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8.555871 - SERRA: Orchestral Works
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Joaquim Serra (1907-1957)
Variationen für Orchester und Klavier • Ländliche Impressionen

 

Der Komponist Joaquim Serra ist in Katalonien hoch berühmt, außerhalb seiner Heimat jedoch ist er dem Publikum weitgehend unbekannt geblieben. Die Arbeit an dieser CD hat uns viel Freude bereitet, und das Ergebnis macht uns stolz - es ist die weltweit erste CD mit Orchesterwerken Serras; sie dürfte eine nicht unbedeutende Rolle dabei spielen, dem Komponisten und seiner Musik zu einer breiteren Anerkennung zu verhelfen.

Serra hat zahlreiche Werke, darunter 52 Sardanas, Ballette, Variationen und Tondichtungen, für Cobla komponiert, das typisch katalanische, gewöhnlich elfköpfige Ensemble, das solche Tänze, wie die Sardana, begleitet. Die Kammermusik und die Sinfonik spielen in seinem Schaffen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Allerdings waren die Zeiten, in denen er lebte, alles andere als dazu angetan, das Orchesterschaffen zu befruchten. In Spanien gab es damals nur wenige Orchester und ebenso wenige fest etablierte Konzertgesellschaften oder Spielstätten. Hinzu kommt, dass Serra die Tragödie des Bürgerkriegs und die schlimmsten Jahre der Franco-Diktatur durchlebt hat, bevor er, allzu früh, im Jahre 1957 starb. Trotz alledem ist seine Musik wahrhaft charaktervoll: Sie besitzt eine außerordentliche lyrische Qualität, die von einer reizvollen Harmonik getragen wird; sie ist absolut meisterhaft orchestriert, mit einem ausgeprägten Sinn für instrumentale Klangfarben und für einen fein-durchsichtigen, fließenden Kontrapunkt; und sie besticht durch eine in sich geschlossene Thematik, die in ihrer Gestaltung und Verarbeitung stets von der Atmosphäre Kataloniens durchdrungen ist - frische Bergluft, der Duft des Mittelmeeres und die typischen Rhythmen der Tänze aus dieser Region.

Puigsoliu ist eine sinfonische Dichtung „en miniature", von einer solchen Schönheit, einem solchen Optimismus, von einer solchen Lyrik, Originalität und Harmonie, dass ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, das Werk zu orchestrieren. Serra hatte es eigentlich für Cobla komponiert. Puigsoliu war sein letztes Werk, es wurde drei Monate vor seinem Tod uraufgeführt.

Der Zyklus Impressions camperoles (Ländliche Impressionen) aus dem Jahr 1927 ist ein typisch katalanisches Werk, vermischt mit Einflüssen des französischen Impressionismus. Albada ist eine vollendete und poetische Darstellung der „Morgendämmerung", wie der Titel lautet; Mainada jugant (Spielende Kinder) ruft die weit zurück liegenden, unbeschwerten Kindheitstage zurück. Sota els pins (Unter den Pinien) ist ein heiter-besinnliches, zartes Stück. Der folgende Satz La vall dels ecos (Das Tal der Echos) ist ziemlich kurz, aber sehr originell; die Echowirkungen kommen dadurch zustande, dass die kurzen thematischen Gedanken von den gedämpften Trompeten wiederholt werden. Tänze gehören unbedingt zu jeder katalanischen Festlichkeit dazu; Festa lässt den Jubel und die Ausgelassenheit dieser Tänze lebendig werden. Besonders erwähnenswert ist die meisterhafte Verknüpfung der beiden Hauptthemen.

Romàntica bringt, wie es der Titel bereits andeutet, eine leidenschaftliche Melodie, die sich bis in die höchsten Lagen der Streicher aufschwingt; der kurze Mittelteil wird von solistischen Einwürfen geprägt.

Die Variacions per a orquestra i piano stehen in der besten Tradition der europäischen Sinfonik. Das Thema wird von der Klarinette vorgestellt, fünf Variationen schließen sich an. Das Klavier wird sehr virtuos behandelt; dem Orchester ist eine weit bedeutendere Rolle zugedacht als nur die der Begleitung (was Serra wohl schon durch den Titel zum Ausdruck bringen wollte), es tritt in einen höchst wirkungsvollen Dialog mit dem Solisten. Für seine Variacions erhielt Serra im Jahre 1931 einen Preis beim Kompositionswettbewerb der Concepció-Rabell-Stiftung.

Die Dues estampes simfòniques sind charakteristisch für ihre Zeit, sie sind vom Geiste der spanischen Volksmusik durchdrungen. In den beiden brillant orchestrierten Estampies verwendet Serra andalusische Volksweisen und erfüllt sie mit mediterranem Flair. Die erste verwendet in ihrem Mittelteil eine Habanera, die zweite eine ruhige Nocturne, die, ebenfalls im Mittelteil, vom Englischhorn gespielt wird.

Salvador Brotons
Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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