About this Recording
8.555029 - CHRISTMAS FESTIVAL
English  French  German 

A Christmas Festival

Richard Hayman and His Orchestra

Sicherlich mag es immer schon einen “Markt” für Weihnachtsmusik gegeben haben. Kommerzielle Formen im modern en Sinn des Wortes nahm dieser jedoch erst seit der Erfindung des Grammophons in den 1890-er Jahren an, in jüngerer Zeit verstärkt durch die süβlichen Gesänge etwa Bill Crosbys oder Gene Autrys mit ihren Bands, welche unsere Weihnachtseinkäufe allerorts berieseln. Zwar reicht die Weisheit, daβ man zur Weihnachtszeit spielen und Spaβ haben soli, bis ins Elisabethanische Zeitalter zurück, jedoch ist für den feierlichen Ton dieser Festtage auch ein gewisses Maβ an ernsterer Musik gefragt. Das derzeitige Angebot an kommerziellen Einspielungen spiegelt eine andauernde Renaissance kirchlicher und weltlicher Musik der Zeit Iohann Sebastian Bachs (1685-1750) sowie noch früherer Epochen wider. Davon abgesehen sind auch Lieder sowie pastorale und eingängige Themen der klassischen Musik aus alter Tradition ängst allseits erhältlich.

Für letztere ist Schafe können sicher weiden ein Musterbeispiel. Es handelt sich hierbei um ein durch zwei Blockflöten oder Querflöten begleitetes Rezitativ mit Arie aus der weltlichen Kantate Was mir behagt. Dieses Stück eignet sich nicht nur für den weihnachtlichen Rahmen und wurde in den 1930-er Jahren als Gesangsstück wiederentdeckt und fortan in verschiedene Fassungen für Orchester oder Klavier umgearbeitet. Besonders bekannt ist die von der Pianistin Myra Hess eingespielte Version. Weihnachtlich klingt auch das Kirchenlied Mein Jesu, was für Seelenweh (BWV 487) von J. S. Bach. Im Geiste dieses weit über seine Zeit hinaus als “Vater der Harmonielehre” gefeierten Meisters steht auch das folgende Gebet an die Gottesmutter, Ave Maria. Im Jahre 1859 von Charles Gounod (1818-1893) komponiert, spielt dieses auf das sphärische Element des ersten Präludiums aus Bachs Wohltemperiertem Klavier an, dessen Akkordbrechungen in stetiger harmonischer Metamorphose dahinflieβen. Gounods beliebtes Zugabenstück für Sänger eignet sich auch als Solostück für die Geige.

Zu den Vorzeigestücken der gängigen, barocken Weihnachtsmusik zählt natürlich auch Georg Friedrich Händels (1685-1759) Hallelujah, der berühmte Schluβchor aus dem Finale seines Oratoriums Messias, ein Meisterwerk des Jahres 1742. Zu Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Drei deutschen Tänzen gehört die Schlittenfahrt, während die 1755 entstandene musikalische Schlittenfahrt aus der Feder seines Vaters Leopold (1719-1787) stammt. Die alte Tradition der Schlittenfahrten hat in der Musik bis in die Moderne überlebt, etwa in den programmatischen Stücken des im englischen Bradford geborenen Tondichters Frederick Delius (1862-1934) sowie in der Musik des russischen Pianisten und Komponisten Sergei Prokofieff (1891­-1953). Delius bezieht sich mit seiner Schlittenfahrt aus Eine Winternacht des Jahres 1889 auf seinen Aufenthalt in Florida. Prokofieffs Troika entstand 1933 als Suite für den Film Oberleutnant Kijé.

Zur Palette traditioneller Weihnachtsmusik zählen heute auch Arrangements alter Melodien, die teils folkloristischen Ursprungs sind. Andere hingegen sind offensichtlich kommerzieller, haben sich aber als musikalisches Allgemeingut eingebürgert.

Zur ersten Gruppe gehören die folgenden vier Titel. Christmas Festival ist ein Sammelsurium beliebter Weihnachtsmelodien, arrangiert von dem in Massachusetts geborenen Dirigenten Leroy Anderson (1908-1975). Greensleeves, entstammt der auβergewöhnlichcn kulturellen Blütezeil im England Elisabeths I. während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, O Sanctissima - in Deutschland als O du fröhliche bekannt -stammt dagegen aus dem 18. Jahrhundert. Wie auch die drei vorhergehenden Lieder ist die ukrainische Volksmelodie Carol of the Bells (Glockenmelodie) hier in einer Version des Dirigenten Richard Hayman eingespielt.

Durch die Veränderungen des Weltklimas sind weiβ verschneite Weihnachten heute sicher seltener, als sie früher einmal waren - mit Ausnahme Ruβlands. Der Reiz einer verschneiten Weihnachtslandschaft, die sich auf Karten immer besser macht als auf den Autostraβen, bleibt in unserer Vorstellung dennoch ungetrübt. Zweifellos verfügte der Komponist Alexander Glasunow (1865-1936) über eine seltene Gabe, die eingeschneite Landschaft seiner russischen Heimat in Töne zu verwandeln, etwa in Winter, den ersten vier Variationen seines 1899 entstandenen Balletts Die Jahreszei1en.

Peter Dempsey

Übersetzung: Eva Grant


Close the window