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8.555879 - Imperial Fanfares
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Imperiale Fanfaren

Imperiale Fanfaren

Fanfaren üben auf den Menschen schon immer eine Faszination aus. Der laute und durchdringende Fanfarenton alarmiert, warnt, weckt und erregt Aufmerksamkeit. Über Jahrhunderte hat sich an dieser Funktion der Fanfaren und Signale nichts geändert. Auch in der heutigen Zeit sind diese geeignet, das Aufsehen des Publikums zu erzielen. Sie erklingen als Signations im Fernsehen oder bei Eröffnungen von kulturellen und sportlichen Festspielen, Inaugurationen von Staatsmännern, Events, Partys und Produkt-präsentationen.

Wenn wir von imperialen Fanfaren sprechen, denken wir unweigerlich an die europäischen Kaiser- und Fürstenhöfe. Die Trompeter und Pauker bildeten im ausgehenden Mittelalter einen unverzichtbaren Bestandteil der fürstlichen Hofhaltung. Höfische Trompeter übten ihre repräsentative Funktion aus, sobald sich der Monarch in der Öffentlichkeit zeigte und wieder zurückzog. Sie begleiteten ihn ebenfalls zu den Reichstagen, bei Krönungen und Huldigungen. Um eine eindrucksvolle Interpretation zu gewährleisten, war es bei Krönungs- und Hochzeitsfeierlichkeiten üblich, den imperialen Klang der Hof-Trompeter als Geschenk zu präsentieren. Als Höhepunkt solcher pompöser und imperialer Veranstaltungen galt das gleichzeitige Spiel aller versammelten Trompeter der verschiedenen Kaiser- und Fürstenhöfe. Vom Treffen der Könige Wladislaw II. von Böhmen und Sigismund I. von Polen mit dem römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. in Schwechat, bei dem dieser am 17. Juli 1515 zwei seiner Enkel mit den Kindern der beiden Könige verheiratete, überlieferte der Hofberichter-statter Cuspinian, „dass es während der Nachfeier in Wiener Neustadt erst schön geworden sei, als der Kaiser mit 45 Trompetern und 6 Paukern auftrat" (Musik in Österreich, Hrsg. Gottfried Kraus).

La Marche Italienne oder Bruit de Guerre sind außergewöhnliche Beispiele, wie Prunk und Gala in Frankreich in ihrer Hochblüte im 17. Jahrhundert unter André D. Philidor, M.A. Charpentier und Jean-B. Lully zelebriert wurden.

Repräsentationsfanfaren am Kaiserhof der Habsburger dienten nicht nur dem Prunk, sondern waren Gebrauchsmusik bei Empfängen des Kaisers, Taufen, dynastische Namens- und Geburtstagen und anderen königlichen Festlichkeiten. Kirchliche Feierlichkeiten wurden von Intraden eingeleitet. Nach kirchlichem Hofzeremoniell erklang das musikalische Morgengebet Prière du Matin/Altenburger.

Unterhaltung und Amusement kamen am Wiener Hof keinesfalls zu kurz, davon geben die Divertiment-Fanfaren Toccata/Monteverdi und Pferdeballett/ Schmelzer, aufgeführt 1667 in der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Leopolds I. mit der Infantin Margareta von Spanien, klangliches Zeugnis. In den Prunkräumen wurde von den Hoftrompetern auch zum Tanz aufgespielt. Ein schönes Beispiel für Tanzfanfaren ist die Festtafelmusik. Das Blasen an der imperialen Tafel nannte man den Trombet- undt musikalischen Tafeldienst. Bei höfischen Banketten und prächtigen Mahlzeiten war es Aufgabe der Trompeter, jeden neuen Gang mit Tafelfanfaren musikalisch anzuzeigen.

Im Freien, auf Residenz- und Marktplätzen schmetterten die Trompeten in lauten und vulgären Tönen. In Festsälen, Kirchen oder auf Prunkstiegen erklangen Fanfaren kultivierter und mit feiner Tonkultur. Mit unterschiedlicher Besetzungsgröße und Spieltempo wurde dem jeweiligen Anlass Rechnung getragen. Alle zu Repräsentationszwecken verwendeten Trompeten waren aus Silber und reichverziert, im Alltag hingegen verwendete man Trompeten aus Messing.

Eine Besonderheit am Wiener Hof war die unterschiedliche Anstellung des Fanfarenbläsers entweder als musikalischer Trompeter oder Feldtrompeter. Bereits um 1566/76 finden wir in Wien unter den 15 dort angestellten vier musikalische Trompeter. Gemeint war damit ein Trompeter mit höherem Ausbildungsgrad, der auch Noten lesen konnte und das Instrument virtuos beherrschte. Später hießen sie auch Cammer- bzw. Concert-Trompeter. Die nichtmusikalischen Trompeter oder Feldtrompeter wurden als Botschafter bzw. für den reinen Signaldienst eingesetzt. Sie ritten zu feindlichen Linien, um Depeschen zu überbringen.

Wie in der Vergangenheit verbreitet der Klang der Solotrompete auch heutzutage eine Stimmung der Besinnlichkeit und Trauer bei Totengedenken und Begräbnisfeierlichkeiten.

Wrapped in Mystery, ist dem Gedenken an die Opfer des Terroranschlages auf das World Trade Center in New York am Dienstag, dem 11. September 2001 gewidmet. Dieses Werk wurde von Leon Bolten in Grado/Italien an diesem Tag unter dem Eindruck des schaurigen Ereignisses komponiert.

Leonhard Leeb


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