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8.557224 - VALI: Flute Concerto / Deylaman / Folk Songs (Set No. 10)
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Reza Vali (b. 1952)
Konzert für Flöte und Orchester • Volkslieder (Sammlung Nr. 10) · Deylámân

 

Mein Konzert für Flöte und Orchester entstand als Auftragswerk für das Boston Modern Orchestra Project und wurde am 13. Februar 1998 in Boston vom Flötisten Alberto Almarza und dem Boston Modern Orchestra Project unter der Leitung von Gil Rose uraufgeführt. Das zweisätzige Werk ist hauptsächlich von persischer Klassik und Volksmusik inspiriert. Der erste Satz ist mit Soloflöte, Streichern, Schlagzeug und Harfe besetzt. Der Flötist verwendet eine Technik des simultanen Spielens und Singens, was die Obertöne hervortreten lässt und dem Instrument ein anderes Timbre verleiht. Diese Technik dient als Imitation der altpersischen Längsflöte, der ney. Der sehr schnelle zweite Satz verwendet rhythmische Zyklen, welche die dowr-Zyklen der mittelalterlichen persischen Musik repräsentieren. Ein solcher Zyklus enthält siebzehn Schläge mit der Unterteilung 5+5+7. Vorgestellt von der dárábukâ (einer vorderorientalischen Trommel), nimmt dieser Zyklus im Laufe des Satzes Ostinato-Charakter an. Dieser zweite Satz basiert stärker auf persischer Volksmusik und wird von tanzartigen Elementen dominiert. In der abschließenden Kadenz schließt sich der Kreis, indem der Solist zur Technik des simultanen Spielens und Singens des Beginns zurückkehrt. Das Konzert für Flöte und Orchester ist Alberto Almarza und Gil Rose gewidmet.

1978 begann ich mit der Komposition einer Reihe von Volksliedersammlungen (mit je vier bis acht Liedern) für Singstimme und Orchester, Singstimme und Klavier oder Instrumentalensemble ohne Singstimme. Volkslieder (Sammlung Nr. 10), vollendet im September 1992, ist die zehnte Gruppe dieses im Entstehen begriffenen Zyklus. Sie entstand im Auftrag des Pittsburgh New Music Ensemble und wurde vom Pennsylvania Council on the Arts gefördert. Die Gruppe besteht aus vier Liedern, von denen zwei (Nr. 2 und 4) auf authentischen persischen Volksliedweisen basieren. Die Lieder Nr. 1 und 3 sind im (imaginierten) Volksliedstil komponiert. Das dritte Lied (Klage) ist ein dem Andenken Olivier Messiaens gewidmetes Trauerlied. Volkslieder (Sammlung Nr. 10) ist meiner Frau Nan gewidmet, in Liebe und Dankbarkeit für ihre Unterstützung meiner Arbeit.

Deylámân (ausgesprochen däi-lah-mohn) ist sowohl der Name einer Region in Nordwestpersien (Iran) als auch die Bezeichnung für einen in dieser Region entstandenen Modus. Die musikalische Syntax des deylámân ist stark vom persischen Modalsystem (dastgâh) beeinflusst. Die Komposition beginnt mit einer Anspielung auf den persischen homayoon-Modus, gefolgt vom dashti-Modus. Aufeinder folgende Überlagerungen von Tetrachorden dieser Modi resultieren in einem besonderen Typus der persischen Polyphonie. Im zweiten Abschnitt verlässt die Musik persisches Territorium: Kurze Zitate von Musik aus Europa (Beethoven, Bruckner, Mahler, Wagner), Afrika (afrikanisches Volkslied) und Lateinamerika (peruanisches Volkslied) werden miteinander vermischt und treffen sich auf den Intervallen der reinen Quinte und der reinen Quarte, den meiner Meinung nach für die Menschheit fundamentalsten Intervallen. Im dritten Abschnitt erklingen die beiden persischen Modi in umgekehrter Reihenfolge; dieses Mal geht der dashi-Modus – spiegelbildlich zum Beginn – dem homayoon voraus. Zwei persische Instrumente, ney und bárbát (oud) gesellen sich in Deylámân zum klassischen Sinfonieorchester. In dieser Einspielung wird der Klang des ney-Instruments von einer modernen westlichen Flöte erzeugt, und zwar unter Verwendung der simultanen Instrumental- und Vokaltechnik (weiterentwickelt im Konzert für Flöte und Orchester). Deylámân wurde 1995 vollendet und ist Gil Rose und dem Boston Modern Orchestra Project gewidmet.

Reza Vali
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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