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8.223356 - Romantic Wind Music
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Franz Schubert Oktett in F-Dur

Franz Schubert

Oktett in F-Dur

 

Mit seinem F-Dur-Oktett op. posth. 166 (D 803) für Klarinette, Fagott. Horn und Streichquartett mit Kontrabaß schuf Franz Schubert im Jahre 1824 das wohl schönste und bedeutsamste Werk dieser Gattung im 19. Jahrhundert. Manch einer rechnet es zu den berückendsten Kompositionen überhaupt. Nicht damit zu verwechsein ist das unvollständig gebliebene Jugendwerk Schu berts, sein Bläseroktett ebenfalls in F-Dur (D 72) aus dem Jahre 1813. Es besteht aus einem Menuett mit zwei Trios und einem Allegro-Finale, wobei nicht auszuschließen ist. daß neben dem erhaltenen Fragment eines Kopfsatzes auch noch ein - heute verlorener - langsamer Mittelsatz zu diesem Bläseroktett existiert haben mag.

 

Wahrscheinlich schrieb Schubert sein frühes und unvollständig gebliebenes Oktett für Freunde im Konviktorchester zu Wien, wo er seinerzeit studierte. Dafür spräche jedenfalls die scherzhafte Nachschrift, die der Komponist ans Ende seiner Partitur gesetzt hat: Fine mit'n Quartett (gemeint ist doppeltes Bläserquartett), welches gecomponiret hat Franzo: Schubert Kaplmaster der kais chinesischen Hofkappehle (!) zu Nanking, der weltberühmten Residenz von Sr. Chinesischen Mayestät. Geschrieben zu Wien in an Datum. das i nit waß, in an Jahr, das an 3 am End hat, u. an Anser im Anfang, u. nachher an Ochter u. wieder an Anser: Heißet also: 1813.

 

Einem forschen, punktiert marschartigen Menuett, das in seiner gestrichenen Erstfassung ganz anders gelautet hätte, wird von zwei eingeschobenen Trios kontrastiert. Dabei überläßt das Trio I der ersten Oboe (mit 2. Klarinette) die Melodieführung, während im Trio II das erste Horn in Dreiklangsbrechungen dominiert. Das 290 Takte lange, wunderbar ausgeglichene Allegro weist Rondoformen auf. Zunächst meint man, das signalartige Hornmotiv, welches nach 16 Takten in dominantisch offener Fermate endet, habe schlichten Einleitungscharakter. Doch plötzlich, mitten im Satzverlauf, tritt es erneut kurz auf und entführt uns in typisch Schubertscher Manier in entfernte Tonartenregionen. Als stets sich verwandenldes, omnipräsentes Hauptmotiv fungiert eine markante Flokel:

 

Franz Lachner

Oktett B-Dur, op. 156

 

Über 30 Jahre lang wirkte Franz Lachner seit 1835 als Generalmusikdirektor der Oper in München. Seinem Einsatz verdankt es das damalige Opernorchester, aus provinzieller Abgeschiedenheit zu einem soliden Apparat gewachsen zu sein; ohne Lachners Arbeit wäre 1865 Richard Wagners Tristan und Isolde kaum am Münchner Hoftheater uraufgeführt worden. Und gerade dieser Umstand hat sogar eine ironische Pointe: Verleidete doch gerade die aggressive Fraktionsbildung für oder wider Wagner Lachner letztend ich sein Amt.

 

Bevor Franz Lachner, der übrigens zwei komponierende Brüder (Ignaz und Vinzenz) hatte, dies bedeutende Münchner Amt inne hatte, schlug er sich mehr schlecht als recht als Musikant durchs Leben, besonders ehe er 1823 in Wien Organist und Schüler des bedeutendsten Kontrapunktisten seiner Zeit, Simon Sechter, wurde. Hier kam er auch in Kontakt mit Franz Schubert und dessen Freundeskreis (M.v. Schwind) sowie mit L.v. Beethoven. Seit 1829 bekleidete er das Amt des ersten Kapellmeisters des Wiener Kärntnertor-Theaters, dann ging er, nach einem Mannheimer Intermezzo (1834-36) in die bayerische Metropole.

 

Obwohl ihn der weitsichtige Robert Schumann als "talentiertesten und kenntnisreichsten unter den süddeutschen Komponisten" wärmstens empfahl, obwohl er sechs Opern, acht Symphonien, (teils sehr gute) Suiten und eine Fülle von Kammermusik schrieb - nahezu sein gesamter Nachlaß liegt in der Musiksammlung der Bayerischen Staatsbibliothek - kennt man heute Lachners Musik kaum. Zu deutlich spüren wir den Epigonen Schuberts, auch Haydns, zu wonig vermag sich seine oftmals hoch inspirierte Musik gegen die Großen des 19. Jahrhunderts durchzusetzen.

 

Sein Oktett in B-Dur, 1850 in Leipzig als op. 156 (auch als vierhändige Klavierbearbeitung) erschienen, ist dennoch allemal hörenswert. Ähnlich wie in Ch. Gounods Bläsernonett wirkt es streckenweise prächtig orchestral und bleibt dennoch kammermusikalisch filigran.

 

Der erste Satz ist heiter, von gelöster Stimmung, poetisch witzig. Sehr schöne Solostellen erhalten die einzelnen Holzbläser, die Sonatensatzform wird mit überraschender Harmonik bezweifelt. Das Adagio hebt in ruhigen Hömerklängen an. Kantabel und wie durch einen Registerwechsel auf der Orgel erzeugt, antworten die hellen Bläser, worauf die etwas redselige Entwicklung anhebt, die der Flöte, der Klarinette und dem Horn Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Eine virtuose Flöte und gackernde Fagotte führt uns das burleske Scherzo vor. Die traditionette A-B-A-Form wird durch unerwartete (harmonische) Ereignisse ein wenig verschleiert. Das oftmals stockende Finale versteht sich keineswegs als burschikoser "Rausschmeißer", sondern vertieft eher das besinnliche, kunstfertige Moment dieses gern gespielten Oktetts Franz Lachners.


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