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8.557038 - Guitar Recital: Dejan Ivanovic
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Dejan Ivanovic

Gitarrenrecital

Matilde Salvador, die Witwe von Vincente Asencio, der das Gitarrenrepertoire um einige hervorragende Werke bereicherte, ist eine eigenständige Komponistin. Ihre Suite Homenatge a Mistral ist ein musikalischer Tribut an die französische Region Provence und an den provenzalischen Dichter Frédéric Mistral und sein Gedicht Mireio, das 1859 veröffentlicht wurde. Mireio ist ein zwölfteiliges Gedicht, das die Abenteuer der jungen Mireia beschreibt, der Tochter eines reichen Landedelmannes, die sich in Vinceç, einen Korbmacher verliebt hat. Sie wollen heiraten, doch ihre Eltern verbieten die Verbindung wegen des Standesunterschieds. Mireia unternimmt eine Pilgerreise nach Santes Maries de la Mar, die sie quer durch die gesamte Provence führt, und stirbt schließlich bei ihrer Ankunft in der Stadt Camarga. Das Gedicht porträtiert einfühlsam die Städte, Menschen und Traditionen der Provence. Mit Mistral wird aber auch ein Wind bezeichnet, Plany ist ein Klagegesang und ein Farandola ist ein volkstümlicher Tanz der Provence, der auch in Katalonien getanzt wird, bei dem sich die Tänzer an den Händen halten und eine lange sich schlängelnd fortbewegende Kette bilden.

Der bedeutende spanische Komponist Antón García Abril studierte zunächst am Konservatorium in Valencia und später in Madrid. Sein musikalischer Stil verbindet Elemente des Neo-Klassizismus, der Romantik, des Impressionismus und des Neo-Nationalismus. Er kann als Nachfolger Rodrigos angesehen werden, führte dessen musikalischen Weg jedoch weiter. Er entwickelte eine eigene Stimme, eine eigene Sprache, wenn auch nicht in der traditionellen Form. Die zahlreichen Konzerte und Solostücke für Gitarre zeigen ein tiefes Verständnis für das Instrument. Die Preludios urbanos sind gehaltvolle und hervorragende Werke; jedes ist dem Namen nach einer bestimmten Stadt gewidmet, oder, genauer gesagt, in den ersten beiden Stücken einer Person, die mit einer Stadt in Verbindung gebracht wird. Preludio de Paris ist Robert Vidal gewidmet, dem späteren

Organisator eines bedeutenden internationalen Gitarrenwettbewerbs. Der Widmungsträger des Preludio de Atenas ist der griechische Gitarrist Costas Cotsiolis, und Preludio de Madrid ist ein Tribut an die Stadt, in der García Abril seine späteren Studien fortgesetzt hatte.

Frederic Mompou, ein katalanischer Komponist, studierte Klavier in Barcelona. Als er 1909 Marguerite Long mit Klaviermusik von Gabriele Fauré hörte, erhielt er die Anregung, nach Paris zu gehen und Klavier und Harmonielehre zu studieren. Er musste jedoch einsehen, dass seine Schüchternheit sich mit einer Karriere als Klaviervirtuose nicht vereinbaren ließ und wandte sich daher dem Gebiet der Komposition zu, auf dem er im Wesentlichen Autodidakt war. Es ist daher nicht überraschend, dass seine Musik französische Einflüsse aufweist, besonders von Debussy und Satie. Die paarweise Zusammenstellung von Canción y Danza (Lied und Tanz) war bei spanischen Komponisten überaus beliebt. Von den vierzehn Werken, die Mompou in dieser Form komponierte, sind dreizehn für Klavier solo; das vierzehnte jedoch entstand für Gitarre (1972) und wurde Narciso Yepes gewidmet. Die Sätze tragen die Titel El cant dels ocells (Lied der Vögel) und El bon caçador (Der gute Jäger).

Die musikalische Begabung von Richard Rodney Bennett zeigte sich schon in jungen Jahren. Er studierte zunächst bei Lennox Berkeley und Howard Ferguson und später bei Pierre Boulez, der ihn allerdings nicht dazu bewegte, die traditionellen musikalischen Werte aufzugeben und sich der Zwölftontechnik zuzuwenden, für die er bereits als Sechzehnjähriger ein gewisses Interesse gezeigt hatte. Als der Gitarrist Julian Bream an ihn herantrat, komponierte er die Fünf Bagatellen für Gitarre (1968) und später das Gitarrenkonzert (1970). Das frühere Werk diente sozusagen als Experimentierwerkstatt. Die Sonate (1983) ist wie die beiden Vorgängerwerke ein zwölftöniges Stück, jedoch sollten die Hörer versichert sein, dass Bennett - gnädigerweise - nie ein Serialist war. Jeder der Sätze der Sonate beginnt mit einer Zwölftonreihe, die jedoch weder in ganzer Länge vorgestellt wird, noch später streng behandelt wird. Die Reihenfolge der Noten wird von den Erfordernissen des Ausdrucks bestimmt, und nicht von dem mechanischen akustischen Equivalent von Malen nach Zahlen. Es handelt sich in jeder Hinsicht um ein bedeutendes und stimulierendes Werk.

Malcolm Arnold leistete während des Zweiten Weltkriegs einen zweijährigen Militärdienst ab. Diese Zeit von 1944 bis 1945 unterbrach seine Karriere als Trompeter im London Symphony Orchestra und im BBC Symphony Orchestra. Die dort gesammelten Orchestererfahrungen erwiesen sich als große Hilfe, um für alle Standardinstrumente zu schreiben und fanden ihren Niederschlag in einer vielfältigen Reihe von Kompositionen auf dem Gebiet der ,weltlichen’ Musik. Sie half ihm allerdings wenig bei der Komposition für die klassische Gitarre. Was ihm jedoch an intuitivem Verständnis für das Instrument fehlte, steuerte Julian Bream bei, der Arnold um ein Gitarrenwerk gebeten hatte. Das erste Ergebnis ihrer Zusammenarbeit war die Serenade für Gitarre und Streicher op. 50 (1955), gefolgt von dem Gitarrenkonzert op. 67 (1956). Beide Werke gehören seither zum festen Bestand des Gitarrenrepertoires. Arnolds Musik ist im Wesentlichen tonal, melodisch in einem populären Sinne und zeichnet sich durch einen energievollen Rhythmus aus. In dem ersten und dem letzten Satz der Fantasy kann man den erklärten Trompeter heraushören. Diese beiden Sätze sowie eine starke Fughetta rahmen die kontrastierenden lyrisch und zarten Ariettas ein. Sie sind durch ein gemeinsames Motiv verbunden, abwärts gerichtete Intervalle von einem Ton und eineinhalb Tönen. Der letzte Satz wiederholt thematisches Material aus dem ersten und unterstreicht dadurch den zyklischen Charakter des gesamten Werkes.

Gordon McPherson studierte Komposition bei John Paynter und David Blake an der York University (1983-86, 1988-91). Zur Zeit ist er Leiter der Kompositionsabteilung an der Royal Scottish Academy of Music and Drama. Die Study in moto perpetuo: Brevity can save the nation stammt aus seiner Angel Suite, einer Sammlung von vier Etüden, die die technischen und musikalischen Möglichkeiten der Gitarre erforschen. Der ‚Etüden’-Charakter zeigt sich in der rastlosen Beanspruchung der Finger des Spielers. Der zweite Teil des Titels ergab sich aus McPhersons Unterhaltung mit einem seiner Kompositionsstudenten, der sein Interesse an einer eher populären Musikkultur teilt. Sie diskutierten darüber, was in der aktuellen Clubszene passiert und welches die angesagten Gruppen seien, die nach lokalem und internationalem Ruhm streben. McPherson fragte, was sie, als Komponisten mit verschiedenen Einflüssen, diesem Thema beitragen könnten, wo sie doch Werke für ein im Wesentlichen ‚klassisches’ Publikum komponierten. Der Student antwortete ironisch, dass angesichts der kurzen Konzentrationszeit ‚populärer’ Stücke sie vielleicht damit beginnen sollten, kürzere Stücke zu schreiben. Obwohl er sich dieser Meinung nicht gänzlich anschließen konnte, war McPherson amüsiert genug, um den Untertitel des Werkes hinzuzufügen, das eines der kürzesten Werke ist, die er seit langer Zeit geschrieben hat — mögen sich darin nun nicht-klassische Einflüsse zeigen oder nicht.

Der spanische Gitarrist und Komponist Francisco Tárrega belebte die Liebe zur Gitarre zu einer Zeit, als sich das musikalische Interesse eher auf das Klavier konzentrierte. Er war der Vater des heutigen Instruments und seiner musikalischen Welt. Sein Stück Recuerdos de la Alhambra ist eine Tremolo-Etüde, in der die schnelle Wiederholung einer einzelnen Note, ein Stilmittel, das er erfunden zu haben scheint, im Mittelpunkt steht. Dank ihres romantischen Charmes wurde die Etüde zu einem der meistgespielten Stücke des Repertoires und ist beim Publikum so beliebt, dass sie als La Marseillaise des guitaristes (die Nationalhymne der Gitarristen) bezeichnet wird. Wären nur alle Nationalhymnen so reizvoll. Die Etüde erinnert daran, wie weit sich die Gitarrenmusik in den letzten einhundert Jahren entwickelt hat, und wie viele neue, aber Hörer-freundliche Musiksprachen sie einschließt.

John W. Duarte

Deutsche Fassung: Peter Noelke


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