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Wagner Richard
Bruder Lustig
English
Title Page
German
Act 1
Act 2
Act 3

 
Vorspiel
 

1. Aufzug

Platz in einer kleinen Reichsstadt; rechts die Stadtmauer mit Tor, links Walburgs Haus.
Eine Linde im Hintergrund.
Novemberstimmung. Schnee.
 
1. Szene
 
Walburg
Heinrich!
 
Heinrich
Schnell! Verkleid mich ! Den Mantel der Mutter, die Haube, die Brille, das Betbuch –
 
Walburg
Was ist?
 
Heinrich
Schnell! Schaff es! Später mehr! – Sie nah’n!
 
Walburg eilt ins Haus und sucht nach dem Gewünschten.
Walburg kommt zurück. Heinrich, schnell zum alten Weib gewandelt, nimmt eine Krücke und hinkt einher.
 

Heinrich                                           
Geleit mich am Arm, als führtest Du mich heim!
 
Drei Burschen eilen durch das Tor herein.
 
Heinrich
Dort sind sie schon!
 
Ein Bursche
Wo ist er? (zu Walburg) Ist nicht Einer hier durchgestürmt?
 
Walburg
Weiß von nichts –
 
Ein Bursche
Doch doch! Im Schnee die Spuren! Hier ging es her! In’s Haus gedrungen!
 
Walburg stellt sich ängstlich.
 
Walburg
In’s Haus dürft ihr nicht!
 
Ein Bursche
Ei, Ei! Warum so wild?
 
Walburg
Wollt ihr die Mutter wecken, die siech und matt im Bett liegt.
 
Ein Bursche
Was schert uns die Alte! Du hast ihn verborgen –
 
Walburg vertritt ihnen die Tür.
 
Walburg
Nein! Ihr dürft nicht!
 
Ein Bursche
Wir wollen und werden!
 
Walburg
Ich sage: Nein!
 
Ein Bursche
(Da sein Drohen nichts hilft, wird er handgreiflich)
s’ ist Kaiser’s Befehl! Drum fort von hier!
 
Walburg
Schämt euch, mit Frau’n zu raufen!
 
 
Ein Bursche
Wie sie uns hinhält, daß er wo entschlüpft! Weg da!
(Die Burschen drängen die Walburg zur Seite und eilen ins Haus.)
 
Walburg
Schont die Mutter!
 
Heinrich (leise)
Gute Walburg! Wie klug!
 
(Walburg sieht ängstlich nach dem Haus.
Die Burschen kehren enttäuscht zurück.)
 
Walburg (lächelnd)
Habt ihr ihn? Nicht? So hätt’ ich gelogen?
Ich glaubte wirklich er sei da!
 
Ein Bursche (verlegen)
Sei nicht bös’! Mädel! Doch deine Angst mußt’ uns beirren!
(zu den Burschen sich wendend)
Auf zur Suche! Der Kerl uns sonst entwischt!
 
(Er eilt mit den anderen nach der Stadt zu ab)
 
Heinrich
(nimmt Brille, Haube und Mantel ab)
Wie soll ich dir danken!
 
Walburg (sich umsehend)
Hüte dich! Sag! Was ist’s mit dir?
 
Heinrich
Höre!
Zu Bamberg war’s –
Der Kaiser mit samt seinem Gefolg’
beim Hochamt weilte im Dom –
indes in der Burg zu festlichem Mahl’
hundert Hände rüstig schufen.
Zuschauend stand bei der Tafel Pracht
des Schwaben Herzogs junger Sproß,
ein wonnig lieber guter Schelm!
Und wie er solch’ leckre Speisen sah,
da ließ es ihn nicht, und heimlich
sucht er von dem Süßen‚
was Feines zu naschen.
Der Truchseß sah es, ein düstrer Herr,
und schlug den armen Kleinen,
daß jammernd er in Leid stand!
Es packte mich mit jähem Zorn!
Den Truchseß setzt ich dreist zur Rede,
und als er barsch mich wies,
schlug ich ihn mit solcher Wucht,
daß blutend er zu Boden sank.
 
Walburg
Still!
 
(Die drei Burschen eilen wieder vorbei und suchen in einem anderen Haus. Heinrich hüllt schnell den Mantel wieder um sich.)
 
Walburg
Sie sind fort!
 
(Heinrich nimmt den Mantel wieder teilweise ab)
 
Heinrich
Er starb! – Geschrei erhob sich d’rob!
Grad kehrte der Kaiser zurück! Mord! Ha!
»Wer ist der Verbrecher?« »Ich, der Bruder Lustig!«
(So hieß ich bei Hof , meinen wahren
Namen kennt keiner.)
Ich sprang jach auf den Kaiser zu
und faßte ihn bei dem langen Bart!
Das Messer zückt’ ich und drohte jedem:
Naht ihr mir, ist’s um euren Herrn gescheh’n!
Den Bart scher’ ich ihm zu Schand’!
Ich schlug um mich ! Ein Rasender!
Bis der Kaiser von mir sich zu befrei’n schwur.
Ich dürft’ von dannen ziehn. Ich ließ ihn los!
Grollender Donner – so dröhnt mir ins Ohr sein Wort:
»Eine Stunde Freiheit – dann bist du dem Tod verfallen!
Sam mir mein Bart!«
Ich floh von dannen und fliehe noch!
Die Häscher sind’s, die verfolgen mich !
 
(Die Burschen kommen wieder herbeigeeilt)
 
Walburg(Den Burschen entgegen rufend)
Grad’ lief einer der Burg zu – Ist’s der vielleicht? Ein Brauner-
 
Ein Bursche
Ja, ja! Wohin?
 
Walburg (nach links deutend)
Dort , die Stufen hinauf!
 
Ein Bursche
Dacht’ ich’s mir doch!
 
Walburg (lächelnd)
Jetzt habt ihr ihn aber ganz gewiß!
 
(Heinrich entledigt sich wieder der Kleidung)
 
Walburg
Und willst du hier dich verbergen?
 
Heinrich
Heimat sei mir dieser Ort!
 
Walburg
Du Toller! Wie konntest du das begeh’n?
 
Heinrich
Sag! Was ist mit der Rüle?
(Es durchzuckt Walburg, sie weicht seinem Blick aus und zögert zu antworten)
 
Heinrich
Willst du nicht reden! Ist sie noch hier?
 
Walburg:
Die Rüle? Warum sollte sie fern sein?
 
Heinrich
Ist sie wirklich noch hier? Und glaubst du –
 
Walburg (mit unterdrückter Heftigkeit)
Was soll ich glauben?
 
Heinrich
Du weichst mir immer aus! Du siehst zu Boden! Traf sie was? Ein Leid?
 
Walburg
Nicht doch – sie ist munter!
 
Heinrich
Sie ist munter! Und glaubst du, daß sie mir gut ist?
 
Walburg (sich ganz abwendend)
Was kümmert sie mich ? Und wen sie liebt? Frag sie selbst! Mir war’s,
als hätt’ es gerufen! Mutter? Ja gleich – ich komm’!
 
(Sie geht zurück ins Haus. Heinrich blickt ihr verwundert nach. Als er wieder Schritte vernimmt, verbirgt er sich hinter einem Holzverschlag.)
 
 
2. Szene
Rüle mit etlichen Mädchen. (Sie sehen sich um, ob sie auch nicht belauscht werden.)
 
Rüle (auf Walburgs Haus deutend)
Ruft sie herbei! Sie darf nicht fehlen!
 
Heinrich (leise)
Rüle!
 
Rüle
Walburg!
 
Heinrich
Kann ich mich halten!
 
Walburg
Ihr wollt mich ?
 
Mädchen
Als wüßt’ sie’s nicht mehr!
 
Rüle
Hast du’s nicht bedacht? Heut’ ist’s Andreasnacht!
 
Walburg (düster)
Andreasnacht?
 
Die Mädchen
Hab’ Acht, wer da wacht! »Zaun-Schütteln« »Spänerufen« Lichtlein in der Nuß – Schal – ! Laßt uns losen, wen zu kosen Zukunft gönnt zum Gemahl!
 
Walburg
Andreasnacht!
 
Rüle
Möcht’st du am End’ nicht wissen, wer dich einst wird herzhaft küssen?
 
Die Mädchen
Wirst es doch nicht lang so treiben!
Jungfer willst du eh’ nicht bleiben!
Heut’ wirst du den Rechten erschau’n:
ob dem du dich gibst, den du liebst;
Schicksalsspruch darfst du vertrau’n
(Rüle sieht sich um)
 
Rüle
Hat eine die Urme geseh’n?
 
Walburg
Zur Urme willst du? Das ist nicht recht!
 
Rüle
Was wär daran schlecht?
 
Walburg
Ich wurde gewarnt: von ihr umgarnt schon manche Maid litt’ bitt’res Leid.
 
Rüle
Ach du! Was tausende schon taten,
warum sollt’ es uns mißraten?
 
Walburg
Gespensterlug und Zaubertrug! Die Mutter warnte oft!
 
Rüle (heftig)
Ewig »die Mutter«! Alte Geschicht’!
Weißt du bestimmt, tat sie’s vielleicht nicht?
 
Walburg (streng)
Kein Hohn!
 
Mädchen
Pst! Still, wenn man uns hört!
 
Walburg
Wenn ihr nicht’s Schlimmes tut,
weshalb seid ihr dann auf der Hut?
 
Rüle
Laßt sie laufen! Laßt sie ledig!
Stolz für sich allein sie wand’re,
dünkt sich besser als andre!
 
Mädchen (leise zu Rüle)
Wenn sie’s aber verlauten läßt?
 
Rüle (erschrecken)
Was verraten? (Sie steht sinnend.) (für sich)
Ich muß sie kirren, sonst endet’s schlimm!
(Sie nähert sich Walburg und reicht ihr die Hand)
Burgel, sei wieder lieb!
Die Hand mir gib! Gib!
Mußt es der Rüle verzeih’n.
Sie haut halt immer so hurtig d’rein!
Du hast ja recht, wenn du uns zankst,
wenn du vor nächt’gem Zauber bangst!
Doch denk dir eine arme Maid,
der geht ein Mann nicht aus dem Sinn!
Und ach! wie sei sie tief beklagt:
er wandt’ sein Herz einer andern hin!
Die Liebe läßt ihr keinen Frieden!
Alles ist ihr Qual und Tod:
ob doch er würd’ ihr beschieden.
Die Antwort linderte die Not!
Schicksal könnt’ es doch noch wenden,
eh’ Ungeliebten sie nimmt!
Trost kann nur eines ihr spenden!
Eine Hoffnung die ihr glimmt!
Wenn die Arme gegen die Qual
nach einz’gem Heil würde suchen,
würdest du der Traurigen fluchen?
(Walburg sieht Rüle ernst in’s Auge)
 
Mädchen (leise)
Die Urme!
(Die Urme eilt herbei)
 
Urme
Hehe! Dirnengezücht!
Das wär’ so der richt‘ge Tag!
Gruselt‘s euch nicht,
vor dem Nachtgelag?
Hobelspäne und Zauneszähne
Nüßchenkähne und Krötenträne!
Hihi! Nicht gezaudert!
Zur Mitternacht nicht geplaudert!
Daß es nicht kracht!
 
 
3. Szene
 
(Heinrich stößt aus Versehen an Holzklötze, die alsbald polternd niederfallen. Die Mädchen stieben auseinander. Die Urme, welche allein zurückbleibt, sieht sich forschend um. Als die Urme leis verschwinden will, stürzt Heinrich auf sie und faßt sie drohend beim Genick.)
 
Urme
Hui! Au, au!
 
Heinrich
Urme! Urme!
 
Urme
Wehe!…
 
Heinrich
Ha! Willst du der Mädel Heil verkaufen?
Fürchtest du nicht den Scheiterhaufen?
Spießen dich und braten und kohlen!
Speise du für Raben, Dohlen!
Wart! Ich werd’ dir das Handwerk legen.
 
Urme (schmeichelnd)
Schöner, edler, zuck’riger Herr!
Wie du zürnst und wie du höhnst!
Dabei, was du im Stillen ersehnst,
eine nur kann es dir bringen!
 
Heinrich
Schmunzelnd klappert ihr der Kiefer!
Kuppeln auch noch! Ungeziefer!
Deinen Tod will ich!
 
Urme (überlegen lächelnd)
Doch erst, wenn du am Ziele
zur Jungfer Rüle!
 
Heinrich
Woher weißt du das?
 
Urme (indem sie ihm ruhig und fest in‘s Auge sieht.)
Die Urme!
(Sie nähert sich Heinrich geheimnisvoll)
Zur Stunde der Gespenster
komm heimlich an mein Fenster!
Wenn die Klingel dreimal läutet,
dies das Nah’n für dich bedeutet!
Guck hinein, red kein Wort!
Flugs fleuch weg und stiehl dich fort!
Rüle nennt’s dann ihr Geschick!
Freien darfst du Glück und Heil!
 
Heinrich (für sich)
Glaubt man den Teufel fest zu packen,
kitzelt er uns schon am Nacken!
(zur Urme)
Teufelsgevatter! Schlaue Natter!
Dein Biß ist süß!
(Er packt sie wieder drohend)
Urme! Ich will gnädig sein,
will dich von der Straf’ befrei’n!
Doch eins noch tu mir zu Gefallen,
soll dein Sünderglöckchen nicht schallen!
(heimlich ihr ins Ohr)
Drei Burschen verfolgen mich durch die Gassen!
Sag ihnen, heut nacht ganz spät,
wenn der Zeiger auf Ein-Uhr steht,
könnten sie bei dir mich fassen!
Schwör’s! Oder bereu!
 
Urme
Ich schwör’s, läßt du mir das Leben!
 
Heinrich
Dort kommen Leute!
 
 
4. Szene
 
Urme
Von der Kirche kehrt die Gemeinde heim!
(Heinrich verhüllt sich wieder und geht mit der Urme ab.)
 
Heinrich
Komm, laß uns beraten!
(Walburg tritt aus dem Haus, in ein Tuch den Kopf gehüllt.)
Den Weihesegen sprach der Priester,
das Heim zu hüten vor Zauberei.
Der Abend sank! Allüberall düster
zieht die Nacht vorbei!
Dunkel nicht! Der Tag war dunkel,
fahl sein Leuchten, malt sein Licht.
Nacht ist hell! Sternengefunkel
durch das Schwarze bricht!
Ihr müßt es mir schenken,
was die Sonne nicht konnte verleih’n:
Kunde aus der Ferne!
Euch will ich mich weih’n!
Fühlt es, meines Herzens Grauen!
Wie es zagt und dennoch will!
In der Zunkunft Bild zu schauen,
das Sehnen wird nicht still!
Ich schaud’re! Fröstelnd starrt das Blut!
Dann in heißen Strömen wieder
sengend wie mit der Hölle Glut,
wogt’s durch die Glieder!
O Frage, die so furchtbar peint:
Wird er mein? Wird er es nicht?
Wenn ein Andrer nun erscheint?
Ob die Nacht die Wahrheit spricht?
Zwei Stimmen streiten, ich lausch ihrem Zwist.
Die eine lockt, die andre mahnt.
Die Schwächre ruft: »Fliehe die List!
Hör’ auf mich ! Dich hat‘s umwahnt!«
(Schnee beginnt zu fallen)
Verhüllt die Sterne! Ach, sie schweigen.
Sie wollen helfend nicht mir sich zeigen!
 
Nebelwolken! Schneeige Flocken,
feucht zu langem Werke locken!
Gott! Sei gnädig! Verzeih!
 
Rüle (in ein Tuch gehüllt, schleicht aus ihrer Wohnung und verschließt hinter sich die Tür, flüsternd.)
Walburg? Wartest du schon?
Die Mutter wollt’ ewig nicht schlafen!
Die deine macht dir’s leichter! Guck nur: der Schnee!
(Scheu sich umsehend)
pst! Wer ist’s? Still! Niemand! Schließ ab, wahr den Schlüssel! Komm! Komm!
(Der Schnee fällt immer dichter und verhüllt die Bühne ganz.)
 
 
5. Szene
(Der Schnee, welcher sich zu einer Wolke verdichtet hat, löst sich allmählich in Nebel auf; durch denselben gewahrt man jetzt erst schwach beleuchtet, dann heller, einen turmartigen Raum mit geheimnisvollen Seitengängen. Zaubergerätschaften stehen und hängen umher: In der Mitte ein Tisch, vorn links ein großer Kessel. Hinten links ein Fenster; dahinter eine Tür, ebenso rechts. Durch die Tür links kommt die Urme. Sie geht zur Tür rechts und läßt die Mädchen, die außen warten, herein.)
 
Urme
Bleibt auf den Stufen.
(Sie schiebt die Mädchen zur Tür links im Hintergrund hinaus. Nur Rüle bleibt zurück)
Ich wer’ euch rufen! Rüle! Komm!
(Die Urme facht das Feuer unter dem Kessel an)
Funke flitze, zucke, blitze! Loh’ entfessel!
Bleib nicht kühl: mach ihn schwül!
Den Dickbauch Kessel!
Stampfe, Urme! Stampf!
Dampfe! Dampfe, Dunst! Dampf!
Trudeli, prudeli! Tattermann! Tatter!
Trudeli, prudeli! Niest du Gevatter?
(zur Rüle)
Setz dich und schau dorthin:
Fenster bringt dir Ehgewinn!
Wer zuerst hereingeschaut,
wählt dich einst zur Braut!
(leise kichernd)
(deutlich, zum Publikum etwas gewandt)
Hocuspocus nur zum Schein!
Falsches Kraut fällt jetzt ein!
Will der Rechte sie sich frein,
laß’ ich echten Zauber sein!
Glocke locke Bräutigam!
(sie läutet)
Läute heute bim und bam!
Töne, dröhne, bis er kam!
(Rüle blickt unverwandt zum Fenster hin.
Heinrich erscheint am Fenster und blickt herein.)
 
Rüle
Wen seh ich?
 
Urme
Still!
 
Rüle
Ist das ein Geist?
 
Urme
Nur nicht sprechen!
Jed’ Wort wär Verbrechen!
(Heinrich geht wieder ab)
Schau: Da ist er wieder weg!
 
Rüle (bedenklich)
Urme, war das ein Gespenst?
 
Urme
An der Bleiche du erkennst!
 
Rüle
Sonderbar! Und er ist doch fern!
Hätt’ mich der Bursch’ noch immer gern?
 
Urme
(indem sie Rüle entfernt)
Fort jetzt !
Nicht gesäumt
und geträumt!
Zeit ist knapp!
Troll dich! Trapp!
(Urme winkt Walburg herbei)
(sehr ernst, für sich)
Scherz verronnen!
Jetzt besonnen
Zauber gewonnen!
Leicht ist’s nicht!
Würzig Gericht,
im Kessel gepicht,
brau meine Kunst.
Erscheine im Dunst
ein Nebelgesicht!
Setz dich dort am Tisch,
indes ich Speise misch!
Lad’ den Schatz zum Mahl!
Wer kommt, wird dein Gemahl!
Achte, was er liegenläßt!
Greif danach und wahr es fest!
(Walburg setzt sich an den Tisch)
(für sich)
Ob sie find Erhörung?
Andreasnachtbeschwörung?
All herbei miau, miau!
Hi: was ich Leck‘res brau!
Krötentunke,
Gift der Unke
taugt zum Trunke!
Kellerassel
drinnen prassel!
Schmort gegoren
Spinnenohren!
Fliegenschwamm
und Gockelkamm!
Spring auf mein Kater,
stehst heut Gevatter!
Funda! ‘s ist noch nicht die Zeit!
Klaub auf: Geh Tag ist weit!
Schimmel, wo hast du den vierten Huf?
Dodamon hör den Ruf!
Andreasnacht! Andreasnacht! Andreasnacht!
Hab Acht! Wer da wacht!
Hab Acht! Hab Acht! Hab Acht!
Mare! Mare! Quäl den Gatten
(Sie gießt das Gebraute in ein zinnernes Gefäß; dieses wieder schüttet sie über eine hinter dem Tisch befindliche Vertiefung. Ein grüner Dampf steigt auf)
Schick uns flugs her seinen Schatten!
(Im Dunst erscheint eine blasse dunkle Gestalt und setzt sich an den Tisch. Als die Urme gewahrt, daß Walburg der Ohnmacht nah‘ ist, ruft sie ihr flüstern zu)
Iß doch! und heiß ihn essen :
 
Walburg (leise)
Er kann nicht schneiden! Das Messer hast du vergessen!
(Die Gestalt zieht aus einer Hülle ein Messer.
Die Urme wird ängstlich, sie bläst ins Feuer.
Eine Flamme lodert auf. Die Gestalt verschwindet.)
 
Urme
Verdammt! Schwergeburt!
(Walburg ist mit einem Schrei zusammengesunken)
 
Urme
Katze heult und Kater murrt!
(Sie steckt Walburg das Messer zu)
Daß Messerspitz dich nicht ritz’!
(indem sie Walburg aufhebt und nach der Kammer links im Hintergrunde schafft)
Folg mir: es kommen noch and’re dran:
zu spät ist’s, kräht der Hahn!
(es pocht draußen)
 
Urme (verschmitzt lächelnd)
Aha, da sind sie schon!
(Sie geht zur Pforte und öffnet)
Herein ihr Herren!
(die drei Burschen treten ein, sie grüßt verbindlich)
Jetzt sollt ihr was sehn! (sie geht ins Zimmer zu den Mädchen)
 
Bursche (mit einem Seil)
Also du, du packst ihn so! und ich da!
und der bindet dreimal den Strick um ihn!
(Die Burschen stellen sich auf, um Heinrich beim Heraustreten sofort zu überwältigen. Sie schauen unverwandt zur Tür, die sich jetzt öffnet. Die Urme kommt heraus, macht ein Zeichen, ganz still zu sein.)
 
(Die Mädchen, bis auf Walburg, kommen paarweise hereingehüpft, tanzen durch den ganzen Raum, die Urme schlägt mit den Händen den Takt dazu, als sei sie ihre Lehrmeisterin)
 
Urme
Trudeli, prudeli: tralaleila: tralalalei!
 
Bursche (durch den Anblick der
Mädchen ganz bezaubert)
Da seht die Mädel!
 
Urme
Tanzen lehr ich sie Zieren Reigen!
Sollen beim Fest ihre Künste zeigen.
Drehen und Hüpfen und Schwingen:
Dabei auch noch singen:
Nickend! Neckend! Alles lehrt
sie sie im dumpfen Turme,
die gute brave Urme.
Trudeli, prudeli! Trudeli, prudeli!
Trudeli, prudeli! tralaleia!
 
Bursche
Und wie sie tanzen: süße Dirnen!
Verdreht uns den Kopf! Laßt sie uns kirren,
die Bienen umschwirren!
 
 
Heinrich (als Nachtwächter verkleidet, tritt ein.)
(mit verstellter Stimme)
Oho! Teufels nächt’ge Polterei!
(Die Mädchen fahren entsetzt auseinander. Nur die Burschen, wonnebetäubt, merken anfangs nichts und wollen die Mädchen nicht loslassen.)
Wart, ich werd’ euch kommen!
(Er will das Horn ansetzen. Die Mädchen stürmen auf ihn zu und reißen ihm dasselbe vom Mund)
Feuer! Feuer!
(Heinrich stößt die Mädchen zurück und will das Horn wieder ansetzen.)
Wartet!
(Die Mädchen stoßen ihm abermals das Horn vom Mund)
 
Die Mädchen
Nein!
 
Heinrich
Aber jetzt!
(Dasselbe wiederholt sich nochmals)
 
Mädchen
Nein!
(Die Mädchen streicheln und hätscheln ihn)
Wächter! Brummer! Grimmer Summer!
Bist vielleicht der Nicklas du?
Läßt den Kindern keine Ruh?
Polterst, donnerst, wetterst d’rein!
Und schenkst uns dann die Nüßchen fein!
 
Heinrich
Ihr Dirnen, ihr Losen!
Mit Schmeicheln und Kosen
fängt man mich nicht!
Über euch halt ich Gericht!
(indem er das Seil aufhebt und die drei Burschen aneinander bindet)
Her das Seil! Lumpen! Diebsgesindel!
(indem er die Tür öffnet)
 
Und jetzt hinaus! Hurtig und flott:
Zum Tor mit Schand und Spott!
Und laßt euch ja nicht wieder blicken:
Euch könnten sonst die Ketten drücken!
(Er wirft die Burschen hinaus und sieht ihnen nach, ob sie auch wirklich zum Tor hinausgehen)
Marsch!
(Während Heinrich noch außen steht, verabredet Rüle leise mit den Mädchen,
was sie ihm antworten werden. Die Urme steht ganz im Hintergrund. Walburg ist unmerklich nach vorn gekommen)
 
Heinrich
Gottlob, sie wär ich los.
 
(Heinrich wendet sich den Mädchen ab, um Bart, Perücke und Mantel abzunehmen. Er wendet sich wieder zu den Mädchen. Sie erkennen ihn)
 
Mädchen (Rüle mit den Ersten)
Heinrich!
 
Heinrich
Ja, ja: der Heinrich! Der kam daher!
Manchem Mädel recht der Quer!
Was schafft ihr denn hier?
 
Die Mädchen und Rüle
Tanzen lernen, Weihnachtsspiele
und auch von Sternen weiß sie so viel!
Und Märchen erzählen kann sie schön.
Das lehrt uns die brave liebe gute Urme!
 
Heinrich
Das lerntet ihr hier?
Solch kindische Kunde zu solcher Stunde!
(Er wendet sich zu Walburg, die jetzt vorn (links) steht)
Und Walburg? Was führt dich hierher?
(Sie blickt ihm schweigend lang ins Auge.
Die Mädchen stecken ängstlich die Köpfe zusammen)
 
Alle Mädchen
Wird sie uns verraten?
 
Heinrich
Du schweigst?
 
Walburg (düster, feierlich)
Wir feiern heut’ Andreasnacht!
(Sie faltet die Hände und sinkt auf ein Knie.
Alle anderen regungslos)
 
Der Vorhang fällt langsam.
 
 

 


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