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8.553741 - FAURÉ: Pelleas et Melisande / Valses-caprices
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Gabriel Fauré (1845-1924) Klaviermusik

Gabriel Fauré war der Sohn einer mittellosen Metzger- und Lehrerfamilie und wuchs als zurück-haltender Junge in Südfrankreich, weit entfernt von den musikalischen Verführungen der Hauptstadt auf. Er war ein Musiker, der nicht im glanzvollen Paris sondern zuhause in seinem Garten inmitten südländischer Pflanzen gedieh.

Gabriel war das sechste Kind von Honor und Marie-Antoinette-Hélène Fauré. Als unerwünschter Zuwachs einer großen Familie im Jahre 1845 geboren, wurde er in seinen ersten vier Lebensjahren nicht von seinen Eltern sondern von einer Pflegerin des Orts aufgezogen. Trotz des provinziellen Beginns fand der junge Fauré dennoch seinen Weg zum Musikstudium nach Paris. An der École Niedermayer, die als religiöse Schule gegründet worden war, erhielt er eine klassisch orientierte Ausbildung mit Schwerpunkt auf der Kirchenmusik. Er studierte gründlich die gregorian-ische Gesangspraxis und die Kirchentonarten, die beide später zur Grundlage seines eigenen Kompositionsstils wurden. Die Schule war ein Internat mit strenger Disziplin und ihr Leiter war darauf bedacht, seine Zöglinge von den Einflüssen der modernen Musik abzuschinnen. Erst nach dessen Tod, als der Komponist Camille Saint-Saëns die Leitung der Schule bernahm, lernte Fauré zeitgenössische Musik, etwa die Werke Liszts, Wagners oder Schumanns kennen.

Mit zwanzig Jahren arbeitete er kurzzeitig als Organist in Rennes, kehrte aber bald nach Paris zurück. Er kämpfte im preußisch-französischen Krieg und wurde nach dem Verlust des Krieges Mitglied einer neuen patriotischen Gruppe, die für die Förderung französischer Musik kämpfte. Mit Saint-Saëns unternahm er eine Reise nach Weimar, wo er dem Zauber der Wagnerschen Musik verfiel. Trotz seiner Bewunderung für Wagner, blieb sein Stil jedoch weitgehend von diesem mächtigen Einfluß unberührt. In der Tat war er von allen französischen Komponisten seiner Zeit derjenige, der sich den allgegenwärtigen Klängen aus Bayreuth am erfolgreichsten verschließen konnte.

Fauré heiratete 1883 und hatte zwei Söhne. Sein Vater starb 1885 und seine Mutter zwei Jahre später, woraufhin sein bekanntestes Werk, das Requiem entstand. Das neue Jahrhundert brachte Fauré Glück. Im Jahre 1901 wurde er Professor an der Ecole Niedermeyer und 1903 Musikkritiker des Figaro. Zwei Jahre später bernahm er die Leitung des Pariser Conservatoire. Er leitete dort seit 1896 eine Kompositionsklasse und bildete berühmte Musiker wie Maurice Ravel und Florent Schrnitt aus. Er modernisierte das Konservatorium und unterzog es einer grundlegenden Reform, bei der zahlreiche Köpfe rollten. Bald zeichnete sich ab, daß Fauré demselben grausamen Schicksal wie Beethoven erliegen sollte, der Ertaubung. Hörstörungen setzten bereits ein, Töne begannen, in seinem inneren Ohr verzerrt zu erklingen. Trotzdem komponierte er weiter und einige seiner besten Werke entstanden in den folgenden Jahren. Im Jahre 1920 wurde er aufgefordert, wegen seines Hörleidens sein Amt am Conservatoire niederzulegen.

Ein Jahr später schien seine Komponistentätigkeit zum Stillstand zu kommen. Er fürchtete, seine Inspiration verloren zu haben. Dennoch kämpfte er weiter und stellte 1924 sein einziges Streichquartett ferüg. Im November kehrte er nach Patis zurück, um bei seiner Familie zu sein, und starb dort. Auf seinem Sterbebett soll er sich gefragt haben, ob seine Musik wohl von bleibendem Wert gewesen sei. Er erhielt ein Staatsbegräbnis, dem sogar der Präsident der Republik beiwohnte.

Fauré komponierte in seinem langen Leben nicht eine einzige Sinfonie, keir, Konzert, und seine einzige Oper Pénélope blieb unaufgefuhrt. Er bevorzugte kleinere Genres, und konzentrierte sich auf Kammer-und Klaviermusik. Als Pianist galt seine eigentliche Liebe dem Klavier, und viele seiner später in Orchesterfassungen bekannt gewordenen Stücke, etwa die Pavane oder Pelléas et Mélisande schrieb Fauré ursprünglich für das Klavier. Er verheimlichte nicht, daß er nicht gerne orchestrierte und diese Aufgabe gerne an seine Schüler abgab.

Sein Klavierstil ist elegant, kultiviert und feinsinnig. Obwohl an der Oberfläche nicht virtuos, stellen seine Stücke wegen ihrer Komplexität und der Ausbreitung über die gesamte Tastatur eine gebührende Herausforderung an den Interpreten. Pelléas et Mélisande entstand im Jahre 1898, in einer Zeit, in der Faurés Kompositionen außergewöhnliche Erfolge erzielten. Schon lange hatte er die Pariser Salons erobert und auch in London wurde er nun mit Enthusiasmus aufgenommen. Er schrieb die Musik für die Uraufführung von Maeterlincks Stück in England, und die vier Stücke dieser Aufnahme zählen in ihrer ursprünglichen Fassung zu Faurés feinsinnigster Bühnenmusik. Das Eröffnungs-Prélude kündigt die Handlung an und weist mit seinen Themen auf die Naivität der Heidin und auf ihre nicht zu bändigende Leidenschaft voraus. Darauf folgt eine Fileuse, die Einleitung zum dritten Akt, in welchem Mélisande am Spinnrad sitzt. Die Sicilienne, die Einleitung zur Brunnenszene des zweiten Akts, gehört zu der Suite, die Fauré einige Jahre zuvor komponiert und selbst als Sextett instrumentiert hatte. Schließlich stellt Mort de Mélisande als tragische Variante der Einleitungsmusik den Tod der Heidin im fünften Akt dar.

Die Pavane entstand ursprünglich als Klavierstück, wurde aber später orchestriert. Aus der Klavierfassung dieses bekannten, beinabe hellenistischen Stückes geht deutlich hervor, daß die schlichte, archaische Melodie schneller als in den vielen Orchester-und Chorfassungen gespielt werden sollte. Die vier Valses-caprices gehören nicht zusammen. Die zwei früheren Stücke entstanden in den frühen 1880-er Jabren, die beiden anderen zehn Jabre später. Saint-Saëns gefielen die Stücke zwar, doch passen ihre Chopinschen Anwandlungen und ihre gewollte Launenhaftigkeit nicht zur introvertierten Veranlagung des Komponisten. Die späteren Stücke sind tiefsinniger und entsprechen Faurés Naturell trotz ihrer Virtuosität mehr. Die Mazurka deutet wieder auf einem Tribut an Chopin hin, weist jedoch keine Anlehnung an polnische Tanzrhythmen auf. Sie ähnelt den Valses-caprices in ihrem langsamen, sehnsüchtigen Mittelteil.

Deutsche Fassung: Eva Grant


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