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8.555788 - WAGNER, R.: Scenes from Lohengrin and Siegfried
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Richard Wagner (1813-1883)

Richard Wagner (1813-1883)

Szenen aus „Lohengrin“ und „Siegfried“

 

Richard Wagner wurde im Jahre 1813 in Leipzig geboren. Er war anerkanntermaßen der Sohn des Regierungsbeamten Carl Friedrich Wagner und deren Frau Johanna; sein natürlicher Vater scheint aber in Wirklichkeit der Schauspieler Ludwig Geyer gewesen zu sein, der Johanna kurz nach Carl Friedrichs Tod heiratete. Wagners Ausbildung war sporadisch, am zusammenhängendsten noch in Dresden, wo er in den Bann von Weber und dessen Freischütz, der ersten großen deutschen romantischen Oper, geriet. Wieder zurück in Leipzig, war ihm der Kontakt zu seinem Onkel Adolf von großem Nutzen, der ein sehr belesener Mann war und ihm vieles über die griechische Tragödie, die italienischen Klassiker, die Werke Shakespeares und natürlich über die deutsche Literatur erzählte. Beeindruckt von den Aufführungen des berühmten Gewandhausorchesters und von Beethovens Oper Fidelio, die er 1829 zum ersten Mal hörte, begann er, sich intensiver mit Musik zu beschäftigen. Er lieh sich Bücher und Noten aus der Musikbibliothek von Friedrich Wieck, dem späteren Lehrer und Schwiegervater von Robert Schumann, und nahm Privatunterricht an der Thomasschule, wo J.S. Bach ein Jahrhundert früher gewirkt hatte.

           

Wagners spätere Karriere verlief turbulent. Das Geld, das er verdiente, reichte nie für seine ehrgeizigen Vorhaben aus. Geradezu draufgängerisch und rücksichtslos verfolgte er seine Idee, eine neue Musikform, die Musik der Zukunft zu schaffen: eine Folge großer Musikdramen, in denen alle Künste vereinigt werden. Er wirkte zunächst als Dirigent an der eher mittelmäßigen Magdeburger Oper, heiratete die Sängerin Minna Planer, ging nach Königsberg und wenig später nach Riga. Von dort aus flüchtete er vor seinen Gläubigern per Schiff über England nach Paris. Auch hier blieb der Erfolg aus. Die erhoffte Anerkennung fand er schließlich in seiner Heimat Sachsen; in Dresden wurde seine Oper Rienzi erfolgreich uraufgeführt, und er bekam eine offizielle Anstellung am Königshof. Seine unverhohlene Sympathie mit den Ideen der Revolution zwang ihn, 1849 aus Sachsen zu fliehen, zunächst zu Liszt nach Weimar, dann in die Schweiz. Die Schwierigkeiten wurden nicht weniger; er war politisch verdächtig, seine Gläubiger beobachteten ihn ständig, und durch seine Gewissenlosigkeit in seinen Beziehungen zu Frauen hatte er sich zusätzlich Feinde gemacht. Der Schutz, der ihm später durch König Ludwig II. von Bayern gewährt wurde, verschaffte ihm eine Atempause; dennoch, sein Verhältnis zu Liszts Tochter Cosima, der Frau des bayerischen Hofdirigenten Hans von Bülow, und seine wachsende Unbeliebtheit in München trieben ihn wieder ins Exil in die Schweiz. Einmal mehr war es König Ludwig, durch dessen Unterstützung Wagner ein Festival begründen konnte, das ausschließlich seinem Schaffen gewidmet war. Die ersten Bayreuther Festspiele fanden im Jahre 1876 statt; sie waren Wagners letzter Triumph, trugen jedoch nichts dazu bei, seinen wachsenden Schuldenberg abzutragen.

           

Wagner starb im Jahre 1883 während eines Aufenthalts in Venedig. Seine Person und sein Schaffen wurden zu seinen Lebzeiten und noch weit über seinen Tod hinaus so fanatisch verehrt wie gehasst. Als bedeutendste Leistungen Wagners sind seine gewaltigen Meisterwerke für das Theater anzusehen, so der Epenzyklus Der Ring des Nibelungen, sowie seine Erweiterung der traditionellen Harmonik und Formgebung in der Musik.

           

Die Oper Lohengrin wurde im Jahre 1850 in Weimar uraufgeführt, unter der Leitung von Franz Liszt, der Wagner bei seiner Flucht aus Dresden geholfen hatte. Das Werk beginnt damit, dass König Heinrich der Vogler Gerichtstag hält und Telramunds Anklage gegen Elsa von Brabant anhört. Telramund, der ihr nach dem Tod ihres Vaters als Vogt gedient hat, beschuldigt sie, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben, um die Herrschaft über das Land an sich zu bringen. Der König ordnet einen Zweikampf auf Leben und Tod an, dessen Ausgang die Schuld oder Unschuld Elsas ans Licht bringen soll. Elsa erklärt, für sie werde ein Ritter streiten, den sie im Traum gesehen hat. Nachdem der Heerrufer die Kämpfenden herbeigerufen haben und Elsa inbrünstig um Gottes Beistand gebetet hat, sieht man ein Boot herannahen, das von einem Schwan gezogen wird; aus dem Boot steigt ein unbekannter Ritter. Er besiegt Telramund im Kampf, schenkt ihm aber das Leben. Telramund, der vom König geächtet wird, gibt seiner Frau und Mitverschwörerin Ortrud die Schuld an seinem Unglück. Ortrud, die eine Heidin und der Zauberei kundig ist, erzählt ihm, dass die Macht des Ritters gebrochen werden könnte, wenn man ihn dazu brächte, seinen Namen preiszugeben. Es gelingt ihr, das Mitleid Elsas zu gewinnen und gleichzeitig in ihr Zweifel an der Herkunft des geheimnisvollen Ritters zu erwecken. Ein Heerrufer verkündet, dass Telramund mit der Acht belegt worden ist und dass der Ritter zum Ehemann Elsas und Herrscher über Brabant bestimmt worden ist. Telramund fordert den Ritter auf, seinen Namen und Stand zu nennen. Dieser weigert sich und bittet Elsa nochmals, ihm zu vertrauen. Angeführt vom König, schreitet der Zug zur Hochzeit.

           

[1] Das Vorspiel zum dritten Akt stellt die Hochzeitsfeier dar. 2 Der König und seine Männer geleiten Lohengrin, die Frauen des Hofes Elsa zum Brautgemach, bevor sie die beiden allein lassen. [3] Sie gestehen sich einander ihre Liebe. [4] Lohengrin erklärt ihr seine Gefühle, die ihn dazu bewogen haben, für sie zu streiten; sie aber kommt wieder auf das Geheimnis um seinen Namen zurück. [5] Er bittet sie eindringlich, das Geheimnis zu akzeptieren, so wie die Düfte, die vom Garten zu ihnen herein wehen. [6] Elsa möchte sich ihm wert erweisen, indem auch sie sich für ihn in Gefahr begibt; sie möchte das Wissen um seinen Namen, hinter dem sich irgendeine Gefahr verbergen muss, mit ihm teilen. [7] Lohengrin erinnert sie an ihr Versprechen, niemals nach seinem Namen zu fragen, und versichert sie, er sei adliger Herkunft. [8] Elsa ist durch seine Worte nur um so mehr beunruhigt; sie befürchtet, er werde sie verlassen und in das edle Reich zurückkehren, aus dem er gekommen ist. Sie stellt sich vor, der Schwan, der ihn hergebracht hat, warte schon darauf, ihn wieder fortzuführen. Schließlich stellt sie ihm die Frage; sie will seinen Namen wissen. [9] In diesem Augenblick stürzen Telramund und vier seiner Getreuen mit gezogenen Schwertern herein; Lohengrin aber streckt Telramund mit einem Schwert, das ihm Elsa gibt, nieder; die anderen Ritter ergeben sich. Er führt Elsa, die einer Ohnmacht nahe ist, zu einem Sofa und befiehlt den anderen Rittern, Telramunds Leiche zum Hof des Königs zu bringen. Elsas Dienstmädchen trägt er auf, sie vor den König zu führen, wo er ihre Frage nach seiner Identität beantworten will.

           

In der Schlussszene sind Heer und Volk vor dem König versammelt. Lohengrin lehnt den Auftrag ab, die königlichen Truppen im Krieg anzuführen. Er enthüllt Telramunds Leiche und verteidigt seine Tat; ihm widerfährt Gerechtigkeit. Er klagt Elsa an, ihr Wort gebrochen zu haben, und erklärt seine Herkunft; er sei ein Ritter des heiligen Grals. Bevor er Abschied nimmt, erzählt er Elsa, ihr Bruder sei am Leben; er sei durch Ortruds magische Kräfte, wie diese behauptet, in einen Schwan verwandelt worden. Gottfried wird erlöst, Lohengrin zieht in seinem Boot, das nun von einer Taube gezogen wird, davon, und Elsa sinkt leblos in die Arme ihres Bruders.

           

Siegfried ist der dritte Teil der großen Ring-Tetralogie Wagners und wurde im Jahre 1876 in Bayreuth uraufgeführt. Zu Beginn des Werkes sitzt Mime in seiner Felsenhöhle im Wald beim Feuer und schmiedet ein Schwert. Er beklagt sich darüber, dass seine Arbeit kein Ende nehmen will - eigentlich seien seine Schwerter selbst für Riesen gut genug, nur Siegfried breche sie immer entzwei, wie Kinderspielzeug. Wenn es ihm gelänge, die Klinge des großen Schwertes Nothung zusammenzuschmieden, könnte Siegfried damit den Drachen Fafner töten, und er, Mime, könnte den Ring der Nibelungen an sich bringen. Während er so weiter beim Arbeiten klagt, kommt Siegfried fröhlich aus dem Wald. Er führt einen Bären mit sich, den er zum Spaß auf Mime loslässt; dieser versteckt sich angstvoll. Siegfried lässt den Bären wieder frei, und dieser trottet in den Wald. Siegfried erzählt, er habe im Wald einen Freund gesucht, sein Horn geblasen, und der Bär habe sich ihm angeschlossen. Nun nimmt er das Schwert, das Mime für ihn geschmiedet hat, und prüft es mit kritischen Augen. Er schlägt mit dem Schwert auf den Amboss; es zerbricht in Stücke. Er beschimpft Mime wegen seines schlechten Handwerks, dieser wiederum wirft Siegfried Undankbarkeit vor; er, Mime, habe sein Leben lang für ihn gesorgt, und zum Dank werde er nichts als gehasst. Siegfried gibt zu, er habe viel von Mime gelernt, nur nicht, ihn zu mögen. Tatsächlich mag ihn Siegfried nicht leiden, er sieht stets nur das Böse in ihm und ist lieber bei den Tieren als bei ihm. Mime versucht ihm näherzukommen und beteuert, er liebe ihn von Herzen und sei ihm Mutter und Vater; Siegfried aber hat sein eigenes Spiegelbild gesehen und keinerlei Ähnlichkeit mit Mime erkennen können. Siegfried fragt ihn, wer seine wahren Eltern seien. Mime erklärt, er selbst sei gar nicht mit ihm verwandt, aber er habe Sieglinde im Wald gefunden, wie sie einen Knaben zur Welt brachte, und habe ihr aus Mitleid Schutz gewährt. Sie sei gestorben, und er habe sich um das Kind gekümmert. Auf Siegfrieds Frage antwortet Mime, die Mutter habe bestimmt, das Kind solle Siegfried heißen, und der Name der Mutter sei Sieglinde gewesen. Das Schwert habe sie ihm hinterlassen. Siegfried befiehlt Mime, das Schwert auf der Stelle ney zu schmieden und droht ihm. Mit dem Schwert wolle er in die Welt hinaus gehen, frohgemut und frei, und nie wieder zurückkehren. Er stürzt in den Wald hinaus. Mimes Rufen bleibt vergeblich; schließlich kehrt er zu seinem Amboss zurück und versinkt in Gedanken über die Unmöglichkeit, das Schwert wieder herzustellen und Siegfried gegen Fafner kämpfen zu lassen.

           

In der folgenden Szene kommt Wotan aus dem Wald, verkleidet als Wanderer, mit einem Speer als Wanderstab. Er bittet Mime um Gastfreundschaft, dieser jedoch will ihn nicht aufnehmen. Der Wanderer schlägt vor, Mime solle ihm drei Fragen stellen - wenn er sie beantworten könne, bestehe er auf sein Gastrecht, wenn nicht, gebe er sein Leben in Mimes Hand. Mime willigt ein und fragt ihn zunächst, wer unter der Erde lebe. Der Wanderer erwidert, es seien die Nibelungen, die durch die Kraft eines magischen Rings gezwungen seien, immer größere Schätze für Alberich zusammenzutragen, der damit die Welt beherrschen will. Auf Mimes zweite Frage, wer auf der Erde lebe, antwortet er, es seien die Riesen. Die Riesen Fasolt und Fafner hätten den Nibelungenschatz geraubt, Fafner habe dann seinen Bruder ermordet und sich in einen Drachen verwandelt, als der er nun den Schatz bewache. Auch Mimes dritte Frage, wer über der Erde wohne, beantwortet der Wanderer. Die Götter seien es, die in den wolkenverhangenen Höhen wohnen, und ihr Herrscher sei Wotan in Walhall. Er habe einen Speer, und in diesen seien die Verträge eingeschnitzt, die die Nibelungen und die Riesen den Göttern auf ewig untertan machen. Mimes Fragen seien gar nichts gewesen, sagt der Wanderer, aber nun müsse auch Mime seinen Kopf verpfänden gegen drei Fragen des Wanderers. Er fragt zuerst nach dem Namen des Geschlechts, über das der Zorn Wotans gekommen ist, obwohl dieser es liebt. Mime antwortet richtig, es sei das Geschlecht der Wälsungen; Siegmund, Sieglinde und deren Sohn Siegfried. Nun fragt der Wanderer, welches Schwert Siegfried führen müsse, um Fafner zu töten. Mime erwidert, es sei Nothung, und ohne sich zu bedenken erzählt er die Geschichte des Schwerts. Es sei durch Wotans Speer zerbrochen worden und müsse von einem kunstreichen Schmied wieder hergestellt werden, damit es von einem jungen Helden zu seinem, Mimes, Vorteil, benutzt werden kann. Wer es denn sein werde, der die Trümmer des Schwertes wieder zusammenfügt, will der Wanderer wissen. Diese dritte Frage kann Mime nicht beantworten. Damit hat er sein Leben verwirkt; es gehöre demjenigen, der es fertig bringt, Nothung neu zu schmieden, und der das Fürchten nicht kennt, sagt der Wanderer lächelnd zu ihm und zieht davon. Mime sinkt angstvoll auf seinem Schemel nieder.

           

[10] Bebend schaut er in den Wald hinaus, der nun von einem magischen Licht erhellt wird, das näher zu kommen scheint. Mit einem Aufschrei bricht er hinter seinem Amboss zusammen. Siegfried kommt vergnügt herein, sieht sich nach Mime um und fragt ihn, als er ihn erblickt, warum er sich hinter dem Amboss verstecke. Er fragt nach dem Schwert. Mime denkt an die Worte, dass nur derjenige das Schwert schmieden kann, der die Furcht nie kennengelernt hat, und beschließt, ihn das Fürchten zu lehren, um dadurch sein eigenes Leben zu retten. [11] Siegfried fragt ihn, was Furcht denn sei. Mime erzählt ihm, die Mutter habe gesagt, er müsse lernen, was Furcht ist, bevor er in die Welt hinaus gehen kann. Er beschreibt ihm die Schrecken der Finsternis im Walde, die seltsamen Geräusche und geheimnisvollen Lichter, die ihn zittern machen. [12] Siegfried weiß nichts von all diesen „Schrecken”; so beschließt Mime, ihn zu Fafner zu bringen, der ihn das Fürchten schon lehren werde. [13] Mime gesteht ein, dass er das Schwert nicht schmieden kann; so nimmt Siegfried selbst die Trümmer des Schwertes, feilt sie ab und facht das Feuer an, bis es heiß glüht. Mime erkennt nun, dass es Siegfried sein wird, durch dessen Hand er sterben wird. Dennoch entschließt er sich, Siegfried zu benutzen, um den Drachen Fafner zu töten, und dann zu versuchen, den Ring in seine Hände zu bekommen. [14] Siegfried, der nun den Namen des Schwertes erfahren hat, besingt es, während er es neu schmiedet; er beschreibt, was er tut, und wie er im Wald einen Baum gefällt hat, der nun im Schmiedeofen lodert. [15]-[16] Während der Held frohgemut weiterarbeitet, bereitet Mime einen giftigen Trank, den er Siegfried geben will, nachdem dieser Fafner besiegt hat. [17]-[18] Freudig am Werk, gebietet Siegfried seinem Hammer, recht gut zu schlagen und singt weiter sein Lied, während Mime seinen eigenen Plänen nachgeht. Schließlich ist das Schwert fertig, Siegfried nimmt es und schlägt damit auf den Amboss. Der Amboss bricht entzwei; triumphierend hält Siegfried Nothung in die Höhe.

           

Im weiteren Verlauf der Oper belauert Alberich die Höhle Fafners; dem hinzutretenden Wotan droht er, die Götter zu stürzen, mit Hilfe desselben Ringes, den Wotan selbst einst Fafner als Lohn gegeben hat. Mime und Siegfried erscheinen; Mime bleibt zurück, während Siegfried mit seinem Hornruf Fafner weckt. Siegfried kämpft mit dem Drachen und besiegt ihn; bevor Fafner stirbt, warnt er Siegfried vor Mime. Das Blut des Riesen auf seiner Hand verleiht ihm die Fähigkeit, die Sprache der Vögel zu verstehen; sie raten ihm, in Fafners Höhle zu gehen und den Nibelungenschatz, die Tarnkappe und den Ring, der ihm die Macht über die ganze Welt geben wird, an sich zu bringen. Durch die Kraft des Drachenblutes kann er nun auch Mimes Gedanken lesen; er erkennt dessen Arglist und tötet ihn. Von dem Vogel erfährt er von Brünnhilde, die er erwecken und befreien wird; auf dem Weg zu ihr wird er den Speer Wotans zerbrechen und damit dessen Macht endgültig zerstören.

 

Keith Anderson

 

Deutsche Fassung: Tilo Kittel

 


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