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8.555325 - GRANADOS, E.: Piano Music, Vol. 5 (Riva) - Escenas Poeticas / Azulejos / Oriental
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Klaviermusik Band 5

Enrique Granados wurde 1867 im katalanischen Lérida geboren. Er studierte Klavier an der Academia Pujol, wo er mit sechzehn Jahren den ersten Preis im Klavierwettbewerb gewann. Daraufhin begann er seinen Kompositionsunterricht bei Felipe Pedrell. Dieser lehnte die in Spanien vorherrschende italienische Schule ab und propagierte die Entwicklung einer auf der Volksmusik Spaniens beruhenden Tonkunst. Granados finanzierte sich sein Studium durch privates Stundengeben und Musizieren in Kaffeehäusern. Er erkannte, daß er seine künstlerischen Ziele in seinem Heimatland nicht erreichen würde und setzte sein Studium im Jahr 1887 in Paris fort. Bei seinem dortigen Klavierlehrer Charles de Bériot perfektionierte Granados seine Klangbildung, Pedaltechnik sowie die Kunst des Improvisierens.

Zurück in Barcelona veröffentlichte Granados seine Danzas Españolas, welche ihm die internationale Konzertbühne eroberten. Er konzertierte im Laufe seiner Karriere in Spanien, Frankreich und New York und arbeitete mit solch erstrangigen Künstlern wie Isaac Albéniz, Pablo Casals, Jacques Thibaud und Camille Saint-Saëns zusammen. Als Komponist hinterließ er neben seinem umfassenden Klavierwerk auch Kammermusik, Vokalwerke, Opern und sinfonische Dichtungen. Granados war aber auch ein hervorragender Pädagoge und gründete die Academia Granados, die berühmte Musiker hervorbrachte.

Im Jahre 1912 lernte Granados den Pianisten Ernest Schelling kennen, der seine Musik im Ausland aufführte und ihn ermutigte, seine Klaviersuite Goyescas in eine Oper umzuarbeiten. Obwohl Granados eine scheinbar unüberwindbare Angst vor dem Meer hatte, reiste er vier Jahre später per Schiff zur Uraufführung dieser Oper nach New York. Auf der Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert, wobei Granados und seine Frau ums Leben kamen.

Granados schrieb ein Mal, daß es immer sein Motto gewesen sei, auf kurzlebige Lorbeeren zugunsten wahrer und dauerhafter Errungenschaften zu verzichten. Heute zählt Granados zu den größten Komponisten Spaniens. Seine Musik hat viele Facetten, kann aber als romantische Musik mit nationalistischen Zügen beschrieben werden. Von seinen Zeitgenossen liebevoll Unser Schubert genannt, wird er von der Nachwelt als der spanische Chopin und gelegentlich auch als der letzte Romantiker erinnert. Er schuf eine individuelle Tonsprache, die sich mit keiner anderen vergleichen lässt.

Granados wurde in erster Linie durch die europäische Romantik des 19. Jahrhunderts beeinflußt, insbesondere durch Chopin und Schumann. Die üppigen und gleichzeitig feinsinnigen Harmonien, seine große Palette an pianistischen Klangfarben, die formale Freizügigkeit und seine lebhafte Phantasie, der eine Spur Nostalgie anhaftet, reihen den Komponisten eindeutig in die romantische Schule ein. Oft wurde bemerkt, dass Granados sich in den großen Formen der Sonate oder Sinfonie nicht heimisch fühlte. In der Tat gedieh seine Kunst in den kürzeren und rhapsodischen, insbesondere den auf die Variation aufbauenden Formen besser.

Am elften März 1910 spielte Granados in Barcelona eines der legendären Konzerte seiner Karriere, bei welchem er neben seinem eigenen Meisterwerk Goyescas (Naxos 8.5544043) als Tribut an den Komponisten Isaac Albéniz auch dessen Azueljos, DLR VI:3 aufführte. Dieses von Albéniz unvollendete Werk hatte Granados auf Wunsch von Albéniz` Witwe fertiggestellt. Dabei blieb er der Tonsprache seines verstorbenen Kollegen treu, welche die Wärme und Mystik der Kachelmosaike Azeljos einfängt.

Valse de concert, DLR VII:9, entstand wahrscheinlich um die Jahre 1909 oder 1910 und wurde 1914 veröffentlicht. Das Manuskript zu A la pradera, DLR III:24 ist undatiert, stammt der Handschrift zufolge jedoch vermutlich aus der Zeit um 1900. Das Stück ist monothematisch, weist aber für seine Kürze überraschend viele harmonische Varianten dieses Themas auf.

Die stilistische Vielfalt der einzelnen Escenas Poéticas, DLR: 10 deutet darauf hin, dass sich die Entstehungszeit dieser poetischen Stimmungsbilder über einen langen Zeitraum erstreckt. Berceuse entstand 1912 und ist der ältesten Tochter des Komponisten, Soledad, gewidmet. Eva Y Walter entstand offensichtlich unter dem Einfluss von Wagners Oper Die Meistersinger, welche 1905 in Barcelona uraufgeführt wurde. Das empfindsame Canción de Margarita deutet auf den Einfluss von Goethes Faust hin, wohingegen Recuerdo de países lejanos an Schumanns Tonsprache anklingt. In El ángel de los claustros wird der imaginäre Flug eines Engels wiederholt durch einen Choral unterbrochen.

Als Inspirationsquelle zum nachromantischen Sinnieren in Sueños del poeta muss Granados das in den veröffentlichten Noten gedruckte Gedicht eines unbekannten Autors gedient haben:

En el jardín de los cipreses y las rosas,

Apoyado en el pedestal de mármos blanco, esperando su hora,

A su lado, y acariciando so frente

Vela la Musa.

(Im Rosen- und Zypressengarten,

An einen Marmorsockel gelehnt, auf die Stunde wartend,

schlief der Dichter...

An seiner Seite, seine Stirn berührend,

stand die Muse.)

Granados ließ sich in einigen Werken durch den Fernen Osten inspirieren. Damit lag er im Trend einer Zeit, in welcher der Orient, genauer die arabisch sprachigen Länder, eine anhaltende Faszination auf Musiker, Künstler und Schriftsteller des Westens ausübte. Ein Großteil dieser orientalischen Werke wurde hier eingespielt.

Die Fantasia-Cheherazada, DLR V:11, welche hier als Ersteinspielung vorliegt, ist in einem Manuskript des Jahres 1912 erhalten. Dieses enthält zwei Sätze, von welchen allerdings nur der erste vollendet ist.

Arabesca, DLR III:16 und Canción morisca , DLR III:15 wurden um das Jahr 1890 in der Zeitschrift La Ilustración Moderna (Die Moderne Aufklärung) veröffentlicht. Granados komponierte diese beiden Stücke, ebenso zum ersten Mal eingespielt, sicherlich für die Amateurpianisten seiner Zeit.

Canción árabe, DLR III:14 und Moresque, DLR III:13 entstanden ebenso um das Jahr 1890 und sind der Mutter des Komponisten gewidmet.

Granados` Beschäftigung mit dem Orient gipfelte schließlich in den Jahren 1900 und 1901 in seinem Meisterwerk Oriental - Canción variada, Intermedio, Final (Orientalisch - Thema mit Variationen, Intermezzo, Finale), DLR I:5. Für das Intermezzo wählte der Komponist die ungewöhnliche Tempobezeichnung Lento, espressivo molto, tempo de danza árabe (langsam, sehr ausdrucksvoll, im Tempo eines arabischen Tanzes), mit welcher er die gewünschte Atmosphäre für das Stück festlegte. Granados führte dieses Werk, welches er seinem Schüler Juan Marqués widmete, nur selten auf, und es steht bis heute im Schatten seiner anderen orientalischen Werke.

Douglas Riva

Deutsche Fassung E.G.

Die gesammelten Klavierwerke von Enrique Granados wurden im Jahre 2001 durch den spanischen Verlag Editorial Boileau S.A. in Barcelona veröffentlicht. Diese Ausgabe wurde durch die Pianistin Alicia de Larrocha revidiert und durch Douglas Riva zusammengestellt.


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