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Opera Libretti




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Wagner Richard
Tristan und Isode
Synopsis
Introduction
Act 1 Scene I
Act 1 Scene II
Act 1 Scene III
Act 1 Scene IV
Act 1 Scene V
Act 2 Scene I
Act 2 Scene II
Act 2 Scene III
Act 3 Scene I
Act 3 Scene II
Act 3 Scene III
II

II. Szene

Tristan.

stürzt herein
Isolde! Geliebte!

Isolde.

Tristan! Geliebter!
Stürmische Umarmungen beider, unter denen sie in den Vordergrund gelangen.
Bist du mein?

Tristan.

Hab' ich dich wieder?

Isolde.

Darf ich dich fassen?

Tristan.

Kann ich mir trauen?

Isolde.

Endlich! Endlich!

Tristan.

An meiner Brust!

Isolde.

Fühl' ich dich wirklich?

Tristan.

Seh' ich dich selber?

Isolde.

Dies deine Augen?

Tristan.

Dies dein Mund?

Isolde.

Hier deine Hand?

Tristan.

Hier dein Herz?

Isolde.

Bin ich's? Bist du's?
Halt' ich dich fest?

Tristan.

Bin ich's? Bist du's?
Ist es kein Trug?

Beide.

Ist es kein Traum?
O Wonne der Seele,
o süße, hehrste,
kühnste, schönste,
seligste Lust!

Tristan.

Ohne Gleiche!

Isolde.

Überreiche!

Tristan.

Überselig!

Isolde.

Ewig!

Tristan.

Ewig!

Isolde.

Ungeahnte,
nie gekannte!

Tristan.

Überschwenglich
hoch erhabne!

Isolde.

Freudejauchzen!

Tristan.

Lustentzücken!

Beide.

Himmelhöchstes
Weltentrücken!

Isolde.

Mein! Tristan mein!

Tristan.

Mein! Isolde mein!

Beide.

Mein und dein!
Ewig, ewig ein!

Isolde.

Wie lange fern!
Wie fern so lang!

Tristan.

Wie weit so nah!
So nah wie weit!

Isolde.

O Freundesfeindin,
böse Ferne!
Träger Zeiten
zögernde Länge!

Tristan.

O Weit' und Nähe,
hart entzweite!
Holde Nähe!
Öde Weite!

Isolde.

Im Dunkel du,
im Lichte ich!

Tristan.

Das Licht! Das Licht!
O dieses Licht,
wie lang verlosch es nicht!
Die Sonne sank,
der Tag verging,
doch seinen Neid
erstickt' er nicht:
sein scheuchend Zeichen
zündet er an
und steckt's an der Liebsten Türe,
daß nicht ich zu ihr führe.

Isolde.

Doch der Liebsten Hand
löschte das Licht;
wes die Magd sich wehrte,
scheut' ich mich nicht:
in Frau Minnes Macht und Schutz
bot ich dem Tage Trutz!

Tristan.

Dem Tage! Dem Tage!
Dem tückischen Tage,
dem härtesten Feinde
Haß und Klage!
Wie du das Licht,
o könnt' ich die Leuchte,
der Liebe Leiden zu rächen,
dem frechen Tage verlöschen!
Gibt's eine Not,
gibt's eine Pein,
die er nicht weckt
mit seinem Schein?
Selbst in der Nacht
dämmernder Pracht
hegt ihn Liebchen am Haus,
streckt mir drohend ihn aus!

Isolde.

Hegt ihn die Liebste
am eignen Haus,
im eignen Herzen
hell und kraus,
hegt' ihn trotzig
einst mein Trauter:
Tristan - der mich betrog!
War's nicht der Tag,
der aus ihm log,
als er nach Irland
werbend zog,
für Marke mich zu frein,
dem Tod die Treue zu weihn?

Tristan.

Der Tag! Der Tag,
der dich umgliß,
dahin, wo sie
der Sonne glich,
in höchster Ehren
Glanz und Licht
Isolde mir entrückt'!
Was mir das Auge
so entzückt',
mein Herze tief
zur Erde drückt':
in lichten Tages Schein
wie war Isolde mein?

Isolde.

War sie nicht dein,
die dich erkor?
Was log der böse
Tag dir vor,
daß, die für dich beschieden,
die Traute du verrietest?

Tristan.

Was dich umgliß
mit hehrster Pracht,
der Ehre Glanz,
des Ruhmes Macht,
an sie mein Herz zu hangen,
hielt mich der Wahn gefangen.
Die mit des Schimmers
hellstem Schein
mir Haupt und Scheitel
licht beschien,
der Welten-Ehren
Tagessonne,
mit ihrer Strahlen
eitler Wonne,
durch Haupt und Scheitel
drang mir ein
bis in des Herzens
tiefsten Schrein.
Was dort in keuscher Nacht
dunkel verschlossen wacht',
was ohne Wiss' und Wahn
ich dämmernd dort empfahn:
ein Bild, das meine Augen
zu schau'n sich nicht getrauten,
von des Tages Schein betroffen
lag mir's da schimmernd offen.
Was mir so rühmlich
schien und hehr,
das rühmt' ich hell
vor allem Heer;
vor allem Volke
pries ich laut
der Erde schönste
Königsbraut.
Dem Neid, den mir
der Tag erweckt';
dem Eifer, den
mein Glücke schreckt';
der Mißgunst, die mir Ehren
und Ruhm begann zu schweren:
denen bot ich Trotz,
und treu beschloß,
um Ehr' und Ruhm zu wahren,
nach Irland ich zu fahren.

Isolde.

O eitler Tagesknecht!
Getäuscht von ihm,
der dich getäuscht,
wie mußt' ich liebend
um dich leiden,
den, in des Tages
falschem Prangen,
von seines Gleißens
Trug befangen,
dort wo ihn Liebe
heiß umfaßte,
im tiefsten Herzen
hell ich haßte.
Ach, in des Herzens Grunde
wie schmerzte tief die Wunde!
Den dort ich heimlich barg,
wie dünkt' er mich so arg,
wenn in des Tages Scheine
der treu gehegte Eine
der Liebe Blicken schwand,
als Feind nur vor mir stand!
Das als Verräter
dich mir wies,
dem Licht des Tages
wollt' ich entfliehn,
dorthin in die Nacht
dich mit mir ziehn,
wo der Täuschung Ende
mein Herz mir verhieß;
wo des Trugs geahnter
Wahn zerrinne;
dort dir zu trinken
ew'ge Minne,
mit mir dich im Verein
wollt' ich dem Tode weihn.

Tristan.

In deiner Hand
den süßen Tod,
als ich ihn erkannt,
den sie mir bot;
als mir die Ahnung
hehr und gewiß
zeigte, was mir
die Sühne verhieß:
da erdämmerte mild
erhabner Macht
im Busen mir die Nacht;
mein Tag war da vollbracht.

Isolde.

Doch ach, dich täuschte
der falsche Trank,
daß dir von neuem
die Nacht versank;
dem einzig am Tode lag,
den gab er wieder dem Tag!

Tristan.

O Heil dem Tranke!
Heil seinem Saft!
Heil seines Zaubers
hehrer Kraft!
Durch des Todes Tor,
wo er mir floß,
weit und offen
er mir erschloß,
darin ich sonst nur träumend gewacht,
das Wunderreich der Nacht.
Von dem Bild in des Herzens
bergendem Schrein
scheucht' er des Tages
täuschenden Schein,
daß nachtsichtig mein Auge
wahr es zu sehen tauge.

Isolde.

Doch es rächte sich
der verscheuchte Tag;
mit deinen Sünden
Rat's er pflag;
was dir gezeigt
die dämmernde Nacht,
an des Tag-Gestirnes
Königsmacht
mußtest du's übergeben,
um einsam
in öder Pracht
schimmernd dort zu leben.
Wie ertrug ich's nur?
Wie ertrag' ich's noch?

Tristan.

O, nun waren wir
Nacht-Geweihte!
Der tückische Tag,
der Neid-bereite,
trennen konnt' uns sein Trug,
doch nicht mehr täuschen sein Lug!
Seine eitle Pracht,
seinen prahlenden Schein
verlacht, wem die Nacht
den Blick geweiht:
seines flackernden Lichtes
flüchtige Blitze
blenden uns nicht mehr.
Wer des Todes Nacht
liebend erschaut,
wem sie ihr tief
Geheimnis vertraut:
des Tages Lügen,
Ruhm und Ehr',
Macht und Gewinn,
so schimmernd hehr,
wie eitler Staub der Sonnen
sind sie vor dem zersponnen!
In des Tages eitlem Wähnen
bleibt ihm ein einzig Sehnen -
das Sehnen hin
zur heil'gen Nacht,
wo ur-ewig,
einzig wahr
Liebeswonne ihm lacht!

Tristan zieht Isolde sanft zur Seite auf eine Blumenbank nieder, senkt sich vor ihr auf die Knie und schmiegt sein Haupt in ihren Arm.

Beide.

O sink hernieder,
Nacht der Liebe,
gib Vergessen,
daß ich lebe;
nimm mich auf
in deinen Schoß,
löse von
der Welt mich los!

Tristan.

Verloschen nun
die letzte Leuchte;

Isolde.

was wir dachten,
was uns deuchte;

Tristan.

all Gedenken -

Isolde.

all Gemahnen -

Beide.

heil'ger Dämm'rung
hehres Ahnen
löscht des Wähnens Graus
welterlösend aus.

Isolde.

Barg im Busen
uns sich die Sonne,
leuchten lachend
Sterne der Wonne.

Tristan.

Von deinem Zauber
sanft umsponnen,
vor deinen Augen
süß zerronnen;

Isolde.

Herz an Herz dir,
Mund an Mund;

Tristan.

eines Atems
ein'ger Bund;

Beide.

bricht mein Blick sich
wonnerblindet,
erbleicht die Welt
mit ihrem Blenden:

Isolde.

die uns der Tag
trügend erhellt,

Tristan.

zu täuschendem Wahn
entgegengestellt,

Beide.

selbst dann
bin ich die Welt:
Wonne-hehrstes Weben,
Liebe-heiligstes Leben,
Nie-wieder-Erwachens
wahnlos
hold bewußter Wunsch.

Tristan und Isolde versinken wie in gänzliche Entrücktheit, in der sie, Haupt an Haupt auf die Blumenbank zurückgelehnt, verweilen.

Brangänes Stimme.

von der Zinne her
Einsam wachend
in der Nacht,
wem der Traum
der Liebe lacht,
hab der Einen
Ruf in acht,
die den Schläfern
Schlimmes ahnt,
bange zum
Erwachen mahnt.
Habet acht!
Habet acht!
Bald entweicht die Nacht.

Isolde.

leise
Lausch, Geliebter!

Tristan.

ebenso
Laß mich sterben!

Isolde.

allmählich sich ein wenig erhebend
Neid'sche Wache!

Tristan.

zurückgelehnt bleibend
Nie erwachen!

Isolde.

Doch der Tag
muß Tristan wecken?

Tristan.

ein wenig das Haupt erhebend
Laß den Tag
dem Tode weichen!

Isolde.

nicht heftig
Tag und Tod
mit gleichen Streichen
sollten unsre
Lieb' erreichen?

Tristan.

sich mehr aufrichtend
Unsre Liebe?
Tristans Liebe?
Dein' und mein',
Isoldes Liebe?
Welches Todes Streichen
könnte je sie weichen?
Stünd' er vor mir,
der mächt'ge Tod,
wie er mir Leib
und Leben bedroht',
die ich so willig
der Liebe lasse,
wie wäre seinen Streichen
die Liebe selbst zu erreichen?
immer inniger mit dem Haupt
sich an Isolde schmiegend

Stürb' ich nun ihr,
der so gern ich sterbe,
wie könnte die Liebe
mit mir sterben,
die ewig lebende
mit mir enden?
Doch stürbe nie seine Liebe,
wie stürbe dann Tristan
seiner Liebe?

Isolde.

Doch unsre Liebe,
heißt sie nicht Tristan
und - Isolde?
Dies süße Wörtlein: und,
was es bindet,
der Liebe Bund,
wenn Tristan stürb',
zerstört' es nicht der Tod?

Tristan.

sehr ruhig
Was stürbe dem Tod,
als was uns stört,
was Tristan wehrt,
Isolde immer zu lieben,
ewig ihr nur zu leben?

Isolde.

Doch dieses Wörtlein: und -
wär' es zerstört,
wie anders als
mit Isoldes eignem Leben
wär' Tristan der Tod gegeben?

Tristan zieht, mit bedeutungsvoller Gebärde, Isolde sanft an sich.

Tristan.

So stürben wir,
um ungetrennt,
ewig einig
ohne End',
ohn' Erwachen,
ohn' Erbangen,
namenlos
in Lieb' umfangen,
ganz uns selbst gegeben,
der Liebe nur zu leben!

Isolde.

wie in sinnender Entrücktheit zu ihm aufblickend
So stürben wir,
um ungetrennt -

Tristan.

ewig einig
ohne End' -

Isolde.

ohn' Erwachen -

Tristan.

ohn' Erbangen -

Beide.

namenlos
in Lieb' umfangen,
ganz uns selbst gegeben,
der Liebe nur zu leben!

Isolde neigt wie überwältigt das Haupt an seine Brust.

Brangänes Stimme.

wie vorher
Habet acht!
Habet acht!
Schon weicht dem Tag die Nacht.

Tristan.

lächelnd zu Isolde geneigt
Soll ich lauschen?

Isolde.

schwärmerisch zu Tristan aufblickend
Laß mich sterben!

Tristan.

ernster
Muß ich wachen?

Isolde.

bewegter
Nie erwachen!

Tristan.

drängender
Soll der Tag
noch Tristan wecken?

Isolde.

begeistert
Laß den Tag
dem Tode weichen!

Tristan.

Des Tages Dräuen
nun trotzten wir so?

Isolde.

mit wachsender Begeisterung
Seinem Trug ewig zu fliehn.

Tristan.

Sein dämmernder Schein
verscheuchte uns nie?

Isolde.

mit großer Gebärde ganz sich erhebend
Ewig währ' uns die Nacht!

Tristan folgt ihr, sie umfangen sich in
schwärmerischer Begeisterung.

Beide.

O ew'ge Nacht,
süße Nacht!
Hehr erhabne
Liebesnacht!
Wen du umfangen,
wem du gelacht,
wie wär' ohne Bangen
aus dir er je erwacht?
Nun banne das Bangen,
holder Tod,
sehnend verlangter
Liebestod!
In deinen Armen,
dir geweiht,
ur-heilig Erwarmen,
von Erwachens Not befreit!

Tristan.

Wie sie fassen,
wie sie lassen,
diese Wonne -

Beide.

Fern der Sonne,
fern der Tage
Trennungsklage!

Isolde.

Ohne Wähnen -

Tristan.

sanftes Sehnen;

Isolde.

ohne Bangen -

Tristan.

süß Verlangen.
Ohne Wehen -

Beide.

hehr Vergehen.

Isolde.

Ohne Schmachten -

Beide.

hold Umnachten.

Tristan.

Ohne Meiden -

Beide.

ohne Scheiden,
traut allein,
ewig heim,
in ungemeßnen Räumen
übersel'ges Träumen.

Tristan.

Tristan du,
ich Isolde,
nicht mehr Tristan!

Isolde.

Du Isolde,
Tristan ich,
nicht mehr Isolde!

Beide.

Ohne Nennen,
ohne Trennen,
neu' Erkennen,
neu' Entbrennen;
ewig endlos,
ein-bewußt:
heiß erglühter Brust
höchste Liebeslust!

Sie bleiben in verzückter Stellung.

 


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12:05:28 AM, 26 July 2014
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