About this Recording
8.553952 - ZIMMERMANN, A: String Quartets Nos. 1-3
English  German 

Anton Zimmermann (1741-1781)

Anton Zimmermann (1741-1781)

String Quartets Nos. 1-3

 

Anton Zimmermann, ein angesehener Zeitgenosse von Haydn und Mozart,  verbrachte den größten Teil seines schöpferischen Lebens in Bratislava (dt. Pressburg, ung. Pozsony). Dort fand er ein ideales kulturelles Umfeld und übernahm bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft zu Beginn der 1770er Jahre eine führende Position im Musikleben der Stadt. Damals die Hauptstadt Ungarns, war Pressburg auch das Zentrum der politischen, wirtschaftlichen, kirchlichen und kulturellen Entwicklung des Landes. Als ein bedeutender Mittelpunkt der europäischen Musikkultur der Zeit bot die Stadt vielen namhaften Komponisten hervorragende Lebensbedingungen und künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten. Der kulturelle Ruf der Stadt lockte zahlreiche prominente Musiker an, und selbst Persönlichkeiten wie Joseph Haydn, Mozart und Beethoven trugen zum künstlerischen Erbe Pressburgs bei.

           

Vermutlich fand Anton Zimmermanns Musikausbildung in Schlesien statt, wo er 1741 in Siroká Niva (Breitenau) geboren wurde. Belegt ist, dass er als Organist am Dom in Hradec Kralové (Königgrätz) wirkte. In Pressburg fand er eine Anstellung in bischöflichen Diensten und einige Zeit später beim ungarischen Primas Kardinal Graf Jozef Batthyányi (1727-1799). Bis zu seinem frühen Tod im Oktober 1781 bekleidete Zimmermann verschiedene Posten, u.a. als künstlerischer Leiter, Dirigent, Violinist und fürstlicher Hofkompositeur.

 

Das Orchester Kardinal Batthyányis genoss im mitteleuropäischen Raum einen hervorragenden Ruf; für dieses Ensemble schrieb Zimmermann einen Großteil seiner Instrumentalmusik. Er hinterließ zahlreiche Werke in fast allen damals gängigen musikalischen Gattungen und Formen. In ihrer Entwicklung am bedeutendsten sind jedoch seine Instrumentalkompositionen, vor allem seine Sinfonien, Konzerte, Sonaten und Kammermusikstücke wie Duos, Trios, Quartette, Quintette und Sextette.

 

Einen wichtigen Teil seines veröffentlichten Oeuvres nimmt die Kammermusik ein. Dazu gehören auch die Sechs Sonaten op. 2 und die Sechs Quartette op. 3, die unter dem Titel SEI / QUARTETTI / per / Due Violini, Viola e Basso / Composti / del Signore / ZIMMERMANN Thedesco. / OPERA IIIa bei Quera in Lyon erschienen. Während die Öffentlichkeit 1770 im Journal de Paris über die Herausgabe der Sonaten op. 2 informiert wurde, scheinen die Quartette op. 3 in der Presse nicht erwähnt worden zu sein. Einzelheiten über das Veröffentlichungsdatum liefert jedoch Breitkopfs Thematischer Katalog: in der Auflistung der 1776-77 veröffentlichten Werke vermeldet das Verzeichnis die Druckausgabe von Anton Zimmermanns Sechs Quartetten op. 3. Diese Ausgabe zählt heute zu den Beständen des Brüsseler Konservatoriums, während die Handschriften im Prager Nationalmuseum, in der Musiksammlung der Nationalbibliothek Wien und im Benediktinerkloster zu Kremsmünster aufbewahrt werden.

 

Anton Zimmermanns Werke sind dem musikalischen Idiom Joseph Haydns stark verpflichtet. Dessen Einfluss zeigt sich nicht nur in den Sinfonien – was bei der Zuschreibung zu Verwechslungen mit Werken des großen Meisters führte –, sondern auch in der Kammermusik. Neben vergleichbarer Melodik lassen sich Verwandtschaften vor allem in den verwendeten Kompositionstechniken und in der Konstruktion der Werkzyklen feststellen. Zimmermann war natürlich nicht der einzige Komponist, der sich von den Beschränkungen der Satzstruktur befreite und sich flexiblerer, eine größere Vielfalt ermöglichender Formelemente bediente.

 

Das Hauptmerkmal von Zimmermanns Kammermusik für Streicher im Vergleich mit anderen Komponisten der Zeit ist die Tendenz zu einem orchestralen Idiom in Struktur und Stil. Die Verwendung orchestraler Stilelemete zeitigte erstaunliche melodische Resultate und führte zu einer Steigerung der Ausdrucksmöglichkeuiten, einer Sparsamkeit der kompositorischen Mittel und einer Präzisierung ihrer Funktionalität. Diese Verfahrensweise gestattete Zimmermann, seine Kammermusik mit neuartigen Effekten zu bereichern und schöpferischen Abweichungen vom gängigen galanten Stil der Kammermusik der Zeit zu realisieren. Diese Einschätzung erfährt ihre Bestätigung in den hier eingespielten ersten drei der Sechs Quartette op. 3, den Quartetten Es-Dur, H-Dur und F-Dur.

 

Darina Múdra

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


Close the window