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Opera Libretti




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Wagner Richard
Das Rheingold
Synopsis
Introduction
Scene I
Scene II
Scene III
Scene IV

Vierte Szene

Die Szene verwandelt sich, nur in umgekehrter Weise, wie zuvor; die Verwandlung führt wieder an den Schmieden vorüber. Fortdauernde Verwandlung nach oben. Schließlich erscheint wieder die freie Gegend auf Bergeshöhen wie in der zweiten Szene; nur ist sie jetzt noch in fahle Nebel verhüllt, wie vor der zweiten Verwandlung nach Freias Abführung. Wotan und Loge, den gebundenen Alberich mit sich führend, steigen aus der Kluft herauf.

Loge

Da, Vetter, sitze du fest!
Luge Liebster, dort liegt die Welt,
die du Lungrer gewinnen dir willst:
welch Stellchen, sag',
bestimmst du drin mir zu Stall?
er schlägt ihm tanzend Schnippchen

Alberich

Schändlicher Schächer! Du Schalk! Du Schelm!
Löse den Bast, binde mich los,
den Frevel sonst büßest du Frecher!

Wotan

Gefangen bist du, fest mir gefesselt,
wie du die Welt, was lebt und webt,
in deiner Gewalt schon wähntest,
in Banden liegst du vor mir,
du Banger kannst es nicht leugnen!
Zu ledigen dich, bedarf 's nun der Lösung.

Alberich

O ich Tropf, ich träumender Tor!
Wie dumm traut' ich dem diebischen Trug!
Furchtbare Rache räche den Fehl!

Loge

Soll Rache dir frommen,
vor allem rate dich frei:
dem gebundnen Manne
büßt kein Freier den Frevel.
Drum, sinnst du auf Rache,
rasch ohne Säumen
sorg' um die Lösung zunächst!
er zeigt ihm, mit den Fingern schnalzend, die Art der Lösung an

Alberich

barsch
So heischt, was ihr begehrt!

Wotan

Den Hort und dein helles Gold.

Alberich

Gieriges Gaunergezücht!
für sich
Doch behalt' ich mir nur den Ring,
des Hortes entrat' ich dann leicht;
denn von neuem gewonnen
und wonnig genährt
ist er bald durch des Ringes Gebot:
eine Witzigung wär 's,
die weise mich macht;
zu teuer nicht zahl' ich,
lass' für die Lehre ich den Tand.

Wotan

Erlegst du den Hort?

Alberich

Löst mir die Hand, so ruf' ich ihn her.
Loge löst ihm die Schlinge an der rechten Hand. Alberich berührt den Ring mit den Lippen und murmelt heimlich einen Befehl.
Wohlan, die Nibelungen rief ich mir nah'.
Ihrem Herrn gehorchend, hör' ich den Hort
aus der Tiefe sie führen zu Tag:
nun löst mich vom lästigen Band!

Wotan

Nicht eh'r, bis alles gezahlt.
Die Nibelungen steigen aus der Kluft herauf, mit den Geschmeiden des Hortes beladen. Während des Folgenden schichten sie den Hort auf.)

Alberich

O schändliche Schmach!
Daß die scheuen Knechte
geknebelt selbst mich ersch'aun!
zu den Nibelungen
Dorthin geführt, wie ich's befehlt'!
All zu Hauf schichtet den Hort!
Helf' ich euch Lahmen?
Hieher nicht gelugt!
Rasch da, rasch!
Dann rührt euch von hinnen,
daß ihr mir schafft!
Fort in die Schachten!
Weh' euch, find' ich euch faul!
Auf den Fersen folg' ich euch nach!
er küßt seinen Ring und streckt ihn gebieterisch aus. Wie von einem Schlage getroffen, drängen sich die Nibelungen scheu und ängstlich der Kluft zu, in die sie schnell hinabschlüpfen.)
Gezahlt hab' ich;
nun laßt mich zieh'n:
und das Helmgeschmeid',
das Loge dort hält,
das gebt mir nun gütlich zurück!

Loge

den Tarnhelm zum Horte werfend
Zur Buße gehört auch die Beute.

Alberich

Verfluchter Dieb!
leise
Doch nur Geduld!
Der den alten mir schuf, schafft einen andern:
noch halt' ich die Macht, der Mime gehorcht.
Schlimm zwar ist's, dem schlauen Feind
zu lassen die listige Wehr!
Nun denn! Alberich ließ euch alles:
jetzt löst, ihr Bösen, das Band.

Loge

zu Wotan
Bist du befriedigt? Lass' ich ihn frei?

Wotan

Ein goldner Ring ragt dir am Finger;
hörst du, Alp?
Der, acht' ich, gehört mit zum Hort.

Alberich

entsetzt
Der Ring?

Wotan

Zu deiner Lösung mußt du ihn lassen.

Alberich

bebend
Das Leben, doch nicht den Ring!

Wotan

heftiger
Den Reif' verlang' ich,
mit dem Leben mach', was du willst!

Alberich

Lös' ich mir Leib und Leben,
den Ring auch muß ich mir lösen;
Hand und Haupt, Aug' und Ohr
sind nicht mehr mein Eigen,
als hier dieser rote Ring!

Wotan

Dein Eigen nennst du den Ring?
Rasest du, schamloser Albe?
Nüchtern sag',
wem entnahmst du das Gold,
daraus du den schimmernden schufst?
War's dein Eigen, was du Arger
der Wassertiefe entwandt?
Bei des Rheines Töchtern hole dir Rat,
ob ihr Gold sie zu eigen dir gaben,
das du zum Ring dir geraubt!

Alberich

Schmähliche Tücke! Schändlicher Trug!
Wirfst du Schächer die Schuld mir vor,
die dir so wonnig erwünscht?
Wie gern raubtest
du selbst dem Rheine das Gold,
war nur so leicht
die Kunst, es zu schmieden, erlangt?
Wie glückt es nun dir Gleißner zum Heil,
daß der Niblung, ich, aus schmählicher Not,
in des Zornes Zwange,
den schrecklichen Zauber gewann,
dess' Werk nun lustig dir lacht?
Des Unseligen, Angstversehrten
fluchfertige, furchtbare Tat,
zu fürstlichem Tand soll sie fröhlich dir taugen,
zur Freude dir frommen mein Fluch?
Hüte dich, herrischer Gott!
Frevelte ich, so frevelt' ich frei an mir:
doch an allem, was war,
ist und wird,
frevelst, Ewiger, du,
entreißest du frech mir den Ring!

Wotan

Her der Ring!
Kein Recht an ihm
schwörst du schwatzend dir zu.
er ergreift Alberich und entzieht seinem Finger mit heftiger Gewalt den Ring.

Alberich

gräßlich aufschreiend
Ha! Zertrümmert! Zerknickt!
Der Traurigen traurigster Knecht!

Wotan

den Ring betrachtend
Nun halt' ich, was mich erhebt,
der Mächtigen mächtigsten Herrn!
er steckt den Ring an

Loge

Ist er gelöst?

Wotan

Bind' ihn los!

Loge

löst Alberich vollends die Bande
Schlüpfe denn heim!
Keine Schlinge hält dich:
frei fahre dahin!

Alberich

sich vom Boden erhebend
Bin ich nun frei?
mit wütendem Lachen
Wirklich frei?
So grüß' euch denn
meiner Freiheit erster Gruß! -
Wie durch Fluch er mir geriet,
verflucht sei dieser Ring!
Gab sein Gold mir Macht ohne Maß,
nun zeug' sein Zauber Tod dem, der ihn trägt!
Kein Froher soll seiner sich freun,
keinem Glücklichen lache sein lichter Glanz!
Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge,
und wer ihn nicht hat, den nage der Neid!
Jeder giere nach seinem Gut,
doch keiner genieße mit Nutzen sein!
Ohne Wucher hüt' ihn sein Herr;
doch den Würger zieh' er ihm zu!
Dem Tode verfallen, feßle den Feigen die Furcht:
solang er lebt, sterb' er lechzend dahin,
des Ringes Herr als des Ringes Knecht:
bis in meiner Hand den geraubten wieder ich halte! -
So segnet in höchster Not
der Nibelung seinen Ring!
Behalt' ihn nun,
lachend
hüte ihn wohl:
grimmig
meinem Fluch fliehest du nicht!
er verschwindet schnell in der Kluft. Der dichte Nebelduft des Vordergrundes klärt sich allmählich auf

Loge

Lauschtest du seinem Liebesgruß?

Wotan

in den Anblick des Ringes an seiner Hand versunken
Gönn' ihm die geifernde Lust!
es wird immer heller

Loge

nach rechts in die Szene blickend
Fasolt und Fafner nahen von fern:
Freia führen sie her.
Aus dem sich immer mehr zerteilenden Nebel erscheinen Donner, Froh und Fricka und eilen dem Vordergrunde zu.

Froh

Sie kehren zurück!

Donner

Willkommen, Bruder!

Fricka

besorgt zu Wotan
Bringst du gute Kunde?

Loge

auf den Hort deutend
Mit List und Gewalt gelang das Werk:
dort liegt, was Freia löst.

Donner

Aus der Riesen Haft naht dort die Holde.

Froh

Wie liebliche Luft wieder uns weht,
wonnig' Gefühl die Sinne erfüllt!
Traurig ging es uns allen,
getrennt für immer von ihr,
die leidlos ewiger Jugend
jubelnde Lust uns verleiht.
Der Vordergrund ist wieder hell geworden; das Aussehen der Götter gewinnt wieder die erste Frische: über dem Hintergrunde haftet jedoch noch der Nebelschleier, so daß die Burg unsichtbar bleibt. Fasolt und Fafner treten auf, Freia zwischen sich führend.

Fricka

eilt freudig auf die Schwester zu, um sie zu umarmen
Lieblichste Schwester, süßeste Lust!
Bist du mir wieder gewonnen?

Fasolt

ihr wehrend
Halt! Nicht sie berührt!
Noch gehört sie uns.
Auf Riesenheims ragender Mark
rasteten wir; mit treuem Mut
des Vertrages Pfand pflegten wir.
So sehr mich's reut, zurück doch bring' ich's,
erlegt uns Brüdern die Lösung ihr.

Wotan

Bereit liegt die Lösung:
des Goldes Maß sei nun gütlich gemessen.

Fasolt

Das Weib zu missen, wisse, gemutet mich weh:
soll aus dem Sinn sie mir schwinden
des Geschmeides Hort häufet denn so,
daß meinem Blick die Blühende ganz er verdeck'!

Wotan

So stellt das Maß nach Freias Gestalt!
Freia wird von den beiden Riesen in die Mitte gestellt. Darauf stoßen sie ihre Pfähle zu Freias beiden Seiten so in den Boden, daß sie gleiche Höhe und Breite mit ihrer Gestalt messen.

Fafner

Gepflanzt sind die Pfähle nach Pfandes Maß;
Gehäuft nun füll' es der Hort!

Wotan

Eilt mit dem Werk: widerlich ist mir's!

Loge

Hilf mir, Froh!

Froh

Freias Schmach eil' ich zu enden.
Loge und Froh häufen hastig zwischen den Pfählen die Geschmeide)

Fafner

Nicht so leicht und locker gefügt!
er drückt mit roher Kraft die Geschmeide dicht zusammen)
Fest und dicht füll' er das Maß.
er beugt sich, um nach Lücken zu spähen
Hier lug' ich noch durch:
verstopft mir die Lücken!

Loge

Zurück, du Grober!

Fafner

Hierher!

Loge

Greif' mir nichts an!

Fafner

Hierher! Die Klinze verklemmt!

Wotan

unmutig sich abwendend
Tief in der Brust brennt mir die Schmach!

Fricka

den Blick auf Freia geheftet
Sieh, wie in Scham schmählich die Edle steht:
um Erlösung fleht stumm der leidende Blick.
Böser Mann! Der Minnigen botest du das!

Fafner

Noch mehr! Noch mehr hierher!

Donner

Kaum halt' ich mich: schäumende Wut
weckt mir der schamlose Wicht!
Hierher, du Hund! Willst du messen,
so miß dich selber mit mir!

Fafner

Ruhig, Donner! Rolle, wo's taugt:
hier nützt dein Rasseln dir nichts!

Donner

holt aus
Nicht dich Schmähl'chen zu zerschmettern?

Wotan

Friede doch!
Schon dünkt mich Freia verdeckt.

Loge

Der Hort ging auf.

Fafner

mißt den Hort genau mit dem Blick und späht nach Lücken)
Noch schimmert mir Holdas Haar:
dort das Gewirk wirf auf den Hort!

Loge

Wie? Auch den Helm?

Fafner

Hurtig, her mit ihm!

Wotan

Laß ihn denn fahren!

Loge

wirft den Tarnhelm auf den Hort
So sind wir denn fertig!
Seid ihr zufrieden?

Fasolt

Freia, die Schöne, schau' ich nicht mehr:
so ist sie gelöst? Muß ich sie lassen?
er tritt nahe hinzu und späht durch den Hort
Weh! Noch blitzt ihr Blick zu mir her;
des Auges Stern strahlt mich noch an:
durch eine Spalte muß ich's erspäh'n.
außer sich
Seh' ich dies wonnige Auge,
von dem Weibe lass' ich nicht ab!

Fafner

He! Euch rat' ich,
verstopft mir die Ritze!

Loge

Nimmersatte! Seht ihr denn nicht,
ganz schwand uns der Hort?

Fafner

Mitnichten, Freund! An Wotans Finger
glänzt von Gold noch ein Ring:
den gebt, die Ritze zu füllen!

Wotan

Wie! Diesen Ring?

Loge

Laßt euch raten!
Den Rheintöchtern gehört dies Gold;
ihnen gibt Wotan es wieder.

Wotan

Was schwatztest du da?
Was schwer ich mir erbeutet,
ohne Bangen wahr' ich's für mich!

Loge

Schlimm dann steht's um mein Versprechen,
das ich den Klagenden gab!

Wotan

Dein Versprechen bindet mich nicht;
als Beute bleibt mir der Reif.

Fafner

Doch hier zur Lösung mußt du ihn legen.

Wotan

Fordert frech, was ihr wollt,
alles gewähr' ich;
um alle Welt,
doch nicht fahren lass' ich den Ring!

Fasolt

zieht wütend Freia hinter dem Horte hervor
Aus denn ist's, beim Alten bleibt's;
nun folgt uns Freia für immer!

Freia

Hilfe! Hilfe!

Fricka

Harter Gott, gib ihnen nach!

Froh

Spare das Gold nicht!

Donner

Spende den Ring doch!
Fafner hält den fortdrängenden Fasolt noch auf; alle stehen bestürzt

Wotan

Laßt mich in Ruh'! Den Reif geb' ich nicht!
Wotan wendet sich zürnend zur Seite. Die Bühne hat sich von neuem verfinstert; aus der Felskluft zur Seite bricht ein bläulicher Schein hervor: in ihm wird plötzlich Erda sichtbar, die bis zu halber Leibeshöhe aus der Tiefe aufsteigt; sie ist von edler Gestalt, weithin von schwarzem Haar umwallt.

Erda

die Hand mahnend gegen Wotan ausstreckend
Weiche, Wotan! Weiche!
Flieh' des Ringes Fluch!
Rettungslos dunklem Verderben
weiht dich sein Gewinn.

Wotan

Wer bist du, mahnendes Weib?

Erda

Wie alles war - weiß ich;
wie alles wird, wie alles sein wird,
seh' ich auch, -
der ew'gen Welt Ur-Wala,
Erda, mahnt deinen Mut. Drei der Töchter,
ur-erschaff'ne, gebar mein Schoß;
was ich sehe, sagen dir nächtlich die Nornen.
Doch höchste Gefahr führt mich heut'
selbst zu dir her.
Höre! Höre! Höre!
Alles was ist, endet.
Ein düst'rer Tag dämmert den Göttern:
dir rat' ich, meide den Ring!
sie versinkt langsam bis an die Brust, während der bläuliche Schein zu dunkeln beginnt

Wotan

Geheimnis-hehr
hallt mir dein Wort:
weile, daß mehr ich wisse!

Erda

im Versinken
Ich warnte dich; du weißt genug:
sinn' in Sorg' und Furcht!
sie verschwindet gänzlich

Wotan

Soll ich sorgen und fürchten,
dich muß ich fassen, alles erfahren!
er will der Verschwindenden in die Kluft nach, um sie zu halten. Froh und Fricka werfen sich ihm entgegen und halten ihn zurück)

Fricka

Was willst du, Wütender?

Froh

Halt' ein, Wotan!
Scheue die Edle, achte ihr Wort!
Wotan starrt sinnend vor sich hin

Donner

sich entschlossen zu den Riesen wendend
Hört, ihr Riesen! Zurück, und harret:
das Gold wird euch gegeben.

Freia

Darf ich es hoffen?
Dünkt euch Holda wirklich der Lösung wert?
Alle blicken gespannt auf Wotan; dieser nach tiefem Sinnen zu sich kommend, erfaßt seinen Speer und schwenkt ihn wie zum Zeichen eines mutigen Entschlusses

Wotan

Zu mir, Freia! Du bist befreit.
Wieder gekauft kehr' uns die Jugend zurück!
Ihr Riesen, nehmt euren Ring!
er wirft den Ring auf den Hort
Die Riesen lassen Freia los; sie eilt freudig auf die Götter zu, die sie abwechselnd längere Zeit in höchster Freude liebkosen.
Fafner breitet sogleich einen ungeheuren Sack aus und macht sich über den Hort her, um ihn da hineinzuschichten

Fasolt

dem Bruder sich entgegenwerfend
Halt, du Gieriger! Gönne mir auch was!
Redliche Teilung taugt uns beiden.

Fafner

Mehr an der Maid als am Gold
lag dir verliebtem Geck:
mit Müh' zum Tausch vermocht' ich dich Toren;
Ohne zu teilen, hättest du Freia gefreit:
teil' ich den Hort,
billig behalt' ich die größte Hälfte für mich.

Fasolt

Schändlicher du! Mir diesen Schimpf?
zu den Göttern
Euch ruf' ich zu Richtern:
teilet nach Recht uns redlich den Hort!
Wotan wendet sich verächtlich ab

Loge

Den Hort laß ihn raffen;
halte du nur auf den Ring!

Fasolt

stürzt sich auf Fafner, der immerzu eingesackt hat
Zurück, du Frecher! Mein ist der Ring;
mir blieb er für Freias Blick!
Er greift hastig nach dem Reif. Sie ringen.

Fafner

Fort mit der Faust! Der Ring ist mein!
Fasolt entreißt Fafner den Ring

Fasolt

Ich halt' ihn, mir gehört er!

Fafner

mit einem Pfahle nach Fasolt ausholend
Halt' ihn fest, daß er nicht fall'!
Er streckt Fasolt mit einem Streiche zu Boden, dem Sterbenden entreißt er dann hastig den Ring

Fafner

Nun blinzle nach Freias Blick!
An den Reif rührst du nicht mehr!
Er steckt den Ring in den Sack und rafft dann gemächlich den Hort vollends ein. Alle Götter stehen entsetzt. Langes, feierliches Schweigen

Wotan

Furchtbar nun erfind' ich des Fluches Kraft!

Loge

Was gleicht, Wotan, wohl deinem Glücke?
Viel erwarb dir des Ringes Gewinn;
daß er nun dir genommen, nützt dir noch mehr:
deine Feinde - sieh - fällen sich selbst
um das Gold, das du vergabst.

Wotan

tief erschüttert
Wie doch Bangen mich bindet!
Sorg' und Furcht fesseln den Sinn:
wie sie zu enden, lehre mich Erda:
zu ihr muß ich hinab!

Fricka

schmeichelnd sich an ihn schmiegend
Wo weilst du, Wotan?
Winkt dir nicht hold die hehre Burg,
die des Gebieters gastlich bergend nun harrt?

Wotan

düster
Mit bösem Zoll zahlt' ich den Bau.

Donner

auf den Hintergrund deutend, der noch in Nebel gehüllt ist)
Schwüles Gedünst schwebt in der Luft;
lästig ist mir der trübe Druck!
Das bleiche Gewölk
samml' ich zu blitzendem Wetter,
das fegt den Himmel mir hell.
er besteigt einen hohen Felsstein am Talabhange und schwingt dort seinen Hammer; Nebel ziehen sich um ihn zusammen
He da! He da! He do!
Zu mir, du Gedüft! Ihr Dünste, zu mir!
Donner, der Herr, ruft euch zu Heer!
er schwingt den Hammer
Auf des Hammers Schwung schwebet herbei!
Dunstig Gedämpf! Schwebend Gedüft!
Donner, der Herr, ruft euch zu Heer!
He da! He da! He do!
er verschwindet völlig in einer immer finsterer sich ballenden Gewitterwolke. Man hört Donners Hammerschlag schwer auf den Felsstein fallen: ein starker Blitz entfährt der Wolke; ein heftiger Donnerschlag folgt. Froh ist mit dem Gewölk verschwunden.

Donner

unsichtbar
Bruder, hieher! Weise der Brücke den Weg!
Plötzlich verzieht sich die Wolke; Donner und Froh werden sichtbar: von ihren Füßen aus zieht sich, mit blendendem Leuchten, eine Regenbogenbrücke über das Tal hinüber bis zur Burg, die jetzt, von der Abendsonne beschienen, im hellsten Glanze erstrahlt. Fafner, der neben der Leiche seines Bruders endlich den ganzen Hort eingerafft, hat, den ungeheuren Sack auf dem Rücken, während Donners Gewitterzauber die Bühne verlassen.

Froh

der der Brücke mit der ausgestreckten Hand den Weg über das Tal angewiesen, zu den Göttern
Zur Burg führt die Brücke,
leicht, doch fest eurem Fuß:
beschreitet kühn ihren schrecklosen Pfad!
Wotan und die anderen Götter sind sprachlos in den prächtigen Anblick verloren

Wotan

Abendlich strahlt der Sonne Auge;
in prächtiger Glut prangt glänzend die Burg.
In des Morgens Scheine mutig erschimmernd,
lag sie herrenlos, hehr verlockend vor mir.
Von Morgen bis Abend, in Müh' und Angst,
nicht wonnig ward sie gewonnen!
Es naht die Nacht: vor ihrem Neid
biete sie Bergung nun.
Wie von einem großen Gedanken ergriffen, sehr entschlossen)
So grüß' ich die Burg,
sicher vor Bang' und Grau'n!
er wendet sich feierlich zu Fricka
Folge mir, Frau:
in Walhall wohne mit mir!

Fricka

Was deutet der Name?
Nie, dünkt mich, hört' ich ihn nennen.

Wotan

Was, mächtig der Furcht,
mein Mut mir erfand,
wenn siegend es lebt,
leg' es den Sinn dir dar!
er faßt Fricka an der Hand und schreitet mit ihr langsam der Brücke zu; Froh, Freia und Donner folgen

Loge

im Vordergrunde verharrend und den Göttern nachblickend)
Ihrem Ende eilen sie zu,
die so stark in Bestehen sich wähnen.
Fast schäm' ich mich, mit ihnen zu schaffen;
zur leckenden Lohe mich wieder zu wandeln,
spür' ich lockende Lust:
sie aufzuzehren, die einst mich gezähmt,
statt mit den Blinden blöd zu vergehn,
und wären es göttlichste Götter!
Nicht dumm dünkte mich das!
Bedenken will ich's: wer weiß, was ich tu'!
er geht, um sich den Göttern in nachlässiger Haltung anzuschließen. Aus der Tiefe hört man den Gesang der Rheintöchter heraufschallen)

Die drei Rheintöchter

in der Tiefe des Tales, unsichtbar
Rheingold! Rheingold! Reines Gold!
Wie lauter und hell leuchtest hold du uns!
Um dich, du klares, wir nun klagen:
gebt uns das Gold!
O gebt uns das reine zurück!

Wotan

im Begriff, den Fuß auf die Brücke zu setzen, hält an und wendet sich um
Welch' Klagen klingt zu mir her?

Loge

späht in das Tal hinab
Des Rheines Kinder beklagen des Goldes Raub!

Wotan

Verwünschte Nicker!
zu Loge
Wehre ihrem Geneck!

Loge

in das Tal hinabrufend
Ihr da im Wasser, was weint ihr herauf?
Hört, was Wotan euch wünscht!
Glänzt nicht mehr euch Mädchen das Gold,
in der Götter neuem Glanze
sonnt euch selig fortan!
Die Götter lachen und beschreiten dann die Brücke)

Die drei Rheintöchter

aus der Tiefe
Rheingold! Rheingold! Reines Gold!
O leuchtete noch in der Tiefe dein laut'rer Tand!
Traulich und treu ist's nur in der Tiefe:
falsch und feig ist, was dort oben sich freut!
während die Götter auf der Brücke der Burg zuschreiten, fällt der Vorhang

 


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8:34:01 PM, 20 September 2014
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