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8.555020 - STAR WARS AND OTHER SCI-FI CLASSICS
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Star Wars und andere SciFi-Klassiker

Die Musik von John Williams und anderen großen Filmkomponisten

 

Seit undenklichen Zeiten sucht die Menschheit das Unerreichbare, und seit den frühesten Tagen des Kintopp bieten die Erforschung des Weltraums und Zukunftsvisionen für die Filmindustrie eine unerschöpfliche Faszination und Herausforderung. Zur Zeit der vorigen Jahrhundertwende unternahm der Filmpionier Georges Méliès (1861-1936) die ersten Versuche, diese mystischen Elemente miteinander zu verbinden; in den zwanziger Jahren hatte sich dann die “Raumfahr” über Fritz Langs Frau im Mond weiterentwickelt, worauf der Tonfilm den Grund für umfänglichere Heldentaten legte. Seit jener Zeit werden Leinwand und Bildschirm von teils ernst gemeinten, teils weniger ernsten Variationen über Originalthemen oder Bearbeitungen solcher Sujets wie H.G. Wells’ Krieg der Welten überflutet. Für viele Cineasten ist Stanley Kubricks 2001 ... Odyssey im Weltraum (MGM, 1968) nach wie vor die Allegorie des Raumfahrt-Genres überhaupt. Diese monumentale, verschiedentlich als “hypnotisch”, “lasch” oder “Trip ohne LSD” bezeichnete Satire erhielt einen Oscar für ihre visuellen Effekte. Die Filmmusik setzt sich aus verschiedenen Klassikern zusammen und ist vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil darin Richard Strauss’ symphonische Dichtung Also sprach Zarathustra aus dem Jahre 1896 Verwendung fand.

Ohne die Verdienste seiner Vorgänger und Kollegen auf dem Gebiet der Raumfahrt-Musik schmälern zu wollen, so muss man doch sagen, dass der 1937 geborene John Williams als der wichtigste Vertreter der Gattung gilt, seit er 1974 erstmals für Steven Spielbergs üppige, auf dem damals neuesten technischen Stand befindlichen Darstellungen tätig wurde, mit denen die Kinobesucher seit langem vertraut sind. Seine rund achtzig Filmmusiken brachten ihm mehr als fünfunddreißig Nominierungen für den Academy Award, fünf Oscars und sechs British Film Awards - doch das ist längst nicht alles: Seine Kompositionen haben unzählige Fernseh- und Breitwand-Kopien inspiriert, und diese Tatsache spricht für den unlöschbaren Durst der Menschen, daheim und im Kino mit intergalaktischen Fantasien, Konflikten und Superhelden des Raumfahrtzeitalters unterhalten zu werden.

John Towner Williams wurde in New York als Sohn eines Filmstudio-Musikers geboren und wuchs in einer musikalischen Umgebung auf. In seiner Jugend lernte er Klavier, Posaune, Trompete und Klarinette. Als seine Familie dann im Jahre 1948 nach Los Angeles zog, studierte er bei Robert van Epps am University College Orchestrierung und im privaten Unterricht Komposition bei Castelnuovo-Tedesco. Später war er Klavierschüler von Rosina Lhévinne an der New Yorker Juilliard School. Anfang der fünfziger Jahre fand er unter dem Namen Johnny Williams als Jazzer und Studio-Pianist bei verschiedenen Schallplattenlabels regelmäßige Arbeit - unter anderem bei Bethlehem, Kapp, Dot und RCA. Seine ersten Erfahrungen als Komponist, Arrangeur und Dirigent sammelte er beim Fernsehen (mit Serien wie Dezernat M und Wagon Train), bevor er am Ende des Jahrzehntes zur großen Leinwand wechselte: Zunächst schrieb er für United Artists die Musik zu I Passed For White (1960) und Geheime Wege (1961).

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte verwandte der unternehmungsfreudige Williams seine kreative Vorstellungskraft und seinen unternehmerischen Spürsinn auf ein breites stilistisches Spektrum. Zu seinen meistbewunderten frühen Filmkompositionen gehören The Killers (United Artists, 1964), Der Lohn der Mutigen (Warner, 1965), Wie klaut man eine Million? (TCF, 1966), Das Tal der Puppen (Oscar- Nominierung; 20th Century Fox, 1967) und Goodbye, Mr Chips (hier wurde Williams nur als musikalischer Leiter für einen Oscar nominiert; MGM, 1970). In die erste Reihe des Big-Budget-Geschäfts kam er dann 1971 mit der Musik zu Anatevka (United Artists), deren Orchestrierung und Leitung ihm einen Oscar eintrugen. Zu seinen nächsten Erfolgen gehörten eine Reihe von Katastrophen-Filmen, darunter 1972 Die Höllenfahrt der Poseidon (Oscar-Nominierung; TCF) sowie zwei Jahre später Erdbeben (Universal) und Flammendes Inferno (Oscar-Nominierung und British Film Award; TCF). Zum Superstar wurde John Williams, als er selbst für MCA die Titelmusik zu Der weiße Hai aufnahm (Oscar für die “Beste Filmmusik” und British Film Award; Universal, 1975): Damit eroberte er als Komponist und Dirigent die US-Charts.

Doch die größten Taten, die John Williams gewiss unsterblich machen, standen mit dem einzigartigen Kassen- und Schallplattenerfolg der Star Wars (Oscar und British Film Award; TCF, 1977) und ihrer zahlreichen Fortsetzungen noch bevor. In der Titelmelodie verneigt sich der Komponist unverkennbar vor Gustav Holsts Mars, indessen sich in andern Themen Vorläufer wie Arthur Bliss und William Walton spiegeln - und diese Musik hat ihren Platz unter den Dauerbrennern der Filmmusikgeschichte bis heute behauptet (mit seinem TCF-Soundtrack-Album erreichte Williams außerdem die Spitze der US-Charts). Beinahe gleichzeitig entstand Unheimliche Begegnung der dritten Art (Oscar-Nominierung; Columbia, 1977); auch diese erwies sich als ein Blockbuster, und als der Komponist 1978 seine eigene Aufnahme der Titelmelodie herausbrachte, hatte er einen neuen Hit in den Charts.

Auch spätere Filmmusiken haben Kultstatus erreicht, namentlich 1978 Der weiße Hai 2 und Superman 2 (Oscar-Nominierung), 1979 Die Stute und Dracula, 1980 Airplane und die Star Wars-Fortsetzung Das Imperium schlägt zurück (Oscar-Nominierung, British Film Award), 1981 Jäger des verlorenen Schatzes (Oscar-Nominierung), 1982 E.T. - Der Außerirdische (Oscar und British Film Award), 1983 Der weiße Hai 3 und das dritte Star Wars-Spektakel Die Rückkehr der Jedi-Ritter (Oscar Nominierung), 1984 Indiana Jones und der Tempel des Todes (Oscar- Nominierung), 1987 Die Hexen von Eastwick (Oscar- Nominierung), 1988 Das Reich der Sonne (Oscar- Nominierung und British Film Award), und 1990 schließlich Kevin - Allein zu Haus (Oscar- Nominierungen für die Musik und den Besten Song).

John Williams erfährt auch als Komponist nichtfilmischer Werke viel Bewunderung (unter anderem schrieb er zwei Symphonien sowie etliche Kammermusiken und Konzerte). Er war Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra und wurde nach dem Tode Arthur Fiedlers (1894-1979) Dirigent des Boston Pops Orchestra, mit dem er bis zu seinem Abschied im Jahre 1993 regelmäßig seine eigenen Kompositionen unter dem Titel Pops in Space aufführte. In den neunziger Jahren behauptete John Williams seine Führungsrolle durch eine Reihe von Bestsellern, darunter 1993 Schindlers Liste (Oscar und British Film Award), 1995 Nixon (Oscar-Nominierung) und Sabrina (Oscar-Nominierungen für die beste Musik und den besten Song), 1998 Der Soldat James Ryan (Oscar- Nomierung), 1999 Die Asche meiner Mutter (Oscar- Nominierung), 2000 Der Patriot (Oscar-Nominierung) und 2001 Harry Potter und der Stein der Weisen (Oscar-Nominierung). Und wie zum weiteren Beweis zeigte sich 1999 erneut das Interesse an der erprobten und bewährten Williams-Formel für das Intergalaktische, als Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung herauskam: Am ersten Tag spielte der Film an den amerikanischen Kassen 28,5 Millionen Dollar ein, woraus im Laufe der Zeit 430,4 Millionen in den USA und 920 Millionen weltweit wurden.

Durch die immer größere Nachfrage nach Weltraum-Musik ließen sich verschiedene Zeitgenossen von John Williams mehr oder weniger in den Bann des Genres ziehen, um selbst bekannt, mitunter sogar weltberühmt zu werden. Dazu gehören die in Amerika geborenen Laurence Rosenthal (geb. 1926) und Jerry (Jerrald) Goldsmith (1929-2004) sowie der Autor und Produzent Glen A. Larson (geb. 1937), der mit dem Komponisten und Produzenten Stu Phillips (geb. 1926) zusammenarbeitete.

Der aus Detroit stammende Dirigent und Komponist Laurence “Larry” Rosenthal erhielt seine musikalische Ausbildung in Europa. Nach fünfjähriger Tätigkeit als Komponist der US Air Force wurde er Mitte der fünfziger Jahre auch im Kino bekannt. Neben einem Ballett sowie verschiedenen Kammermusiken und Orchesterstücken arbeitete er auch für den Broadway, bevor er später für TV-Miniserien komponierte. Für die Kinoleinwand schrieb er unter anderem 1961 Ein Fleck in der Sonne (Columbia), 1962 Licht im Dunkel (United Artists) und Die Faust im Gesicht (Columbia), 1964 Becket (Oscar-Nominierung; Paramount), 1966 Hotel Paradiso (MGM), 1970 Rivalen des Todes (Harvest), 1972 Der Mann von La Mancha (Oscar-Nominierung, United Artists), 1975 The Wild Party (Associated), 1977 Die Insel des Doktor Moreau (Associated) und 1978 Verstecktes Ziel (MGM). Filmische Ausflüge in den Weltraum und die Science Fiction unternahm er unter anderem 1979 mit dem Katastrophenfilm Meteor (Palladium) und 1981 in dem mythologischen Kampf der Titanen (MGM).

Der Fernsehautor und -produzent Glen A. Larson, eine treibende Kraft hinter vielen amerikanischen Primetime-Shows, machte sich in den fünfziger Jahren zunächst als Sänger einen Namen - und zwar als Mitglied der Four Preps, die ihre drei Goldenen Capitol-Schallplatten für Songs von Larson erhielten. Als Absolvent der Hollywood High School wurde Larson später als Executive Producer hochkarätiger “Familien-Unterhaltung” weithin bekannt. Nachdem er mit Quinn Martin zusammengearbeitet hatte, unterschrieb er in den frühen siebziger Jahren bei den Universal Studios, wo er unter anderem die TVSerienhits Alias Smith And Jones und Der Sechs- Millionen-Dollar-Mann produzierte. Weitere humorvolle und lukrative Fernsehproduktionen folgten: Buck Rogers im 25. Jahrhundert (1979), Ein Colt für alle Fälle (1981), Knight Rider (1982) und One West Waikiki (1994). Seine erfolgreichste und zugleich umstrittenste Arbeit für den Bildschirm war freilich Kampfstern Galactica (1978) mit der Titelmusik und Realisation von Stu Phillips, der seit 1974 sein normaler Koproduzent bei Universal war.

Der aus der ursprünglichen Fernsehserie “zusammengeflickte” Kinofilm Kampfstern Galactica (Universal, 1979) und seine TV-Fortsetzungen schwammen auf der Erfolgswelle von Star Wars und kamen so bald nach diesen Vorbildern, dass der Plagiatsvorwurf nicht zu vermeiden war. George Lucas, Autor und Produzent der Star Wars sowie Hersteller von Computerspielen, führte bekanntermaßen eine vergebliche Klage wegen der vermeintlichen Verletzung des Urheberrechts. Kampfstern Galactica und seine mannigfachen, nicht auf den Bildschirm beschränkten Seitentriebe haben diese und andere finanzielle Misshelligkeiten in den letzten Jahrzehnten überlebt. 2003 erlebte das Konzept als TV-Miniserie seine Auferstehung (Larson figurierte dabei als “Beratender Produzent”) und wurde zunächst auf dem amerikanischen Sci Fi Channel ausgestrahlt. Die Fortsetzung der Fernsehserien war im Oktober 2004 auf Sky One in Großbritannien und im Januar 2005 in den USA auf Sci Fi zu sehen. Ein besonders greifbarer Spross dieser neuen Visualisierungen kam 2006 bei Dynamite Entertainement in Gestalt einer Comic-Serie heraus.

Peter Dempsey
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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