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8.553734 - KRAUS: Symphonies, Vol. 1
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Joseph Martin Kraus (1756 -1792)
Ouvertüre zu Olympie
Symphonien Es-Dur, C-Dur, c-Moll

„Der Mann hat einen großen Stil!“ urteilte Christoph Willibald Gluck über Joseph Martin Kraus; eine Bemerkung, die nicht von ungefähr kommen konnte, suchte doch Kraus zeit seines Lebens den dramatischen Stil Glucks auf die Symphonlk zu übertragen. So mancher nannte ihn aber auch den „schwedischen Mozart“, was vielleicht nur den Umstand zu verdanken ist, daß Kraus ein Altersgenosse Mozarts war und diesen lediglich um ein Jahr überlebte. Kraus starb am 16. Dezember 1792 an den Folgen einer Lungenerkrankung.

Am 20, Juni 1756 war er in Miltenberg am Maln als Sohn eines Stadtschreibers und späteren Oberamtsassessors geboren worden. Seine Kindheit verbrachte er in Amorbach, Osterburken und schließlich In Buchen (Odenwald), wo er die Lateinschule besuchte. 1768 wurde er im Jesuitengymnasium in Mannheim aufgenommen; zugleich wirkte er als Sängerknabe in der Hofkirche und bei den Schauspielen der Jesuiten mit und kam dadurch in unmittelbare Berührung mit der vielgerühmten Musikpflege des kurpfälzischen Hofes. Mitglieder der Mannheimer Kapelle waren zeltwellig seine Lehrer Dennoch nahm Kraus 1773 das Studium der Philosophie und der Rechte auf, ging dann nach Erfurt, später nach Göttingen. In Erfurt widmete er sich ebenfalls der Musik unter Anleitung des Bach-Schülers Johann Christoph Kittel.

Seine Beziehungen zum literarischen Sturm und Drang und dem Göttinger Hainbund zeitigen erste musikalische Schriften, wie etwa das 1777 verfaßte Pamphlet Etwas von und über Musik, indem er die Musik seiner Zeit kritisch unter die Lupe nahm. Hier findet sich auch sein erstes Bekenntnis zu Christoph Willibald Gluck, der fortan sein wichtigstes stilistisches Vorbild werden sollte.

1778 folgte Kraus einem Ruf König Gustavs III. nach Stockholm. Gründe privater Art - Denunziationen und ein unbegründetes Rechtsverfahren gegen seinen Vater - hatten ihn zu dieser Entscheidung bewogen. Von nun an stand aber auch für ihn fest, daß er Musiker und Komponist werden wollte. In Stockholm hatte der hochbegabte Gustav III. einen Kreis bedeutender Musiker aus ganz Europa verpflichtet; begeisterter Opernliebhaber, der er war, ließ er 1782 das Königliche Opernhaus erbauen. Und nach Kraus' großem Erfolg mit seiner Oper Proserpina (nach einem Libretto des Königs) ernannte ihn dieser sogar zum Vizekapellmeister.

1782 entsandte der König seinen neuen Schützling auf eine vierjährige Studienreise durch mehrere Länder Europas Über Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt, Frankfurt, Mainz, Mannheim gelangte Kraus 1783 schließlich nach Wien, wo es zu der lang ersehnten Begegnung mit Christoph Gluck und mit Joseph Haydn kam den er in Esterháza besuchte. Weitere Stationen waren die wichtigsten Musikstätten Italiens. Kraus besuchte Rom, Florenz, Neapel, Bologna, wo er mit dem berühmten Komponisten und Musiktheoretiker Padre Martini zusammentraf, Ende April 1784 setzte er mit dem Schift von Livorno nach Marseille über, um zwei Jahre in Paris zu verweilen. Während eines Abstechers nach London erlebte er im Mai 1785 die Händel-Säkularfeiern Bei seiner Rückkehr 1787 nach Schweden wurde er zum Hofkapellmeister ernannt.

Kraus' Symphonienschaffen umfaßt etwa fünfzehn Werke; zwölf davon sind uns erhalten. Die Symphonie in Es-Dur dürfte aus den Bemühungen resultiert sein, die Pariser Konzertreihe Concerts spirituels mit Werken zu versorgen. Die Symphonie in C-Dur dürfte um 1781 entstanden sein. Sie bevorzugt, wie die meisten von Kraus' Symphonien den dreisätzigen Satz. Das betrifft auch die vielgespielte Symphonie in c-Moll von 1783, die ihrerseits eine Neufassung einer vorher ( 1782) in Stockholm komponierten Version in cis-Moll darstellt. Für die neue Fassung in c-Moll strich Kraus den traditionell an dritter Stelle stehenden Satz, das Menuett, heraus. Dessen tänzerischer Charakter hätte seiner dramatischen Konzeption allzusehr widersprochen. Somit werden die Ecksätze stärker konturiert. Ihre Wiederholungen erinnern eher an die Ritornelle innerhalb dramatischer Arien als an das architektonische Schema einer Rondo-Form oder eines Sonatenhauptsatzes: ein Hinweis daraut, daß Kraus' Operntätigkeit am Hofe ihn in seiner restlichen Arbeit nicht unbeeinflußt lassen konnte.

Überhaupt spiegelt diese Symphonie am deutlichsten den Einfluß des großen Operndramatikers Gluck wider, dessen Ouvertüre zur Oper Iphigenie en Aulide bei der Komposition der langsamen Einleitung zum ersten Satz (Larghetto - Allegro) Pate gestanden zu haben scheint. Das Finale (Allegro) indes deutet aut den trühen Beethoven hin. Ferner charakterisiert sich das Werk durch scharfe Akzente auf unbetonten Taktzeiten, eine oft pathetische Rhythmik und in den schroffen Gegensätzen zwischen Unisono-Partien und vollstimmigen Satz Krausens Neigung zu plötzlichen Kontrasten. Die Symphonie in c-Moll ist Joseph Haydn gewidmet, der sich später darüber sehr lobend äußerte. Die Uraufführung dieses Werkes erfolgte unter Haydns persönlicher Leitung.

Im Januar 1792 wurde am Königliche Opernhaus Voltaires Tragödie Olympie in einer Übersetzung von J. H. Kellgren gegeben. Zuständig für die Bühnenmusik war Kraus, der eine Ouvertüre, einen Marsch und ein Reihe von Zwischenspielen komponierte.

1997 Teresa Pieschacón Raphael


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