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8.553735 - BAROQUE TRUMPET (THE ART OF THE), Vol. 3
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Die Kunst der barocken Trompete Vol. 3
Musik für Sopran und Trompete
Handel • Caldara • Fux • Predieri • Stradella • Scarlatti

In der Musik des Spätbarock wurden Singstimmen üblicherweise durch ein Instrument begleitet, um die Ausdruckskraft des Textes zu unterstreichen. Man nannte diese Instrumentalparts obbligato (italienisch: notwendig).Während der 1670-er Jahre wurden obligate Instrumentalparts vor allem in Venedig auch in der Oper eingesetzt, doch wurden sie fortan immer seltener, und im Jahre 1710 waren sie praktisch verschwunden. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß der Sänger zunehmend in das Zentrum der Aufmerksamkeit rückte, und von Instrumentalisten nicht in den Schatten gestellt werden sollte. Der Sänger sollte seine Virtousität und sein Ausdrucksvermögen ungehindert entfalten können, während das Orchester im Hintergrund verweilte.

Die Trompete symbolisierte in erster Linie Krieg, Schiachten, Rache oder Fama, die Göttin der Gerüchte. Sie stand aber auch für den Kampf um die Liebe und seltsamerweise auch für Sorgen, Schmerz, Liebeskummer und dergleichen.

Georg Friedrich Händel (1685-1759) stellte schon früh ein vielversprechendes musikalisches Talent zur Schau und studierte in seiner Geburtsstadt Halle unter Friedrich Wilhelm Zachov. Er wirkte von 1702-1706 in Hamburg und von 1706-1710 in Italien, wo die großen Komponisten seiner Zeit einen starken Eindruck bei dem jungen Musiker hinterließen. Im Jahre 1710 fand er eine Anstellung als Kapellmeister am Hannover Hof und erhielt bereits im seiben Jahr die Erlaubnis, nach London zu reisen, wo er sich nach einem zweiten Besuch im Jahre 1712 dauerhalt niederließ. Er erzielte zunächst großen Erfolg mit seinen Opern, wandte sich aber nach dem nachlassenden Interesse der Öffentlichkeit verstärkt dem Oratorium zu.

Händel komponierte die Ode tor the Birthday of Queen Anne, seine erste Komposition zu einem englischen Text, für den Geburtstag der Königin am sechsten Februar 1714. Es ist eine Kantate, die Händel mit Serenata betitelte. Dieses Auftragswerk läßt auf Händels hohes Ansehen in England schließen.

Die Arie Eternal source of light divine, die die Kantate einleitet, war ursprünglich für einen Contratenor bestimmt, doch war es damals durchaus üblich, eine Arie für einen anderen Sänger umzuschreiben, auch wenn damit die Tonart geändert werden mußte.

Händel setzte obligate Trompeten in einigen frühen Opern wie auch in den Oratorien der 1740-er Jahre ein. Er komponierte Samson, von den Rezitativen abgesehen, im Oktober 1741. Erst erst nach seinem Messiah stellte er Samson fertig. Im darauffolgenden Jahr nahm er Änderungen an der Partitur vor, da er nun eine größere Anzahl von Sängern zur Hand hatte. Gleichzeitig fügte er die Arie Let the bright Seraphim hinzu, die unmittelbar vor dem Abschlußchor erklingt und den Höhepunkt des Werkes darstellt. Händel schrieb den Trompetenpart für Valentine Snow, der der führende englische Trompeter seiner Zeit war und seit den 1730-er Jahren in Händels Orchester spielte. Der bekannte Musikhistoriker Charles Burney schwärmte von Snows Ösilbernen KlängenÖ.

Rinaldo war Händels erste Oper für das englische Publikum. Almira, Radamistos Verlobte, beklagt in der Arie Lascia ch'io pianga die ungewünschte Zuwendung des Sarazener Königs Argante. Lascia ch'io pianga zählt zu Händels schönsten Arien.

Obwohl die Begleitung durch obligate Instrumente in Italien um das Jahr 1710 aus der Mode kam, wurde sie von italienischen Komponisten, die in Wien lebten, weiterhin fortgesetzt. Zu den Geburts- und Namenstagen des Kaisers Karl VI und der Kaiserin Elisabeth Christine wurden besondere Galaopernaufführungen geboten. Im übrigen verfügte der Wiener Hof zur Regierungszeit Karls VI über ein großes, ausgezeichnetes Orchester, in dem vor allem in der Trompetengruppe hervorragende Musiker mitwirkjen.

Antonio Caldara (1670-1736) wurde in Venedig geboren und studierte dort vermutlich unter Giovanni Legrenzi. Er begann seine Karriere mit neunzehn Jahren, indem er Opern, Oratorien, geistliche und auch einige Instrumentalwerke komponierte. Von 1700-1707war er Kapellmeister in Mantua, doch aus dieser Schaffensperiode sind nur wenige Kompositionen erhalten. Von 1708-16 stand er im Dienste des Prinzen Ruspoli in Rom, der neben Kardinal Ottoboni der führende Mäzen der Stadt war. Im Jahre 1716 ernannte ihn der österreichische Kaiser Karl VI zum stellvertretenden Kapellmeister. Durch seinen Eifer und seine Vielseitigkeit meisterte er in dieser Anstellung die Pflichten des alternden, ersten Kapellmeisters Johann Joseph Fux. Caldara, der zum Lieblingskomponisten des Kaisers wurde, schrieb 63 Opern, 27 Oratorien, viele geistliche Werke und einige andere Kompositionen. Er komponierte die Oper Ifigenia in Aulide zum Namenstag des Kaisers. Die Arie La vittoria segue kann am treffendsten als GeneralbaBarie (d.h. ohne Orchesterbegleitung) mit obligater Trompete beschrieben werden.

Im Jahre 1715 stieg Johann Joseph Fux (1660-1741) vom Rang des stellvertretenden Kapellmeister zum ersten Kapellmeister auf. Er ist heute in erster Linie für seine Lehrwerke, etwa Gradus ad Parnassum bekannt, schrieb aber auch Musik in mehreren Genres. Die Oper Enea negli Elisi komponierte er zum Geburtstag der Kaiserin am 28. August 1731. Glorias Arie Chi nel camin d'onore bezieht ihren heroischen Charakter durch die konzertante Trompete. Der ausgesprochen anspruchsvolle Trompetenpart reicht - wie auch der von Caldaras Arie - bis zum dreigestrichenen E der C-Trompete hinauf. Die Arie wurde vermutlich für Johann Heinisch geschrieben, der seinerzeit für seine Virtuosität berühmt war und Fux's Bewunderung auf sich zog. Die Arie unterliegt der dreiteiligen Dacapo-Form (A-B-A). Die Begleitung durch den Generalbaß wird im Mittelteil unterbrochen, in welchem die Trompete ruht und ein vierstimmiges Orchester den Sänger begleitet.

Luca Antonio Predieri (1688-1767) wurde kurz nach seiner Ankunft in Wien im Jahre 1737 stellvertretender Kapellmeister und 1746 zum ersten Kapellmeister befördert. Fünf Jahre später schied er aus dieser Anstellung aus, doch wurde ihm sein Gehalt weiterhin bezahlt. Er kehrte in seine Heimatstadt Bologna zurück, in der er 1767 starb. In Wien schrieb er sowohl Opern als auch geistliche Werke.

Predieri schrieb die Oper Zenobia zum Geburtstag der Kaiserin am 28. August 1740. Zenobia ist Radamistos' Gattin. In der Abwesenheit ihres Gatten lehnt sie den Schutz des Prinzen Tiridates ab, der einmal versuchte, Gewalt gegen sie anzuwenden. Daher bittet sie in der Arie Pace una volta, e calma lascia ch'io trovi um Frieden und innere Ruhe, und dieses Verlangen unterstreicht die Trompete. Mit langen, aufsteigenden Läufen und Achtelnoten in hoher Lage, die sogar das seltene dreigestrichene Es einbeziehen, stellt der Trompetenpart ausgesprochen hohe Anforderungen an den Spieler. Doch auch der Sänger muß sich einer besonderen Herausforderung stellen und lange Koloraturpassagen meistern, die bis zum dreigestrichenen C reichen.

Die Trompete spielte zuweilen eine konzertante Rolle in Sinfonien, die als Operneinleitung dienten. Ein gutes Beispiei ist Alessandro Stradellas Sinfonie zum ersten Akt der Serenade Il Barcheggio, die im Jahre 1681 in Genua bei einem Hochzeitsfest aufgeführt wurde. Stradella (1644-1682) wirkte in verschiedenen Städten, wie etwa Venedig, Rom und Genua. Zum Zeitpunkt seines Todes war Stradella nur 37 Jahre alt, doch er genoß bereits einen Ruf als angesehener Komponist. In Il Barcheggio taucht de Trompete in mehreren Arien auf und auch der zweite Akt wird von einer Trompetensinfonie eröffnet.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Kantate neben der Oper zum bedeutendsten Vokalgenre. Die Kantate kann als eine Opernszene betrachtet werden, doch wohnen ihrer Musik und ihrem Text in der Regel eine intimere Atmosphäre inne. Sie war für eine kleinere Bühne und eine Aufführung ohne Kostüme und Bühnenbild bestimmt.

Wie Stradella schrieben die meisten Opernkomponisten seiner Zeit auch Kantaten, doch ragte in diesem Genre Alessandro Scarlatti (1660-1725) mit über 600 Werken heraus. Diesen Kantaten kann, falls angemessen, eine obligate Trompete hinzugefügt werden.

Scarlatti gilt nicht nur als der Meister der Kantate, sondern auch als der herausragende italienische Komponist im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert. In seinen Opern zeichnet sich ein neuer Kompositionsstil ab, der die melodische Stimmführung des Sängers in den Vordergrund hebt. Scarlatti wirkte in erster Linie in seiner Heimatstadt Neapel, verbrachte aber auch einige Zeit in Rom.

Die Kantate Su le sponde dei Tebro handelt von der verlogenen und herzlosen Cloris und dem Leiden und Schmerz ihres Liebhabers Aminta, den sie betrog. Su le sponde del Tebro gehört zu Scarlattis schönsten Kantaten, und sie reicht an die Ausdruckskraft und die musikalische Größe einer Opernszene heran. Die Trompete begleitet die Arie Contentatevi, o fidi pensieri, und sie symbolisiert Amintas innere Kämpfe. In den folgenden Rezitativen und Arien, die den Höhepunkt der Kantate darstellen, werden Amintas Schmerz und Kummer durch eine streng polyphone Melodie, ungewöhnliche Harmonien und schrille Dissonanzen ausgedrückt. In der abschließenden Arie Tralascia pur di piangere kehrt die Trompete im Wechsel mit dem Sänger wieder, doch stellt sie kaum einen Bezug zum Text her. Stilistisch zählt die Kantate zu Scarlattis Frühwerken. Der Text erwähnt den Tiber und deutet somit darauf hin, daß Scarlalli diese Kantate in Rom und folglich in den frühen 1690-er Jahren schrieb.

Die vier Arien für Sopran, Trompete und Generalbaß stammen aus der Sammlung Sette Arie con Tromba Solo, die in der Bodleian Library zu Oxford vorliegen. Die Texte handeln von Liebe und Krieg. Es ist nicht bekannt, für welchen Anlaß sie bestimmt waren, doch da in einem der Texte der Tiber erscheint, waren sie vermutlich für eine Aufführung in Rom vorgesehen. Sie fallen damit in die Jahre 1703-1708, die Scarlalli in dieser Stadt verbrachte.

Erst das Aufkommen der Ventilmechanik mit der Einschaltung von Nebenröhren erlaubte der Trompete im letzten Jahrhundert die lückenlose Wiedergabe der chromatischen Tonleiter mit einem ausgeglichenen Klang in allen Tönen. Im Gegensatz dazu wird die Trompete ohne Ventilmechanik im allgemeinen als Naturtrompete bezeichnet, da sie nur die aus der Obertonreihe entstehenden Naturtöne oder deren Teiltöne wiedergeben kann. Einige Töne klingen unrein und können im Zusammenspiel mit Instrumenten, die auf eine bestimmte Tonhöhe festgelegt sind, Probleme bei der Intonation hervorrufen. Ein erfahrener Trompeter kann diesen Schwiergkeiten mit dem Mundstück entgegenwirken. Aufgrund ihrer unregelmäßigen Röhrenlänge ist dies jedoch auf alten Trompeten einfacher. Schwiereiger ist es auf modernen Nachbauten der Naturtrompete, da ihre Obertöne ÔstabilerÕ sind. Um den Übergang von der Naturtrompete zur Ventiltrompete zu erleichtern, führte Otto Steinkopf um das Jahr 1960 drei Grifflöcher ein, welche die sichere und saubere Ansprache der in der hohen Lage dicht zusammenliegenden Überblastöne gewährleisten. Die Öffnung eines Grifflochs schließt alle geradzahligen Obertöne aus, die Öffung eines anderen dagegen verschließt die ungeradzahligen Obertöne. Ein drittes Loch transponiert alle Töne des Instruments um eine Quarte nach oben und ermöglicht damit eine reinere Intonation des eingestrichenen f und des zweigestrichenen a. Trompeten, die über diese Grifflöcher verfügen sollten als Barocktrompeten bezeichnet werden, um sie von den ursprünglichen Naturtrompeten zu unterscheiden.

Reine Dahlqvist
Übersetzung: Eva Grant.


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