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8.550199 - SIBELIUS: Symphonies Nos. 3 and 4
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Jean Sibelius (1865-1957)
Sinfonie Nr. 3 C-dur, op. 52
Sinfonie Nr. 4 A-moll, op.63

 

Jean Sibelius wurde 1865 als Sohn eines Arztes in einer kleinen Stadt in Süd-Finnland geboren. Da seine Eltern zur schwedischen Bevölkerungsgruppe gehörten, begann Sibelius erst in der Schule, Finnisch zu lernen und sich für die Überlieferungen seines Heimatlandes zu interessieren, das als Großherzogtum unter den russischen Zaren Autonomie erlangt hatte, dessen finnische Bevölkerung aber weiterhin unter der schwedischen Oberschicht litt.

Die musikalische Begabung des jungen Sibelius wurde früh erkannt, jedoch erst als Jura-Student entschied er sich für die Laufbahn als Komponist, nachdem er eine Zeitlang mit dem Gedanken an eine Karriere als Geiger gespielt hatte. Sein Musikstudium führte ihn über Helsinki nach Berlin und Wien. Zurück in Helsinki erntete Sibelius mit seinen frühen Kompositionen, die auf nationalen Themen basierten, große Erfolge. Sibelius mußte sich mit Unterricht und den Erträgen aus den Aufführungen seiner Werke über Wasser halten, bis er 1896 zum Professor an die Universität in Helsinki gewählt wurde. Die Position wurde jedoch an einen anderen Musiker vergeben, und Sibelius erhielt zum Ausgleich zunächst ein Regierungsstipendium, später ein lebenslanges Gehalt.

Als Komponist blieb Sibelius aktiv bis etwa 1926. Sein Ruf verbreitete sich zunehmend auch im Ausland, nicht zuletzt durch seine 1. Sinfonie und die populäre "Finlandia". Sibelius gewann Breitkopf & Härtel als Verleger. Es folgten die 2. Sinfonie, das Violinkonzert und die 3. und 4. Sinfonie, und Sibelius wurde anläßlich seiner Konzertreisen in die europäischen Hauptstädte geehrt und gefeiert. Mit dem ersten Weltkrieg nahm seine Schaffenskraft ab. Die 8. Sinfonie, geschrieben 1929, wurde von Sibelius eigenhändig vernichtet, dann verstummte er. Bis zu seinem Tode 1957 blieb er einsam und isoliert. Die musikalische Entwicklung des 20. Jahrhunderts war über ihn hinweggegangen.

Im Jahre 1905 hatte Sibelius zum erstenmal England besucht und mit seinen Werken einen großen Eindruck auf das englische Publikum gemacht. Das Ergebnis war em Auftrag für eine Sinfonie durch die Royal Philharmonic Society. 1908 konnte der Komponist dieses neue Werk, seine 3. Sinfonie, dem Londoner Publikum vorstellen. Das Werk ist klassisch in seiner Anlage und ohne die nationalen Anklänge der frühen und späten Sinfonien.

1908 mußte sich Sibelius in Berlin einer Tumor-Operation im Hals unterziehen, und es folgten Jahre, die durch die erzwungene Abstinenz von Alkohol und Zigarren gekennzeichnet waren sowie durch zunehmende finanzielle Probleme, da die staatliche Pension für den großzügigen Lebensstil des Komponisten nicht ausreichte. Die Bedrückung dieser Zeit hat sich in der 4. Sinfonie niedergeschlagen, die 1911 in Helsinki zur Uraufführung kam und die Sibelius 18 Monate beschäftigt hatte. Zu Beginn des ersten Satzes erklingt em Motiv "so rauh wie das Schicksal", wie Sibelius es selbst ausdrückte, und der Schlußsatz endet, ganz im Gegensatz zur üblichen Praxis, das Finale zu einem strahlenden, positiven Abschluß zu bringen, in einem pessimistischen Grundton, der wohl der Gemütsverfassung des Komponisten eher entsprach.

UIrich Spratte


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