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Opera Libretti




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Wagner Richard
Tannhauser
Synopsis
Introduction
Act 1 Scene I
Act 1 Scene II
Act 1 Scene III
Act 2 Scene I
Act 2 Scene II
Act 2 Scene III
Act 2 Scene IV
Act 3 Scene I
Act 3 Scene II
Act 3 Scene III

Zweite Szene

Tannhäuser fährt empor, als schrecke er aus einem Traum auf. Venus zieht ihn schmeichelnd zurück.

Venus

Geliebter, sag, wo weilt dein Sinn?

Tannhäuser

Zu viel! Zu viel! O, dass ich nun erwachte!

Venus

Sag, was kümmert's dich?

Tannhäuser

Im Traum war mir's als hörte ich -
was meinem Ohr so lange fremd! -
als hörte ich der Glocken frohes Geläute!
O, sag! Wie lange hört' ich's doch nicht mehr?

Venus

Wohin verlierst du dich?
Was fasst dich an?

Tannhäuser

Die Zeit, die hier ich verweil',
ich kann sie nicht ermessen.
Tage, Monde - gibt's für mich nicht mehr,
denn nicht mehr sehe ich die Sonne,
nicht mehr des Himmels freundliche Gestirne;
den Halm seh' ich nicht mehr, der frisch ergrünend
den neuen Sommer bringt; die Nachtigall
hör' ich nicht mehr, die mir den Lenz verkünde.
Hör' ich sie nie, seh' ich sie niemals mehr?

Venus

Ha! Was vernehm ich? Welche tör'ge Klagen!
Bist du so bald der holden Wunder müde,
die meine Liebe dir bereitet? - Oder wie?
Reut es dich so sehr, ein Gott zu sein?
Hast du so bald vergessen, wie du einst gelitten,
während jetzt du dich erfreust?
Mein Sänger, auf! Ergreife deine Harfe!
Die Liebe feire, die so herrlich du besingst,
dass du der Liebe Göttin selber dir gewannst!
Die Liebe feire, da ihr höchster Preis dir ward!

Tannhäuser

Dir töne Lob! Die Wunder sei'n gepriesen,
die deine Macht mir Glücklichem erschuf!
Die Wonnen süss, die deiner Huld entspriessen,
erheb mein Lied in lautem Jubelruf!
Nach Freude, ach! nach herrlichem Geniessen
verlangt'mein Herz, es dürstete mein Sinn:
da, was nur Göttern einstens du erwiesen,
gab deine Gunst mir Sterblichem dahin.
Doch sterblich, ach! bin ich geblieben,
und übergross ist mir dein Lieben.
Wenn stets ein Gott geniessen kann,
bin ich dem Wechsel untertan;
nicht Lust allein liegt mir am Herzen,
aus Freuden sehn'ich mich nach Schmerzen.
Aus deinem Reiche muss ich fliehn -
O Königin, Göttin! Lass mich ziehn!

Venus

Was muss ich hören! Welch ein Sang!
Welch trübem Ton verfällt dein Lied?
Wohin floh die Begeistrung dir,
die Wonnesang dir nur gebot?
Was ist's? Worin war meine Liebe lässig?
Geliebter, wessen klagest du mich an?

Tannhäuser

Dank deiner Huld! Gepriesen sei dein Lieben!
Beglückt für immer, wer bei dir geweilt!
Ewig beneidet, wer mit warmen Trieben
in deinen Armen Götterglut geteilt!
Entzückend sind die Wunder deines Reiches,
die Zauber aller Wonnen atm' ich hier;
kein Land der weiten Erde bietet gleiches,
was sie besitzt, scheint leicht entbehrlich dir.
Doch ich aus diesen ros'gen Düften
verlange nach des Waldes Lüften,
nach unsres Himmels klarem Blau,
nach unserm frischen Grün der Au',
nach unsrer Vöglein liebem Sange,
nach unsrer Glocken trautem Klange.
Aus deinem Reiche muss ich fliehn -
O Königin, Göttin! Lass mich ziehn!

Venus

Treuloser! Weh! Was lässest du mich hören?
Du wagest meine Liebe zu verhöhnen?
Du preisest sie und willst sie dennoch fliehn?
Zum Ueberdruss ist mir mein Reiz gediehn?

Tannhäuser

Ach schöne Göttin! Wolle mir nicht zürnen!
Dein übergrosser Reiz ist's, den ich fliehe!

Venus

Weh dir! Verräter!
Heuchler! Undankbarer!
Ich lass dich nicht!
Du darfst nicht von mir ziehen! Ach!

Tannhäuser

Nie war mein Lieben grösser, niemals wahrer
als jetzt, da ich für ewig dich muss fliehn!

Venus

nach einer Pause
Geliebter, komm! Sieh dort die Grotte,
von ros'gen Düften mild durchwallt!
Entzücken böt! selbst einem Gotte
der süss'sten Freuden Aufenthalt.
Besänftigt auf dem weichsten Pfühle
flieh deine Glieder jeder Schmerz,
dein brennend Haupt umwehe Kühle,
wonnige Glut durchschwelle dein Herz.
Aus holder Ferne mahnen süsse Klänge,
dass dich mein Arm in trauter Näh' umschlänge:
von meinen Lippen schlürfst du Göttertrank,
aus meinen Augen strahlt dir Liebesdank:
ein Freudenfest soll unsrem Bund entstehen,
der Liebe Feier lass uns froh begehen!
Nicht sollst du ihr ein scheues Opfer weihn -
nein! - mit der Liebe Göttin schwelge im
Verein!

Sirenen

aus weiter Ferne
Naht euch dem Strande!
Naht euch dem Lande!

Venus

Mein Ritter! Mein Geliebter! Willst du fliehen?

Tannhäuser

Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen
Gesungen laut sei jetzt dein Preis von mir!
Dein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
und jedes holde Wunder stammt von dir.
Die Glut, die du mir in das Herz gegossen,
als Flamme lodre hell sie dir allein!
Ja, gegen alle Welt will unverdrossen
fortan ich nun dein kühner Streiter sein.
Doch hin muss ich zur Welt der Erden,
bei dir kann ich nur Sklave werden;
nach Freiheit doch verlangt es mich,
nach Freiheit, Freiheit dürste ich;
zu Kampf und Streite will ich stehn,
sei's auch auf Tod und Untergehn:
Drum muss aus deinem Reich ich fliehn -
O Königin, Göttin! Lass mich ziehn!

Venus

Zieh hin, Wahnsinniger, zieh hin!
Verräter, sieh, nicht halt' ich dich!
Ich geb' dich frei - Zieh hin! Zieh hin!
Was du verlangst, das sei dein Los!
Zieh hin! Zieh hin!
Hin zu den kalten Menschen flieh,
vor deren blödem, trübem Wahn
der Freude Götter wir entflohn
tief in der Erde wärmenden Schoss.
Zieh hin, Betörter! Suche dein Heil,
suche dein Heil - und find' es nie!
Bald weicht der Stolz aus deiner Seel',
demütig seh' ich dich mir nah'n,
zerknirscht, zertreten suchst du mich auf,
flehst um die Zauber meiner Macht!

Tannhäuser

Ach, schöne Göttin, lebe wohl!
Nie kehr' ich je zu dir zurück!

Venus

Ha! Kehrtest du mir nie zurück!
Kehrst du nicht wieder, ha! so sei verfluchet
von mir das ganze menschliche Geschlecht!
Nach meinen Wundern dann vergebens suchet!
Die Welt sei öde, und ihr Held ein Knecht!
Kehr wieder, kehre mir zurück!

Tannhäuser

Nie mehr erfreu mich Liebesglück!

Venus

Kehr wieder, wenn dein Herz dich zieht!

Tannhäuser

Für ewig dein Geliebter flieht.

Venus

Wenn alle Welt dich von sich stösst?

Tannhäuser

Vom Bann werd' ich durch Buss erlöst.

Venus

Nie wird Vergebung dir zu Teil!
Kehr wieder, schliesst sich dir das Heil!

Tannhäuser

Mein Heil! Mein Heil ruht in Maria!
Venus sinkt zusammen und verschwindet

 


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Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
5:30:05 AM, 22 September 2014
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