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Opera Libretti




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Wagner Richard
Parsifal
Synopsis
Introduction
Act I
Act II
Act III

Zweiter Aufzug

Klingsors Zauberschloss - am Südabhang derselben Gebirge, dem arabischen Spanien zugewandt anzunehmen. Im inneren Verliesse eines nach oben offenen Turmes. Steinstufen führen nach dem Zinnenrande der Turmmauer; Finsternis in der Tiefe, nach welcher es von dem Mauervorsprunge, den der Bühnenboden darstellt, hinabführt. Zauberwerkzeuge und nekromantische Vorichtungen. Klingsor auf dem Mauernvorsprunge zur Seite, vor einem Metallspiegel sitzend.

Klingsor:

Die Zeit ist da.
Schon lockt mein Zauberschloss den Toren,
den, kindisch jauchzend, fern ich nahen seh' -
Im Todesschlafe hält der Fluch sie fest,
der ich den Krampf zu lösen weiss.
Auf denn! Ans Werk!
Er steigt, der Mitte zu, etwas tiefer herab und entzündet dort Räucherwerk, welches alsbald den Hintergrund mit einem blaeulichen Dampf erfüllt. Dann setzt er vor die Zauberwerkzeuge und ruft, mit geheimnesvollen Gebärden, nach dem Abgrunde:
Herauf! Herauf! Zu mir!
Dein Meister ruft dich, Namenlose,
Urteufelin! Höllenrose!
Herodias warst du, und was noch?
Gundryggia dort, Kundry hier!
Hieher! Hieher denn, Kundry!
Dein Meister ruft; herauf!
In dem blaeulichen Lichte steigt Kundry Gestalt herauf. Sie scheint schlafend. Allmählich aber macht sie die Bewegungen einer Erwachenden. Schliesslich stösst sie einen grässlichen Schrei aus.
Erwachst du? Ha!
Meinem Banne wieder
verfallen heut zur rechten Zeit.
Kundry lässt ein Klagegeheul, von grösster Heftigkeit bis zu bangem Wimmern sich abstufend, vernehmen.
Sag', wo triebst du dich wieder umher?
Pfui! Dort bei dem Rittergesipp,
wo wie ein Vieh du dich halten lässt!
Gefällt dir's bei mir nicht besser?
Als ihren Meister du mir gefangen -
haha - den reinen Hüter des Grales -
was jagte ich da wieder fort?

Kundry:

rauh und abgebrochen, wie im Versuche, wieder Sprache zu gewinnen
Ach! Ach! Tiefe Nacht!
Wahnsinn! Oh! Wut!
Ach! Jammer!
Schlaf.. schlaf...
Tiefer Schlaf! Tod!

Klingsor:

Da weckte dich ein and'rer? He?

Kundry:

Ja.. mein Fluch!
Oh... Sehnen! Sehnen!

Klingsor:

Haha! Dort, nach den keuschen Rittern?

Klingsor:

Da, da, dient' ich.

Klingsor:

Ja. Ja, den Schaden zu vergüten,
den du ihnen böslich gebracht?
Sie helfen dir nicht;
feil sind sie alle,
biet' ich den rechten Preis.
Der festeste fällt,
sinkt er dir in die Arme,
und so verfällt er dem Speer,
den ihrem Meister selbst ich entwandt.
Den Gefährlichsten gilt's nun heut zu bestehn;
ihn schirmt der Torheit Schild.

Kundry:

Ich will nicht. O! O!

Klingsor:

Wohl willst du, denn du musst.

Kundry:

Du.. kannst mich... nicht... halten.

Klingsor:

Aber dich fassen.

Kundry:

Du?

Klingsor:

Dein Meister.

Kundry:

Aus welcher Macht?

Klingsor:

Ha! Weil einzig an mir
deine Macht.. nichts vermag.

Kundry:

grell lachend
Haha! Bist du keuch?

Klingsor:

wütend
Was fragest du das, verfluchtes Weib?
Er versinkt in finstres Brüten.
Furchtbare Not!
So lacht nun der Teufel mein,
dass einst ich nach dem Heiligen rang?
Furchtbare Not!
Ungebändigten Sehnens Pein,
schrecklichster Triebe Höllendrang,
den ich zum Todesschweigen mir zwang -
lacht und höhnt er nun laut
durch dich, des Teufels Braut?
Hüte dich!
Hohn und Verachtung büsste schon einer;
der Stolze, stark in Heiligkeit,
der einst mich von sich stiess.
Sein Stamm verfiel mir,
unerlöst
soll der Heiligen Hüter mir schmachten;
und bald - so wähn ich -
hüt ich mir selbst den Gral -
Haha!
Gefiel er dir wohl, Amfortas, der Held,
den ich zur Wonne dir gesellt?

Kundry:

Oh! Jammer! Jammer!
Schwach auch er! Schwach.. alle!
Meinem Fluche mit mir
alle verfallen!
Öwiger Schlaf,
einziges Heil,
wie, wie dich gewinnen?

Klingsor:

Ha! Wer's dir trotzte, löste dich frei;
versuch's mit dem Knaben, der naht!

Kundry:

Ich . . . will nicht!

Klingsor:

steigt hastig auf die Tormauer
Jetzt schon erklimmt er die Burg.

Kundry:

Oh! Wehe! Wehe!
Erwachte ich darum?
Muss ich? Muss?

Klingsor:

hinabblickend
Ha! Er ist schön, der Knabe!

Kundry:

Oh! - Oh! Wehe mir! Klingsor stösst, nach aussen gewandt, in ein Horn.

Klingsor:

Ho! Ihr Wächter! Ho! Ritter!
Helden! Auf! Feinde nah!
Ha! Wie zur Mauer sie stürmen,
die betörten Eigenbolde,
zum Schutz ihres schönes Geteufels!
So! Mutig! Mutig!
Haha! Der fürchtet sich nicht!
Dem Helden Ferris entwand er die Waffe;
die führt er nun feislich wieder den Schwarm.
Kundry gerät in unmeimliches ekstatisches Lachen bis zu krampfhalten Wehegeschrei.
Wie übel den Tölpeln der Eifer gedeiht!
Dem schlug er den Arm, jenem den Schenkel!
Kundry schreit auf und verschwindet.
Haha! Sie weichen. Sie fliehen.
Das blaeuliche Licht ist erloschen; volle Finsternis in der Tiefe, wogegen glänzende Himmelsbläue über der Mauer.
Seine Wunde trägt jeder nach heim!
Wie das ich euch gönne!
Möge denn so das ganze Rittergezücht
unter sich selber sich würgen!
Ha! Wie stolz er nun steht auf der Zinne!
Wie lachen ihm die Rosen der Wangen,
da kindisch erstaunt
in den einsamen Garten er blickt!
Er wendet sich nach der Tiefe des Hintergrundes um.
He! Kundry!
Wie? Schon am Werk?
Haha! Den Zauber wusst' ich wohl,
der immer dich wieder zum Dienst mir gesellt!
Sich wieder nach aussen wendend
Du da, kindlischer Spross,
was auch
Weissagung dich wies,
zu jung und dumm
fielst du in meine Gewalt;
die Reinheit dir entrissen,
bleibst mir du zugewiesen!
Er versinkt schnell mit dem ganzen Turme; zugleich steigt der Zaubergarten auf und erfüllt die Bühne gänzlich. Tropische Vegetation, üppigste Blumenpracht; nach dem Hintergrunde zu Abgrenzung durch die Zinne der Burgmauer, an welche sich seitwärts Vorsprünge des Schlossbaues selbst, arabischen reichen Stiles, mit Terrassen anlehnen. Auf der Mauer steht Parsifal, staunend in den Garten hinabblickend. Von allen Seiten her, zürt aus dem Garten, dann aus dem Palaste, stürzen wirr durcheinander, einzeln, dann zugleich immer mehr schöne Mädchen herein; sie sind mit flüchtig übergeworfenen, zartfarbigen Schleiern verhüllt, wie soeben aus dem Schlafe aufgeschreckt.

Alle Mädchen:

Hier was das Tosen! Hier, hier!
Waffen! Wilde Rüfe! Whehe!
Wer ist der Frevler?
Wo ist der Frevler?
Auf zur Rache!

Erstes Mädchen I Gruppe:

Mein Geliebter verwundert!

Erstes Mädchen II Gruppe:

Wo find' ich den meinen?

Zweites Mädchen I Gruppe:

Ich erwachte alleine!

Chor I und II:

Wohin entflohn sie?

Erstes Mädchen II Gruppe:

Wo ist mein Geliebter?

Drittes Mädchen I Gruppe:

Wo find ich den meinen?

Zweites Mädchen II Gruppe:

Ich erwachte alleine!

Alle Mächen:

Wo sind undsre Liebsten?
Drinnen im Saale!
Wo sind unsre Libsten?
Wir sahn sie im Saale.
Wir sahn sie mit blutender Wunde.
Wehe! Wehe! Auf, zur Hilfe!
Wer ist unser Feind?
Sie gewahren Parsifal und zeigen auf ihn.
Da steht er!
Seht ihn dort, seht ihn dort!
Da steht er! Wo? Dort!
Ha! Ich sah's!

Erstes Mädchen I Gruppe:

Meines Ferris Schwert in seiner Hand!

Zweites Mädchen I Gruppe:

Meines Liebsten Blut hab ich erkannt.

Chor I und II:

Der stürmte die Burg!

Drittes Mädchen II Gruppe:

Ich hörte des Meisters Horn.

Drittes Mädchen I Gruppe & Zweites Mädchen II Gruppe:

Ja, wir hörten sein Horn.

Chor I und II:

Der war's!

Erstes und drittes Mädchen:

Mein Held lief herzu.

Zweites & drittes Mädchen I Gruppe:

Sie kamen alle herzu.

Erstes Mädchen I Gruppe:

Mein Held lief herzu.

Chor I & II:

abstimmen
Sie alle kamen, doch jeden empfing seine Wehr!
Weh! Weh ihm, der sie uns schlug!

Zweites Mädchen I Gruppe & Mädchen aus Chor I:

Der schlug mir den Liebsten.

Erstes Mädchen I GrupParsifal:e & Mädchen aus den Chören:

Mir traf er den Freund.

Zweites Mädchen II Gruppe & Mädchen aus den Chören:

Noch blutet die Waffe!

Erstes Mädchen II Gruppe & Mädchen aus den Chören:

Meines Liebsten Feind.

Alle Mädchen:

Weh! Du dort! Ach wehe!
Was schufst du soche Not?
Verwünscht, verwünchst sollst du sein!
Parsifal springt tiefer in den Garten herab.
Ha! Kühner!

Erstes Mädchen I Gruppe, Erstes & zweites Mächen II Gruppe:

Wagst du zu nahen?

Zweites und drittes Mädchen I Gruppe, drittes Mädchen II Gruppe:

Was schlugst du unsre Geliebten?

Parsifal:

Ihr schönen Kinder, musst' ich sie nicht schlagen?
Zu euch, ihr Holden, ja wehrten sie mir den Weg.

Erstes Mädchen II Gruppe:

Zu uns wolltest du?

Erstes Mädchen I Gruppe:

Sahst du uns schon?

Parsifal:

Noch nie sah ich solch zieres Geschlecht:
nenn' ich euch schön, dünkt euch das recht?

Zweites Mädchen I Gruppe:

So willst du uns wohl nicht schlagen?

Zweites Mädchen II Gruppe:

Willst uns nicht schlagen?

Parsifal:

Das möcht' ich nicht.

Erstes Mädchen II Gruppe:

Doch Schaden schufst du uns so vielen!

Zweites und drittes Mädchen, I und II Gruppe:

Grossen und vielen!

Erstes Mädchen I und II Gruppe:

Du schlugest unse Gespielen.

Alle Mädchen:

Wer spielt nun mit uns?

Parsifal:

Das tu ich gern!
Die Mädchen, von Verwunderung in Heiterkeit übergegangen, brechen jetzt in ein lustiges Gelächter aus. Währen Parsifal immer näher zu den aufgeregten Gruppen tritt, entweichen umerklich die Mädchen der ersten Gruppe und des ersten Chors hinter den Blumenhag, um ihren Blumenschmuck zu vollenden.

Chor I:

Bist du uns hold?

II Gruppe:

So bleib nicht fern!

Chor II:

Bleib nicht gern von uns.

Erstes Mädchen II Gruppe:

Und willst du uns nicht schelten..

Zweites Mädchen II Gruppe:

Wir werden dir's entgelten:

II Gruppe:

Wir spielen nicht um Gold.

Erstes Mädchen II Gruppe:

Wir spielen um Minnesold.

Zweites Mädchen II Gruppe:

Willst auf Trost du uns sinnen...

Erstes Mädchen II Gruppe:

...sollst den du uns abgewinnen!
Die Mädchen der ersten Gruppe und des ersten Chors kommen, mit dem Folgenden, ganz in Blumengewändern, selbst Blumen erscheinend, zurück und stürzen sich sofort auf Parsifal.

Zweite Blume I Gruppe:

Lasset den Knaben!

Erste Blume I Gruppe:

Er gehöret mir!

Dritte Blume, zweite Blume I Gruppe:

Nein!

Chor I:

Nein! Mir!

Chor II und I Gruppe:

Ha! Die Falschen!
Sie schmückten heimlich sich.
Während die Zurückgekommenen sich am Parsifal herandrängen, verlassen die Mädchen der zweiten Gruppe und des zweiten Chores hastig die Szene, um sich ebenfalls zu schmücken.

Chor I und I Gruppe:

während sie, wie in anmutigem Kinderspiele, in abwechselndem Reigen um Parsifal sich drehen.
Komm, komm, holder Knabe!
Komm, komm! Lass mich dir blühen!
Holder Knabe, die zu Wonn' und Labe
gilt mein minniges Mühen!

Erste Blume I Gruppe:

Komm, o holder Knabe!

Zweite und dritte Blume I Grupppe:

Holder Knabe!
Der zweite Gruppe und der zweite Chor kommen, ebenfalls geschmückt, zurück und gesellen sich zum Spiele.

Alle Blumenmädchen:

Komm! Komm, holder Knabe!
Lass mich dir erblühen!
Dir zu Wonn' und Labe
gilt unser minniges Mühen!

Parsifal:

heiter ruhig in der Mitte der Mädchen
Wie duftet ihr hold!
Seid ihr denn Blumen?

Erste Blume I Gruppe:

Des Garten Zier. . .

Zweite Blume I und II Gruppe:

.. und duftende Geister.

Erste Blume I und II Gruppe:

Im Lenz pflückt uns der Meister!

Zweite Blume I und II Gruppe:

Wir wachsen hier...

Erste Blume I und II Gruppe:

.. in sommer und sonne...

Erste und Zweite Blume I und II Gruppe:

für dich erblühend in Wonne.

Dritte Blume I und II Gruppe und Chor I:

Nun sei uns freund und hold!

Zweite Blume I und II Gruppe und Chor II:

Nicht karge den Blumen den Sold!

Alle Blumen:

Kannst du uns nicht lieben und minnen,
wir welken und sterben dahinnen.

Erste Blume II Gruppe:

An deinen Busen nimm mich!

Chor der Blümenmädchen:

Komm, holder Knabe!

Erste Blume I Gruppe:

Die Stirn lass mich dir kühlen!

Chor I und II:

Lass mich dir erblühen!

Zwiete Blume I Gruppe:

Lass mich die Wange dir fühlen!

Zweite Blume II Gruppe:

Den Mund lass mich dir küssen!

Erste Blume I Gruppe:

Nein! Ich! Die Schönste bin ich!

Zweite Blume I Gruppe:

Nein! Ich bin die Schönste!

Chor I und II:

ich bin schöner!

Erste Blume II Gruppe:

Nein! Ich dufte süsser!

Alle anderen:

Nein, ich! Ich! Ja, ich!

Parsifal:

ihrer anmutigen Zudringlichkeit sanft wehrend
Ihr wild holdes Blumengedränge,
soll ich mit euch spielen, entlasst mir der Enge!

Erste Blume II Gruppe:

Was zankest du?

Parsifal:

Weil ihr euch streitet.

Erste Blume I Gruppe, dann Zweite Blume II Gruppe:

Wir streiten nur um dich.

Parsifal:

Das meidet.

Zweite Blume I Gruppe:

Du lass von ihm; sieh, er will mich!

Dritte Blume I Gruppe:

Mich lieber!

Dritte Blume II Gruppe:

Nein, mich!

Zweite Blume II Gruppe:

Nein, lieber will er mich!

Erste Blume II Gruppe:

Du wehrest mich von dir?

Erste Blume I Gruppe:

Du scheuchest mich fort?

Zweite und dritte Blume I Gruppe, dritte Blume II Gruppe:

Du wehrest mir?

Chor II:

Wie, bist du feige vor Frauen?

Alle Blumen II Gruppe:

Magst du nicht getrauen?

Chor II:

Magst du nicht getrauen?

Erste Blume I Gruppe:

Wie schlimm bist du, Zager und Kalter!

Chor I und II:

Wie schlimm! So zag?

Erste Blume II Gruppe:

Wie schlimm bist du, Zager und Kalter!

Chor II:

So Zag und Kalt!

Erste Blume I Gruppe:

Die Blümn lässt du umbuhlen den Falter?

Zweite und dritte Blume I Gruppe:

Wie ist er zag!

Zweite und dritte Blume II Gruppe:

Wie ist er kalt!

Chor I:

Auf! Wiechet dem Toren!

Alle Blumen I und II Gruppe:

Wir geben ich verloren.

Chor II:

Doch sei er uns erkoren!

Alle Blumen II Gruppe:

Nein, mir gehört er an!

Alle Blumenmädchen:

Nein, uns gehört er! Ja uns!
Auch mir! Ja mir!

Parsifal:

halb ärgerlich die Mädchen abscheuchend
Lasst ab! Ihr fangt mir nicht!
Parsifal will fliehen, als er Kundrys Stimme vernimmt und betroffen still steht.

Kundry:

Parsifal! Weile!
Die Mädchen sind bei dem Vernehmen der Stimme Kundrys erschrocken und haben sich alsbaldvon Parsifal zurückgehalten.

Parsifal:

Parsifal?
So nannte träumend mich einst die Mutter.

Kundry:

hier weile! Parsifal!
Dich grüsset Wonne und Heil zumal.
Ihr kindischen Buhlen, weichet von ihm;
früh welkende Blumen,
nich euch ward er zum Spiele bestellt.
Geht heim, pfleget der Wunden,
einsam erharrt euch mancher Held.
Die Mädchen entfernen sich zaghaft und widerstrebend von Parsifal und ziehen sich allmählich nach dem Schlosse zurück.

Erste Blume, dann dritte Blume II Gruppe:

Dich zu lassen!

Zweite Blume II Gruppe:

Dich zu meiden!

Dritte Blume, dann Erste Blume I Gruppe:

O, wehe!

Zweite Blume I Gruppe:

O, wehe der Pein!

Chor I und II:

O wehe!

Alle Blumen I Gruppe:

Von allen möchten gern wir scheiden. .

Alle Blumen I und II Gruppe:

...mit dir allein zu sein.

Chor I und II:

Leb wohl, leb wohl!
Leb wohl, du Holder, du Stolzer, du - Tor!
Mit dem letzten sind die Mädchen unter Gelächter im Schlosse verschwunden.

Parsifal:

Dies alles... hab' ich nun geträumt?
Er sieht sich schüchtern nach der Seite hin um, von welcher die Stimme kam. Dort ist jetzt, durch Enthauellung des Blumenhages, ein jugendliches Weib von höchster Schönheit - Kundry, in durchaus verwandelter Gestalt - auf einem Blumenlager, in leicht verhüllender, phantastischer Kleidung, annähernd arabischen Stiles - sichtbar geworden.
Riefest du mich Namenlosen?

Kundry:

Dich nannt'ich, tör'ger Reiner,
"Fal parsi",
dich reinen Toren, "Parsifal".
So rief, als in arab'schem Land er verschied,
dein Vater Gamuret dem Sohne zu,
den er, im Mutterschoss verschlossen,
mit diesem Namen sterbend grüsste.
Ihn dir zu künden, harrt'ich deiner hier:
was zog dich her, wenn nicht der Kunde Wunsch?

Parsifal:

Nie sah ich, nie träumte mir, was jetzt
ich schau, und was mit Bangen mich erfüllt.
Entblühtest du auch diesem Blumenhaine?

Kundry:

Nein, Parsifal, du tör'ger Reiner!
Fern, fern ist mein Heimat.
Dass du mich fändest, verweilte ich nur hier.
Von weit her kam ich, wo ich viel ersah.

Ich sah das Kind am seiner Mutter Brust,
sein erstes Lallen lacht mir noch im Ohr;
das Leid im Herzen,
wie lachte da auch Herzeleide,
als ihren Schmerzen
zujauchzte ihrer Augen Weide!
Gebettet sanft auf wiechen Moosen,
den hold geschläfert sie mit Kosen,
dem, bang in Sorgen,
den Schlummer bewach't der Mutter Sehnen,
den weckt' am Morgen
der hiesse Tau der Muttertränen.
Nur Weinen war sie, Schmerzgebaren,
um deines Vaters Lieb' und Tod.
Vor gleicher Not dich zu bewahren,
galt ihr als höchster Pflicht Gebot.
Den Waffen fern, der Männer Kampf und Wären,
wollte sie still dich bergen und behüten.
Bur Sorgen war sie, ach! Und Bangen;
nie sollte Kunde zu dir hergelangen.
Hörst du nicht noch ihrer Klage Ruf,
wann spät und fern du geweilt?
Hei! Was ihr das Lust und Lachen schuf,
wann sie suchend dann dich ereilt;
wann dann ihr Arm dich wütend umschlang,
ward dir es wohl gar beim Küssen bang?
Doch ihr Wehe du night vernahmst,
nicht ihrer Schmerzen Toben,
als endlich du nicht wiederkamst
und deine Spur verstoben!
Sie harrte Nächt' und Tage,
bis ihr verstummt' die Klage,
der Gram ihr zehrte den Schmerz,
um stillen Tod sie warb;
ihr brach das Leid das Herz,
und - Herzeleide - starb.

Parsifal:

immer ernsthafter, endlich furchtbar betroffen, sinkt, schmerzlich überwältigt, zu Kundrys Füssen nieder
Wehe! Wehe! Was tat ich? Wo war ich?
Mutter! Süsse, holde Mutter!
Dein Sohn, dein Sohn musste dich morden!
O Tor! Blöder, taumelnder Tor.
Wo irrtest du hin, ihrer vergessend,
deiner, deiner vergessend!
Traute, teuerste Mutter!

Kundry:

war dir fremd noch der Schmerz,
des Trostes Süsse
labte nie auch dein Herz;
das Wehe, das dich reut,
die Not nun büsse
im Trost, den Liebe dir beut.

Parsifal:

im Trübsinn immer tiefer sich sinken lassend
Die Mutter, dei Mutter konnt ich vergessen!
Ha! Was alles vergass ich wohl noch?
Wes war ich je noch eingedenk?
Nur dumpfe Torheit lebt in mir.
Kundry, immer noch in halb liegender Stellung, beugt sich über Parsifals Haupt, fasst sanft seine Stirn und schling traulich ihren Arm um seinen Nacken.

Kundry:

Bekenntnis
wird Schuld in Reue enden,
Erkenntnis
in Sinn die Torheit wenden.
Die Liebe lerne kennen,
die Gamuret umschloss,
als Herzeleids Entbrennen
ihn sengend überfloss!
Die Leib und Leben
einst dir gegeben,
der Tod und Torheit weichen muss,
sie beut dir heut,
als Muttersegens letzten Gruss,
der Liebe - ersten Kuss.
Sie hat ihr Haupt völlig über das seinige geneigt und küsst ihn lange auf seinen Mund. Plötzlich fährt Parsifal mit einer Gebärde des höchsten Schreckens auf; seine Haltung drückt eine furchtbare Veränderung aus; er stemmt seine Hände gewaltsam gegen das Herz, wie um einen zerressenden Schmerz zu bewältigen.

Parsifal:

Amfortas! Die Wunde! Die Wunde!
Sie brennt mir hier zur Seite!
O, Klage! Klage!
Furchtbare Klage!
Aus tiefstem Herzen schriet sie mir auf.
Oh! Oh!
Elender! Jammervollster!
Die Wunde sah ich bluten;
nun blutet sie in mir.
Hier - hier!
Nein! Nein! Nicht die Wunde ist es.
Fliesse ihr Blut in Strömen dahin!
Hier! Hier! Im Herzen der Brand!
Das Sehnen, das furchtbare Sehnen,
das alle Sinne mir fasst und zwingt!
O! Qual der Liebe!
Wie alles schauert, bebt und zuckt
in sündigem Verlangen!
Während Kundry in Schrecken und Verwunderung aug Parisfal hinstarrt, gerät dieser in völlige Entrückheit.
Es starrt der Blick dumpf auf das Heilsgefäss -
das heil'ge Blut erglüht;
erlösungswonne, göttlich mild,
durchzittert wiethin alle Seelen;
nur hier, im Herzen, will die Qual nicht weichen.
Des Heilands Klage da vernehm ich,
die Klage - ach! Die Klage
um das entweihte Heiligtum.
"Erlöse, rette mich
aus schuldbefleckten Händen!"
So rief die Gottesklage
furchtbar laut mir in die Seele.
Und ich - der Tor, der Feige,
zu wilden Knabentaten floh ich hin!
Er stürzt verzweiflungsvoll auf die Knie.
Erlöser! Heiland! Herr der Huld!
Wie büss ich, Sünder, meine Schuld?
Kundry, deren Erstaunen in leidenschaftliche Bewunderung übergegangen, sucht schüchtern sich Parsifal zu nähern.

Kundry:

Gelobter Held! Entflieh dem Wahn!
Blick auf! Sei hold der Huldin Nahn!

Parsifal:

immer in gebeugter Stellung, starr zu Kundry aufblickend, während diese sich zu ihn neigt und die liebkosenden Bewegungen ausführt, die er mit dem Folgenden bezeichnet
Ja! Diese Stimme! So rief sie ihm -
und diesen Blick, deutlich erkenn ich ihn -
auch diesen, der ihm so friedlos lachte;
die Lippe - ja - so zuckte sie ihm,
so neigte sich ser Nacken -
so hob sich kühn das Haupt;
so flatterten lachend die Locken -
so schlang um den Hals sich der Arm -
so scmeichelte weich die Wange!
Mit aller Schmerzen Qual im Bunde,
das Heil der Seele
entküsste ihm der Mund!
Er erhebt sich allmählich.
Ha! Dieser Kuss!
Er stösst Kundry von sich.
Verderberin! Weiche von mir!
Ewig! Ewig - von mir!

Kundry:

in höchster Leidenschaft
Grausamer!
Fühlst du im Herzen
nur and'rer Schmerzen,
so fühle jetzt auch die meinen!
Bist du Erlöser,
was bannt dich, Böser,
nicht mir auch zum Heil dich zu einen?
Seit Ewigkeiten - harre ich deiner,
des Heilands, ach! So spät!
Den einst ich kühn geschmäht.
Oh!
Kenntest du den Fluch,
der mich durch Schlaf und Wachen,
durch Tod und Leben,
Pein und Lachen,
zu neuem Leiden neu gestählt,
endlos durch das Dasein quält!

Ich sah ihn - ihn -
und... lachte!
Da traf mich sein Blick!
Nun such' ich ihn von Welt zu Welt
ihm wieder zu begegnen.
In höchster Not
wähn' ich sein Auge schon nah,
den Blick schon auf mir ruh'n.
Da kehrt mir das verfluchte Lachen wieder;
ein Sünder sinkt mir in die Arme!
Da lach' ich - lache -
kann nicht weinen,
nur schreien, wüten,
toben, rasen,
in stets erneuter Wahnsinns Nacht,
aus der ich büssend kaum erwacht.
Den ich ersehnt in Todesschmachten,
den ich erkannt, den blöd Verlachten,
lass mich an seinem Busen weinen,
nur eine Stunde mich dir vereinen,
und, ob mich Gott und Welt verstösst,
in dir entsündingt sein und erlöst!

Parsifal:

Auf Ewigkeit
wärst du verdammt mit mir
für eine Stunde
Vergessens meiner Sendung
in deines Arms Umfangen!
Auch dir bin ich zum Heil gesandt,
bleibst du dem Sehnen abgewandt.
Die Labung, die dein Leiden endet,
beut nicht der Quell, aus dem es fliesst;
das Heil wird nimmer dir gespendet,
eh jener Quell sich dir nicht schliesst.
Ein andres ist's - ein andres, ach!
Nach dem ich jammernd schmachten sah,
die Brüder dort, in grausen Nöten,
den Leib sich quälen und ertöten.
Doch wer erkennt ihn klar und hell,
des einz'gen Heiles wahren Quell?

Kundry:

in wilder Begeisterung
So war es mein Kuss,
der welthellsichtig dich machte?
Mein volles Liebesumfangen
lässt dich dann Gottheit erlangen.
Die Welt erlöse, ist dies dein Amt;
schuf dich zum Gott die Stunde,
für sie lass mich ewig dann verdammt,
nie heile mir die Wunde!

Parsifal:

Erlösung, Frevlerin, biet' ich auch dir.

Kundry:

Lass mich die Göttlichen lieben,
Erlösung gabst du dann auch mir.

Parsifal:

Lieb' und Erlösung soll dir werden,
zeigest du
zu Amfortas mir den Weg.

Kundry:

in Wut ausbrechend
Nie- sollst du ihn finden!
Den Verfallnen, lass ihn verderben,
den Unsel'gen,
Schmachlüsternen,
den ich verlachte - lachte - lachte!
Hah! Ihn traf ja eigne Speer!

Parsifal:

Wer durft' ihn verwunden mit der heil'gen Wehr?

Kundry:

Er - er -
der einst mein Lachen bestraft -
sein Fluch - ha! - mir gibt er Kraft -
gegen dich selbst ruf' ich die Wehr,
gibst du dem Sünder des Mitleids Ehr'!
Ha! Wahnsinn!
Flehend
Mitleid! Mitlleid mit mir!
Nur eine Stunde mein!
Nur eine Stunde dein -
und des Weges
sollst du geleitet sein!

Parsifal:

Vergeh, unseliges Weib!

Kundry:

rafft sich mit wildem Wutrasen auf und ruft nach dem Hintergrunde zu
Hilfe! Hilfe! Herbei!
Haltet den Frechen! Herbei!
Wehrt ihm die Wege!
Wehrt ihm die Pfade!
Und flöhest du von hier, und fändest
alle Wege der Welt,
den Weg, den du suchst,
des Pfade sollst du nicht finden;
den Pfad' und Wege,
die dich mir entführen,
so verwünsch' ich sie dir;
Irre! Irre!
Mir so vertraut -
dich weih' ich ihm zum Geleit! Klingsor ist auf der Burgmauer herausgetreten und schwenkt eine Lanze gegen Parsifal

Klingsor:

Halt da! Dich bann'ich mit der rechten Wehr!
Den Toren stelle mir seines Meisters Speer!
Er schleudert auf Parsifal den Speer, welcher über dessen Haupte schweben bleibt.

Parsifal:

erfasst den Speer mit der Hand und hält ihn über seinem Haupte
Mit diesem Zeichen bann'ich deinen Zauber;
wie die Wunde er schliesse,
die mit ihm du schlugest,
in Trauer und Trümmer
stürz' er die trügende Pracht!
Er hat den Speer im Zeichen des Kreuzes geschwangen; wie durch ein Erdbeben versinkt das Schloss. Der Garten ist schnell zur Einöde verdorrt; verwelkte Blumen verstreuen sich auf dem Boden. Kundry ist schreiend zusammengesunken. Parsifal hält im Enteilen noch einmal an und wendet sich von der Höhe der Mauertrümmer zu Kundry zurück.

Parsifal:

Du weisst -
wo du mich wiederfinden kannst!
Er enteilt. Kundry hat sich ein wenig erhoben und nach ihm geblickt.

 


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2:09:10 PM, 20 September 2014
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