About this Recording
5.110115 - HANDEL: Water Music / Music for the Royal Fireworks
English  German 

Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Wassermusik • Feuerwerksmusik

Georg Friedrich Händel wurde 1685 in Halle als Sohn eines älteren, namhaften Wundarztes geboren, der in zweiter Ehe mit der Tochter eines lutherischen Geistlichen verheiratet war. Bald zeigte sich das musikalische Interesse des Knaben, das freilich von dem Vater nicht gefördert wurde, bis dessen Dienstherr, der Herzog von Sachsen- Weißenfels, sich einschaltete. Auch nach dem Tode des Vaters im Jahre 1697 ging Händels allgemeine und musikalische Ausbildung weiter, wodurch er fünf Jahre später in die Lage versetzt wurde, sich an der Universität von Halle zu imma-trikulieren und einen Monat später das Organistenamt am calvinistischen Dom anzunehmen. Im folgenden Jahr gab er sein Studium auf, und er verließ seine Heimatstadt, um als Musiker Karriere zu machen.

Händel fand eine Anstellung am Opernhaus von Hamburg, wo er zunächst als Tuttist in den zweiten Geigen, dann als Cembalist und Komponist tätig war. In der Elbe-Metropole knüpfte er auch erste Kontakte nach England, da er den Sohn des englischen Gesandten unterrichtete. Eine Freundschaft verband ihn mit dem vier Jahre älteren Kollegen Johann Mattheson, der später – ob zu Recht oder nicht, sei dahingestellt – behaupten sollte, er sei an Händels kompositorischer Ausbildung nicht ganz unbeteiligt gewesen. Eine Einladung des toskanischen Erbprinzen Ferdinando de’ Medici brachte ihn 1706 nach Italien, wo er sich während der nächsten vier Jahre aufhalten sollte: In Florenz, Venedig und Rom nahm er den italienischen Stil noch weit gründlicher in sich auf als das bereits an der Hamburger Oper geschehen war; überdies beeindruckte er sein Publikum mit seinen virtuosen Fähigkeiten auf der Orgel und am Cembalo.

In Venedig hatte Händel Baron von Kielmannsegge, den Oberstallmeister des Kurfürsten von Hannover, und wohl auch Prinz Ernst, den Bruder des Fürsten, kennengelernt. Aufgrund dieses Kontaktes wurde ihm 1710 der Posten des Kapellmeisters von Hannover angeboten. Gemäß einer früheren Vereinbarung gewährte ihm sein neuer Dienstherr allerdings sogleich eine zwölfmonatige Abwesenheit. Sein Weg führte ihn zunächst nach Halle, wo er seine Mutter besuchte, dann nach Düsseldorf und schließlich nach London, wo er offenbar große musikalische Möglichkeiten sah. In England regierte damals Königin Anne, die zweite Tochter des verbannten katholischen Königs James II. Sie war die letzte der Stuarts, nach deren Tod im Jahre 1714 der Kurfürst von Hannover unter dem Namen George I. auf den Thron kam.

Als Händel zum ersten Male nach London kam, blieb er hier acht Monate, um im Februar 1711 die Aufführung seiner neuen italienischen Oper Rinaldo zu überwachen, deren Libretto auf einem Entwurf des Impresarios Aaron Hill beruhte. Anschließend kehrte Händel nach Hannover zurück, doch schon fünfzehn Monate später war er wieder in London – mit der Genehmigung seines Kurfürsten, der ihm gestattet hatte, sich für eine annehmbare Zeit von seinem eigentlichen Arbeitsplatz zu entfernen. Händel kehrte jedoch nicht mehr nach Deutschland zurück, sondern blieb gleich ganz in England, wobei nicht klar ist, ob das mit Einwilligung seines Dienstherrn geschah oder nicht. In jedem Falle genoss er nach der Thronbesteigung Georges I. den Schutz seines Königs.

In London widmete sich Händel in beträchtlichem Maße der italienischen Oper, was ein durchaus riskantes Unternehmen war, mit dem er während der nächsten Jahrzehnte manches Auf und Ab erlebte. Später wandte er sich dem englischen Oratorium zu, einer Form, die ihm sämtliche musikalischen Vorzüge der italienischen Oper bot, ohne aber die Nachteile einer fremden Sprache sowie übermäßige Inszenierungskosten mit sich zu bringen – oder von der heimischen Kritik wegen der Unwahrscheinlichkeit oder Unverständlichkeit der Handlung angegriffen zu werden. Neben seinen Opern und Oratorien schrieb Händel auch Gelegenheits-musiken für die Kirche und Vergnügungsgärten. Er erfreute sich einer solch enormen Popularität und Wertschätzung, dass er weniger bedeutende Talente in den Schatten stellte. Georg Friedrich Händel starb 1759.

Die Water Music und Music for the Royal Fireworks markieren zwei zeitliche Extreme in Händels Londoner Laufbahn. Das erste der beiden Werke gehört in die frühen englischen Jahre und entstand vermutlich 1717; das zweite Stück hingegen war eine Auftrags-komposition aus dem Jahre 1749. In beiden Fällen waren Freiluft- Musiken verlangt, und darauf verstand sich Händel mit besonderem Geschick, wie er während all der Jahre demonstrierte, in denen er die Musik für die Vauxhall-Gärten lieferte. Einer volkstümlichen Legende zufolge soll der Kurfürst von Hannover darüber verärgert gewesen sein, dass Händel sich so lange ohne Genehmigung in London aufgehalten hatte. Die Versöhnung sei dann durch die Wassermusik zustande gekommen, die entstand, um den neuen König mitsamt seinem Hofstaat während einer Schiffsfahrt auf der Themse zu unterhalten, die von Whitehall nach Chelsea und wieder zurück führte. Die früher verbreitete Anekdote wird heute allgemein mit Vorsicht genossen, da eine eigentliche Versöhnung zwischen Händel und König George offenbar nicht nötig war. Aus zeitgenössischen Berichten erhellt hingegen, dass Baron Kielmannsegge, der mit der als Elefant bekannten Halbschwester des Königs verheiratet war, eine fünfzigköpfige Kapelle dafür bezahlte, dass sie eine neue Komposition spielte, die man für eine Abendgesellschaft am 17. Juli 1717 zur Unterhaltung des Königs bei Händel bestellt hatte. Nicht bekannt ist, wieviele der aufgeführten Stücke von Händel selbst waren und wieviel davon in den drei als Wassermusik bekannten Suiten überliefert ist. Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass die Sammlung viele der 1717 gespielten Sätze enthält, wobei wir nichts über die Reihenfolge ihrer Aufführung wissen. Die erste der drei von späteren Herausgebern zusammengestellten Suiten wurde als Horn-Suite bezeichnet, da diese Instrumente hier eine besondere Rolle spielen; desgleichen zeichnet sich die zweite Suite durch den Einsatz von Trompeten aus, indessen die dritte Suite eher an eine Aufführung in einem geschlossenen Raum – zur Begleitung etwa des königlichen Abendessens – denken lässt.

Die „Kahnpartie” auf der Themse war 1717 ein großer Erfolg. Die Königlichen Feuerwerke hingegen mögen zwar musikalisch vorzüglich gewesen sein, als pyrotechnische Vorführung hingegen waren sie ein Desaster. Die Veranstaltung sollte an einem Abend im April 1749 im Green Park stattfinden, um den im Vorjahr zu Ende gegangenen Österreichischen Erbfolgekrieg zu feiern, mit dem Maria Theresia als österreichische Kaiserin bestätigt worden war. Händel hatte zunächst gezögert, dann aber eine öffentliche Probe seiner Royal Fireworks Music veranstaltet – und zwar in den Vauxhall-Gärten, einem kommerziellen Unternehmen, an dem er seit 1732 beteiligt war. Einhundert Musiker ließen sich bei dieser Gelegenheit vor mehr als 12.000 Menschen hören. Eine Woche später kam es zur Aufführung im Green Park: Hier diente die Musik als Präludium zu dem Ereignis und begleitete möglicherweise die königliche Inspektion der „Maschine”, die Hauptgegenstand der Angelegenheit war. Die Feuerwerke selbst waren eine Enttäuschung, und zu allem Überfluss geriet abends auch noch ein Pavillon auf der rechten Seite der Hauptinstallation in Brand.

The Royal Fireworks Music waren bereits in Vauxhall bewundert worden. Nachdem die Originalbesetzung auf königlichen Befehl nur aus einem massiven Bläserensemble bestanden hatte, erweiterte Händel sein Werk anschließend um ein Streicher-ensemble, und diese Fassung wurde Ende Mai im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten des Thomas Coram-Waisenhauses aufgeführt, das noch beträchtlicher von dem Oratorium Messiah profitieren sollte. Der erste der fünf Sätze ist eine typische französische Ouvertüre, worauf zunächst eine Bourrée und dann zwei Stücke folgen, die Frieden und Freude beschwören. Mit zwei Menuetten geht die Suite zu Ende.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window