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8.550539 - RESPIGHI, O.: Symphonic Poems (Royal Philharmonic, Batiz) - Roman Festivals / Pines of Rome / Fountains of Rome
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Ottorino Respighi (1879–1936)

 

Römische Feste u. a.

Ottorino Respighi wurde 1879 in Bologna geboren. In seiner Heimatstadt studierte er Violine und Viola und nahm daneben auch Kompositionsstunden. Nach Abschluss des Studiums 1899 ging er als Solobratschist an die kaiserliche Oper nach St Petersburg. Neben dieser Tätigkeit setzte er seine Kompositionsstudien bei Nikolai Rimski-Korsakow fort. Als Instrumentalist machte er sich während des ersten Jahrzehnts einen Namen. Dabei beschäftigte er sich mit zunehmender Intensität mit dem Studium früherer Musik und mit dem Komponieren. 1908 und 1909 hörte er auch Vorlesungen von Max Bruch in Berlin, jedoch blieb Rimski-Korsakows Musik für ihn der stärkste Einfluss, insbesondere, was seinen Umgang mit der Klangpalette des Orchesters betrifft.

Eine ganze Reihe von Kompositionen entstand in den ersten Jahren des Jahrhunderts, so u.a. ein Klavierkonzert, das Notturno und die Opern Ré Enzo und Semirama, deren Erfolg 1913 zu seiner Berufung als Kompositionslehrer an das Liceo Santa Cecilia in Rom führte.

1919 heiratete Respighi eine Sängerin, und 1924 wurde er an Santa Cecilia Direktor. Zwei Jahre später gab er diese feste Position jedoch wieder auf, um sich einer freien Tätigkeit als Lehrer, Komponist, Dirigent und Begleiter widmen zu können. Respighi starb 1936.

Ottorino Respighi wurde der führende Komponist Italiens in seiner Generation. Internationale Bedeutung erlangte er vor allem mit den sinfonischen Dichtungen Römische Brunnen (1916), Römische Pinien (1924) und Römische Feste (1929). Daneben schuf er mehrere Ballettmusiken und weitere Opern, mit denen er aber weniger erfolgreich war.

Was die Menschen im antiken Rom hauptsächlich interessierte, sollen Brot und Zirkusspiele gewesen sein. lm ersten Satz seiner Römischen Feste schildert Respighi das Ritual des Zirkus und der Gladiatorenkämpfe. Die Todgeweihten grüßen den Kaiser, Sturmwolken brauen sich zusammen, und man hört den Gesang der christlichen Märtyrer und die wilden Bestien.

lm zweiten Satz, Giubileo genannt, wird auch das alte Rom beschworen, aber hier geht es um Pilger, die in der Heiligen Stadt die Vergebung ihrer Sünden suchen. Glocken und fromme Gesänge sind die wichtigsten Bestandteile dieses musikalischen Bilderbogens.

In L’Ottobrata wird das Herbstfest gefeiert. Das Jagdhorn erklingt, Volkslieder und Glocken ertönen. Darauf folgt das Epiphaniasfest, das mit Trompeten, Liedern und Tänzen auf der Piazza Navona in Rom gefeiert wird.

lm ersten Bild der Römischen Pinien spielen Kinder unter den Bäumen der Villa Borghese. Die Sonne scheint, die Kinder singen und spielen Soldaten. Das nächste Bild—Pinien bei einer Katakombe—spielt im weiten Land der römischen Campagna, wo einige vereinzelte Bäume stehen. Eine Hymne klingt auf und versinkt wieder in der Katakombe, der alten unterirdischen Grabkammer aus frühchristlicher Zeit. Das nächste Bild spielt bei Nacht auf dem Janiculum, dem Berg mit dem Tempel des doppelgesichtigen Gottes Janus, der vom Mond beschienen wird. Eine Nachtigall soll zu hören sein, und der Komponist will, dass eine Aufnahme des wirklichen Vogelgesangs gespielt wird, anstatt wie Beethoven oder Vivaldi die Vogelstimmen mit Instrumenten nachzuahmen. Das nächste Bild zeigt die Via Appia, die alte römische Heerstraße, bei Tagesanbruch. Der Einzug eines Konsuls wird beschworen, begleitet von seinen Legionen, deren Marschtritt zu hören ist, und vom Klang der antiken Trompeten.

Die sinfonische Dichtung Römische Brunnen wurde bei der Uraufführung vom Publikum zunächst abgelehnt. 1918 jedoch verhalf Toscanini mit einer Aufführung in Mailand dem Werk zum Durchbruch. Die vier Bilder beschreiben vier der vielen Brunnen der Ewigen Stadt zu verschiedenen Tageszeiten. lm ersten erleben wir den Brunnen des Valle Giulia bei Tagesanbruch. Viehherden ziehen vorbei und verlieren sich im Morgennebel. Danach erleben wir den Vormittag am berühmten Tritonenbrunnen von Bernini. Najaden und Tritonen tanzen, und der Klang der alten Schneckenhörner in den Händen der Meeresgottheiten ist im Orchester den Hörnern anvertraut. Zur Mittagszeit finden wir uns am Trevi-Brunnen. Trompeten künden vom Triumph des Meeresgottes Neptun, dessen Wagen von Seepferden gezogen wird. Den Sonnenuntergang schließlich Iässt uns der Komponist am Brunnen der Villa Medici erleben, wo Vogelgesang, der Klang ferner Glocken und das Rascheln von Laub eine melancholische Abendstimmung entstehen lassen.


Keith Anderson
Übersetzung: Ulrich Spratte


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