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8.223279 - STRAUSS II, J.: Edition - Vol. 51
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The Johann Strauss Edition Edition

Die Johann Strauß-Edition

 

Johann Strauß II., der berühmteste und bis in unsere Zeit hinein erfolgreichste Komponist der wienerischen Musik des 19. Jahrhundens, die zum Vorbild der Unterhaltungsmusik in der gesamten, von der europäischen Kultur geprägten, Welt geworden ist, wurde am 25. Oktober 1825 in Wien geboren. Er ist von der Tradition ausgegangen, die sein, ebenfalls berühmter, Vater, Johann Strauß I. (1804-1849), im Wettstreit mit Joseph Lanner (1801-1843) geschaffen hatte, konnte aber im Zusammenwirken mit seinen Brüdern Joseph (1827-1870) und Eduard (1835-1916) eine deran künstlerische Weiterentwicklung und Vollendung der übernommenen Form des "klassischen Walzers" erreichen, daß seine Werke nicht nur in den Tanzsälen willkommen waren, sondern auch in den Konzenprogrammen einen festen Platz erhielten. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat Johann Strauß II. nicht nur seine Heimatstadt Wien, die Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburgermonarchie im Zentrum Europas, sondern eben die ganze Welt mit seinen kunstvoll gestalteten, klangvollen Walzern, Polkatänzen, Quadrillen und Märschenfasziniert. Ab dem Jahre 1871 wendete der dreimal verheiratete "Walzer-König" Johann Strauß II. sein Interesse der Komposition von Operetten und sogar einer komischen Oper zu und vollendete neben seinen mehr als 500 Instrumental-Kompositionen auch sechzehn Bühnenwerke, darunter die "Operette der Operetten", die "Fledermaus". Die Instrumental-Kompositionen erreichten im populärsten aller Walzer, "An der schönen blauen Donau" (1867), ihren Höhepunkt. Johann Strauß II. ist nach einem Leben voller Triumphe und Ehrungen am 3. Juni 1899 in Wien gestorben.

 

Die Marco-Polo Edition ist ein Meilenstein in der Chronik der Strauß-Aufnahmen: sie bietet zum allerersten Male die vollständige Produktion aller Orchesterkompositionen von Johann Strauß. Die Arbeiten des "Wiener Walzer-Königs" sind trotz ihrer hohen Qualität und ihrer kulturhistorischen Bedeutung bisher noch niemals systematisch und komplett, unter Verwendung des noch vorhandenen Archiv-Materials in der ganzen Welt, aufgenommen und veröffentlicht worden. In dieser Produktion werden alle Werke so vollständig, wie dies nur möglich war, in der Original-Instrumentierung gespielt, also so, wie es sich Johann Strauß II., der ja auch ein Meister der Orchestrierung gewesen ist, ausgedacht und seinen Verlegern übergeben hat. Jede Aufnahme ist "echter Johann Strauß".

 

[1]               "Wo klingen die Lieder" nach der "Polka Mazurka Champetre", op. 239

 

Im Sommer 1860 hat Johann Strauß für seine Konzerte in Pawlowsk bei St Petersburg zahlreiche neue Kompositionen geschaffen, darunter die "Polka Mazurka Champêtre", die er wahrscheinlich bei seinem Benefize mit anschließendem ländlichen Maskenfest am 7./21. Juli 1860 zum ersten Male dem Publikum präsentiert hat. Die Stichvorlage, die der Komponist seinem Verleger Haslinger abgeliefert hat, läßt erkennen, daß Johann Strauß bei der Uraufführung des Werkes, die wohl bei seinem Benefize mit darauffolgendem ländlichen Maskenfest am 9./21. Juli in Pawlowsk stattgefunden hat, die Mitwirkung eines vierstimmigen Mannerchores vorgesehen hatte. Den Sängern war allerdings kein Text zugewiesen worden: ihre Vokalise ("La, la, la") übernimmt nur die Melodien der Polka Mazurka. Auch die erste Aufführung des stimmungsvollen Werkes in Wien am 25. November 1860 im k.k. Volksgarten wurde von der Strauß-Kapelle unter Leitung des Komponisten mit Unterstützung eines aus 14 Mann bestehenden Chores vorgetragen.

 

Etwa ein Jahr später ließ der Verleger Carl Haslinger als Nummer 9 in seiner Reihe "Liederkranz" eine Bearbeitung der "Polka Mazurka Champêtre", die er in der Originalfassung bereits als op. 239, herausgegeben hatte, für vier Männerstimmen und zwei Hörner erscheinen. Diesmal war dem Werk ein Text von Ludwig Foglar unterlegt worden und hatte den Titel "Wo klingen die Lieder" erhalten. Mit diesen Worten beginnt auch Foglars schlichter Text. Ob diese Fassung damals aufgeführt worden ist, läßt sich nicht ermitteln. Später hat sie der "Wiener Männergesangverein" gelegentlich in die Programme seiner Konzerte aufgenommen. Trotzdem ist "Wo klingen die Lieder" bisher nahezu unbekannt geblieben.

 

[2]        Manhatton Waltzes

 

Der musikalische Inhalt der "Manhattan Waltzes" von Johann Strauß ist identisch mit dem des am 1. Januar 1873 von Eduard Strauß im Wiener Musikvereins-Saal zum ersten Male aufgeführten "Walzer-Boquets Nr. 1" (Vol. 43). Nur in die Coda der "Manhattan Waltzes" ist ein Zitat des Liedes "Old Folks at Horne" (1851), Worte und Musik von Stephen Collins Forster (1826-1864), eingefügt, und zwar im Viervierteltakt! Max Schönherr hat daher das "Walzer-Bouquet Nr. 1" als Titelauflage der Manhattan-Waltzes?" bezeichnet.

 

Die "Manhattan Waltzes" setzen sich ebenso wie das "Walzer-Bouquet Nr. 1" aus Teilen verschiedener Walzer von Johann Strauß zusammen, die vor dem Jahre 1871 komponiert worden sind.

 

Introduction: "Bürgerweisen", op. 306, und "Telegramme", op. 318

Walzer 1A = 1A von "Bürgerweisen", op. 306

Walzer 1B = 1B von "Bürgerweisen", op. 306

Walzer 2A = 4A von "Wiener Bonbons", op. 307

Walzer 2B = 4B von "Wiener Bonbons", op. 307

Walzer 3A = 1A von "Freuet euch des Lebens", op. 340

Walzer 3B = 3B von "Illustrationen", Op. 331

Walzer 4A = 5A von "Die Publicisten", op. 321

Walzer 4B = 4B von "Die Publicisten", op. 321

 

Die Coda verwendet Themen aus "Bürgerweisen", "Wiener Bonbons" und "Illustrationen" sowie das Lied "Old Folks at Home".

 

Die erste Aufführung der "Manhattan Waltzes" hat am 12. Juli 1872 beim Schlußkonzert der amerikanischen Strauß-Tournee des Jahres 1872 in der" Academy of Music" in New York stattgefunden. Ein Bericht über dieses Konzert findet sich in der Zeitung "The New York Times" vom 13. Juli 1872, in dem der große Erfolg dieser Uraufführung mitgeteilt wird. Die Druckausgabe der "Manhattan Waltzes" erfolgte im Verlag Oliver Ditson & Co in Boston in einer Sammlung "Die Juwelen des Walzerkönigs Johann Strauß", die im September 1872 erschienen ist. Die vorliegende Aufnahme verwendet die Orchestrierung der Komposition durch den Dirigenten Jerome D. Cohen.

 

[3]        "Strauss' Centennial Waltzes" ("Hundert Jahrfeier-Walzer"), o. op.

 

Am 4 Juli 1776 beschloß das amerikanische Repräsentantenhaus die Unabhängigkeitserklärung, die eine formelle Trennung vonGroßbritannien bedeutete. Ein Jahrhundert später wurde der Jahrestag dieses Ereignisses in Amerika begeistert gefeiert. Auch Glückwünsche europäischer Künstler hat es damals gegeben: so schrieb Richard Wagnereinen "Grand Centennial Inaugurations-Marsch", der bei der Weltausstellung 1876 in Philadelphia zum ersten Male erklungen ist. Es wäre also verständlich, wenn auch Johann Strauß sich entschlossen hätte, das Jubiläum der Amerikaner zum Anlaß für eine Widmungskomposition zu nehmen. Strauß befand sich allerdings im sommer 1876 auf einer Konzertreise in Deutschland. Am 4. Juli nahm er an einem Musikfest in Berlin teil, bei dem auch der Komponist S.G. Pratt aus Chicago mit einer "Universary Ouvertüre" vertreten war, die er für das Jubiläum geschrieben hatte. Ob aber Johann Strauß tatsächlich einen "Jubiläums-Walzer" für Amerika verfaßt hat, ist nicht bewiesen. Es wurden aber von W.H. Cundy, 1317 Washington-Street in Boston "Strauss-Centennial-Waltzes" veröffentlicht. Die Titelseite dieser ersten Klavierausgabe trägt die Aufschrift: "Respectfully Dedicated to the Citizens of the United States on the One Hundreth Anniversary of the Declaration of Independenc. July 4th 1876.) ("Mit Respekt den Bürgern der Vereinigten Staaten zum hundertjährigen Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung gewidmet, 4 Juli 1876") Auf der ersten Seite dieser Ausgabe steht: "These Waltzes are arranged for Orchestra, and may be obtained by ad dressing the publisher" ("Diese Walzer sind für Orchester arrangiert und können beim Herausgeber angefordert werden.") Sowohl die Klavierausgabe als auch die Orchesterstimmen (sie sind als "Centennial Waltz" betitelt und wurden für diese Aufnahme aus dem Archiv der Johann Strauss Gesellschaft von Großbritannien zur Verfügung gestellt) schreiben dieses Werk nur "STRAUSS" zu. Noch mehr verwirrt allerdings die ebenfalls auf der Klavierausgabe enthaltene Mitteilung, daß W.H. Cundy diese Komposition bereits im Jahre 1874 bei der Kongreßbibliothek in Washington hatte registrieren lassen, also zwei Jahre vor dem "Independence Centennial". Dazu kommt, daß sich in den Wiener Zeitungen der Jahre 1874 und 1876 kein Hinweis darauf findet, daß Johann Strauß einen Walzer für Amerika geschrieben habe.

 

Um diese Sachlage zu klären, waren weitere Forschungen notwendig. Im Jahre 1969 entedeckte Dann Chamberlin, ein amerikanisches Mitglied der Johann Strauss-Gesellschaft von Großbritannien, in der "Boston Public Library" ("Stadtbibliothek von Boston") eine Klavierausgabe. Dieses Werk, das offenbar Originalthemen des Wiener Walzerkönigs enthielt, erwies sich als bisher unbekannt in der Straußforschung und erregte daher weitweites Interesse. Norman Godel hat es anläßlich seiner Studie über die" Amerikanischen Strauß-Walzer" für das Journal der Johann Strauss-Gesellschaft von Großbritannien, "Tritsch-Tratsch", (Nr. 55/1988) analysiert. Wie bei "Strauss-Autograph" und "Engagement-Walzes" erkannte Godel "eine Spur des Meisters Hand sowohl in der Konstruktion als auch im thematischen Gehalt" - Er stellte für die "Centennial Waltzes" weiters fest, daß "die Walzerthemen eine sehr ähnliche Charakteristik wie jene der 'Engagement-Waltzer' aufweisen", die-ebenfalls nur mit dem Namen "STRAUSS" versehen - von White & Goullaud als Paar mit den" Autograph-Waltzes" herausgegeben wurden, die durch Harnmond & Co dem Londoner Verleger vieler Strauß-Werke, Johann Strauß zugeschrieben worden sind Norman Godel, der "Centennial-", "Autograph" und "Engagement"-Waltzes den anderen amerikanischen "Original" -Strauß-Walzern gegenüber für eindeutig überlegen hält, bemerkt, daß diesen drei Werken das Ausmaß, in welchem ein unkonventioneller Rhythmus in einigen Themen verwendet wurde, gemeinsam ist, ebenso wie dIe Tatsache, daß darin in ungewöhnlicher Weise das Hauptthema (la) nur in ihren jeweiligen Codas wiederholt wird.

 

Wenn man annimmt, daß Johann Strauß' "Centennial Waltzes" wirklich aus Johanns Feder stammen, dann besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß die Uraufführung der Komposition während der Internationalen Ausstellung in Philadelphia erfolgt ist. Am 11. Mai 1876 begann der in Deutschland geborene amerikanische Dirigent Theodore Thomas (1835-1905) mit seinem Orchester eine Reihe von Sommernachtskonzerten in der "Women's Centennial Music Hall" in Philadelphia. Die Zeitungen haben allerdings nur von einigen wenigen Konzerten die genauen Programme veröffentlicht, aber aus diesen geht deutlich hervor, daß Thomas so manche unbekannte Stücke aus dem Wiener Tanzrepertoire spielte und daß sich darunter auch einige Kompositionen von Mitgliedern der Straußfamilie befanden. Vielleicht waren auch Johann's "Centennial Waitzes" darunter.

 

Eine weitere Frage bleibt allerdings unbeantwortet: Warum wurde nur einer der von Johnn Strauß angeblich (oder tatsächlich) für Amerika geschriebenen Walzer (in nur wenig veränderter Form in der Coda) auch in Wien herausgegeben? (Siehe den Text zum "Walzer-Bouquet" Nr. 1, Vol. 43 dieser Serie). Da Strauß nach dem großen Erfolg bei seinem einzigen Auftreten in Boston und New York im Jahre 1872 von den amerikanischen Verlegern ständig bedrängt wurde, ihnen neue Werke zu überlassen, könnte es wahrscheinlich sein, daß er einige von ihnen mit Skizzen versorgt hat, die dann von den Verlags-Arrangeuren zu vollständigen Walzern zusammengesetzt werden sollten. Aber - wie verhältes sich mit Werken wie den "Centennial-Waltzes", zu deren Fertigstellung der Komponist genügend Zeit gehabt hätte, die aber trotzdem jene geniale Gestaltung vermissen lassen, welche sich in anderen Walzern dieser Schaffensperiode fetwa "Wiener Blut", op. 354, "Carnevalsbilder", op. 357, "Bei uns z'Haus", op. 361, und "Wo die Citronen blüh'n", op. 364, -sehr wohl findet? Hat Strauß vielleicht seine Kompositionen für die weit entfernte "Neue Welt" nur als Bagatelle angesehen, die einer Veröffentlichung und Aufführung in Wien nicht würdig war? Falls es sich so verhalten hat, wäre es bedauerlich, daß Strauß die durch die Möglichkeit von Flugreisen klein gewordene Welt nicht vorhersehen konnte. Wäre ihm dies möglich gewesen, dann hätte er in seine Walzer für Amerika mehr Mühe investiert.

 

[4]        "Slrauss' Enchantment Waltzes", o.op

 

"Johann Strauß, seine Anwesenheit als Dirigent seiner eigenen exquisiten Walzer hat sich als eines der bezauberndsten musikalischen Ereignisse in Amerika erwiesen"¡K ("Boston Post", 24. Juni 1872).

"Dann kam Strauß, der faszinierende und unwiderstehliche Strauß, der oberste Herrscher im Reich der zeitgenössischen Tänze, vor allem des Walzers, dessen Auftreten stets ein Signal für reizende Seitenblicke, für ein teilnehmendes Flüstern und schließlich für begeisterten Beifall ist" ("Boston Globe", 22 Juni 1872).

 

"Der Walzer mag als Konzertstück bezeichnet werden, aber er ist ein edles Kind des Tanzsaales und in seiner Heimat mit Frische und Lebendigkeit erfüllt, welche eine gehörige Verwandlung herbeiführen: was vorher routiniert war, wird nun verführerisch, was faszinierend war, erhält eine unbeschreibliche Zauberrnacht¡K Wir erleben eine neue Offenbarung von Schönheit, Liebenswürdigkeit und des Reizes dieser Tanzform" ("Boston Daily Advertiser" am 27. Juni in einem Bericht über den Dirigenten Strauß beim 'Jubilee-Bail" am 26 Juni).

 

Diese Zeitungsberichte bestätigen die beinahe magische Verzauberung, die Johann Strauß bei seinen Zuhörern verursacht hat, wann immer er bei dem Welt-Friedens-Jubiläums-Musikfest in Boston im Sommer 1872 das Podium betrat. Doch seine Zaubermacht reichte weit über den Anlaß und über die Grenzen Amerikas hinaus: die Verzauberung wirkte weltweit. Das ist auch die Erkenntnis, die George Willig & Co auszudrückten suchten, als die Firma in Baltimore eine Komposition unter dem Titel "Strauss' Enchantment Waltzes" veröffentlichte. (Enchantement = Verzauberung). Von allen jenen Kompositionen, die Johann Strauß für seine Reise nach Amerika im Jahre 1872 angeblich geschrieben oder bereit gestellt hat, stellt dieses Werk die Strauß-Forschung vor das größte Problem. Sein Inhalt hält einem Vergleich mit anderen Arbeiten, die als "amerikanische Walzer" in dieser Zeit veröffentlicht worden sind, nicht recht stand - es ist deutlich schwächer, sodaß die Autorschaft des Wiener Walzerkönigs bezweifelt werden darf. Die Tatsachen, insoweit sie der Forschung bekannt, ergeben folgendes Bild:

 

Die Firma George Willig & Co hat die "Strauss Enchantments Waltzes" bei der Library of Congress in Washington wahrscheinlich erst im Jahre 1875, also drei Jahre nach dem Auftreten des Komponisten in Amerika, zur Registrierung eingereicht. (In den Vereinigten Staaten wurde das Urheberrecht für musikalische Kompositionen erst in den späten Siebzigerjahren eingeführt). Es wäre aber durchaus möglich, daß die Veröffentlichung des Werkes bereits vor der Registrierung erfoigt ist. So wurde ja auch die Komposition "Manhattan Waltzes" (WoO) im Sommer 1872 herausgeben und erst im Jahre 1873 registrierl Aber - sollte der Walzer im Jahre 1872 bzw. 1873 veröffentlicht worden sein, bleibt doch die Frage offen, warum die Anmeldung mit so großer Verzögerung erfolgt ist. Noch ein Bedenken muß vorgebracht werden: trotz der sehr umfangreichen Berichterstattung über das Musikfest in Boston wird dieses Werk nirgends erwähnt!

 

Nun gehört diese Komposition zu den "amerikanischen Watzern", die keine Kompilation bereits bekannter Walzerteile, sondern Originalmotive bieten. Aber es steht fest, daß auf der Edition offenbar bewußt nicht Johann Strauß als Urheber genannt worden ist. Das erhöht die Zweifel daran, daß die Komposition tatsächlich vom Wiener Walzerkönig stammt. Auf dem Titelblatt und auf der ersten Seite steht jeweils nur: "Strauss' Enchantment-Waltzes". Die von der Firma George Willig und Co herausgegebene Klavierfassung dieses Walzers wurde erst im Herbst 1983 in der Library of Congress von Dann Chamberlin, einem amerikanischen Mitglied der Johann Strauss-Gesellschaft vonGroßbritannien entdeckt. Später wurde das Werk durchein weiteres Mitglied, Norman Godel, analysiert; seine Forschungen wurden im Journal der Gesellschaft "Tritsch-Tratsch" (Nr. 56/1988) veröffentlicht Godel hegt ernsthafte Zweifel an der Echtheit des Werkes; er weist z.B. auf die Tatsache hin, daß zu viele Themen phantasielose Abschlüsse erkennen lassen. In Anbetracht der Ähnlichkeit zwischen den Schlüssen in 2A und 3B, sowie zwischen 1A, 1B, 2B, 4A und 5B urteilt Godel: "Die Wiederholung von gleichen Abschlüssen in einigen aufeinanderfolgenden Themen tendiert dazu, monoton bis zur Verärgerung zu wirken. Auf Grund von Untersuchungen verschiedener Beispiele von Themenabschlüssen in anderen Strauß-Walzern stellt Godel fest, daß die monotonen Schlüsse in den "Strauss' Enchantment Waltzes" als "untypisch für einen

Strauß-Walzer betrachtet werden müssen".

 

Bis zur Vorlage eines überzeugenden Beweises für die Authentizität der Herkunft der "Strauss Enchantments-Waltzes" muß die Urheberschaft des Werkes als ungeklärt betrachtet werden. Nur weitere Forschungen könnten ermitteln, ob das Werk nicht vielleicht von Isaac Strauss (1808-1888) stammt, also von dem in Straßburg geborenen "Pariser Strauss". Dessen überwiegend noch unerforschtes (obwohl veröffentlichtes) Schaffen - seine Werke sind oft irreführend mit der Bezeichnung Strauss oder I. Strauss publiziert worden-könnte den Schlüssel zur Lösung dieser Frage enthalten (und eventuell auch die Herkunft anderer amerikanischer Strauß-Walzer klären.) Im Jahre 1872 ist in Amerika auch ein Band mit verschiedenen Kompositionen der Wiener Straußfamilie herausgegeben worden, unter denen sich ein Werk von Isaac Strauss befand.

 

Da keine Orchesterpartitur der "Strauss' Entchantment-Waltzes aufzufinden war, hat der amerikanische Musikologe, Komponist und Arrangeur Jerome D. Cohen die Partitur für diese Aufnahme auf Grund des Klavierauszuges hergestellt.

 

[5]               "Auf der Alm", Idylle, o.op.

 

Für den Hausball, den Johann Strauß am 20 Januar 1894 anäßlich des 19. Geburtstages seiner Stieftochter Alice in seinem Palais in der Igelgasse veranstaltete, hatte der Komponist gemeinsam mit dem Textdichter seiner Oper "Ritter Pasman", dem Beamten und Schriftsteller Ludwig von Docsy, eine Damenspende hergestellt, die den Titel "Ein Gstanzl vom Tanzl" erhielt. Diese Version - ein bescheidenes Gedichtchen, zu dem Strauß eine ebenso einfache ländlerische Weise erfunden hatte - wurde ergänzt durch eine Fassung für 24 Musiker. Ob diese Version beim Hausball aufgeführt worden ist, muß allerdings offen bleiben. Fest steht jedoch, daß jede Orchesterstimme mit der Aufschrift: "Zum Geburtstage meiner lieben Tochter Alice" versehen worden ist. In der Folge entstand aber auch eine zweite Orchesterfassung mit 29 Stimmen: diese hat Johanns Bruder Eduard am 11. Februar 1894 bei seinem Konzert im Musikverein unter den Titel: "Auf der Alm", Idylle von Johann Strauß, aufgeführt Die aparte Nichtigkeit hat dem Publikum so gut gefallen, daß Eduard sie wiederholen mußte. "Auf der Alm"' wurde auch auf die Programme der Sonntagskonzerte am 18. Februar und am 4. März 1894 gesetzt.

 

Der anhaltende Erfolg hat Eduard Strauß veranlaßt, eine erweiterte Fassung der Komposition herzustellen. diese wurde am 18. März 1894 gespielt und im Programm mit der Bezeichnung: "'Auf der Ahn', Idylle (nach einem Motiv von Johann Strauß) von Eduard Strauß" angekündigt.

 

Der Aufnahme lag die in der "Wiener Stadt - und Landesbibliothek" verwahrte Fassung für 29 instrumente mit der Aufschrift: "Auf der Alm" zugrunde.

 

[6]               "Strauss' Engagement Waltzes", ohne op.

 

Zu der Gruppe von Kompositionen, die Johann Strauß für seinen Aufenthalt in Amerika anläßlich des Welt-Friedens-Jubiläums und Internationalen Musikfestes im Jahre 1872 in Boston vorbereitet hat, gehört auch ein Werk mit dem Titel "Strauss' Engagement Waltzes". Der Organisator des Festes in Boston, der aus Irland stammende Patrick Sarsfield Gilmore (1829-1892), ist am 6. Dezember 1871 von seiner Europareise zurückgekehrt, die er zum Engagement ausländischer Orchester und Solisten für sein Unternehmen angetreten hatte. Unmittelbar nach seiner Rückkehr gab Gilmore vor den Mitgliedern des Festkomitees eine Erklärung ab, über die im "Boston Daily Advertiser" u.a. berichtet wurde:

 

"Es besteht die Möglichkeit, und daran werden die Amerikaner mit Zähigkeit festhalten, daß Johann Strauß, den Mr. Gilmore in Wien getroffen hat, seine Zukunftspläne abändern und an dem großen Jubiläum teilnehmen wird".

 

Dieser erste Hinweis aus dem Dezember 1871 auf die Absicht des Walzerkönigs, im Juni 1872 nach Amerika zu reisen, hat eine Entwicklung eingeleitet, die dazu führte, daß Strauß tatsächlich seine Pläne für den Sommer 1872 abänderte. Er entschloß sich, das bereits getroffene Abkommen mit der Eisenbahngesellschaft in St. Petersburg, das ihn zu einem weiteren Gastspiel in Pawlowsk verpflichtete, zu brechen und nach Boston zu reisen. Strauß wurde prompt wegen Vertragsbruchs angeklagt und mußte schließlich ein hohes Pönale an die Eisenbahngesellschaft zahlen.

 

Strauß Engagement in Boston dauerte vom Eröffnungskonzert am 17. Juni bis zum offiziellen Schluß des Festes am 4. Juli 1872 Am 6. Juli nahm Strauß an einem Benefizkonzert teil, das zu seinen Ehren im "Coliseum" veranstaltet wurde; anschließend reiste er mit seiner Gattin Jetty nach New York, wo er drei Konzerte zu dirigieren versprochen hatte.

 

Das Erscheinen des Wiener Walzerkönigs in Amerika löste ein phänomenales öffentliches Interesse aus. Die Zeitungen brachten lange Berichte über seine Tätigkeit und seine privaten Unternehmungen. Es ist daher erstaunlich, daß einige unter seinem Namen (Johann Strauß bzw. einfach Strauss) veröffentlichten Kompositionen, die für Boston komponiert (oder arrangiert) worden waren, in den Artikeln der Bostoner und New Yorker Zeitungen nicht erwähnt worden sind. Das gibt zu der Überlegung Anlaß, daß Strauß diese Werke erst nach Schluß des Jubiläums den Verlegern überlassen oder diese aus Europa zugeschickt hat. Es ist aber auch denkbar, daß Strauß unter dem Druck der Verleger, ihnen neue Werke zur Veröffentlichung zu überlassen, diesen lediglich Skizzen zur Verfügung gestellt hat, die dann von den Verlagsarrangeuren ausgewertet worden sind. Ja, man kann sogar nicht ausschließen, daß die eine oder andere dieser Kompositionen eventuell auch bloß nur unter dem zugkräftigen Namen Strauss publiziert worden ist.

 

"Strauss' Engagement Waltzes" wurde - wie sein Gegenstück, "Strauss' Autograph Waltzes" (siehe Volume 44) - vom Bostoner Verlag White & Goullaud veröffentlicht und gelangte im Jahre 1873 in den Besitz der Library of Congress in Washington. Kürzlich wurde auch eine Fassung für kleines Orchester entdeckt. Für die Marco Polo - Aufnahmen wurde die Intsrumentierung der Klavierfassung des "Engagement Waltzes" herangezogen, die Jerome D. Cohen verfaßt hat. Diese wurde von David Zinman an der Spitze des Minnesota Orchestra am 28. Juli 1993 in der Orchestral Hall, Minneapolis, uraufgeführt.

 

[7]               "Farewell to America", Walzer, ohne op.

 

Als Folge des einzigen Besuches des Wiener Walzerkönigs in Amerika, der im Sommer 1872 stattfand und in dessen Verlauf er Konzerte in Boston und New York dirigierte, veröffentlichten sieben amerikanische Verleger Walzer von Johann Strauß Ailerdings wurden nur zwei der damais veröffentlichten neun Kompositionen während des Gastspiels in den Vereinigten Statten auch aufgeführt: der "Jubilee Waltz" und der "Manhattan Waltzes". Man kann rätseln, ob die übrigen Editionen tatsächlich von Johann Strauß während seines Amerika-Aufenthaltes geschrieben oder wenigstens skizziert wurden oder ob die Werke nach der Rückkehr aus Amerika und Baden - Baden in Wien fertiggestellt und eventuell mit der Post über den Atlantik geschickt worden sind. Es ist nicht auszuschließen, daß einige der Publikationen gar nicht von Johann Strauß stammen, sondern von den Verlegern zusammengestellt wurden, die aus dem Strauß-Triumph in Amerika für sich ein lohnendes Geschäft zu machen trachteten. Der Walzer "Farewell to America" ist - zum Unterschied von seinem Gegenstück "Greeting to America" - aus Melodien zusammengestellt worden, die aus früheren, im Jahre 1872 bereits veröffentlichten Kompositionen des Walzerkönigs stammten. Beiden Werken gemeinsam ist das Zitat von J. Stafford Smith "The Star Spangled Banner": in "Greeting to America" erscheint es in der Introduction, während es in "Farewell to America" seinen Platz (in pianissimo vorgetragen) in der Coda hat. Für "Fareweil to America" wurden folgende Melodien verwendet:

 

Introduktion   :  Introduktion des Walzers "Carnevals-Botschafter", op. 270,

Walzer 1A     :  Thema 1A aus "Wiener Punchlieder", op. 131,

Walzer 1B     :  Thema 1B aus "Spiralen", op. 209,

Walzer 2A     :  Thema 2B aus "Gedankenflug", op. 215,

Walzer 2B     :  Thema 2B aus "Gedankenflug", op. 215,

Walzer 3A     :  Thema 1A aus "Controversen", op. 191,

Walzer 3B     :  Thema 4B aus "Controversen", op. 191,

Walzer 4A     :  Thema 5A aus "Promotionen", op. 221,

Walzer 4b      :  Themea 2B aus "Petitionen", op. 153 von Joseph Strauß!

 

Die Coda verwendet ein Thema aus dem Walzer "Feuilleton", op. 293, das Thema 1A aus den "Punchlieder" und aus "Carnevals-Botschafter" sowie das bereits erwähnte Zitat von "The Star Spangled Banner" von J. Stafford Smith.

 

Die Einbeziehung eines Walzerthemas von Joseph Strauß gibt Anlaß zur Vermutung, daß "Farewell to America" nicht von Johann Strauß selbst zusammengestellt worden ist, sondern von Oliver Ditson, dem Hausarrangeur des Verlegers. Es wurden ja viele Kompositionen der Strauß-Familie außerhalb der Donaumonarchie unter dem Namen "J. Strauß" veröffentlicht. Ein Arrangeur, der mit dem Strauß-Werksverzeichnis nicht vertraut war, konnte also sehr leicht unter der Bezeichnung J. Strauß den berühmten Johann und nicht den im Schatten des Bruders stehenden Joseph vermuten.

 

Es ist erwähnenswert, daß nicht ein einziger Walzer, aus denen "Farewell to America" zusammengesetzt worden ist, in einem Programm der Konzerte Johanns des Jahres 1872 in Boston oder New York aufscheint. Die Werke waren aber in Arnerika bekannt, da sie bereits in den Jahren von 1853 bis 1864 komponiert und veröffentlicht worden waren. Amüsant ist, daß Oliver Ditson, der einer der wichtigsten Förderer des Bostoner Jubiläums im Jahre 1872 gewesen ist, auch der Verleger von "Dwight's Journal" war, einer Zeitschrift, die das Festival als "Humbug" bezeichnete.

 

Die erste Klavierausgabevon "Farewell to America" wurde vom Büro der Library of Congress in Washington im Jahre 1872 registriert: Verleger des Werkes war Oliver Ditson & Comp. in Boston. Da kein Orchestermaterial veröffentlicht wurde - es wurde jedenfalls keines aufgefunden - bietet die gegenwärtige Aufnahme eine Rekonstruktion durch den amerikanischen Dirigenten und Komponisten Jerome D. Cohen, der sich auf Ditsons Klavierausgabe stützte und für die Orchestrierung die Originalstimmen der einzelnen Walzer verwendete, aus denen "Farewell to Arnerica" zusammengestellt worden ist. In dieser Form wurde das Werk zum ersten Mal am. 1. April 1989 in der Memorial Hall in Plymouth, Massachusetts, durch das Plymouth Philharmonic Orchestra unter dem Dirigenten Rudolph Schlegel aufgeführt. Eine Aufführung in Europa ist nicht nachweisbar.

 

[8]               Romanze Nr. 2 In G - Moll, Opus 255

 

Bei der Erstellung der Programme für seine Sommerkonzerte in Pawlowsk bei St. Petersburg hatte Johann Strauß auf den Geschmack des russischen Publikums Rücksicht zu nehmen. Daher schrieb er auch einige Romanzen, und zwar im Laufe seiner Gastspiele in den Jahren 1856 bis 1865 insgesamt sechs. Die beiden ersten Romanzen (in d-Moll bzw. in g-Moll) stammen wahrscheinlich aus dem Sommer 1860 und sind in der Klavierfassung zuerst im Verlag Büttner in St. Petersburg im Druck erschienen. Das Datum der Uraufführung der "Romanze in g-Moll" in Pawlowsk ist bisher nicht ermittelt worden.

 

In Wien präsentierte Johann Strauß die beiden Romanzen zum ersten Male am 1. Dezember 1860 bei einem gemeinsam mit seinem Bruder Josef veranstalteten Konzert im "Sperl". Der Wiener Verleger Carl Haslinger hat die "Romanze in g-Moll" mit einiger Verspätung erst im Jahre 1861 als Opus 255 herausgegeben, wobei er offenbar übersehen hatte, daß unter dieser Opuszahl bereits zuvor das Werk "St. Petersburg, Quadrille nach russischen Motiven" in seinem Verlag erschienen war. Die Klavierausgabe der Romanze reihte Haslinger in die Sammlung "Neuigkeiten für das Pianoforte" als Nr. 141 ein. Eine Orchesterausgabe ließ Haslinger nicht herstellen, da aber Partitur und Stimmen dieses Werkes kürzlich in Rußland aufgefunden worden sind, konnte Jerome D. Cohen diesmal die Originalfassung aufnehmen. (Die Bearbeitung der "Romanze in g-Moll" durch Max Schönherr befindet sich auf Volumen 37).

 

"Aschenbrödel"

[9]               Liebesbotschall-Galopp

[10]      Tauben-Walzer

[11]      Promenade-Abenteuer, Polka mazur

 

Die Musik zum Ballett "Aschenbrödel" war die letzte Arbeit, die Johann Strauß in Angriff genommen hat. Am 5. März 1898 hatte die von Rudolph Lothar herausgebene Zeitschrift "Wage" eine Preis-Ausschreibung veröffentlicht, die das Textbuch für ein Ballett des Walzerkönigs als Ergebnis haben sollte. Das Preisrichteramt übernahmen Nicolaus Dumba, Eduard Hanslick, Rudolph Lothar und der Direktor des Wiener Hof-Operntheaters, Gustav Mahler. Die letzte Entscheidung hatte sich der Komponist vorbehalten. Einsendetermin war der 1. Mai 1898.

 

Daraufhin sind 718 Vorschläge bei der Redaktion eingegangen. Im Dezember 1898 veröffentlichte die "Wage" das Ergebnis der Preiskonkurrenz: die Juroren und Johann Strauß hatten sich für den unter dem Decknamen Albert Kollmann aus Salzburg eingesandten Vorschlag für ein Sujet mit dem Titel "Aschenbrödel" entschieden. Das Märchen von der bösen Stiefmutter und ihren beiden Töchtern, die dem Stiefkind mit dem Beinamen Aschenbrödel die Verbindung mit dem strahlenden Prinzen nicht gönnten, war in eine moderne Version übertragen worden; der Prinz des Märchens war der Chef des Warenhauses "Vier Jahreszeiten", die böse Stiefmutter erschien als Putzmacherin mit den eitlen Töchtern Fanchon und Yvette. Die Stieftochter Grete war in ein Laufmädel des Warenhauses verwandelt worden.

 

Johann Strauß nahm die Arbeit an diesem Ballett bereitwillig in Angriff. Er entwarf zahlreiche Skizzen und führte nach Angabe der Zeitgenossen etwa den ersten Teil des Balletts und das Zwischenspiel vor dem 3. Teil noch selbst durch, bis ihm am 3. Juni 1899 der Tod den Bleistift entgleiten ließ. Nach einigem Zögern entschloß sich die Witwe Adèle Strauß, den erfolgreichen Ballettkomponisten Josef Bayer mit der Fertigstellung der Partitur zu betrauen. Bayer arbeitete prompt. Aber als er seine Arbeit vorlegte, weigerte sich Direktor Mahler, das Werk - wie zugesagt - in den Spielplan des Wiener Hof-Operntheaters einzugliedern. Die erste Aufführung des Balletts "Aschenbrödel" erlolgte daher am 2. Mai 1901 im königlichen Opernhaus Berlin. Erst am 4. Oktober 1908 dirigierte der Nachfolger Gustav Mahlers, Direktor Felix von Weingartner, die Erstaufführung des Balletts im Wiener Hof-Operntheater.

 

Josef Bayer stellte aber nicht nur die Partitur fertig, er gab auch mehrere Tanz-Arrangements nach Motiven aus "Aschenbrödel" heraus, darunter den "Tauben-Walzer", den "Piccolo-Marsch", die Polka Mazur "Promenade-Abenteur", die Polka "Probirmamsell", den "Aschenbrödel-Walzer", die "Aschenbrödel-Quadrille" und den Galopp "Liebesbotschaft". Im Klavierauszug des Balletts sind folgende Tanzbilder ausgewiesen: "Selbstporträt", "Promenade-Abenteuer", "Liebesbotschaft", "Tauben-Walzer", "Egyptischer Tanz", "Blumengrüsse", "Aschenbrödel-Walzer" und "Trous-seau-Divertissement".

 

Die von Josef Bayer arrangierten Tanzstücke zitieren diese Bilder nicht exakt, sondern verwenden die wichtigsten Motive der Ballettszenen zu eigenständigen Werken. So beginnt z.B. der "Tauben-Walzer", der im Ballett den Schluß des ersten Teiles bildet und an dessen Konzeption Johann Strauß noch gearbeitet haben soll, als ihn hohes Fieber bereits zwang, das Bett aufzusuchen, das sein Sterbelager werden sollte, mit einem Motiv aus dem "Trousseau-Divertissement", das als "Monogramm-Tanz" bezeichnet ist, und geht dann in den schwungvollen Teil des "Tauben"-Walzers über.

 

Der Walzer Nr. 2 stammt aus der großen Tanzszene des Mittelteils, der Walzer Nr. 3 wieder aus dem "Trousseau-Divertissement", während Walzer Nr. 4 aus dem ersten Teil entnommen wurde, wo das Motiv als "Tanz mit der Puppe" ("Mannequin") bezeichnet ist.

 

Das Arrangement ist gewiß geschickt, aber eben nicht Strauß, sondern Bayer. Vom "Tauben-Walzer" ist keine Orchesterfassung erhalten, daher mußte die Klavierausgabe durch Jerome D. Cohen orchestriert werden.

 

Die Polka Mazur "Promenade-Abenteuer" schildert die Begegnung der beiden eitlen Schwestern mit dem jüngeren (ebenso eitlen) Bruder des Warenhausbesitzers, die Schnellpollca (Galopp) "Liebesbotschaft" begleitet die Überreichung einer Botschaft des Warenhausbesitzers an die Stieftochter Grete durch seinen Diener, der das Mädchen zu jenem Ballfest einlädt, bei dem sich dann der Bund der beiden liebenden Herzen ganz selbstverständlich ergibt. Bei diesen beiden Kompositionen stand die Orchesterfassung der Erstausgaben zur Verfügung.

 

PS. Die weiteren Teile der "Aschenbrödel-Musik" befinden sich auf den Volumina Nr. 42 ("Piccolo- Marsch"), Nr. 44 ("Aschenbrödel-Walzer"), Nr. 46 ("Probirmamsell") und Nr. 49 ("Aschenbrödel-Quadrille").

 

[12]           Bauersleut' Im Künstlerhaus

[13]           D'Hauptsach'

'Verse Von Ludwig Anzengruber, o. op.

 

Die in München erscheinende "Allgemeine Kunstchronik" hat zweimal kleine Improvisationen von Johann Strauß auf Verse des Volksdichter Ludwig Anzengruber veröffentlicht. Unter der lustigen Titelleiste: "Künstlerhumor" zeigte das Blatt das Bild eines Ehepaares in Bauernkleidung, das verwirrt und staunend vor einem Aktgemälde steht. Daneben ist ein Gedicht von Ludwig Anzengruber abgedruckt mit dem Titel: "Bauersleut' im Künstlerhaus". Es ist in österreichischer Mundart verfaßt und beginnt mit den Versen:

 

"Es soan zwoa alte Bauersieut'

In d'Weanastadt einikämma.

A Vetter thuat's voll Freundlichkeit,

Wo's z'schau'n gibt, mit hinnäma"

 

Dank der Freundlichkeit des Vetters kommen die zwei alten Bauersleut' auch ins Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz' und da steht das Paar nun vor einem gar nicht allzu gewagten Bild einer unbekleideten Schönheit. Die Bäuerin ist außer sich wegen solcher Schamlosigkeit und sagte in der letzten Strophe des Gedichtes:

 

"Daß I vor Oa', söllt a so hinsteh'n,

Dös war a Unterfanga!"

"Na", sagt der Bauer, "laß' nur geh'n!

's wird' Koana si' valanga!"

 

Diese Zwiesprache des alten Ehepaares hat Johann Strauß wohl erheitert, denn er skizzierte eine landlerische Melodie im Dreivierteltak zu diesen Versen und stellte sie der "Allgemeinen Kunstchronik" zur Verfügung, die diese Skizze in der ersten Nummer des Jahrsgangs 1889 veröffentlichte.

 

Einen ernsten Hintergrund hat die zweite Vertonung einer Strophe von Ludwig Anzengruber, die sich mit dem Geheimnis jeder schöpferischen Tätigkeit auf sehr drastische Weise auseinandersetzt:

 

Woher mir's kimmt? Bei meiner Seel':

Ich rath's nit, wurd' ich noch so alt.

Ob's Oaner hernimmt, wo d'r wöll,

Nur haben, haben muß er's halt.

 

Dieses "G'stanzl" erschien pünktlich zum Strauß-Jubiläum des Jahres 1894, das aniäßlich des 50 jährigen Dirigenten - und Komponistenjubiläums des Wiener Walzerkönigs mit großartigen Festveranstaltungen gefeierte wurde, also im Oktober 1894, in der "Allgemeinen Kunstchronik". Strauß war mit Anzengruber einer Meinung: Haben mußte man es halt, - das Genie!

 

[14]           Entre-Act zwischen 2. und 3. Akt der Operette "Fürstin Ninetta", o. op.

 

Johann Strauß hat sich etwa im März 1892 entschlossen, ein ihm von den Librettisten Julius Bauer und Hugo Wittmann angebotenes Textbuch mit dem Titel "Fürstin Ninetta" zu komponieren. Unabhängig davon schrieb er, offenbar einem plötzlichen Einfall folgend, seine "Neue Pizzicato-Polka". (Sie wurde später als Opus 449 herausgegeben). Er bot diese Polka seinem Bruder Eduard für dessen Konzerte in Hamburg an. Dann überlegte es sich Johann Strauß aber anders und schrieb seinem Bruder, das Werk komme in die Partitur seiner Operette "Fürstin Ninetta". Aber so einfach war die Sache dann doch wieder nicht: die Polka wurde für ein Kinderballett verwendet, das den Auftakt zum dritten Akt der Operette bildete. Dadurch wurde der bereits komponierte "Entre-Act" zwischen dem zweiten und dritten Akt entbehrlich. Er wurde also aus der Partitur entfernt, blieb aber im Autograph erhalten, das in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek verwahrt wird. Es wurde für diese Aufnahme rekonstruiert.

 

Das Zwischenspiel besteht - nach einer knappen Einleitung - vor allem aus dem Walzermotiv zu dem Text "Mädchen sei schlau, schlimm ist's bestellt, wenn man als Frau geht duch die Welt" (2. Akt, Nr. 10 des Klavierauszuges). Dieses Motiv erscheint auch als zweiter Teil im "Ninetta-Walzer", op. 445.

 

Der "Entre Act" ist trotzdem allein schon wegen der interessanten Instrurnentierung und der kontrapunktischen Nebenstimmen wertvoll.

 

[15]      An Der Schönen Blauen Donau, Walzer Für Männerchor und Orchester, op. 314.

 

Im Herbst 1866, unmittelbar nach der Niederlage der Donaumonarchie Österreich im Krieg gegen das Königreich Preussen, skizzierte Johann Strauß einen Walzer, für den er den Titel "An der schönen blauen Donau" in Aussicht nahm. Ob der Komponist die Anregung zu diesem Titel wirklich von einem Gedicht des Ungarn Karl Beck erhalten hat, mag dahingestellt werden. Als sicher kann gelten, daß es dem Komponisten um eine Huldigung für Österreich-Ungarn, für das "Land an der Donau", zu tun war. Der Walzer war noch nicht vollendet, als der Wiener Männergesangverein die Einlösung eines Versprechens verlangte, das Strauß im Sommer 1865 gegeben hatte, nämlich, dem Verein einen Walzer zu widmen. Johann Strauß holte die bereitliegende Skizze aus seinem Vorrat und stellte in fröhlicher Zusammenarbeit mit dem von früher Jugend an vertrauten Beamten und erprobten Gelegenheitsdichter Josef Weyl den vom Verein erwarteten Walzer für Männerchor und Orchester fertig. Der Dichter hatte dabei, wie er später schilderte, seinen Text, der sich auf die aktuelle Lage im Wien an der Jahreswende 1866/1867 bezog, der bereits vorhandenen Musik anzupassen. Er ging unbekümmert ans Werk und reimte mit routinierter Geschicklichkelt auf den D-dur-Dreiklang des Walzerbeginns:

 

Wiener seid froh! -

Oho, wieso?

No, so blickt euch nur um! -

I bitt', warum? -

Ein Schimmer des Lichts -

Wir seh'n noch nichts.

Ei, Fasching ist da!

Ach so, na ja.

D'rum trotzet der Zeit -

O Gott, die Zeit!

Der Trübseligkeit. -

Ah, das wär g'scheidt!

Was nutzt das Bedauern, das Trauern,

D'rum froh und lustig seid!

 

In Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Chormeister Rudolf Weinwurm wurde der vierstimmige Chorsatz erarbeitet und schließlich in aller Eile noch ein abschließender Walzerteil hinzugefügt. In dieser Form wurde "An der schönen blauen Donau" unter der Leitung des Chormeisters Weinwurm von der Sängerschar und den Musikern der Kapelle des Infanterieregiments "König von Hannover", Nr. 42, am 15. Febuar 1867 im Dianabadsaal (der am Ufer eines Donauarmes - heute "Donaukanal" - lag) zum ersten Male aufgeführt. Das Werk hatte einen entschiedenen Erfolg und mußte sofort wiederholt werden.

 

Später ist beharrlich behauptet worden, der Walzer "An der schönen blauen Donau" habe bei seiner Uraufführung durch den Wiener Männergesangverein keinen Erfolg erzielt. Die Pressestimmen aus dem Februar 1867 wiederlegen diese Ansichlt.


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