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8.553761 - BACH TRANSCRIPTIONS FOR PIANO
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Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Bearbeitungen für Kiavier von Saint-Saëns • Siloti • Reger • d’Albert • Kabalevsky
 

Seit Bachs Tod im Jahre 1750 verdrängte das Hammerklavier allmählich die älteren Instrumente Cembalo und Klavichord. Mit seiner enorm wachsenden KlangfüIle und seiner neuen Mechanik leitete das Hammerklavier eine Revolution der Klaviertechnik ein, die im 19. Jahrhundert in der Verherrlichung der Virtuosität und in den ganz Europa bereisenden Klaviervirtuosen gipfelte. Auf der anderen Seite war das fabrikmäßig produzierte Hammerklavier ein Symbol des Wohlstands, ein Instrument, das in jeden bürgerlichen Haushalt gehörte. Klavierspielen gehörte nun zum guten Ton, Hausmusik wurde allabendlicher Zeitvertreib, sei es als Lied mit Klavierbegleitung, Soloklavierspiel oder Klavierspiel zu vier oder gar sechs Händen. Aus Mangel an technischer Musikübertragung und Zugang zu öffentlichen Konzerten wurde das Klavier zum universalen Instrument, welchem die Verbreitung neuer Kompositionen zufiel. Durch Bearbeitungen für Klavier kamen die neuesten Sinfonien, Kammermusik oder Opern in die bürgerlichen Wohnzimmer.

Bach lernte das Hammerklavier in seinen letzten Lebensjahren noch kennen und war fasziniert von den neuen Möglichkeiten der dynamischen Abstufung. Der Großteil seiner Werke für Tasteninstrumente ist, von der voluminosen Orgel abgesehen, für das Cembalo oder das zart und leise klingende Kiavichord geschrieben. Hierin etwa lag der Reiz späterer Komponisten, mit den Bachschen Kompositionen zu experimentieren und ihre eingeschränkten klanglichen Möglichkeiten, bedingt durch diese beiden Instrumente, mit dem “modernen” Flügel des 18. Jahrhunderts auszudehnen. Die Beschäftigung mit den Bachschen Orgelwerken ermöglichte eine Wiedergeburt dieser großartigen Schöpfungen auf dem neuen Instrument mit allen neu erworbenen pianistischen Erneuerungen der Zeit. Die Bearbeitungen der Solowerke für Geige oder Cello etwa forderten zum Auskomponieren der Harmonien heraus, die in Bachs Originalkompositionen durch das einstimmige Melodieinstrument letztendlich nur angedeutet werden konnten.

Mit 38 Jahren wurde Bach Chorleiter und Kapellmeister in Leipzig. Diese Anstellung; die er 27 Jahre lang, bis zu seinem Tode innehatte, war vergleichsweise glanzlos und brachte ihm wenig Ruhm ein. Dennoch war er hier für einen gewaltigen Aufgabenbereich zuständig, etwa für die Musik der fünf Hauptkirchen der Stadt, den Unterricht an der Thomasschule, sowie die Leitung des von Telemann gegründeten Studentenensembles Collegium Musicum, für das er weitere Kompositionen schrieb. In Leipzig komponierte er innerhalb von sechs Jahren 240 Kantaten, darunter die Kantate 'Wir danken dir, Gott' für die Amtsübernahme des Leipziger Stadtrats am 27. August 1731. Den ersten Satz der Kantate, die Sinfonia, leitete Bach von dem Präludium seiner Partita in E-Dur für Sologeige ab. Der 1835 in Frankreich geborene Camille Saint-Saëns war eines der größten Wunderkinder der Musikgeschichte und einer der vielseitigsten Musiker seines Jahrhunderts. Er wurde von Liszt als größter Organist der Welt gelobt, war Pianist, Dirigent, Musikwissenschaftler und ein in den verschiedensten musikalischen Formen bewanderter Komponist. War Bachs Musik in den ersten hundert Jahren nach seinem Tod nur professionellen Musikern und Kennern bekannt, so verdankte sie ihre Renaissance im Laufe des 19. Jahrhunderts in Frankreich unter Anderen den Bemühungen Saint-Saëns’.

Im Jahre 1717, mit 32 Jahren, wurde Bach Kapellmeister am Hof des Prinzen Leopold von Anhalt-Köthen. Dies waren glückliche Jahre für den Komponisten, der in dem jungen Prinzen einen wahren Freund und Musikliebhaber fand. Leopold spielte selbst mehrere Instrumente, darunter Geige und spielte oft in den Konzerten an seinem Hof mit. In der Köthener Zeit komponierte Bach einerseits bedeutende Klavierwerke, andererseits schuf er Orchestermusik für die Hofkapelle des Prinzen, Kammermusik, die im intimen Rahmen in Anwesenheit des Prinzen aufgeführt wurde, sowie einige Solowerke. Die sechs Sonaten für Violine und Cembalo der Köthener Zeit weisen eine ähnlicbe Textur wie Bachs Triosonaten auf, welche sich durch drei miteinander verflochtenen Stimmen auszeichnen. Das Adagio aus der Sonate in f-Moll über läßt der Violine eine vorwiegend akkordische Struktur, wohingegen das Cembalo für kontinuierliche Bewegung in den darunterliegenden Stimmen sorgt. Dies spiegelt Alexander Silotis Transkription des Adagio wider. Im Jahre 1863 in der Ukraine geboren, studierte Siloti bei Rubinstein und Tchaikovsky in Moskau und anschließend bei Liszt in Weimar. Siloti unterrichtete später selbst am Moskauer Konservatorium, wo sein Cousin Sergey Rachmaninov zu seinen Schülern zählte. Wie Rachmaninov wanderte auch Siloti nach Amerika aus, und verbrachte den Rest seines Lebens im Exil als geschätzter Dirigent und Lehrer an der renommierten New Yorker Julliard School of Music. Siloti starb 1945.

Auch die drei Partiten für Solovioline schrieb Bach in Köthen. Ihr Entstehungsjahr 1720 war für den Komponisten ein unglückliches Jabr, in welchem seine erste Frau Maria Barbara überraschend erkrankte und starb. Gleichzeitig bedeutete Leopolds Hochzeit mit Frederica von Brandenburg, der Bach jedes Kunstverständnis und -interesse abschrieb, ein böses Omen, das ein Ende der idyllischen Vernältnisse am Hof ankündigte. Tatsächlich verlor der Prinz bald sein Interesse an der hervorragenden Hofkapelle, die er drei Jahre später auch auflöste.

Die anspruchsvolle Chaconne aus der Partita in d-Moll ist von vielen Komponisten bearbeitet worden, darunter von Brahms, der eine Klavierfassung für die linke Hand schuf. Die Chaconne ist ein barocker Tanz, der auf Variationen über eine am Beginn vorgestellte Akkordfolge beruht. In Silotis Bearbeitung hebt sich die führende Melodie klar vom Rest der akkordischen Struktur ab.

Die Entstehungszeit der berühmten Toccata und Fuge in d-Moll für Orgel ist umstritten, fällt aber wahrscheinlich in Bachs Frühjahre als Organist in Mühlhausen oder Arnstadt. Der 1873 bayrischen Brand geborene Max Reger war ein Pianist, Organist, Dirigent und Komponist. Er hinterließ Bearbeitungen zahlreicher Werke Bachs für Klavier, darunter die Klavierfassung der Toccata und Fuge, in welcher Reger dem Flügel die Klangfülle der Orgel entlockt.

Die berühmte Passacaglia in c-Moll für Orgel ist ebenfalls ein Frühwerk Bachs. Die Passacaglia war eine barocke Variationsform über eine Melodie, die häufig im Baß, gelegentlich aber auch in den oberen Stimmen erscheinen kann. In Bachs Passacaglia erscheint das Thema zum ersten Mal in den Pedalen, dann folgen zwanzig Variationen und eine Fuge. Der Komponist und Pianist Eugen d’Albert, 1864 geboren, war der Sohn des seinerzeit weltberühmten Konzertpianisten Kalkbrenner. D’Albert, der sich an Liszts Vorbild orientierte, wurde zu Lebzeiten für seine Aufführungen der Bachschen Werke geschätzt, wenngleich er diese Musik zuweilen mit großer Freiheit behandelte. Dasselbe gilt für seine interessanten Bearbeitungen der Bachschen Musik.

Bachs Toccata und Fuge in d-Moll, die Dorische, entstand in Weimar, wo der Komponist neun Jahre lang im Dienst Wilhelm Ernsts angestellt war. Wie sein Name sagt, steht das Werk in der dorischen Kirchentonart. Die dynamische Bandbreite dieses imposanten Werkes vermochte der russische Komponist Dmitry Kabalevsky wirkungsvoll auf den Flügel zu übertragen. Geboren in St. Petersburg im Jahre 1904, war dieser Professor am Moskauer Konservatorium und eine führende Personlichkeit im öffentlichen Musikleben Rußlands, der an der Grundlegung des sogenannten sozialistischen Realismus entscheidenden Anteil hatte.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: E. G.


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