Im Fiebertraum hört und sieht Agnes das Folgende)
 
Kurzbolds Stimme
(dicht hinter ihr vernehmbar; er darf nicht gesehen werden)
Hehe! Was rastest du so faul?
Der Freier wartet schon am Fenster!
Schnell! Schnell! Und hopp; hopp auf den Gaul!
 
Agnes
(im Schlaf)
Wer ist’s? Sehe ich Gespenster?
 
Kurzbold
Der Bräutigam holt dich zum Brautbett ab!
Gezäumt ist schon sein klapp’riges Pferd!
Drum flugs zur Fahrt hinab! Hinab!
Erkennst du ihn? Herr Adalbert!
 
Agnes
Bleich sein Gesicht –
Ein Mensch ist der nicht!
 
Kurzbold
Dich gruselt’s gar? Er hält dich fest!
Jetzt saust’s davon, hinein in den Wald!
Wie er so brünstig nicht von dir läßt!
Hufen sprüh’n,
Föhren flieh’n –
Und Raben und Krähen singen dazu. –
Der Wald entschwunden! – die Heide gähnt frei –
Siehst du das Kirchlein? Den Friedhof dabei?
Hochzeit ist dort! Hinab nun vom Roß,
Aus der Erde steigt der Brautjungfern Troß.
Die Sargdeckel, schau! wie springen sie auf!
Zum Reigen die Burschen eilen im Lauf!
Tanz doch mit! Schauert’s dich noch?
 
Agnes
In der Mitte da – das düst’re Loch!
 
Kurzbold
Das Brautbett ist’s! Du siehst nur falsch!
 
Agnes
Sie reißen mich fort! wohin? wohin?
 
Kurzbold
Im Sturm erst dreimal ums Lager herum!
Was nützt es der Braut, ob sie jammernd auch schreit!
Bald ist’s aus! Dann bist du stumm! Haha! Haha!
Törin! Merkst du endlich, was sich dir beut?
Totentanz ist heut’!
 
(Agnes erwacht mit einem Schrei.)
 
Agnes
Ha!
 
 
Fünfte Szene
 
(Die Kammerfrauen sind hereingetreten. Da sie den Raum von Rauch erfüllt  sehen, öffnen sie schnell Vorhang und Fenster. Es ist Tag.)
 
Die frauen
Herrin! Was ist? Öffnet!
Du erstickst im Qualm!
 
(Die Frauen wollen Agnes festlich schmücken.)
 
Agnes
Warum schmückt ihr mich? Laßt mich, wie ich bin!
 
(Man hört Glocken läuten. Die Herzogin kommt hinzu; ein Zug Frauen naht mit Blumen; es folgen die übrigen Gäste, der Herzog und Adalbert.)
 
Herzogin
Zur Hochzeit!
 
(Sie will ihrer Tochter den Kranz aufsetzen. Agnes verwehrt es.)
 
Agnes
Was wollen die hier?
Warum bringt ihr Blumen?
Für mich? Ihr irrt euch!
 
Herzogin
Liebes Kind – deine Hochzeit!
Adalbert! Reich ihr die Hand!
 
Agnes
(Adalbert anstarrend)
Der ist’s! Ja der!
Ich sah dich anders!
Du hast mich ja schon gefreit,
Heut’ nacht war Hochzeit:
Du rittest mit mir zur Kirche bergab!
Du rissest mich jäh ins bräutliche Grab!
 
Die Frauen
Ist sie von Sinnen?
 
Herzog
Was deuten deine Worte?
 
Agnes
Ei hört! Wie ich das find’!
An Träumen zu hängen wär’ mir nicht erlaubt,
Als des Vaters würdiges Kind,
Der an der Sterne Kreisen glaubt? –
Nein! Adalbert! Dein werd’ ich nicht!
 
Adalbert
Bin ich des Hohnes Ziel?
Befiehl deiner Tochter!
 
Herzog
Befehlen?
 
Adalbert
Ja! Du mußt!
Oder zagst du vor deines Kindes Trotz?
Ich warb um sie; du sagtest zu:
Nun wird sie mein!
 
Herzog
Ruhe!
Hier wird in Wut kein Bund gestiftet.
 
Adalbert
Wer trotzt, muß stark sein,
Stark wie Stahl
Im Herzen und im Gewissen!
Das bist du nicht!
Drum gewähre! Oder fürchte mich!
 
Herzog
(zieht sein Schwert; Adalbert tut das gleiche)
Ruchloser!
 
(Sie wollen aufeinander stürzen, doch werden sie sofort durch die Dazwischenstürmenden getrennt.)
 
Agnes
Schändlicher!
In die Scheide die Wehr!
Kein Blut fließe heute,
Am Tage der Freude.
(Sie gibt Christoph ein Zeichen; dieser entfernt sich.)
Geschmückt stehet ihr, und ihr wißt nicht den Grund!
Ihr ahnt es nicht! Ein Friedensfest lacht!
Hell aus wirrem Dunst ist das Licht neu erwacht:
Hört die Botschaft aus glücklichem Mund!
Ich schwör’ es bei des Himmels Huld:
Helferich ist frei von Schuld!
Ihn banden heiligen Schwures Ketten.
(zaudernd)
Hört! Der Ritter war nachts – bei mir!
Des hab’ ich einen Zeugen!
 
(Im Hintergrund erscheint, von Christoph geleitet, Helferich, zur Seite Heinz; freudige Bewegung unter den Gästen)
 
Helferich
(auf den Stufen im Hintergrund stehend)
Daß der Weissagung Wort sich vollende:
(zu Heinz)
Geh hin zum Herzog
Und bring ihm dies!
(Heinz tritt mit dem Brief und der Rolle vor.)
 
Heinz
Hier! Alter Herr!
Das bring ich  dir!
Die Rolle sahst du ja schon,
Aber nicht diesen Brief! –
 
(Konrad erkennt seinen Brief; er hat kaum die Kraft, Fassung zu wahren.)
 
Helferich
(zu Konrad)
Dank Gott, daß dein Wille nicht geschah!
Dein Schiff mußte segeln, wie die Winde es weh’n!
Dein Inn’res nicht mit ew’ger Schuld zu beflecken,
Mich sandt’ er her:
Sternengebots Vollstrecker zu sein!
(Er wendet sich zum Abgehen und entschwindet schnell den Blicken.)
 
Heinz
(ihm nachrufend)
Pst! Pst! Guter Ritter!
Bleib! Warum gehst du?
Ach! Seid ihr Leute!
Alles bleich und traurig umher!
Wie deut’ ich das?
 
Agnes
Jüngling! Ahnungsloser!
Ein Seherspruch hat dich erkoren:
Zu Erb’ und Eidam seist du geboren
Dem Herzog, meinem Vater.
Hier stehst du nun, allem Willen zu Spott und Hohn!
Ford’re nun! Wie sein eig’ner Sohn!
Ford’re alles! Auch dieses Herz!
Die Hand, die du fassen würdest:
Kalt ist sie und hart.
Das Herz, das du begehren dürftest:
Fahl ist es, erstarrt!
Denn höre:
Einem schlug es, einem schlägt es,
Einem glüht seine heilige Flamme!
Mit aller Wonne seligen Hoffens,
Mit allem Wehe bangen Verzagens!
Im Schmerz beglückend –
Im Glücke schmerzend!
Nun glaub’ ich! Und stimmt mir alle zu:
Höher als aller Sterne Gebot
Waltet ein zweites: des Herzens Gebot!
Der Wolken dräuendem Schwarz zum Trotz
Baut Sonne Liebe den Regenbogen.
Grad’ dort, wo es am düstersten starrt,
Strahlender Farben duftige Wogen!
Himmelsbrücke! Liebesband!
Wohin er schied,
Auf dir folgt ihm mein Herz.
Getrennt dem Auge, vereint im Schmerz!
Helferich!
Dein werd’ ich ewig sein!
 
(Man hört aus der Ferne das Volk Helferich zujubeln.)
 
Chor
(hinter der Szene)
Heil Helferich! Bleib bei uns! Bleib! ach bleib!
 
(Agnes, von tiefem Schmerz erfaßt, will zurückeilen; sie hält an, bemeistert sich; doch die Kräfte schwinden ihr. Der Herzog nimmt sie in seine Arme.)
 
 
Heinz
(schüchtern)
Die arme Maid! So grimme Pein!
(indem er vor ihr niederkniet)
Sag! Darf ich als Bruder dir Tröster sein?
 
(Agnes hebt matt den Kopf; ein zartes wehmütiges
Lächeln verklärt ihre Züge; sie legt eine Hand auf Heinz’ Haupt. – Der Vorhang fällt.)
 
(Ende der Oper)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


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