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8.553472 - FRANCK: Symphonic Variations / Piano Concerto No. 2
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César Franck (1822-1890)

Symphonische Variationen • Les Djinns • Klavierkonzert Nr. 2 h-Moll op. 11

César Franck, der für die Entwicklung der neuen französischen Musik eine Epoche machende Persönlichkeit werden sollte, wurde 10. Dezember 1822 als Sohn deutschstämmiger Eltern in der belgischen Stadt Lüttich geboren und offenbarte bereits in jungen Jahren ein außergewöhnliches musikalisches Talent. Der Vater versprach sich eine Wunderkindkarriere und förderte daher schon früh die Begabung seines Sohnes. Zunächst studierte Franck am Conservatoire in Lüttich, gab Konzerte und verfasste erste Kompositionen, doch in der Hoffnung auf bessere Möglichkeiten siedelte die Familie 1835 nach Paris über, wo Franck Kompositionsunterricht bei Antonín Reicha erhielt und durch die harte Klavierschule von Pierre Joseph-Guillaume Zimmermann ging. 1837 wurde er am Pariser Conservatoire aufgenommen, setzte den Klavierunterricht bei Zimmermann fort und studierte seit 1840 zudem Orgel in der Klasse von François Benoist. Am Conservatoire errang er mehrere Auszeichnungen und Preise für Klavier, Kontrapunkt, Fuge und Orgel, der anvisierte Prix de Rome, der ihm ein dreijähriges Studium in Rom ermöglicht hätte, blieb ihm jedoch versagt, weil ihn der Vater 1842 vom Conservatoire nahm und erneut zu einer Virtuosenlaufbahn drängte. In Belgien versuchten sie, die Aufmerksamkeit einflussreicher Mäzene zu gewinnen, doch noch zwei Jahren kehrte die Familie nach Paris zurück.

Da es Franck weder als Pianist noch als Komponist gelungen war, größere Anerkennung zu finden, musste er in den folgenden Jahren seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer verdienen. 1848 heiratete er seine Schülerin Blanche Saillot Desmousseaux, die aus einer Familie mit einer lagen Theatertradition stammte und deren Eltern eine gewisse Bedeutung für die Comédie Française hatten, was den endgültigen Bruch mit seinem Vater zur Folge hatte. Im selben Jahr übernahm er neben seiner Lehrtätigkeit eine Organistenstelle an der Kirche Notre-Dame-de-Lorette, an der er geheiratete hatte. 1851 wechselte er an die Kirche Saint-Jean-Saint-Francois-au-Marais und kam hier zum ersten Mal mit einer frühen Orgel von Aristide Cavaillé-Coll, dem berühmten Orgelbauer, in Kontakt. 1858 folgte seine Berufung an die neu gebaute Basilika von Sainte-Clotilde, an der Cavaillé-Coll eine neue Orgel eingerichtet hatte. Auf dieser Stelle baute Franck in den nächsten Jahren seinen Ruf als Organist und Improvisationsgenie aus. Zudem erwarb er sich die Loyalität und Zuneigung eines Schülerkreises, der von Henri Duparc angeführt wurde. Auch seine Kompositionen fanden zunehmend Anerkennung und wurden unter der Schirmherrschaft der Société Nationale de Musique, einer Vereinigung, die sich die Förderung der „Ars Gallica" zur Aufgabe gemacht hatte, aufgeführt. Bis 1972 war seine Akzeptanz in Paris so weit gewachsen, dass er zum Professor für Orgel am Conservatoire ernannt wurde.

Seit Mitte der 1870er Jahren entfaltete Franck verstärkt seine kompositorische Produktivität, die vor allem unter dem Eindruck von Richard Wagners Musikdrama Tristan und Isolde stand, das er 1874 gehört hatte. Am Conservatoire zog er den Neid einiger seiner Kollegen auf sich, denn zu seinem Schülerkreis gehörte eine Gruppe vielversprechender junger Komponisten, die sich selbst den Namen Bande à Franck gegeben hatte und ihren Lehrer Pater Seraphicus betitelten. Vor allem dem rastlosen Einsatz des Komponisten Vincent d’Indy aus diesem Kreis war es zu verdanken, dass Franck 1886 die Nachfolge Saint-Saens in der Präsidentschaft der Société Nationale antreten konnte, nachdem das Komitee wegen der Zulassung von Musik ausländischer Komponisten zurückgetreten war. Der Erfolg, den Frank zu Lebzeiten als Komponist erzielte, war eher bescheiden, und ein Konzert mit seinen Werken, das 1887 statt fand, geriet aufgrund der unzureichenden Proben zu einem Desaster, in dem die Symphonischen Variationen kaum zusammengehalten werden konnten. Dennoch entstand in dem Jahrzehnt vor Francks Tod 1890 eine Reihe von Werken, die dauerhaft Eingang in das Konzert-Repertoire gefunden haben, darunter die Violin-Sonate, die Sinfonie d-Moll, sein einziges Werk in dieser Gattung sowie die Symphonischen Variationen.

Die Symphonischen Variationen wurden 1885 vollendet und im Mai 1886 in einem Konzert der Société Nationale uraufgeführt. Solist war der Pianist Louis Diémer, der Widmungsträger des Werkes, der im Jahr darauf die Nachfolge seines Lehrers Marmortel am Conservatoire antrat und zu dessen Schülern u.a. Alfred Cortot und Robert Casadesus gehörten. Das Werk beginnt mit dem Anspielen kontrastierender Motive durch den Pianisten und das Orchester, worauf die Vorstellung des Themas folgt, das in seiner vollständigen Gestalt zuerst im Klavier erklingt. Die folgenden Variationen gehen ohne Unterbrechung in einander über. Die erste wird durch die Wiederkehr des Orchester markiert und ist ein Dialog zwischen den Streichern und Holzbläsern und dem Klavier, während die zweite ein zweites Thema in den Violen und den Celli einführt. Auf eine chromatische dritte Variation, in der das Klavier im Vordergrund steht, folgt eine vierte, in der die erste rhythmische Figur des Werkes in das Thema integriert und weiter ausgebaut wird. Dieser Abschnitt verschmilzt unmerklich mit der fünften Variation, die das selbe Thema in den Oboen und Klarinetten dem Klavier gegenüber stellt. Die sechste und letzte Fassung des thematischen Materials erlaubt es den Celli, eine äußerst poetische Variante des Themas zu spielen, die mit sanften Arpeggien des Pianisten begleitet wird. Ein Triller leitet zum letzten Abschnitt über, einem Zwischenspiel des Pianisten und einer Rückkehr früheren Materials in sinfonischer Manier. Das Werk endet mit dem Pianisten und dem Orchester in enger Imitation.

Francks erste Sinfonische Dichtung war ein orchestrale Interpretation von Victor Hugos Ce qu’on entend sur la montagne, die 1847 vollendet wurde. Bedeutender waren jedoch seine späteren Versuche in dieser Gattung, wie z.B. Les Eolides aus dem Jahr 1876, das auf Leconte de Lisle beruht, Le chasseur maudit nach Gottfried Bürger von 1882, und auf Psyché (1882) folgte 1888 Le Djinns, eine sinfonische Dichtung für Klavier und Orchester, die wiederum auf ein Gedicht von Hugo zurückgeht.

Murs, ville, Mauern, Dorf,

Et port, Und Hafen,

Asile Asyl

De mort, Des Todes,

Mer grise Graues Meer

Où brise Wo bricht

La brise, Die Brise

Tout dort. Alles schläft.

Ein Klang steigt auf, wie die Glocke eines verwunschenen Klosters, das Geräusch einer Menge, als die Djinnen erscheinen und vorbei fliegen wie brennende Wolken, eine versteckte Armee von Vampiren und Drachen. Angsterfüllt ruft der Dichter den Propheten, um ihn sicher in seinem Haus zu behüten. Die Gefahr zieht vorüber, zu hören, als die großen Eichen in einem nahe gelegenen Wald durch ihren Flug erschauern. Es ist der Klang der Welle an der Küste, die fast erstickte Klage eines Heiligen vor dem Tod. Der Dichter lauscht, wie die Entfernung dem Geräusch ein Ende bereitet. Francks Übersetzung des Gedichts in musikalische Begriffe folgt dem Umriss von Hugos beredten Versen. Die Komposition mit ihrem virtuosen Klavierpart weckte nach längerer Pause erneut das Interesse des Komponisten am Klavier und führte ein Jahr später zur Komposition der Symphonischen Variationen.

In seiner früheren Laufbahn als Klaviervirtuose gehörte es zur Selbstverständlichkeit, dass Franck Musik für den erwarteten Stil der Zeit lieferte, Opernparaphrasen, Fantasien und Konzerte. Sein Deuxiéme Grand Concerto in B minor, Opus 11 entstand wahrscheinlich 1835 zusammen mit einer Reihe weiterer virtuoser Klavierkompositionen, die er im Alter von 13 Jahren schrieb, darunter die Première Sonate und die Variations brillantes sur la ronde favorite des Gustav III. Das Konzert verdient über die Demonstration der Frühreife hinaus gesonderte Aufmerksamkeit. Der erste Satz wird wenig überraschend mit einer eindrucksvollen Orchesterexposition eröffnet und führt dann zum Einsatz des Solisten und einer zunehmend virtuosen, wenn auch weitgehend konventionellen Musiksprache für das Soloinstrument. Nach einer kurzen Orchestereinleitung zu dem Adagio in G-Dur setzt der Solist ein und fährt im weiteren Verlauf mit Material fort, das im Kontrast zu der Dur-Tonart des gesamten Satzes steht. Das Drama des abschließenden Rondos findet einmal mehr Raum für die hier erwarteten virtuosen Klavierfigurationen, die als eigentliche Absicht hinter dem ganzen Werk stehen. Zum Abschluss kehrt das Finale zu der ursprünglichen Ausgangstonart der Eröffnung zurück.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Peter Noelke


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