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8.555332 - TCHAIKOVSKY: None but the Lonely Heart
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Pjotr Iljitsch Tchaikovsky hinterließ ein umfassendes Gesamtwerk von über hundert Liedern, welches allerdings mit wenigen Ausnahmen von europäischen Sängern vermieden wird. Der Komponist scheint sich schon in jungen Jahren an dieser Kunstform versucht zu haben. Als Vierjähriger vertonte er etwa Unsere Mama in St. Petersburg zusammen mit seiner älteren Schwester Sasha. Weitere Versuche fallen in seine Schulzeit an der St. Petersburger Rechtsschule, bis er sich dem Genre mit 29 Jahren schließlich ernsthaft widmete. Er hatte inzwischen sein Musikstudium am St. Petersburger Konservatorium abgeschlossen und lehrte nun an dessen Pendant in Moskau. Die Liedersammlung von 1868 wurde als Opus 6 veröffentlicht und schließt Vertonungen von drei russischen und drei deutschen Gedichten ein. Ihr zweites Stück Nicht ein Wort, oh mein Freund nach Moritz Hartmann trauert dem geschwundenen Glück nach. Melancholisch ist auch die Liedfassung von Heinrich Heines Warum sind dann die Rosen so blass, Opus 6 Nr.5 gestimmt. Das Abschlusslied dieser Sammlung zählt zu Tchaikovskys bekanntesten Liedern. Es basiert auf der russischen Übersetzung von Goethes Nur wer die Sehnsucht kennt aus Wilhelm Meister, welche zahlreiche Komponisten seit Beethoven und Schubert als Liedtext reizte.

In den Jahren 1874 und –75 stellte Tchaikovsky eine weitere Sammlung aus sechs Liedern fertig, welche als Opus 25 veröffentlicht wurde. Das Erste Wiedervereinigung vertont ein russisches Gedicht von Shcherbina. Von Lev Mey stammen die Worte des orientalisch anmutenden, vierten Lieds. Dieses handelt von der Sultanin Zuleika, welche sich mit ihrem eingekäftigten Vogel unterhält, der sich ebenso wie sie selbst nach Freiheit sehnt. Von der großen Nachfrage nach Liedern profitierend, komponierte Tchaikovsky 1875 einen weiteren Liedzyklus, der ebenfalls aus sechs Liedern bestand und von Jurgenson veröffentlicht wurde. Das letzte Lied des Opus 27 Mein verwöhnter Liebling vertont Meys Verse nach einem Werk des polnischen Patrioten Mickiewicz, der so einschlägig auf Chopin eingewirkt hat. Das Lied schwankt zwischen einer polnischen Mazurka und einem Walzer, und besingt das Verlangen eines Mannes, seine Geliebte wieder und wieder zu küssen.

Auch das folgende Opus 28, ebenfalls aus sechs Romanzen bestehend, stammt von 1875. Die Dritte Warum träumte ich von Dir? nach einem Text von Mey spinnt das Leiden des Liebenden aus einem einzigen Thema fort. Die vierte Romanze Er liebte mich so sehr beruht auf Worten von Tchaikovskys Freund Alexey Apukhtin. Für das letzte Lied schrieb Tchaikovsky seine eigenen Worte, welche das Leiden eines Mannes beschreiben, der auf die Antwort seiner Geliebten wartet.

Es folgt die Vertonung eines Textes von Mey, eine russische Fassung von Heinrich Heines Ich wollt’ meine Schmerzen ergössen. Dieses Lied komponierte Tchaikovsky für die beliebte Zeitschrift Nouvelliste.

Es sollte nun drei Jahre dauern, bis Tchaikovsky sich auf einen neuen Liederzyklus einließ. Sein Leben hatte sich in der Zwischenzeit drastisch verändert. Im Jahre 1877 hatte er Antonina Miljukowa geheiratet, eine Frau, welche er kaum kannte und in deren Gegenwart er es kaum aushalten konnte. Die Ehe überlebte nur wenige Wochen, und Tchaikovsky, nun an Depressionen leidend, unternahm bald darauf einen Selbstmordversuch. Oft ist spekuliert worden, dass Tchaikovsky in der Tat nur heiratete, um seine homosexuellen Neigungen zu vertuschen. Eine glückliche Wendung nahm Tchaikovskys Schicksal, als ihm die betuchte Witwe Nadezhda von Meck als Gönnerin einen jährlichen Unterhalt anbot, allerdings unter der Bedingung, dass die Beiden sich niemals persönlich kennenlernen sollten. Tchaikovsky konnte nun seine Lehrstelle am Moskauer Konservatorium aufgeben und sein Leben ausschließlich der Komposition widmen. Das Opus 38 entstand 1878, auf Nadezhda von Mecks Landgut Brailov, wo Tchaikovsky in Abwesenheit der Besitzerin eine Zeit lang residierte. Für das Walzerlied Im Rausch des Balles wählte er einen Text von Alexey Tolstoy, während er für Pimpinella seine eigenen Verse dichtete. Diese wurden durch ein Volkslied inspiriert, das der Komponist in Florenz von einem jungen Straßensänger namens Vittorio gehört hatte. Vittorios Schönheit und Stimme sollen den Komponisten ergriffen haben.

Zwei Jahre später präsentierte Tchaikovsky seinem Verleger eine Sammlung aus sieben Liedern, Opus 47. Das erste Lied dieser Sammlung Wenn ich nur gewusst hätte nach Tolstoys Worten skizzierte der Komponist auf dem Landgut seiner Schwester, Kamenka. Auf Nadezhda von Mecks Landsitz Simaki stellte er es im Juli des Jahres fertig. Im Mittelpunkt des Liedes stehen die verletzten Gefühle eines jungen Mädchens, das - berauscht von der Ansicht eines jungen Ritters - zusehen muss, wie dieser fort reitet, ohne ihr gewahr zu werden. Das letzte Lied der Sammlung War ich nicht ein schmaler Grashalm setzt ein Gedicht von Ivan Surikov, der nicht lange vor der Entstehungszeit des Lieds gestorben war. Tchaikovsky orchestrierte dieses Lied später. Er widmete die Liedersammlung der Sängerin Alexandra Panayeva, die sein Bruder Anatoly umschwärmte.

Eine neue, aus sechs Romanzen bestehende Sammlung schuf Tchaikovsky im Jahre 1884, das Opus 57. Sie beginnt mit Sag, was im Schatten der Zweige singt die Nachtigall des Frühlings nach Worten von Vladimir Sollogub. Das Lied ist Fyodor Komissarzhevsky gewidmet, der in Tchaikovskys Oper Der Schmidt Vakula die Hauptrolle gesungen hatte. Es besingt die Liebe als Heil allen Übels und klingt an die Oper Mazeppa an, die zusammen mit Eugen Onegin zu dieser Zeit auf den Bühnen zu sehen war.

Zwei Jahre später entstand das Opus 60, welches zwölf Lieder enthält und der Kaiserin auf ihren eigenen Wunsch hin gewidmet ist. Das sechste Lied Nacht des Wahns basiert auf einem Gedicht von Apukhtin und das Achte Vergib auf Nikolay Nekrassovs Worten. Für das Neunte Nacht sowie das Zehnte Hinter dem Fenster im Schatten wählte Tchaikovsky Texte des Dichters Yakov Polonsky. Diese Lieder beschäftigen sich alle mit den Freuden und Schmerzen der Liebe.

Die vorliegenden Transkriptionen der Lieder Tchaikovskys schließen mit dem Arrangement eines Liedes aus dem Opus 63 des Komponisten ab. Die Worte für dieses Lied stammen aus der Feder des Großfürsten Konstantin Romanov, der auch der Widmungsträger dieses Werkes ist. In Ich öffnete das Fenster, beschwört der Gesang der Nachtigall die Sehnsucht eines Reisenden auf seine vermisste Heimat herauf.

Deutsche Fassung E.G.


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