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8.555797 - Pearl Fishers and Other Famous Operatic Duets
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Die Perlenfischer

Die Perlenfischer

Beliebte Opernduette

 

Das Opernduett erlangte im neunzehnten Jahrhundert vor allem in der italienischen Oper große Bedeutung. In diesem Gesangsstück für zwei Stimmen konnten die großen Gefühle von Liebe und Hass, Freundschaft und Rivalität innerhalb eines vorgegebenen Formmusters zum Ausdruck gebracht werden. [1] Das „Perlenfischer-Duett“,  nach dem die vorliegende Einspielung betitelt ist, stammt aus der 1863 von Georges Bizet komponierten Oper Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer). Im Mittelpunkt der in Ceylon angesiedelten Handlung stehen die Perlenfischer Zurga (Bariton) und Nadir (Tenor), die sich einst in die schöne Brahma-Priesterin Leïla verliebten und im Duett des ersten Akts, Au fond du temple saint (In der Tiefe des heiligen Tempels) ihre alte Freundschaft erneuern. Nadir und Leïla finden zueinander, doch ihre durch die Berufung der Priesterin verbotene Liebe wird entdeckt. Sie werden zum Tode verurteilt. Zurga aber überwindet seine Eifersucht und verhilft den beiden zur Flucht.

 

Drei Duette dieses Programms stammen aus Giacomo Puccinis weltberühmter Oper La bohème, die 1896 in Turin uraufgeführt wurde. Vier junge Künstler teilen sich eine Bleibe in einer Mansarde im Pariser Quartier Latin. In Abwesenheit der Freunde lernt der Dichter Rodolfo seine schwindsüchtige Nachbarin, die Näherin Mimì, kennen. [2] Ihre Herzen finden in dem leidenschaftlichen Duett O soave fanciulla (O süßes Mädchen) zueinander. Monate später trennen sie sich, und auch Rodolfos Freund, der Maler Marcello, und dessen Geliebte Musetta,  sind auseinander gegangen.

[5] Im vierten und letzten Bild sinnen die beiden Freunde wehmütig über ihre Verflossenen nach: In dem Duett In un coupé (In einem Gespann) will Rodolfo die vornehm herausgeputzte Musetta in einem Wagen mit Pferden und Dienern gesehen haben, während Marcello erzählt, er habe Mimì in einem ebenso königlichen Aufzug gesehen. Dieses Schlussbild endet mit der Rückkehr der sterbenskranken Mimì und ihrem stillen Tod. Bereits im dritten Bild kündigt sich das tragische Ende an: Marcello lebt mit Musetta in einer Schänke an einer Zollschranke der Stadt. An einem kalten Wintermorgen kommt Mimì dorthin, um Rat zu suchen. 8 Sie findet Marcello, Speravo di trovar ti qui (Ich hoffte, dich hier zu finden), von dem sie erfährt, wie er und Musetta zur Zeit leben. Mimì weiß, dass Rodolfo sie liebt, aber durch seine krankhafte Eifersucht macht er sich und ihr das Leben schwer. Als Rodolfo aus der Schänke tritt, verbirgt sie sich und hört, wie er dem Freund sein Leid klagt: er müsse sich von der kranken Mimì trennen, da er nicht die Mittel habe, für sie zu sorgen.

 

Berühmt wurde auch das „Blumenduett“ aus Léo Delibes Oper Lakmé. Das 1883 in Paris uraufgeführte Werk mit seinem exotisch-indischen Libretto handelt von Lakmé, der Tochter des Brahma-Priesters Nilakantha, die sich in den englischen Offizier Gérald verliebt. Der Priester, der das Heiligtum der Götter durch den Fremden verletzt sieht, verwundet Gérald mit dem Dolch. Im Wald pflegt Lakmé den Offizier. Als sie jedoch erfährt, dass seine Ehre ihm gebietet, dem Regiment zu folgen, vergiftet sie sich. [3] Das Duett des ersten Akts, Dôme épais, le jasmin (Üppiger Baldachin von Jasmin), singen Lakmé und ihre Dienerin Mallika in ihrem idyllischen Tempelgarten.

 

Giuseppe Verdis La traviata, uraufgeführt 1853 in Venedig, handelt von der Liebe Alfredo Germonts zu der Pariser Halbweltdame Violetta Valéry. Sie verlässt ihn, als sein Vater ihr die gesellschaftliche Unmöglichkeit ihrer Verbindung vorhält. Erst als es bereits zu spät ist und die an Schwinducht erkrankte Violetta nur noch wenige Stunden zu leben hat, findet das Paar wieder zusammen. [4] Im Duett Un dì felice (An einem glücklichen Tag) aus dem ersten Akt gesteht Alfredo Violetta seine Liebe, während sie ihm zu bedeuten sucht, dass sie nur Freundschaft zu bieten habe.

 

In Puccinis 1904 in Premiere gegangener Oper Madama Butterfly begegnen sich im japanischen Nagasaki die junge Geisha Cio-Cio-San und der leichtfertige amerikanischen Marineoffizier Pinkerton, der „Butterfly“ nach landesüblichem Recht, das dem Mann jederzeit die Lösung der Verbindung gestattet, zur Frau nimmt, ohne die echten Gefühle der Geisha wahrzunehmen. Für ihn sagt sie sich von ihrem Glauben los und wird dafür bei der Hochzeit von ihrer Familie verstoßen. [6] In dem Duett Viene la sera (Es kommt der Abend) besingen Butterfly und der Pinkerton, der sie bald verlassen wird, ihr vermeintliches Glück.

 

1832 war das Jahr der Mailänder Uraufführung von Gaetano Donizettis Oper L’elisir d’amore (Der Liebestrank). Die Geschichte handelt von der Liebe des naiven Bauernburschen Nemorino zu der Pächterin Adina und von dem Quacksalber Dulcamara, durch dessen „Elixir“ Nemorino Adina für sich zu gewinnen hofft. Als Adina sich dem Sergeanten Belcore zuwendet, lässt sich Nemorino [7] in Venti scudi (Zwanzig Taler) als Soldat anwerben, um vom Handgeld einen weiteren Liebestrank zu kaufen. Als Adina davon erfährt, gibt sie nach und kauft ihn aus der Armee frei.

 

Tosca, das von der Duplizität politischer Ereignisse und Mord handelnde Musikdrama, vollendete Puccini im Jahr 1900. Die berühmte Sängerin Floria Tosca wird durch ihre Liebe zum Maler Cavaradossi in dessen Beziehungen zu revolutionären Kräften verwickelt. Der gefürchtete Polizeichef Scarpia verspricht ihr, den Maler, den er inhaftiert hat, nur zum Schein erschießen zu lassen, wenn sie sich ihm hingibt. Tosca gibt vor, auf sein Angebot einzugehen, doch als er von ihr Besitz ergreifen will, stößt sie ihm ein Messer in die Brust. Aber Tosca hat sich getäuscht: die Erschießung Cavaradossis ist echt. Verzweifelt stürzt sie sich von der Engelsburg in den Tod. Im ersten Akt der Oper arbeitet Cavaradossi in der Kirche Sant’Andrea della valle an einem Altarbild, als der Revolutionär Angelotti im Gotteshaus Zuflucht sucht. [9] Als kurz darauf Toscas Stimme außerhalb der Kirche ertönt (Mario!Mario! Mario!), kann Cavaradossi ihm noch rechtzeitig zur Flucht verhelfen, bevor die Diva die Kirche betritt. Aufgrund der Stimmen, die sie gehört hat, regt sich Toscas Eifersucht, doch der Maler beruhigt sie und verabredet sich mit ihr für den Abend in seiner Villa.

 

Im Mittelpunkt der verworrenen Handlung von Verdis 1862 entstandener Oper La forza del destino (Die Macht des Schicksals) stehen Alvaro und der Bruder seiner Geliebten Leonora, Don Carlo, deren Vater er durch ein tragisches Versehen getötet hat. Im Krieg treffen die beiden Offiziere sich wieder. Alvaro hat Carlo, dessen Identität ihm verborgen bleibt, das Leben gerettet, wird aber selbst verwundet. Jahre später begegnen sie sich erneut. Carlo hat Alvaro in einem Kloster ausfindig gemacht und fordert ihn zum Duell, bei dem Carlo stirbt, nicht aber zuvor Leonora getötet zu haben, die als Einsiedler verkleidet in derselben abgeschiedenen Gegend lebt. [10] In dem Duett Solenne in quest’ora (In dieser heiligen Stunde) nimmt der im Kriegsgeschehen verwundete Alvaro Carlo das Versprechen ab, im Falle seines Todes ein Bündel persönlicher Dokumente zu verbrennen, ohne das Siegel zu öffnen.

 

Puccinis Oper Manon Lescaut, 1893 in Turin uraufgeführt, ist nach der Titelheldin benannt, die mit dem Chevalier Des Grieux durchbrennt, bevor sie die Mätresse des reichen Géronte wird. Als Des Grieux, mittlerweile zu Wohlstand gelangt, wieder in ihr Leben tritt, willigt sie ein, erneut mit ihm zu fliehen, verzögert den Aufbruch jedoch, als sie versucht, möglichst viel Schmuck und Geld zusammenzuraffen. Dabei wird sie von Géronte überrascht, der sie verhaften lässt. Es folgen Verurteilung und Deportation. Des Grieux aber folgt der Geliebten in die amerikanische Wildnis, wo sie in seinen Armen stirbt. [11] In dem Duett O sarò la più bella (O, ich werde die Schönste sein) bewundert sich Manon im Spiegel, während sie sich herausputzt, um mit Géronte auszugehen. Der überraschend zurückkehrende Des Grieux verzeiht ihr den Treuebruch , und beide entdecken erneut ihre Liebe.

 

Die Uraufführung von Verdis Don Carlos fand 1867 in Paris in einer französischen Fassung statt. Der spanische Infant Don Carlos muss auf die ihm zugedachte Elisabeth de Valois verzichten, als sie die Gattin seines Vaters, Philipp II., wird. Carlos, der Elisabeth liebt, leidet unter dem Verlust, während die Prinzessin Eboli, die seine Liebe zu gewinnen hofft, vor Eifersucht vergeht. Für sein Freiheitsbekenntnis für das vom König unterdrückte Flandern geht Carlos ins Gefängnis. Vor dem Zugriff der Inquisition rettet ihn jedoch die Erscheinung König Karls V., die den Infanten in den Schutz des Klosters zieht. [12] Im zweiten Akt erfährt Carlos von seinem Freund, dem Marquis von Posa, vom Los der Flamen, gesteht seine Liebe zu der Frau seines Vaters und schwört Posa in dem Duett Dio, che nell’alma infondere (Gott, der entflammte der Liebe Glut) ewige Treue.

 

Eine der erfolgreichsten aller komischen Opern, Gioachino Rossinis Il barbiere di Siviglia (Der Barbier von Sevilla), wurde 1816 in Rom uraufgeführt. Dem verkleideten Grafen Almaviva gelingt es mit der Hilfe des gewitzten Barbiers Figaro, die angebetete Rosina, das Mündel des Dr. Bartolo, zu entführen. [13] Im Duett des ersten Akts, All’idea di quell metallo (Beim Gedanken an dieses Gold), lässt Figaro sich beim Gedanken an den Lohn zu einem Plan inspirieren: Der Graf soll sich als Offizier verkleiden, um so in Bartolos Haus und zu Rosina zu gelangen.

 

Die Tragödie Otello, uraufgeführt 1887 in Mailand, ist die zweite von drei Shakespeare-Opern Verdis (die beiden anderen sind Macbeth und Falstaff). Der Mohr Othello, der es zu militärischen Ehren gebracht hat, ist mit der Venezianerin Desdemona verheiratet. Doch seinem Fähnrich Jago gelingt es, durch geschickte Intrigen Othello an der Treue Desdemonas zweifeln zu lassen. [14] In der Traumerzählung Era la notte (Es war Nacht) gibt Jago einen Beweis von Desdemonas vermeintlicher Untreue: Er habe gehört, wie dem Hauptmann Cassio im Schlaf ihr Name entfallen sei. Als Jago gar ein Taschentuch Desdemonas präsentiert, das er bei Cassio entdeckt haben will, ist Othello vollends von der Schuld seiner Gattin überzeugt. In dem Duett Sì, pel ciel marmoreo giuro (Ja, bei dem marmornen Himmel) schwört er einen Racheeid, in den Jago heuchlerisch einstimmt. 

 

Keith Anderson

 

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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