About this Recording
8.555786 - BEETHOVEN: Cello Sonatas No. 3, Op. 69 and Op. 64
English  French  German 

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Werke für Violoncello und Klavier, Folge 2

Ludwig van Beethoven, geboren 1770 in Bonn, war der älteste Sohn eines Hoftenoristen im Dienst des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten und der Enkel des ehemaligen erzbischöflichen Kapellmeisters, dessen Namen er annahm. Die Familienverhältnisse waren nicht besonders glücklich: nicht nur ließen die sängerischen Leistungen von Beethovens Vater nach, sondern auch seine Kontrolle über den Haushalt, und seine Frau nahm jede sich bietende Gelegenheit wahr, gehässige Vergleiche mit seinem Vater anzustellen. Der junge Ludwig erhielt dennoch die Gelegenheit, sein musikalisches Talent zu entwickeln; schon bald trat er als Organist sowie als Bratschist im kurfürstlichen Orchester in den Dienst des Erzbischofs, der in Bonn residierte. Nachdem er sich in seiner Heimatstadt bereits einen Namen gemacht hatte, reiste Beethoven 1787 nach Wien, um dort bei Mozart zu studieren. Die Erkrankung seiner Mutter zwang ihn jedoch zu einer frühen Rückkehr, und nach ihrem Tod oblag ihm angesichts der zunehmenden Untauglichkeit seines Vaters die Erziehung seiner jüngeren Brüder. 1792 ging er erneut nach Wien, um nun seine musikalischen Studien bei Haydn abzuschließen, den er in Bonn kennen gelernt hatte.

Beethoven dankte seinen frühen Erfolg in der Donaustadt nicht zuletzt auch der Tatsache, dass er dort seinen Wohnsitz nahm. Er wurde mit führenden Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft bekannt gemacht, sodass er in der Lage war, sich beim kunstsinnigen Bürgertum schon bald als außerordentlich talentierter Pianist sowie als Meister der Komposition und Improvisation zu etablieren. So musste sein um die Jahrhundertwende beginnendes Gehörleiden wie eine Ironie des Schicksals erscheinen. Diese Krankheit, die schließlich zur vollständigen Ertaubung führte, verhinderte eine Virtuosenkarriere und ließ ihn gänzlich die Komponistenlaufbahn einschlagen, während deren er eine Vielzahl umwälzender Neuerungen in der herrschenden Musikpraxis zuwege bringen sollte. Die Taubheit schien seine exzentrischen und paranoiden Anlagen nur noch zu verstärken, die sich im Laufe der Jahre ins Extreme steigern sollten. Gleichzeitig gestattete sie ihm aber, seine kontrapunktischen Fähigkeiten bis zur Perfektion zu entwickeln. Er begann die von seinen Vorgängern — vornehmlich Haydn und Mozart — übernommenen Modelle zu revolutionieren und sie bis an ihre Grenzen zu expandieren. Sein Tod im Jahre 1827 löste in Wien öffentliche Trauer aus.

1796 hatte sich Beethoven auf eine Konzertreise begeben, deren Stationen in etwa der Route folgten, die Mozart 1789 mit weniger einträglichem Erfolg genommen hatte, und die ihn über Prag, Dresden und Leipzig nach Berlin führte. In Potsdam lagen die Hofkonzerte seit 1787 in den Händen des Cellisten Jean-Pierre Duport, dem Lehrer des cellospielenden Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II., dem Neffen Friedrichs des Großen. Mit ihm führte Beethoven dort vermutlich seine zwei neuen Violoncellosonaten auf, für die er vom König mit einer goldenen Schnupftabakdose entlohnt wurde. Die Sonaten erschienen 1797 als Opus 5 mit einer Widmung an den König im Druck. In der selben Zeit entstanden zwei Variationsreihen für Violoncello und Klavier: eine über ein Thema aus Händels Oratorium Judas Maccabaeus und die andere über ein Thema aus Mozarts 1791 entstandener Oper Die Zauberflöte. Die Variationen wurden 1797 bzw. 1798 in Wien veröffentlicht. Ein Mädchen oder Weibchen wird in der Oper vom Vogelfänger Papageno gesungen, eine Rolle, deren Uraufführungs-Darsteller der Schauspieler und Theaterdirektor Emanuel Schikaneder war, von dem auch das Libretto der Zauberflöte stammt. Papageno, der nicht nach der Weisheitslehre strebt, die seinem Reisegesellen Tamino nach schweren Prüfungen zuteil wird, kennt nur einen Wunsch: ein passendes Weib zu finden. Die eigentliche Melodie ist älteren Ursprungs, entweder als Choral oder als Volkslied, und sie wird von Beethoven mit der ihm inzwischen eigenen Leichtigkeit variiert.

Über die Datierung von Beethovens Streichtrio

op. 3 gehen die Meinungen auseinander; vermutlich schrieb er es vor 1794, wenn nicht bereits vor 1792 in seiner Bonner Zeit. F.G. Wegeler gibt in seinen Erinnerungen an den Komponisten von 1838 das Jahr 1795 als Entstehungsdatum an und vermutet, dass es das Produkt eines Streichquartettauftrags war. Das Werk erschien 1796 in Wien in einer Druckausgabe, und Beethoven begann es als Klaviertrio-Fassung zu skizzieren. Die Sonate Es-Dur für Violoncello und Klavier, die entweder vom Komponisten oder vom Verleger die Opusnummer 64 erhielt, sorgte für weitere Kontroversen. Als effektive Bearbeitung des Streichtrios erschien die Sonate erstmals 1807 im Wiener Verlagshaus Artaria, aber ihre Authentizität wurde weithin in Zweifel gezogen. Die Titelseite der Artaria-Ausgabe verdeutlicht den Herkunftsanspruch: Grande Sonate pour le Forte-Piano avec accompt. de Violoncelle obbligé (tiré du Grand Trio pour le Violon Oeuv. 3me), par Louis van Beethoven No. 64, ohne jedoch zu behaupten, dass die Bearbeitung vom Komponisten selbst stammt. Von der Satzanzahl her verrät die Sonate ihren Ursprung vom Divertimento. Das eröffnende Allegro con brio ist in Sonatensatzform gestaltet; ihm folgt ein ähnlich strukturiertes F-Dur-Andante. Zum ersten der beiden Menuette gehört ein As-Dur-Trio, dem ein Adagio in derselben Tonart folgt. Zur urprünglichen Tonart Es-Dur kehrt das zweite Menuett zurück, dessen Trio in c-Moll steht. Die Sonate endet mit einem Rondo, dessen Hauptthema kontrastierende Episoden einrahmt. Die kunstvolle Bearbeitung spricht zumindest dafür, dass der Komponist dieses Werk genehmigte, das unter seinen Augen veröffentlicht wurde.

Die 1808 entstandene Sonate A-Dur op. 69 widmete Beethoven dem mit ihm befreundeten Freiherrn von Gleichenstein, einem Amateurcellisten, der ihn in geschäftlichen Fragen beriet, indem er z.B. 1809 seine Pension von einer Gruppe von Mäzenen regelte. Zusammen mit Beethoven umwarb er die Schwestern Anna und Therese Malfatti; seine Heirat mit ersterer im Jahre 1811 bedeutete das Ende seiner engen Freundschaft mit dem Komponisten. Im Autograph der Sonate stehen die Worte Inter lacrymas et luctus (Unter Tränen und Kummer), wovon jedoch in der Musik wenig zu spüren ist. Das Violoncello eröffnet den ersten Satz im tiefen Register; über den Orgelpunkt E führt es zur Übernahme des weitgespannten Themas durch das Klavier. Danach werden die Rollen vertauscht, bevor beide Instrumente die Vorstellung des Nebenthemas übernehmen. Dieses Material wird in einem Zentralabschnitt durchgeführt, bevor das Hauptthema in der Reprise zurückkehrt, gespielt vom Violoncello mit Triolenläufen im Klavier. Der zweite Satz ist ein fünfteiliges Scherzo. Sein a-Moll-Hauptteil geht ohne Wiederholung in ein A-Dur-Trio über, folgt diesem und wird vom ihm abgelöst, bevor es den Satz beendet. Wie in einigen der Klaviersonaten gibt es keinen ausgewachsenen langsamen Satz, sondern nur ein kurzes E-Dur-Adagio, das unmittelbar in den Allegro vivace überschriebenen Finalsatz überleitet, der vom Hauptthema beherrscht wird, das — ebenso wie das zweite Thema — vom Violoncello vorgestellt wird. Das erste liefert die Substanz für die zentrale Durchführung und den Schlussabschnitt der Sonate.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


Close the window