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8.554053 - VIVALDI: Flute Concertos (Famous)
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Antonio Vivaldi (1678-1741)
Flötenkonzerte

Antonio Vivaldi lebte wie ein Fürst und starb wie ein Bettelmann. Eigentlich war er Priester, zumindest genoß er diese Ausbildung, und im Alter von 25 Jahren ließ er sich auch ordinieren. Der Beiname, den ihm seine Zeitgenossen schon früh gaben, lautete dann auch: "Der rote Priester", wegen seines auffällig roten Haarschopfes. Vivaldis Berufung war aber von Anfang an die Musik, auch wenn er, wie in seiner Zeit üblich, immer sehr eng mit der Kirche verbunden blieb.

Genau wie später der ähnlich fruchtbare Joseph Haydn, hatte auch Antonio Vivaldi so etwas wie ein "Experimentallabor" für seine Kompositionen zur Verfügung. Bei ihm war es das Ospedale della Pietà, eine Stiftung für die Betreuung junger Mädchen, die als Waisen oder unehelich geboren waren. Diese Einrichtung war keineswegs so bedeutungslos, wie es aus heutiger Sicht vielleicht scheinen mag, sondern vielmehr eine der angesehensten Stätten für die Musikausübung im damaligen Venedig. Eine besonders ausgewählte Gruppe von Mädchen genoß eine hochwertige musikalische Ausbildung und war in der Lage, auf einem hohen Qualitätsniveau zu musizieren. Mit dem Ospedale della Pietà blieb Antonio Vivaldi eigentlich zeit seines Lebens mit gewissen Unterbrechungen und mit unterschiedlicher Intensität verbunden. Er war zeitweise als Violinlehrer tätig, später dann auch als Direktor für Instrumentalmusik.

Vivaldis eigentliches Instrument war die Violine, und wenn man den Berichten zeitgenössischer Chronisten Glauben schenken darf, muß er eine phänomenale Technik entwickelt haben. Es ist daher natürlich kein Zufall, daß sein Nachruhm stark auf seine Violinkonzerte gegründet ist. Der Zyklus Die vier Jahreszeiten zählt heute zu den absoluten Bestsellern der Klassischen Musik. Vivaldi setzte seine meisterhaften Fertigkeiten aber auch bei Kompositionen für die verschiedensten anderen Instrumente ein.

Die auf dieser CD eingespielten Flötenkonzerte sind ein Beweis für Vivaldis Beherrschung der Form. Das allein würde aber ihre Beliebtheit nur sehr unzureichend erklären. In erster Linie fasziniert uns auch heute noch die melodische Erfindungskraft, die Fähigkeit zur Produktion von regelrechten „Ohrwürmern“. Die Besetzung der Konzerte variiert wenig, sie sind fast immer für ein oder mehrere Soloinstrumente, Streicher und basso continuo geschrieben. Als Soloinstrument kamen damals in erster Linie die verschiedenen Abkömmlinge der großen Blockflötenfamilie in Frage. Die Piccoloflöte kam dann in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts in Gebrauch. Vivaldi schrieb für beide Formen des Instruments, wobei die damalige Form der Querflöte mit ihrem fast noch völlig fehlenden Klappenmechanismus der Blockflöte zwar in der Beweglichkeit noch unterlegen war, sie aber im dynamischen Umfang bereits übertraf. Alle Konzerte fordern von den Solisten ein großes Maß an Virtuosität in der Beherrschung der Instrumente und dokumentieren damit auch den hohen Stand der Gebrauchsmusik in Venedig zur Zeit Vivaldis.

1997 Heinz L. Zulauf


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