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8.557092 - HAYDN: Symphonies, Vol. 26 (Nos. 41, 58, 59)
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Joseph Haydn (1732-1809)

Joseph Haydn (1732-1809)

Sinfonie Nr. 41 C-Dur • Sinfonie Nr. 58 F-Dur •Sinfonie Nr. 59 A-Dur („Feuersinfonie")

Joseph Haydn wurde 1732 im niederösterreichischen Rohrau als Sohn eines Stellmachermeisters geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung in der Kantorei des Wiener Stephansdoms schlug er sich eine Zeit lang mühselig als Musikant durch, bis er dem berühmten Gesangspädagogen und Komponisten Nicola Porpora begegnete, dessen Akkompagnist und Kammerdiener er wurde. Seine erste offizielle Anstellung erhielt Haydn 1759 als Kapellmeister des böhmischen Grafen Morzin. 1761 erfolgte seine Berufung zum Vizekapellmeister bei einem der wohlhabendsten Männer des Reichs, Fürst Paul Anton von Esterházy, dem 1762 sein Bruder Nikolaus nachfolgte. Als 1766 der Kapellmeister Gregor Werner starb, Haydns musikalischer Vorgesetzter, der so manches an der Pflichtausübung und Berufsauffassung seines jüngeren Kollegen zu bemängeln hatte, erhielt Haydn diesen Posten, den er fast dreißig Jahre ausüben sollte und den er — zumindest dem Titel nach — bis zu seinem Tode bekleidete.

Mit der Vollendung des Palais zu Eszterháza unter Fürst Nikolaus begann für Haydn die Zeit großer Aufgaben und Wirkungsmöglichkeiten. Ihm oblagen sämtliche musikalische Aktivitäten des Hofes einschließlich der Komposition und Aufführung von Instrumentalwerken, Opern und Schauspielmusiken sowie geistlicher Musik. Für seinen Dienstherrn schrieb er eine Fülle von Kammermusik für verschiedene Besetzungen, vor allem für das Lieblingsinstrument des Fürsten, das Baryton. Als Fürst Nikolaus 1790 starb, war Haydn ein freier Künstler und konnte der ehrenvollen Einladung zu einer Reise nach London folgen; dort komponierte er Werke für den vom Violinisten und Impresario Johann Peter Salomon veranstalteten Konzertbetrieb. Einem zweiten erfolgreichen London-Aufenthalt während der Saison 1794-95 folgte die Rückkehr zu seinen höfischen Verpflichtungen bei der Familie Esterházy, deren neues Oberhaupt sich in Eisenstadt niedergelassen hatte, wo die Laufbahn des jungen Musikers begonnen hatte. Die meiste Zeit des Jahres verbrachte man jedoch in Wien. Dort starb Haydn 1809 unter dem Geschützlärm der heranstürmenden napoleonischen Armee.

Haydn lebte während einer Periode des 18. Jahrhunderts, in der sich die Entwicklung der Instrumentalmusik aus der Zeit Bachs und Händels zur klassischen drei- bzw. viersätzigen Sonatenform vollzog, welche als Grundlage der meisten Instrumentalmusik der kommenden Zeit dienen sollte. Dass die Sinfonie zur bedeutendsten Gattung der Orchestermusik avancierte, war nicht zuletzt Haydns Verdienst. Seine sinfonischen Erstlingswerke komponierte er bereits 1759; der abschließende Zyklus der großen Werke für London entstand im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts.

Seine Sinfonie C-Dur Hob. I:41 schrieb Haydn vermutlich um 1769, denn die erste erhaltene Abschrift trägt diese Jahreszahl. Die Tonart C-Dur wurde allgemein mit festlichen Anlässen assoziiert, was hier auch durch die Besetzung mit Trompeten und Pauken unterstrichen wird, die Haydn üblicherweise in Eszterháza nicht zur Verfügung standen, die sich aber in der Abschrift finden, die zwei Jahre später für die Abtei in Göttweig angefertigt wurde. (Die Bedeutung der

C-Dur-Tonart für Haydn und seine Zeitgenossen untersucht der Musikwissenschaftler H.C. Robbins Landon in seiner grundlegenden Arbeit über den österreichischen Komponisten.) Die weitere Besetzung besteht aus Streichern, einer Flöte, je zwei Oboen und Hörnern sowie einem Fagott, das die Stimme von Celli und Kontrabässen verdoppelt. Der erste Satz der Sinfonie, im 3/4-takt und mit der Tempobezeichnung Allegro con spirito, ist dreiteilig angelegt. Ungewöhnlich ist die Überleitung vom ersten zum zweiten Thema in der Exposition, wo die Bratschen die ersten Violinen in der Oktave verdoppeln. Das Nebenthema selbst wird den Streichern anvertraut. Die zentrale Durchführung enthält die Überraschung einer falschen Reprise, die Rückkehr des ersten Themas als Eröffnung des Schlussabschnitts des Satzes, jedoch in einer anderen Tonart. Der letzte Teil des Satzes enthält ungewöhnliche Abstände zwischen den einzelnen Instrumenten, wobei die beiden Oboen weit auseinander liegen, indem sie die Stimmen der ersten und zweiten Violinen verdoppeln, während die Bratschen hier wieder die ersten Violinen in der Oktave verdoppeln, also höher notiert sind als die zweiten Violinen. Der langsame Satz in F-Dur wird von sordinierten Streichern eröffnet. Zu den Oboen gesellt sich ein virtuos verzierter Flötenpart, während Trompeten und Pauken schweigen. In diesem Satz werden die hohen Hörner durch tiefe ersetzt; sie haben lediglich unterstützende Funktion. Mit den hohen Hörnern, Trompeten und Pauken kehrt im anschließenden Menuet auch die ursprüngliche Tonart zurück. Der Trio-Abschnitt verlangt den Hörnern, die die Oboen verdoppeln, einiges an Virtuosität ab. Das abschließende Presto wird von pulsierenden Achteltriolen angetrieben, die die notwendige Energie für einen brillanten Schluss liefern.

Die Sinfonie F-Dur Hob.I:58 wird auf das Jahr 1768 datiert. Das Werk ist mit Streichern, je zwei Oboen und Hörnern sowie einem Fagott besetzt, das die Basslinie verdoppelt. Das Eingangs-Allegro gibt den ersten Violinen Gelegenheit, das erste Thema vorzustellen, wobei Achteltriolen zum zweiten Thema überleiten. Dieses Material wird in der zentralen Durchführung variiert, bevor es in der abschließenden Reprise wiederkehrt. Der zweite Satz in B-Dur ist traditionsgemäß bei kleinbesetzten Werken dieser Zeit ausschließlich den Streichern vorbehalten. An dritter Position folgt ein Menuet alla zoppa („zahmes" Menuett) — eine deskriptive Bezeichung, wie die unregelmäßigen Rhythmen der Melodie unterstreichen. Einen Kontrast dazu bildet der nur mit Streichern besetzte und in f-Moll beginnende Trio-Abschnitt. Das lebendige Finale wartet mit harmonischen Überraschungen auf.

Die während einer Periode kurz vor 1769 entstandene dramatische Sinfonie A-Dur Hob.I:59 mit dem Beinamen „Feuersinfonie" verdankt ihren Titel vermutlich einem im Theater von Eszterháza aufgeführten Schauspiel. Jedenfalls scheint sie einige Jahre nach ihrer Entstehung als Zwischenaktmusik für diesen Anlass verwendet worden zu sein. Besetzt mit je zwei Oboen und Hörnern sowie Streichern und einem den Basspart verdoppelnden Fagott, führt die stürmische Eröffnung zu dynamischen Kontrasten im ersten Thema. Der Schlussabschnitt der Exposition wird von geschwinden Triolen geprägt, die schließlich plötzlich verstummen. Durchführung und Reprise erhalten ihren Charakter durch starke dynamische Kontraste. Der langsame Satz beginnt in a-Moll und ist zunächst nur mit Streichern besetzt. Ein C-Dur-Thema wird vorgestellt, welches später, unterstützt von Oboen und Hörnern, in A-Dur zurückkehrt. Das A-Dur-Menuetto bildet den Rahmen für ein nur mit Streichern besetztes Trio. Das Finale, Allegro assai, wird von Oboen und Hörnern eröffnet, denen im Satzverlauf eine wirkungsvolle Funktion zufällt.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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