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8.555009 - EVENING IN PARIS (AN)
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Ein Abend in Paris

Seit der allgemeinen Hochstimmung im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts, welche als Belle Époque in die Geschichte eingegangen ist, genießt Paris im allgemeincn den Ruf einer unbckümmerten Stadt mit romantischem Flair - ­eine Assoziation, die in der Musik schon seit langem widerhallt. Wennglcich der Hauptstadt sicherlich eine gewisse, einzigartige Dekadenz anhaftet, so unterscheidet sie sich jedoch als größere Stadtregion nur wenig von ihren europäischen Pendants. Was Paris auszcichnet, ist sein einzigartiger Zauber sowie die in der Luft liegende Nähe zur Mythologie. Beide rühren von der geographischen Lage. den vielen Hügeln, den faubourgs, etwa Montparnasse oder Montsouris, den Lichtern, Kabaretten sowie der Seine her Allabendlich verwandelt sich die Stadt unter den schmachtenden Akkordeonklängen entweder in Parée (die Dosenversion für Touristen) oder aber in Paname, das lebhafte, hypnotisierende und zweifellos auch anrüchige Zuhause der ansässigen Bevölkerung.

des in Monaco geborenen Komponisten und Arrangeurs Leo Ferré (1916­1993) entstand 1953. Zu dieser Zeit erfuhren altbekannte Klischees der Gebrauchsmusik ein stetiges Revival, nicht zuletzt durch eine Reihe französischer Kultstücke der Popmusik bedingt, die seit dem zweiten Weltkrieg sowohl in Frankreich als auch im Ausland zu Bestsellern wurden. Darunter ragen die folgenden vier Stücke heraus, welche besonders in Erinnerung geblieben sind. Der 1913 geborene Sänger und Schauspieler Charles Trenet erzielte 1945 mit La mer seinen größten Hit Der Text zu La vie en rose stammt von der unvergeßlichen Edith Piaf, die Musik von dem Spanier Louis Louiguy. Herbstlauh, welches unter seinem ursprünglichen Titel Les feuilles mortes 1946 ein einschlägiger Erfolg für den Kabarett-Sänger Yves Montand wurde, gelangte auch in der Version des französisch-ungarisehen Joseph Kosma in Zusammenarbeit mit Jacques Prévert zu Ruhm. Mademoiselle de Paris entstand 1948 und stammt von Paul Durand (1908-1977), der auch unter dem Namen Paul Vaudricour bekannt ist.

Seit dem zweiten Kaiseneieh unter Napolcon III. strömt ein stetiger Fluß erfolgreicher Musik aus dem Land, in chronologischer Reihenfolge hier mit zwei weltberühmten Publikumshits des in Dcutschland geborencn Jacques Offenbach (1819-1880) beginnend. Der unbeschwerte Galopp stammt aus der Operette Geneviève de Brahant und die zart schwingende Barkarole, ein Gondellied, in ihrer ursprünglichen fassung aus der Oper Les Conte, de Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen). Nachklänge an die prunkvolle Eleganz der Kaiserzeit aber auch an den deutsch­-französischen Krieg sind in Samhre et Meuse zu hören. Der in Paris geborene Komponist dieses Marsches, Jean-Robert Planquette (1848-1903) war seincrzeit ein berühmter Operettenkomponist, der aber auch zahlreiche Lieder für die Konzcrte der Pariser Kaffeehäuser schrieb.

Durch und durch im Geiste des Kaffeehauses steht die allzeit beliebte Melodie Faszination deren Entstehungsgeschichte in der Tat faszinierend ist. Das Stück stammt angeblich aus der Feder Fermo di Marchettis, der eine Zeit lang Sologeiger am Pariser Varieté-Theater des Elysée-­Palastes war. Er soll das Lied für die Kabarett­-Sängerin Paulette d'Art y geschrieben haben, die es 1905 in der Mailänder Scala aufführte. Gerüchten zufolge soll Maurice Ravel dafür bezahlt worden sein, diese für den Meister ‘unwürdige' Melodie erfunden zu haben, welche darüber hinaus den Untertitel Valse tzigane (Zigeunerwazer) trägt.

Très moutarde klingt zwar durch und durch französisch, wurde aber jenseits des Kanals geboren. Cecil Macklin schrieb diesen Ragtime 1911 in London, dessen Varieté-Charakter im Trend einer Zeit lag, in der in England alles Französische chic war. Das kecke Stück trägt den Untertitel Zu viel Senf.

Der zunehmende Schiffsverkehr über den Atlantik in den 1920-er und 1930-er Jahren hatte einen regen Kulturaustau,ch zwischen Amerika und Frankreich zur Folge. Französisches wurde nun in den USA und umgekehrt Amerikanisches in Frankreich modern. Die kreolische Sängerin und Striptänzerin Josephine Baker war der letzte Schrei im Theater der Champs-Elysées, nachdem sie sich bis auf ihr ceinture dc bananes - und gelegentlich sogar weiter - ausgezogen hatte, und Maurice Chevaliers Chansons wurden umgekehrt Kassenschlager in Hollywood. In der dortigen Tanzszene waren nun die Melodien Padillas, Scottos sowie des in Marseille gebürtigen Raoul Moretti (1893-1954) gefragt, voran sein Unter den Dächern von Paris (Sous les toits de Paris). Zu den Bestsellern des Kabaretts zählten nun auch Montmartre und andere Lieder des Dirigenten und Cembalisten Wal Berg, alias Walter Bergman.

Die kulturelle Nähe zwischen Amerika und Frankreich hat bis in jüngere Zeiten überlebt. Mit Liedern wie Wenn du fortgehst wurde der belgische Autor, Sänger und Songwriter Jacques Brel (1929-1978) in Amerika zu einer Kultfigur. Dasselbe gilt für den 1927 in Toulon geborenen Komponisten und Sänger Gilbert Bécaud, Monsieur 100000 Volt. Bécaud, der in Amerika zum ersten Mal al, Begleiter Jacques Pills' auf Tournee ging, bildete seinen eigenen Stil sowohl Frankie Laine als auch Johnnie Ray nach. Sein Pariser Potpourri schließt seine eigenen Fassungen von Si tu partais (Was nun, meine Geliebte), sowie von Cole Porters I love Paris ein. Bedeutend ist auch der 1932 in Paris geborene Komponist, Dirigent, Pianist und Sänger Michel Legrand. Er ist der Sohn Raymond Legrands (1908-1974), ist aber seit den 1960-er Jahren, seit seinen ersten Besuchen in Hollywood, als Jazzpianist in den USA zuhause, Seine Pariser Natur kann er dennoch nicht verlcugnen. Mit seiner Filmmusik brachte der Komponist einige der einfallsreichsten Themen der 1960-er und 1970-er Jahre hervor. Sein Potpourri-Arrangement für Orchester Dic Welt Legrands schließt unter anderen Hits The Windmills of Your Mind aus The Thomas Crown Affair von 1968 sowie The Summer Knows aus Summer Of '42 des Jahres 1971 ein.

Peter Dempsey

Übersetzung: Eva Grant


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