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8.225044 - FRANCK: Piano Transcriptions / Violin Sonata / Pastorale
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César Franck (1822-1890)

Transkriptionen für Klavier

César Franck wurde 1822 in Lüttich geboren und starb 1890 in Paris. Ein Wunderkind wie so viele andere vor ihm, trat er schon im Alter von dreizehn Jahren mit seinen Kompositionen an die Öffentlichkeit und schrieb sich mit fünfzehn am Pariser Conservatoire ein. Obwohl der große Erfolg dort ausblieb, ermutigten ihn Chopin, Donizetti und Liszt in seinen Bestrebungen als Komponist. Nach seiner Heirat im Jahr 1848 lenkte er sein Leben in geregelte Bahnen und arbeitete als Lehrer, Komponist und Kirchenorganist. Er etablierte sich bald nicht nur als Leitfigur einer im Entstehen begriffenen französischen Schule des Orgelspiels, sondern auch als Improvisationskünstler und „Tonmaler". Zu seinen Schülern zählten Pierné, d’Indy, Duparc, Chausson, Lekeu, Castillon und Paul Dukas. Neben Saint-Saëns und Fauré schuf Franck die Voraussetzungen für Generationen von französischen Komponisten, Musikern und Orgelspezialisten.

Wir verdanken seinem Fleiß, seinem technischen Können, seinen lyrischen Impulsen und seiner Beschäftigung mit Wagner und Liszt nicht nur symphonische Dichtungen, Kammermusik, Oper und geistliche Musik, sondern auch Klaviermusik — das Thema der vorliegenden Aufnahme. Francks Werke werden heutzutage selten aufgeführt. Seine Opern sind eine eigenartige Mischung aus absurder Handlung und verwaister Musik, die Textvertonungen in seinem geistlichen Werk sind meist öde. In den Werken, in denen seine Vorliebe für dreiteilige Strukturen und seine melodische Begabung koexistieren, hat seine Stimme jedoch überlebt.

Präludium, Choral und Fuge M. 21 ist ein ausdrucksvolles Beispiel für Francks Talent. Obwohl das Werk als durchgehender Satz gespielt wird, ist seine innere Struktur dreiteilig, eine Struktur, in der sich Francks Vorstellungskraft gut verwirklichen konnte. Jedes einzelne Element ist mit dem nächsten verwandt und verbunden, und das an Liszt erinnernde Motiv, mit dem uns Franck anfänglich verführt und welches chromatisch präsentiert wird, offenbart sich später als das Thema der Fuge selbst. So verwandelt Franck auf intelligente Weise die Struktur und Sensibilität der Tondichtung in die strengere Form eines Klavierstückes. Das Präludium leitet selbstverständlich das gesamte Werk ein, und eine genauere Betrachtung desselben lässt den Ursprung der nachfolgenden Idee erkennen. In den ersten beiden, diskret präsentierten Themen vernimmt man den am reichsten ausgeschmückten Ideenstrang. Beide Themen wechseln sich ab und werden zunehmend raffinierter und ausgedehnter. Der Choral wird ohne Pause eingeleitet. Eine von Francks inspiriertesten Transformationen ist ein bereits im Präludium vorgestelltes Thema mit harfenähnlicher Arpeggierung. Das sich abwechselnde Grundmaterial besteht aus dem langsam in Blöcken fortschreitenden Choral und weitgeschwangenen gebrochenen Akkorden, die die Balance halten. Die Fuge steht ebenfalls in Zusammenhang mit den vorherigen Themen des Werkes und wird mit einer einfachen, absteigenden Chromatik ausgestattet, die auch aus einer Figur des Präludiums stammt. Der erste Kontrapunkt erinnert an Bach und seine Welt der geordneten Strukturen. Franck gibt der Komposition jedoch seinen eigenen Stil: Seine Fugen erinnern mehr an rhapsodische Improvisationen als an erlernte Kompositionsmuster, und seine Methodik ist auch hier wieder Alterierung. Jedes der Hauptthemen tauscht Information mit einem weiteren Thema aus und vervollständigt so die Aussage seines jeweiligen Partners. In einem langen und präzise durchdachten Finale kehrt der Komponist zum Anfangsthema zurück, welches jetzt harmonisch abgeändert und klanglich großzügig erweitert ist. Hier erkennt man eine bemerkenswerte Bearbeitung der Fugenstruktur, intensiviert durch strömende Tonleitern, donnernde Oktaven der linken Hand, ansteigende Dreiklänge und schnelle Sprünge über die Tastatur des virtuosen Instrumentes, für das dieses Werk komponiert wurde.

Präludium, Fuge, und Variation op. 18 ist eine von sechs Kompositionen aus einem Satz, der zwischen 1860 und 1862 zuerst für Orgel, dann für zwei Klaviere und später für Klavier und Harmonium komponiert wurde. Opus 18 wurde von dem großen Pianisten Harold Bauer (1873-1951) für Solo-Klavier transkribiert. Obwohl vier Sätze angeführt werden, handelt es sich jedoch auch diesmal um die dreiteilige Struktur, die von Franck so bevorzugt wurde. Am Anfang steht ein Präludium von melancholischer Liebenswürdigkeit, voll von einfachen Wiederholungen und klarer Deutlichkeit, mit schlichten harmonischen Paaren, die von Dur zu Moll wechseln und sich gegenseitig antworten. Das darauffolgende Lento schätzte Franck so sehr, dass er es als separates Ereignis hervorhob, dessen Kürze von der Kraft seiner Akkordblöcke unterstrichen wird. Die anschließende Fuge bezieht sich in ihrer Ruhe eindeutig auf die Themen am Anfang des Werks. Genau wie in der bereits erwähnten Fuge M. 21 täuscht uns Franck auch hier etwas vor: Sich anfänglich an Bach und den anderen Meistern der Fugentechnik orientierend, wendet er sich innerhalb weniger Takte einem originellen, sich jagenden Austausch zu. Obwohl hierbei jeder Aussage eine Antwort folgt, hält sich Franck nicht an die einfache Form der Imitation in der Quinte, sondern entwirft ein unabhängiges harmonisches Muster von großer Komplexität. Die abschließende Variation ist weitgehend ein Spiegelbild des Präludiums: Durch eine variierte Melodie mit der linken Hand und einem Zitat der Ornamentierung des Präludiums führt er uns in einem weiten Bogen zum Anfang zurück. Franck kommt auf die zweiteilige Welt des Wechsels von Dur und Moll zurück, indem er jedes Element einzeln untersucht, ohne sich aber dabei festzulegen. Erst in den letzten Takten wird endlich offenbar, dass er zur ursprünglichen Durtonart zurückgekehrt ist.

Auch Opus 19 Pastorale wurde von Harold Bauer aus dem bereits erwähnten Satz von sechs Werken transkribiert. Es ist ein Meisterwerk liebevoller Erzählkunst. Man spürt das grüne, sonnige Land, hört nahe Glocken, hört ihr Echo in der Ferne und schätzt wieder den Dualismus von Francks Kompositionsmethoden. Er gleicht die lyrische Linie mit kraftvollen Akkorden aus und antwortet auf Gesang mit einer Ansprache. In der Mitte des Satzes nimmt das Tempo zu, und das Klavier wirkt streitbarer. Rhythmus ersetzt jetzt Besinnung und ein viel aktiveres Spiel beginnt sich durchzusetzen, oft von Terz- und Sextparallelen unterstrichen. Mit Hilfe einer Umschreibung kehren wir zu den ersten, weitläufigen Intervallen des Anfangs zurück und befinden uns jetzt viel näher an den Glocken, die am Ende des Werkes alle gleichzeitig läuten, konsonant und rein. Schließlich folgt als Koda die perfekte Ruhe und der vermischte Dualismus von zwei einzelnen Glocken.

Die Sonate A-Dur für Violine und Klavier M. 8 ist möglicherweise Francks meistbewundertes Kammermusikwerk. Es stammt aus dem Jahre 1886, in dem er auch die Sinfonie d-Moll komponierte. Die vorliegende Fassung wurde von dem französischen Pianisten Alfred Cortot (1877-1962) für Soloklavier transkribiert und ist beispielhaft für ihre geschmackvolle Intonation und ihren durchdachten Erfindungsgeist. Der erste Satz, Allegretto ben moderato, lässt sich gemütliche 26 Takte Zeit, um sein erstes Thema zu offenbaren und etabliert somit das sanfte Tempo des gesamten Werkes. Auch Cortot etabliert seine Methode und imitiert die offenen Töne der Violine, in dem er das Soloklavier intoniert und pedalisiert, um eine vergleichsweise offene Klängfülle zu erzeugen. Das folgende Allegro ist eine Meisterleistung der steigenden Spannung und konzentrierten Energie und enthält thematisches Material aus dem ersten Satz, das die gesamte Sonate verbindet und dem Werk seine Disziplin verleiht. Das Recitativo-Fantasia des dritten Satzes ist ein charmanter Rückblick auf Liszt. Das abschließende Allegretto poco mosso bietet eine direkte Reprise des ersten Satzes und imitiert diesen zusätzlich in Form eines Kanons. Die beiden Teile bilden Francks beliebtestes und bekanntestes Satzpaar.

Charles Barber

Deutsche Fassung: Matthias Janser


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