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8.553371 - DVORAK, A.: String Quartets, Vol. 1 (Vlach Quartet) - Nos. 12, "American" and 13
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Antonín Dvořák
Quartett F-dur op. 96 („Amerikanisches Quartett“)
Quartett G-dur op. 106

 

Das Leben Antonín Dvořáks ist die Geschichte eines allmählich wachsenden künstlerischen sowie persönlichen Erfolges. Geboren wurde der Komponist am 8. September 1841 als erstes von neun Kindern in einem kleinen tschechischen Dorf an der Moldau, in Nelahozeves, etwa dreißig Kilometer nördlich von Prag. Die Eltern Anna und František betrieben eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei – vielleicht sollte anfangs auch der älteste Sohn das Metzgerhandwerk erlernen, bis sich jedoch dessen stupende Musikalität bemerkbar machte: Antonín Dvořák begann schon als kleines Kind, auf der Geige herumzuprobieren. Der Vater spielte in seinen Mußestunden selbst ein Instrument, die Zither, und es könnte sein, daß er sogar von einer großen Zukunft seines Sohnes geträumt hat, als er den Zwölfjährigen in die benachbarte Kleinstadt Zlonice schickte, um dort ersten Unterricht in Geige, Klavier, Orgel und Harmonielehre zu erhalten. Anschließend ging es über Böhmisch-Kamnitz, wo der Junge seine Kenntnisse der deutschen Sprache ausbaute, 1857 an die deutsch unterrichtende Orgelschule in Prag. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich der Student als Bratschist beim Orchester des Prager Cäcilienvereins – dort lernte er auch erstmals Werke von Richard Wagner und Franz Liszt kennen. Nach seinem Studium schlug sich der junge Musiker – abermals als Bratschist – zunächst in einer Prager Tanzkapelle durch, später wechselte er in das Orchester des neueröffneten Interimstheaters, er gab Klavierstunden und brachte seine ersten Kompositionen zu Papier: Das Streichquintett op. 1 entstand 1861. Es folgten ein Streichquartett, ein Konzert für Violoncello, die ersten beiden Symphonien, ein Liederzyklus usw., und allmählich dürfte sich für den jungen Mann herauskristalisiert haben, daß er ein Komponist werden mußte. Nach einem ersten Versuch in Richtung Oper, hängte er seine Stelle als Orchestermusiker an den Nagel, verlegte sich gänzlich auf das Komponieren und heiratete die um dreizehn Jahre jüngere Anna Cermáková, in deren Schwester Josefina er sich zuvor ungl ü cklich verliebt hatte. Aus dieser glücklichen und langen Ehe gingen sechs Kinder hervor.

Dvořák versuchte sich in alien möglichen Gattungen: Er startete immer neue Versuche als Opernkomponist (Vanda, Der Bauer ein Schelm), schrieb Streichquartette, Symphonien, Duette für Sopran, Alt und Klavier, in Werk für Chor und Orchester (Die Erben des weißen Berges) und ein Oratoriurn (Stabat Mater). Immer stärker beiinflußte ihn das Volkstümliche, Volkslieder, die tschechische Folklore. Der anfangs übermachtige Einfluß Richard Wagners ließ nach und Dvořák orientierte sich zunehmend am Schaffen seines Landmannes Bedrich Smetana.

1877 lernte Dvořák jedoch Johannes Brahms kennen. Zwischen den beiden geistig verwandten Musikern entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Brahms vermittelte ihm u.a. das Berliner Verlagshaus Simrock, und nun ging es mit Dvořáks Weltkarriere steil bergauf. Er publizierte die Klänge aus Mähren, die Slawischen Tänze, die Slawischen Rhapsodien (alles Verkaufsschlager) und erlangte mit seinem Dimitrij (1881) endlich auch in der großen Oper den Durchbruch. Slawischen Rhapsodien (alles Verkaufsschlager) und erlangte mit seinem Dimitrij (1881) endlich auch in der großen Oper den Durchbruch. 1883 wurde er von der Londoner Philharmonic Society in die britische Metropole eingeladen, um dort sein Stabat Mater zu dirigieren. Er wurde hymnisch gefeiert, ein Kritiker bezeichnete ihn als „böhmischen Brahms“, und mit einigen Kompositionsaufträgen in der Tasche kehrte er nach Prag zurück - Sieg auf der ganzen Linie!

Im Auftrag der London Philharmonic Society entstand übrigens auch die Siebte Symphonie, und viele seiner folgenden Werke wurden in England uraufgeführt: das Chorwerk Die Geisterbraut 1885 beim Festival in Birmingham, sein Oratorium Die heilige Ludmilla ein Jahr später in Leeds, das Requiem 1891 abermals in Birmingham. 1892 karn em Auftrag aus Amerika: Anläßlich der Columbusfeier schrieb Dvořák sein Te Deum, em Werk für Orchester, Chor und Solostimmen.

Der Kontakt zu Amerika hatte sich schon 1891 hergestellt. Dvořák war gerade zum Ehrendoktor der Universität Cambridge sowie zum Kompositionsprofessor am Prager Konservatorium ernannt worden, als ihn die millionenschwere Präsidentin des New Yorker National Conservatory of Music, Frau Jeanette Thurber einlud, an ihrem Institut das Fach Komposition zu lehren. Dvořák ließ sich in Prag beurlauben und reiste 1893 mit seiner Familie für zwei Jahre in die Vereinigten Staaten. Auch hier beschäftigte er sich mit der Volksmusik des Landes und schuf in ländlicher Abgeschiedenheit einige Werke, die selbst für die Geschichte der amerikanischen Musik von Bedeutung werden sollten: u.a. die Neunte Symphonie Aus der Neuen Welt und das Streichquartett F-Dur op. 96, das sogenannte Amerikanische Quartett.

Als Dvořák 1895 nach Böhmen zurückkehrte, hatte er alle Gipfel der musikalischen Welt erklommen. Aus einem Gefühl „unaussprechlicher Glücklichkeit“ heraus komponierte er noch seine beiden letzten, formvollendeten Streichquartette, darunter das Quartett in G-Dur op. 106, und widmete sich neben ein paar Tondichtungen nach Märchenvorlagen ausschließlich der Oper als der „für die Nation vorteilhaftesten Schöpfung“. Es entstanden Der Teufel und die Käthe (1899), die märchenhafte Rusalka und schließlich Armida (1904) nach Torquato Tassos Das befreite Jerusalem.

Am 1. Mai 1904 starb der große tschechische Komponist Antonín Dvořák an einen Gehirnschlag.

© 1995 Sven Precht

 


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