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8.555789 - WAGNER, R.: Scenes from Tristan und Isolde and Gotterdammerung
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Richard Wagner (1813-1883)

Richard Wagner (1813-1883)

Szenen aus Tristan und Isolde und Götterdämmerung

 

Das Bild Richard Wagners im Spiegel seiner Zeit war von Extremen gekennzeichnet. Im Laufe seiner in vielerlei Hinsicht widersprüchlichen Karriere enttäuschte er Freunde und Gönner und erwies sich beim Verfolgen seiner Ziele als skrupelloser Opportunist. Seine charakterlichen Schwächen hinderten ihn jedoch nicht daran, einen geradezu hypnotischen Einfluss auf seine unmittelbaren Nachfolger auszuüben, und sein Lebenswerk – eine revolutionäre Form des Musiktheaters, in dem Dichtung, Theater und Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen – hat bis heute nichts an Faszination eingebüßt.

 

Bereits als Schulknabe in Leipzig ließ sich Wagner von Beethovens Neunter Sinfonie inspirieren, während Shakespeares Dramen ihn zu literarischen Ambitionen ansporten. Auf ein Musikstudium in Leipzig folgte 1833 ein erstes Engagement als Chordirektor am Theater in Würzburg, wo sein älterer Bruder als Tenorsolist auftrat. Im Jahr darauf trat Wagner als Musikdirektor der Bethmannschen Theatertruppe in Lauchstädt bei. Dort lernte er die Schauspielerin Minna Planer kennen und folgte der Truppe auf ihren Wunsch nach Magdeburg, wo er seine Tätigkeit mit Unterbrechungen während der nächsten zwei Jahre ausübte. Im Sommer 1836 folgte er Minna nach Königsberg, wo sie eine Anstellung am Theater gefunden hatte, und im November ließ er sich mit ihr trauen. Am 1. April 1837 übernahm er den Musikdirektorenposten am Königsberger Theater. Von dort führte ihn sein Weg als Musikdirektor nach Riga, wo Minna nach einer zwischenzeitlichen Periode der Untreue reumütig zu ihm zurückkehrte. Wagners Anstellung in Riga endete 1839, als er vor seinen Schuldnern fliehen musste und auf abenteuerlichem Seeweg über Norwegen und London schließlich sein Wunschziel Paris erreichte.

 

Während er in der französischen Metropole durchaus nützliche musikalische Erfahrungen sammeln konnte, gestaltete sich der Lebensunterhalt als äußerst schwierig. Mit der Hilfe Meyerbeers gelang es ihm schließlich, seine Opern Rienzi 1842 an der Dresdner Hofoper aufführen zu lassen. Dort folgte 1843 auch die Uraufführung des Fliegenden Holländer sowie die Berufung zum Kgl. Sächsischen Hofkapellmeister. Diesen Posten behielt Wagner bis 1849, als er, wegen seiner Beteiligung an den revolutionären Unruhen steckbrieflich gesucht, die Flucht in die Schweiz ergriff. Die dortigen Exiljahre – mit Unterbrechungen in Paris, Venedig und Wien – brachten eine zunehmende Anerkennung seines kompositorischen Schaffens und in einem Moment der tiefsten finanziellen Not die Unterstützung durch Ludwig II. Auf Veranlassung des Bayernkönigs konnte Wagner die großen Werke seiner Reifezeit nun in München aufführen lassen, bevor Rivalitäten ihn zu einer erneuten Flucht zwangen. Über Marseille (wo ihn die Nachricht vom Tod seiner Frau erreichte, von der er seit Jahren getrennt gelebt hatte) gelangte er nach Tribschen bei Luzern. In München hatte Wagner Franz Liszts Tochter Cosima (die Ehefrau des berühmten Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow) kennengelernt. Sie folgte ihm mit den gemeinsamen Töchtern Isolde und Eva in sein Schweizer Exil. Ein Jahr vor ihrer Scheidung von Hans von Bülow gebar sie Wagner einen Sohn, Siegfried. 1870 heiratete das Paar. Danach richtete Wagner seine Aufmerksamkeit auf den Bau eines eigens für die Aufführung seiner Tetralogie Der Ring des Nibelungen bestimmten Opernhauses im fränkischen Bayreuth. Finanzielle Hilfe erhielt er dabei erneut von Ludwig II. 1876 erlebte der Ring im Bayreuther Festspielhaus seine Uraufführung – nachdem die beiden ersten Werke dieses Zyklus, Das Rheingold und Die Walküre bereits 1869 bzw. 1870 entgegen dem ausdrücklichen Willen des Komponisten auf königlichen Befehl in München uraufgeführt worden waren, was zu einer jahrelangen Verstimmung zwischen Ludwig und Wagner geführt hatte). Im Sommer 1882 folgte im Festspielhaus die Uraufführung des Parsifal. Den Winter verbrachte der Komponist mit seiner Familie wie bereits in den Jahren zuvor in Italien. Er starb er im Februar 1883 in Venedig.

 

Nach seiner Flucht aus Dresden bezog Wagner sein „Asyl“ auf dem grünen Hügel von Zürich, das ihm der Bankier Otto Wesendonk, der ihn in großzügiger Weise unterstützte, zur Verfügung gestellt hatte. Dort entspann sich zwischen dessen Frau Mathilde und Wagner ein intimes Verhältnis, das schließlich von Minna aufgedeckt wurde. Diese häusliche Intrige bildet, zumindest in Ansätzen, den Hintergrund des Liebesdramas Tristan und Isolde, in dem Tristan seinen Herrn König Marke verrät, dessen irische Braut Isolde er ihm als Werber über das Meer nach Cornwall bringt. Auf der Überfahrt verfallen Tristan und Isolde durch einen ihnen von Isoldes Dienerin Brangäne gereichten Trank einander selbstvergessen in Liebe.

 

[1] Der zweite Akt spielt an einem Sommerabend vor Isoldes Gemach im Garten von Markes Schloss. Der König ist mit seinem Gefolge ausgeritten; aus dem Hintergrund erschallt noch der Klang der Jagdhörner. Isolde erwartet Tristan voll Sehnsucht: mit dem Verlöschen der Fackel soll Brangäne ihm das verabredete Zeichen geben. [2] Verzückt lauscht Isolde den Klängen der Nacht; Brangänes Warnung, dass die Jagdgesellschaft noch zu nahe sei, um Tristan zu empfangen, entgegnet sie: [3] nicht Hörnerklang klinge so hold, sondern das Rieseln der Quelle. Brangäne warnt Isolde vor Melot, der als Tristans vermeintlicher Freund das nächtliche Jagen nur beschlossen habe, um das Paar auf frischer Tat zu überraschen. Sie klagt sich selbst als Auslöserin allen Übels an, indem sie Tristan und Isolde den Liebestrank gereicht habe. [4] Isolde jedoch behauptet, allein der Zauber der Liebe habe sie mit Tristan zusammengeführt. Voller Ungeduld löscht sie selbst die Fackel und gibt damit dem Geliebten das vereinbarte Zeichen. Brangäne besteigt die Zinne, um dort über der Zusammenkunft der Liebenden zu wachen.

 

[5] Tristan eilt in Isoldes Arme. Beide empfinden ihre Liebe als Traum. [6] Sie beklagen ihre Trennung und besingen den Gegensatz von „böser Ferne“ und „holder Nähe“. [7] Im „tückischen Tag“, der Tristan blendete, als er nach Irland zog, um Isolde für Marke als Braut zu werben, erblicken sie den härtesten Feind. [8] Isolde wirft dem Tag vor, sie dazu verleitet zu haben, Tristans und ihren eigenen Tod zu ersehnen. [9] Tristan preist die Nacht und den vermeintlichen Todestrank, der ihnen nach dem trügerischen Tage die Liebe gebracht habe. Isolde erblickt in dem falschen Trank den Grund dafür, dass Tristan in seiner Hoffnung auf den Tod dem Tag wiedergegeben wurde. [10] Sie sehen sich als „Nachtgeweihte“, die der Tag zwar zu täuschen, aber nicht zu trennen vermochte. [11] In ekstatischer Entrücktheit stimmt das Paar seinen Hymnus auf die Nacht der Liebe an. [12] „Herz an Herz“ und „Mund an Mund“ schließen Tristan und Isolde den Bund, vor dem die „Welt erbleichen“ muss. [13] In ihrer Traumverlorenheit nehmen sie Brangänes Warnruf („Einsam wachend in der Nacht“) nicht wahr. [14] Nur im Tod glauben Tristan und Isolde ewig miteinander verbunden sein zu können. [15] Ihre Liebe sehen sie von Todesstreichen unbedroht. [16] In dieser Liebe erblicken sie die Unzertrennbarkeit ihres Daseins selbst durch den Tod. [17] Als sie sich im Preise des gemeinsamen Liebestods vereinen, erklingt noch einmal, das Nahen des Tages verkündend, Brangänes Ruf. [18] Tristan und Isolde sind vom Gedanken einer ewig währenden Nacht überwältigt und steigern sich [19] zu einem ekstatischen Liebeshymnus.

 

[Die folgende Szene beginnt mit dem Angstschrei Brangänes. Kurwenal, Tristans Vertrauter, stürzt mit einem „Rette dich, Tristan“ herein. Auf dem Fuße folgen ihm Marke und Melot. Der König, der Tristans Verrat nicht zu fassen vermag, bricht in eine erschütternde Klage aus. Tristan, in die Wirklichkeit zurückgebracht, bleibt die Antwort auf das „Warum“seines Handelns schuldig. Mit der Frage an Isolde, ob sie bereit sei, ihm in das Land der Nacht zu folgen, stürzt er sich in Melots Schwert und fällt schwer verwundet in Kurwenals Arme.]

 

Götterdämmerung, das Schlussstück der Ring-Tetralogie, wurde 1876 in Bayreuth uraufgeführt. Das Werk erreicht seinen abschließenden Höhepunkt im dritten Akt, als Brünnhilde für ihren erschlagenen Helden Siegfried einen Scheiterhaufen errichten lässt, auf dem sie mit ihm den Tod teilt.

 

Siegfried, der die von Wotan auf einem von Feuer umloderten Felsen in Schlaf versenkte Walküre Brünnhilde erweckt und zu seiner Frau gemacht hat, ist von Hagen erschlagen worden. [20] In ihrem Schlussgesang fordert Brünnhilde die Mannen auf, einen Scheiterhaufen für Siegfried zu errichten und seinen Leichnam darauf zu betten. [21] Erst der „Reinste“ musste alle Eide brechen und sie verraten, um sie wissend werden zu lassen. [22] Mit ihrem wiedergewonnenen Wissen werde sie Wotans Raben zur Ruhe des Gottes heimsenden. [23] Von Siegfrieds Hand nimmt sie den Ring, um ihn mit ihrer eigenen Asche den Rheintöchtern zurückzugeben. [24] Sie schleudert eine Fackel in den Holzstoß und befiehlt Wotans Raben, um auf dem Heimflug am noch lodernden Walkürenfelsen einzuhalten und Loge den Weg nach Walhall zu weisen. [25] Sie besteigt ihr Ross Grane und sprengt in den brennenden Scheiterhaufen. [26] Der Rhein schwillt an und tritt über die Ufer. Hagen stürzt sich in die Fluten, um sich des Rings zu bemächtigen, doch die Rheintöchter ziehen ihn mit sich in die Tiefe. Im Hintergrund erglüht Walhall in Feuerbränden. Durch Brünnhildes Liebesopfer ist die Welt vom Fluch erlöst.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs

 


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