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8.223240 - STRAUSS II, J.: Edition - Vol. 40
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Die Johann Strauß-Edition

Die Johann Strauß-Edition

 

Johann Strauß II., der berühmteste und bis in unsere Zeit hinein erfolgreichste Komponist der wienerischen Musik des 19. Jahrhundens, die zum Vorbild der Unterhaltungsmusik in der gesamten, von der europäischen Kultur geprägten, Welt geworden ist, wurde am 25. Oktober 1825 in Wien geboren. Er ist von der Tradition ausgegangen, die sein, ebenfalls berühmter, Vater, Johann Strauß I. (1804-1849), im Wettstreit mit Joseph Lanner (1801-1843) geschaffen hatte, konnte aber im Zusammenwirken mit seinen Brüdern Joseph (1827-1870) und Eduard (1835-1916) eine deran künstlerische Weiterentwicklung und Vollendung der übernommenen Form des "klassischen Walzers" erreichen, daß seine Werke nicht nur in den Tanzsälen willkommen waren, sondern auch in den Konzenprogrammen einen festen Platz erhielten. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat Johann Strauß II. nicht nur seine Heimatstadt Wien, die Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburgermonarchie im Zentrum Europas, sondern eben die ganze Welt mit seinen kunstvoll gestalteten, klangvollen Walzern, Polkatänzen, Quadrillen und Märschenfasziniert. Ab dem Jahre 1871 wendete der dreimal verheiratete "Walzer-König" Johann Strauß II. sein Interesse der Komposition von Operetten und sogar einer komischen Oper zu und vollendete neben seinen mehr als 500 Instrumental-Kompositionen auch sechzehn Bühnenwerke, darunter die "Operette der Operetten", die "Fledermaus". Die Instrumental-Kompositionen erreichten im populärsten aller Walzer, "An der schönen blauen Donau" (1867), ihren Höhepunkt. Johann Strauß II. ist nach einem Leben voller Triumphe und Ehrungen am 3. Juni 1899 in Wien gestorben.

 

Die Marco-Polo Edition ist ein Meilenstein in der Chronik der Strauß-Aufnahmen: sie bietet zum allerersten Male die vollständige Produktion aller Orchesterkompositionen von Johann Strauß. Die Arbeiten des "Wiener Walzer-Königs" sind trotz ihrer hohen Qualität und ihrer kulturhistorischen Bedeutung bisher noch niemals systematisch und komplett, unter Verwendung des noch vorhandenen Archiv-Materials in der ganzen Welt, aufgenommen und veröffentlicht worden. In dieser Produktion werden alle Werke so vollständig, wie dies nur möglich war, in der Original-Instrumentierung gespielt, also so, wie es sich Johann Strauß II., der ja auch ein Meister der Orchestrierung gewesen ist, ausgedacht und seinen Verlegern übergeben hat. Jede Aufnahme ist "echter Johann Strauß".

 

[1] "Heimaths-Kinder", Walzer, op. 85

 

Am 6. Februar 1851 annoncierte der Verlag Pietro Mechetti quondam Carlo in der "Wiener Zeitung" unter der Überschrift "Neueste Tanzmusik von Johann Strauß" das Erscheinen von fünf Novitäten. An der Spitze stand der Walzer "Heimaths-Kinder". Da dieses Werk nicht aus der Tanzmusik für den Karneval 1851 stammen konnte, muß man in der Chronik Wiens um ein paar Monate zurückblättern. Dabei stößt man auf mehrere Ankündigungen, die am 15. September 1850 in allen Zeitungen der Donaumetropole in der einen oder anderen Formulierung erschienen sind. Im "Wanderer" (Nr. 437) war zu lesen:

 

"Montag, den 16. d. findet ein eigenthümliches Nationalmusik-Preis-Fest beim Sperl statt, bei welchem folgende Musikchöre mitwirken: Cpm. Johann Strauß für Österreich, Cpm. Hanel vom Prinz Wasa-Infanterie für Ungarn, Cpm. Pergier für Böhmen. Der Preis ist ein silberner Ehrenpokal, geschmückt mit einem Lorbeerkranz. Um jeder Parteilichkeit vorzubeugen, erhält jeder eintretende p.T. Gast einen gestempelten Zettel, welchen derselben ausgefüllt mit dem Namen des Musikdirektors in eine hiezu bezeichnete Urne gibt. Zu der bestimmten Stunde wird die Urne geöffnet und die Stimmzettel werden unter Aufsicht gezählt. Das Resultat wird dann feierlich bekanntgegeben."

 

Am 18. September berichtete die "Theaterzeitung" in ihrer Nr. 222 u.a.:

 

"Herr Strauß gewann den Becher mit einer Mehrheit von 400 Stimmen, das ist eben die Zahl der Tänzer, die ihren Orpheus nicht im Stich lassen wollten. Wir gönnen ihm denselben vom Herzen, tatsächlich waren seine Walzer, namentlich die 'Vaterländischen' und die 'Johanniskäferln' ganz allerliebst; es ging einem förmlich in die Füsse und die Wirkung seiner Töne auf manche Beine ist es auch, daß man glaubt, es fliegen, Tannen, Felsblöcke, Suppentöpfe und Waschkkessel [!] an einem vorüber."

 

Soweit diese seltsame Huldigung. Nun - die Walzerpartie "Johannis-Käferln", eines der Meisterwerke des jungen Musikdirektors Johann Strauß, ist leicht zu identifizieren: sie wurde zum ersten Male am 28. Juli 1850 bei einem Volksfest im Kasino Zögernitz aufgeführt und war auch bereits als Opus 82 im Druck erschienen. Die andere Walzerpartie, in diesem Bericht als "Die Vaterländischen" bezeichnet, aber muß jenes Werk gewesen sein, das der Verlag Mechetti dann unter dem sinnverwandten Titel "Heimaths-Kinder" veröffentlicht hat. Auch dieser Walzer, der allerdings später in Vergessenheit geriet und daher für diese Aufnahme von Ludwig Babinski nach dem Klavierauszug instrumentiert werden mußte, ist "ganz allerliebst" und hat den Preis verdient, der seinem Komponisten am 16. September 1850 anläßlich seiner Uraufführung zuerkannt worden ist.

 

[2] "Hochzeits-Präludium", op. 469

 

Johann Strauß hat das "Hochzeits-Präludium" für die Hochzeit seiner Stieftochter Alice (geb. 1875) mit Wilhelm Josef Franz Marquis de Bayros (geb. 1866 in Agram) geschrieben. Die feierliche Zeremonie fand am 27. Februar 1896 in der Kirche des deutschen Ritterordens in der Singerstraße nächst dem Stephansdom statt. Alice hatte Johannes Brahms gebeten, als ihr Beistand im Gotteshaus zu erscheinen und Brahms hatte sogar zugesagt - aber dann hatte er es sich anders überlegt, war ins Strauß-Palais in der Igelgasse "gepilgert" und hatte diese Zusage wieder rückgängig gemacht. Die Ehe wurde, wie aus einem Vermerk im Trauungsregister der Pfarre hervorgeht, niemals vollzogen und daher wegen Ehe-Unfähigkeit des Gatten am 24. Mai 1898 für ungültig erklärt. (Bayros, der als Maler "gewagter Bilder" eher berüchtigt als berühmt war, heiratete im Jahre 1913 zum zweiten Mal und diese Verbindung blieb bis zu seinem Tod am 3. April 1924 aufrecht!) Für die Aufführung des "Präludiums" am 27. Februar 1896 sorgte Eduard Strauß; er bestellte die Musiker für die Deutschordens-Kirche. Nach den wenigen Berichten über die Hochzeit muß die Zeremonie sehr stimmungsvoll verlaufen sein, und dazu hat das "Hochzeits-Präludium" gewiß viel beigetragen. Im "Fremden-Blatt" vom 28. Februar 1896 war zu lesen:

 

"Bald nach halb drei Uhr nachmittag fuhren in geschlossenen Equipagen die jugendliche Braut an der Seite ihrer Mutter, der Bräutigam Feri de Bayros und die Beistände Professor Victor Tilgner und Dr. Ludwig Ganghofer für die Braut, Generalmajor Anton von Chavanne-Wöber und Geheimer Rat Graf Hans Wilczek sen. für den Bräutigam, sowie Johann Strauß selbst an der Sakristeithüre vor. Während die Klänge des vom Brautvater anläßlich der Vermälung seiner Tochter komponierten 'Hochzeits-Praludiums' ertönten, trat der Hochzeitszug in die Kirche. Der Pfarrverweser der Deutschordens-Kirche, Franz Jancar, vollzog die Trauung. Hierauf nahmen die Neuvermälten die Gratulationen entgegen und begaben sich ins Haus der Eltern."

 

Am 29. November 1896 hat Eduard Strauß das Werk in der Originalform (für Violine, Orgel und Harfe) im Goldenen Saal der Gesellschaft der Musikfreunde dem Publikum seiner Sonntagskonzerte vorgeführt. Dabei spielten Konzertmeister Friedmann den Violinpart, der k.k. Hoforganist Valker die Orgel und Herr Drescher die Harfe. Wahrscheinlich haben dieselben Künstler auch in der Deutschordens-Kirche gespielt.

 

Die Neuausgabe des später im Verlag Bote & Bock in Berlin erschienenen "Präludiums" erfolgte im Jahre 1963 durch Fritz Racek; diese hat sich an dem Manuskript des Komponisten orientiert.

 

[3] "Wildfeuer", Polka française, op. 313

 

Am 18. Oktober 1866 hatte im k.k. Hofburgtheater das Drama "Wildfeuer" von Friedrich Halm (Pseudonym für Eligius Freiherr von Münch-Bellinghausen) Premiere. Das Stück sorgte für Gesprächsstoff in der gesamten Donaumonarchie und weckte auch ein vielfaches Echo in Form von Parodien, die sowohl auf den Bühnen der Wiener Vorstadttheater als auch auf den Pawlatschen der Volkssängergesellschaften mit großem Erfolg gespielt worden sind.

 

Der Titel des Dramas dürfte Johann Strauß angeregt haben, die Polka française, die er für das Benefizkonzert der Strauß-Kapelle am 18. November 1866 im Volksgarten vorbereitet hatte, ebenfalls "Wildfeuer" zu nennen. Irgendeine Verbindung der anmutigen Polka mit der effektvollen Handlung des Dramas eines Mädchens in Männerkleidern ist nicht erkennbar. Übrigens hat sich auch Carl Michael Ziehrer damals zu einer Polkakomposition anregen lassen: sein Opus 72 mit dem Titel "Wildfeuer" war allerdings eine Schnellpolka und wurde der Hauptdarsteller in der Burgtheateraufführung, der Schauspielerin Louisabeth Röckel (1841-1913), gewidmet. Ziehrers Werk wurde bereits vor der Polka von Johann Strauß, und zwar am 11. November 1866, in den Blumensälen der Gartenbaugesellschaft uraufgeführt. Aber das hat Johann Strauß wohl kaum beeindruckt, sodaß seine Polka française eben eine Woche später im Volkksgarten, an einem anderen Sektor der Wiener Ringstraße, zum ersten Male erklungen ist. Ziehrers Schnellpolka war rasch wieder aus den Programmen der Wiener Konzerte verschwunden, die Polka von Johann Strauß, die bei der Uraufführung lebhaften Beifall gefunden hat, überlebte und wurde schließlich von Adolf Müller in die Partitur der Operette "Wiener Blut" aufgenommen.

 

[4] "Wilhelminen-Quadrille", op. 37

 

Am 4. Februar 1847 veröffentlichte die Zeitung "Gegenwart" folgende Notiz:

 

"Herr Webersfeld veranstaltet Mittwoch, den 10. Februar, bei Dommayer in Hietzing einen Subscriptionsball. Herr Kapellmeister Johann Strauß-Sohn hat die Leitung der Musik übernommen und eigens für diesen Ball eine neue Quadrille unter dem Titel 'Wilhelminen-Quadrille' geschrieben."

 

Johann Strauß hatte also den Namen der Gattin des adeligen Tanzmeisters Eduard Edler von Webersfeld (1812-1847) für den Titel seiner Quadrille gewählt. Der Subskriptionsball bei Dommayer dürfte möglicherweise nur einen bescheidenen Reinertrag gebracht haben, den Wilhelmine von Webersfeld blieb nach dem im Oktober 1847 erfolgten Tod ihres Gatten, in "dürftigen Verhältnissen" zurück. Die im Verlag H.F. Müller erschienene Quadrille ist nur in der Klavierausgabe erhalten geblieben und mußte daher für diese Aufnahme von Ludwig Babinski instrumentiert werden.

 

[5] "Irrlichter", Walzer, op. 218

 

Der "den Herren Technikern" gewidmete Walzer "Irrlichter" von Johann Strauß wurde beim Ball der Hörer der Technik am 31. Januar 1859 im Sofiensaal zum ersten Male aufgeführt. Das bestätigen die Notizen in Josephs Tagebuch und in den Aufzeichnungen des Hornisten Franz Sabay; das geht auch aus den Presseberichten über den Technikerball hervor.

 

Angekündigt wurde das Werk zum ersten Male in der "Theaterzeitung" vom 22. Januar 1859, und zwar in einer Vorschau auf den Karneval 1859. Aber der Titel "Irrlichter" war zu diesem Zeitpunkt bereits in einem anderen Zusammenhang in den Zeitungen genannt worden, und zwar anläßlich eines Konzerts von Joseph Strauß am 7. Juni 1858, allerdings nur ein einziges Mal. Ob Johann Strauß für seine Widmung an die Herren Techniker nur den Titel übernommen hat, den sein Bruder bereits einmal verwendet hatte, oder ob das im Sommer 1858 sogleich wieder verschwundene Werk Josephs (in anderer Form?) in Johanns Walzer eingegangen ist, läßt sich nicht feststellen. Er-halten blieb nur die übliche Stichvorlage für den Verleger Carl Haslinger von Kopistenhand.

 

Auffällig ist auch das Presseecho, das dieser Walzer gefunden hat. Der Ballreporter der "Wiener Theaterzeitung" wählte zwar die üblichen Formulierungen:

 

"Neben seinen beliebtesten Tänzen brachte Strauß auch eine Partie Walzer 'Irrlichter', welche er eigens für dieses Ballfest komponiert hatte, zur Aufführung, von welchen namentlich der erste, dritte und fünfte durch originelle und pikante Melodie den meisten Anklang fanden."

 

Aber im Bericht des "Fremden-Blattes" vom 2. Februar 1859 hieß es: "Wenn das Auge durch das Gewoge junger reizender Damen in eleganten Toiletten befriedigt wurde, so fand das Ohr nicht minder Befriedigung an der von Strauß dirigierten Musik. Sein neuer, eigens für diesen Ball komponierter Walzer, 'Irrlichter' betitelt, schließt sich jedoch seinen würdigen Kompositionen nicht würdig an. Man vermißt in diesem ziemlich monotonen Walzer die gemütlichen Klänge der Wiener Tanzmusik und bekommt als Ersatz - 'Tannhäuser-Reminiszenzen'."

 

Ob bei der Walzerpartie "Irrlichter" von Johann Strauß tatsächlich Klänge vom Venusberg her zu vernehmen sind, muß denn doch dahingestellt werden. Der Einfluß der Musik Richard Wagners, der tatsächlich in gar nicht so wenigen Kompositionen von Johann und vor allem von Joseph Strauß zu erkennen ist, wäre übrigens gewiß nicht negativ zu bewerten. Wie dem auch gewesen sein mag - die Walzerpartie "Irrlichter", die erst im Juni 1859 im Verlag Haslinger im Druck erschienen ist und die Johann Strauß auch in Pawlowsk (bei seinem Benefiz am 1./13. August 1859) vorgetragen hat, war später in Wien nur selten zu hören. Sie ist aber wohl wert, neu entdeckt zu werden!

 

[6] "Herzenskönigin", Polka française, op. 445

 

Am 24. Dezember 1892 schrieb Johann Strauß seinem Verleger Fritz Simrock nach Berlin: "Am 6. Februar 1893 findet der Concordiaball statt. Hiebei erste Aufführung der Polka française, welche ich in einigen Tagen Ihnen senden werde, damit sie rechtzeitig damit herauskommen können."

 

Ob Friedrich Simrock sich tatsächlich mit der Edition dieser Polka so sehr beeilt hat, daß sie am Ballabend, also am 6. Februar 1893, den Gästen der "Concordia" im Sofiensaal zur Verfügung stand, ist zweifelhaft. Die Zusammenarbeit des Berliner Verlegers mit Johann Strauß war damals bereits beendet, weil Simrock sich nicht entschließen konnte, nach dem Versagen der komischen Oper "Ritter Pasman" auch noch das nächste Bühnenwerk des Walzerkönigs, die Operette "Fürstin Ninetta" in seinen Verlag zu nehmen. Johann Strauß war daher zu seinem früheren Verleger August Cranz zurück-gekehrt. Daß dieser dann den "Ninetta-Walzer" ebenfalls mit der Opuszahl 445 herausbrachte, läßt eher vermuten, daß Simrock sich mit der Edition der Polka "Herzenskönigin" viel Zeit gelassen hat. Das Werk verkam zur Rarität. Doch das hat die anmutige Polka, deren Titel wohl Simrock ausgwählt hat, ganz und gar nicht verdient.

 

[7] "New York Herald Waltz", ohne op.

 

Johann Strauß hat im turbulenten Jahr 1894, datiert mit 27. September, eine Widmung für die amerikanische Zeitung "New York Herald" komponiert und das kurze Werk - es besteht nur aus 24 Takten - "dedicated to Mr. James Gordon Benet with the composers compliments". James Gordon Bennett (1841-1918) war der Sohn und Nachfolger des Gründers der Zeitung "New York Herald", James Gordon Bennett (1795-1872). Die Erstaufführung dieser Huldigung für einen der besten Journalisten der Vereinigten Staaten erfolgte am 14. Oktober 1894 ("arr. for band" und "with a special introduction") durch V. Herbert in New York. Das Werk wurde ebenfalls am 14. Oktober 1894 im "New York Herald" als Faksimile veröffentlicht. Dazu erschien der Bericht eines Korrespondenten. Er beschreibt sehr anschaulich, wie er bei seinem Besuch im Haus des Walzerkönigs kaum zum Hausherrn vordringen konnte - sämtliche Möbelstücke, der ganze Boden des Arbeitszimmers waren mit Notenblättern übersät, auf denen in der typischen Handschrift des Meisters Notenköpfe durcheinanderpurzelten. Strauß selbst sah ein bißchen vernachlässigt aus, seine Augen, die früher sein Publikum mit ihrem schwarzen Feuer hypnotisiert hatten, blickten müde. Er entschuldigte sich bei seinem Besucher dafür: "Ich bin ein alter Mann und liebe nur noch mein Schnitzel, mein Bier und meine Pfeife."

 

In Wien wurde der "New York Herald Waltz" von Max Schönherr instrumentiert und in dieser Fassung am 21. April 1967 anläßlich eines "Balles der Nationen" in der Wiener Hofburg aufgeführt. Die Bearbeitung Max Schönherrs liegt auch dieser Aufnahme zugrunde.

 

[8] "Ninetta-Quadrille", op. 446

 

Selbstverständlich hat Johann Strauß auch aus den Motiven seiner ungeliebten Operette "Fürstin Ninetta", die am 10. Januar 1893 zum ersten Male über die Bühne des Theaters an der Wien ging, eine Quadrille zusammengestellt. Aber er hat sich dabei nicht allzu viel Mühe gemacht: er verwendete Melodien noch einmal, die er auch für seinen "Ninetta-Marsch", op. 447, vorgesehen hatte, zum Beispiel gleich zu Beginn (Pantalon) das Auftrittslied des Cassims, "Dort wo Blut und Wuttky fließen", und dann im zweiten Teil von Nr. 4 (Trenis) das Auftrittslied der Ninetta, "Fremdenführer bin ich, Cicerone". Den zweiten Teil der Quadrille (Ete) beginnt Strauß mit dem Lied des Ferdinands aus Nr. 7 der Operette und setzt fort mit dem Duett aus Nr. 4, "Wir reisten Beide mit höchstem Behagen". Im dritten Teil (Poule) wird das Couplet des Cassims zitiert, "Ein Gretchen mit lächelndem Munde" und das Auftrittslied des Ferdinands, "Muthig voran". In Nr. 4 dominiert zunächst das tändelnde Motiv "Ja der Türke muß hinaus" aus dem zweiten Finale (Nr. 12) und dann - wie gesagt - Ninettas Auftritt, der auch gleich als Einleitung der Operette erklingt. Nr. 5 wird beherrscht vom Cancan Ninettas (Nr. 10), "Als ich ein Backfisch war". Das Finale besteht aus dem Allegro con moto aus Nr. 4, "Die Fresken von Giotto", und aus der Stelle "Herrlich erschallt", ebenfalls aus dem zweiten Finale (Nr. 12). Da alle diese Zitate einen heiteren Charakter haben, ist die Quadrille gefällig und amüsant.

 

Die Uraufführung dieses Werkes überließ Johann Strauß seinem Bruder Eduard and dieser reihte die "Ninetta-Quadrille" ins Programm seines Sonntagskonzerts am 19. Februar 1893 im Musikverein ein.

 

[9] "Liebe und Ehe", Polka Mazur, op. 465

 

Aus den Motiven seiner erfolgreichen Operette "Waldmeister" hat Johann Strauß nach der Premiere des Werkes am 4. Dezember 1895 im Theater an der Wien sechs Tanzstücke arrangiert (bzw. im Falle der "Waldmeister-Quadrille" arrangieren lassen). Diese erschienen, mit dem Walzer "Trau, schau, wem", op. 463, an der Spitze, der Reihe nach auf den Programmen der Strauß-Kapelle. Beim Konzert, das am 5. Januar 1896 unter Eduards Leitung im Goldenen Saal der Gesellschaft der Musikfreunde stattgefunden hat, erklang nach der Ouvertüre "Orpheus in der Unterwelt" von Carl Binder, dem Walzer "Menublätter" von Eduard Strauß und "Isoldes Liebestod" von Richard Wagner [!], angekündigt als "Neu, zum ersten Male" die Polka "Liebes-Philosophie" nach Motiven der Operette "Waldmeister" von Johann Strauß. Vierzehn Tage später stand das Werk abermals auf Eduards Programm, diesmal hieß es "Lebens-Philosophie". Aber der Verlag Bote & Bock wählte für die Polka Mazur den Titel "Liebe und Ehe" (Erstausgabe am 17. Januar 1896).

 

Den Titel des Werkes haben die Verleger dem Couplet des Erasmus (Nr. 16) entnommen, dessen erste Strophe lautet: "Die Liebe kommt, die Liebe geht.", während die zweite mit den Worten beginnt: "Die Ehe kommt, die Ehe bleibt."

 

Auch die erste Melodie der Polka Mazur gehört zu diesem Couplet. Das Motiv des Trios findet sich im Entreacte zwischen dem ersten und zweiten Akt, daran schließt sich ein rhythmisch scharf akzentuierter Teil, der von den Bässen her aufsteigt, und unterstreicht den Charakter der Polka Mazur. Schließlich wird das erste Motiv des Trios wiederholt und dann geht, wie üblich, die Polka Mazur da capo.

 

[10] "Jubilee Waltz", ohne op.

 

Der "Jubilee-Waltz" gehört zu den Walzerkompositionen, die anläßlich des Aufenthaltes von Jetty und Johann Strauß im Juni 1872 in den Vereinigten Staaten erschienen sind. Das Werk ist bei Fay Hoadly & Co in Springfield, Mass, erschienen. Der Aufdruck auf der Erstausgabe lautete: "Dedicated to P.S. Gilmore Esq. 'Jubilee Waltz' by Johann Strauss. Written especially for the great International Peace Jubilee at Boston, and played at Gilmore's Benefit Concert." Die Erstaufführung erfolgte also am 29. Juni 1872 bei der erwähnten Monstre-Veranstaltung im"Coliseum", Boston (Titel: "International Jubilee Ball").

 

Es ist nicht anzunehmen, daß Strauß selbst die Kompilation geschrieben hat. Verwendet wurden:

 

für die Einleitung die Introduktion aus dem Walzer "Jux-Brüder", op. 208,

für Nr. 1A: Nr. 1A aus dem Walzer "Lava-Ströme", op. 74,

für Nr. 1B: Nr. 3B aus dem Walzer "Die Jovialen", op. 34,

für Nr. 2A: Nr. 5A aus dem Walzer "Hofball-Tänze", op. 298,

für Nr. 2B: Nr. 5B aus dem Walzer "Vibrationen", op. 204,

für Nr. 3A, 3B: Nr. 5A, 5B aus dem Walzer "Man lebt nur einmal", op.167,

für Nr. 4A: Nr. 5A aus dem Walzer "Jux-Brüder", op. 208,

für Nr. 4B: Nr. 4B aus dem Walzer "Man lebt nur einmal", op. 167.

 

In der Coda werden die Zitate aus den Walzern "Die Jovialen" und "Lava-Ströme" wiederholt, dann bringt eine grandiose Steigerung als Zitat (Andante maestoso) die Huldigung an die Vereinigten Staaten, "Star Spangled Banner".

 

Der Widmungsträger Patrick Sarsfield Gilmore (1829-1892) war der Organisator des "Friedensfestes" in Boston.

 

Die Orchestrierung des Werkes für diese Aufnahme besorgte Jerome D. Cohen.

 

© Franz Mailer


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