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8.225290 - KLEBE: Poema drammatico / Widmungen / Zornige Lieder ohne Worte
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Giselher Klebe (geb. 1925)
Werke für Soloklavier, zwei Klaviere mit Orchester und Klavier zu vier Händen

Nach Abschluss seiner Schulausbildung begann er in Berlin ein von der Stadt gefördertes Musikstudium in den Fächern Violine, Viola und (bei Kurt von Wolfurt) Komposition. Nach dem Krieg setzte er sein Kompositionsstudium am neugegründeten Internationalen Musikinstitut in Berlin bei Josef Rufer und später in der Meisterklasse bei Boris Blacher fort. Sein Divertimento op. 1/2 für Klavier wurde 1947 uraufgeführt; im selben Jahr begegnete er zum ersten Mal dem Komponisten Wolfgang Fortner, dessen Nachfolger an der Musikakademie Detmold als Dozent für Musiktheorie und Komposition er zehn Jahre später wurde. 1962 erfolgte dort sein Ernennung zum Professor. Inzwischen hatte er sich mit Aufführungen seiner Werke in Darmstadt und Donaueschingen als vielbeachteter Komponist etabliert. Ein besonderer Erfolg war 1950 die Uraufführung seiner von Paul Klee inspirierten orchestralen Metamorphose Zwitschermaschine. Mit einer Reihe von Bühnenwerken – zunächst auf eigene Libretti, später auf Texte seiner Ehefrau Lore nach literarischen Vorlagen – etablierte sich Klebe als einer der bedeutendsten deutschen Opernkomponisten seiner Zeit. Für seine Kompositionen und musikalischen Verdienste wurde er mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. 1981 erfolgte seine Ernennung zum Direktor der Musikabteilung der Berliner Akademie der Künste, deren Präsident er von 1986 bis 1989 war.

Anmerkungen des Komponisten

Poèma drammatico (op. 130) ist eine Huldigung an Giuseppe Verdi. In diesem Konzert für zwei Klaviere zu vier Händen und großes Orchester will ich am Ende meines Lebens der Liebe und Bewunderung für einen Komponisten und sein Werk Ausdruck verleihen. Verdi hat seit 1950 meine Entwicklung geleitet. Ich zitiere aus Otello, Simone Boccanegra, Macbeth sowie Il Trovatore und schmelze die Zitate in meine Klangsprache ein. Das Bild Verdis an meinem Schreibtisch blickt mich ernst an – ich habe es dennoch gewagt, ihm und seinem Werk auf diese Weise meine Liebe zu bekunden.

Soggetto cavato (primo e secondo) – eine alte Kompositionsbezeichnung aus der Renaissance – legt der Komposition die vertonbaren Buchstaben der Personen unter, denen die beiden Werke für Klavier zu vier Händen (op. 122 und op. 129) gewidmet sind (also Kurt Horres und Silke-Thora Matthies sowie Christian Köhn). Beide „Soggetti“ verschränken die Töne der Widmungsträger mit den Tönen meines Namens. Dabei ist es möglich, den Ton gis, den Beginn meines Vornamens, mit einzubeziehen. Selbstverständlich werden alle übrigen Töne eine Rolle spielen, doch sind die Namenstöne quasi als „Cavatine“ die entscheidenden Tonfolgen.

Widmungen – die fünf Soloklavierstücke sind zu besonderen festlichen Anlässen der Widmungsträger als persönlicher Gruß komponiert worden. Auch hier werden – wie bei den „Soggetti“ – die vertonbaren Buchstaben des jeweiligen Namens zur motivischen Grundlage. Daraus ergibt sich bei der gegebenen Begrenzung der vertonbaren Buchstaben eine auf die Person und Gelegenheit bezogene Form- und Gestaltungsvariante. So konnten die subjektiv Angesprochenen [der Komponist Johannes Driesler, dem das erste Stück, Zehnmal fünf, zum 50. Geburtstag im Dezember 1970 gewidmet ist; Christiane und Axel Eggers, denen Klebe das Soggetto 1975 zu ihrer Hochzeit widmete; und der Musikschriftsteller Karl Schumann, dem der Komponist zu dessen 60. Geburtstag 1985 das dritte Stück zueignete, Anm. d. Red.] etwas ihnen Verwandtes oder auf sie Bezogenes wiedererkennen. Einzig in der „Ariette“ für Aribert Reimann habe ich als Gruß auch meinen Vornamen zitiert.

Zornige Lieder ohne Worte (op. 118) komponierte ich im Juni 1994. Jedes dieser Lieder hat einen Anlass, der durch die Titel verdeutlicht wird. Das fünfte Lied („Kassiber“) ist eine Klavierfassung meines Liedes auf das gleichnamige Gedicht von Peter Härtling. Hier liegen die Wurzeln, aus denen alle fünf „Zornigen Lieder ohne Worte“ gewachsen sind.

Meine Enkelkinder und ich: Mira, Maya, Tim Christian und ihr Opa (op. 140) entstand in 21 Tagen im Oktober 2002. Mein Freund Christian Köhn hatte schon vor geraumer Zeit angeregt, einmal technisch möglichst einfache Klavierstücke für jugendliche Anfänger zu komponieren. Der Gedanke an meine ganz unterschiedlichen, im Erleben aber oft ganz ähnlich reagierenden drei Enkelkinder formte die sieben Klavierstücke.

Thema und 39 Variationen entstand als Widmung für meinen Freund Christian Köhn zu seinem 40. Geburtstag. Das Thema und die Variationen gehen ineinander über. Sie werden zu größeren Bögen zusammengefasst. Ihr wellenförmiger Verlauf mündet in eine größere Beruhigungsphase. Diese beschließt die Komposition.

© Giselher Klebe


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