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8.557269 - TENOR ARIAS (Marcello Giordani)
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Arien für Tenor

Arien für Tenor

Bellini • Bizet • Donizetti • Mascagni • Pacini • Rossini • Verdi

 

Rossinis Oper Guglielmo Tell (Wilhelm Tell), nach Schillers gleichnamigem Drama, spielt im dreizehnten Jahrhundert vor dem Hintergrund des heroischen Widerstandes der Schweizer Eidgenossen gegen die habsburgische Unterdrückung. Melchthal und Tell verbünden sich, um ihr Land von der Fremdherrschaft zu befreien; Melchthals Sohn Arnold schließt sich ihnen an. Doch bei dem Versuch, Leuthold zu beschützen, der einen Soldaten der verhassten österreichischen Besatzungsarmee erschlagen hat, welcher sich an seiner Tochter vergehen wollte, wird Melchthal gefangen genommen und ermordet. Arnold kehrt zu seiner Familie zurück und beklagt in der ergreifenden Arie Asile héréditaire [1], die Berlioz für das Glanzstück der Partitur hielt, den Tod seines Vaters.

 

Donizettis 1840 uraufgeführte Oper La fille du régiment (Die Regimentstochter) erzählt die Geschichte der Marie, die als Kind unbekannter Herkunft auf dem Schlachtfeld gefunden wurde und in einem französischen Regiment aufwächst. Während des Kampfs der Truppen in den Alpen verliebt sich Marie in den Tiroler Burschen Tonio, der sie beim Blumenpflücken vor einem Absturz in den Bergen bewahrte. Tonio wird von den Franzosen verhaftet, die ihn für einen Spion halten, Marie erklärt aber, dass er ihr das Leben gerettet hat. Doch bevor die beiden heiraten können, muss Tonio zuvor in das Regiment eintreten. Seine neuen Kameraden begrüßt er mit der Arie Ah! mes amis [2].

 

Der erste Akt von Donizettis tragischer Oper La favorite (Die Favoritin), 1840 für die Pariser Opéra komponiert, spielt im Jahr 1340 im Jakobskloster zu Compostela, in dem der junge Fernand als Novize lebt. Während sich die Mönche zum Gebet in die Kapelle begeben, bemerkt Balthazar, der Ordensleiter und Vater Fernands, die Unruhe seines Sohnes und befragt ihn nach dem Grund. In seiner Arie Un ange, une femme inconnu [3], berichtet Fernand von seiner Begegnung mit einer unbekannten Schönen (der Favoritin des Königs), in die er sich verliebt hat.

 

In der Rivalität um die Herrschaft über das Sizilien des dreizehnten Jahrhunderts, die Bellinis Il pirata (Der Pirat) zu Grunde liegt, ist Gualtiero von Ernesto besiegt und ins Exil geschickt worden. Dort will er als Seeräuber sein Ziel weiter verfolgen. Beide Männer lieben Imogene. Ernesto hat sie durch die Erpressung ihres Vaters, eines Anhängers von Gualtieros besiegter Partei, zur Ehe gezwungen, doch sie liebt Gualtiero. Die Oper beginnt mit einem gewaltigen Sturm, der Gualtieros Schiff an die sizilianische Küste treibt. In seiner Arie Nel furor delle tempeste [4] & [5] gesteht er, dass er das engelsgleiche Bild Imogenes immer vor Augen trägt.

 

Torna, vezzosa Fillide [6] komponierte Bellini 1826, ein Jahr nach seiner Abschlussprüfung am Real Collegio di Musica in Neapel, als er bereits an seiner ersten professionell aufgeführten Oper, Bianca e Faliero, arbeitete. Torna, vezzosa Fillide, die Klage eines Hirten über den Verlust seiner geliebten Phyllis, nach einem anonymen Text, weist bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in Bellinis Karriere auf das melodische Talent und das dramatische Gespür des angehenden Komponisten hin.

 

Giovanni Pacini, einer der beliebtesten und produktivsten italienischen Komponisten im zweiten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, komponierte nicht weniger als neunzig Opern und eine Vielzahl von Werken in anderen Gattungen. Danaben machte er sich auch mit theoretischen Schriften einen Namen. Er wurde 1796 in Catania geboren und studierte in Bologna und Venedig. Seinen ersten Erfolg erzielte er 1817 in Mailand mit dem Melodramma semiserio Adelaide e Comingio. 1821 wurde er zum Maestro di cappella der Herzogin Marie-Louise de Bourbon in Lucca ernannt und bezog ein schönes Haus in Viareggio (unweit des Anwesens, das Giacomo Puccini siebzig Jahre später als Wohnsitz diente). In den folgenden zehn Jahren war er als Komponist und als Musikdirektor in Neapel und Mailand erfolgreich. Der Misserfolg seiner Opern in den frühen 1830er Jahren veranlasste ihn zu einer fünfjährigen schöpferischen Pause, die er zur Gründung einer Musikschule und einer Privatbühne in Viareggio nutzte. Als er 1839 die Opernkomposition wieder aufnahm, bereicherte er seinen Stil mit harmonischen und orchestralen Elementen des romantischen Stils und wählte nur ernste Vorlagen. 1855 übersiedelte er nach Pescia; dort war er weiterhin kompositorisch tätig, geriet aber zunehmend in den Schatten Giuseppe Verdis und widmete sich fortan bis zu seinem Tod hauptsächlich seinen Lehraufgaben sowie der Instrumentalmusik. Obwohl Pacini ein talentierter Melodiker war, ließ das rasche Tempo seiner Kompositionsarbeit die Ausarbeitung von Harmonie, Instrumentierung und dramatischen Details nur bedingt zu. „Gott helfe uns, wenn er die Musik zu beherrschen lernt“, sagte Rossini einmal, „keiner könnte ihm widerstehen“.

 

In Bizets 1875 uraufgeführter Meisteroper flirtet die Zigarettenarbeiterin Carmen während einer Arbeitspause mit dem Sergeanten Don José und wirft ihm eine Blume aus ihrem Mieder zu. Kurz darauf muss er die Zigeunerin verhaften, als sie bei einem Streit in der Fabrik ein anderes Mädchen mit dem Messer verwundet. Doch sie weiss, dass José ihrem Zauber erlegen ist und überredet ihn mit dem Versprechen eines Stelldicheins, sie entkommen zu lassen. José wird verhaftet und eingesperrt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis findet er Carmen in einer Schänke vor den Toren Sevillas. In seiner „Blumenarie“ La fleur que tu m’avais jetée [8] gesteht er Carmen seine Liebe.

 

Im Mittelpunkt von Verdis Oper I Lombardi alla prima crociata (Die Lombarden während des ersten Kreuzzugs), 1843 uraufgeführt, steht Arvino, der die Kreuzritter in die Schlacht nach Antiochien führt. Seine Tochter Giselda wird von den Muslimen gefangen genommen. Oronte, der Sohn des Herrschers Acciano, hat sich in die Christin Giselda verliebt und besingt in La mia letizia infondere [9] seine leidenschaftlichen Gefühle.

 

Luisa Miller (1849), nach Schillers Schauspiel Kabale und Liebe, handelt von der Liebe der Titelfigur zu Rodolfo, dem Sohn des Grafen von Walter, und den Machenschaften des letzteren, ihre Verbindung zu vereiteln, um die Untat geheim zu halten, mit der er sich den Grafentitel sicherte. Luisas Vater wird verhaftet; um sein Leben zu retten, schreibt sie unter Walters Zwang einen Brief an Rodolfo, in dem sie behauptet, dass sie einen anderen Mann liebt. Überzeugt von Luisas Untreue gibt Rodolfo seinem Schmerz in der Arie Quando le sere al placido [10] Ausdruck.

 

Die Handlung von Verdis 1853 uraufgeführter Oper Il Trovatore (Der Troubadour) spielt im nördlichen Spanien zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts – eine verworrene Geschichte von Adligen und Zigeunern sowie den verhängnisvollen Zufällen, die sie im Unglück miteinander verketten. Die Mutter der Zigeunerin Asuzena wurde vom Grafen Luna als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Sterben mahnte sie ihre Tochter zur Rache. Azucena raubte darauf den jungen Bruder des Grafen. Die eigentliche Bühnenhandlung beginnt zwanzig Jahre danach. Manrico, der glaubt, dass er Azucenas Sohn ist, kämpft mit Luna um die Hand Leonoras. In Ah, si, ben mio [11] singt Manrico von der Kraft, die ihm Leonoras Liebe gibt. Azucena wird von Luna gefangen genommen und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Manrico will sie befreien (Di quella pira) [12], wird aber selbst von Lunas Getreuen inhaftiert und zum Tode verurteilt. Um ihn zu frei zu lösen, bietet sich Leonora dem Grafen als Preis an, nimmt aber heimlich Gift und stirbt. Luna lässt Manrico zum Scheiterhaufen führen. Azucena wird Zeugin der Verbrennung und schreit dem Grafen ins Gesicht, dass er seinen eigenen Bruder getötet hat.

 

Mascagnis Cavalleria rusticana (Bauern-Ehre) war bei der Uraufführung am 17. Mai 1890 in Rom ein Sensationserfolg. Die Oper gilt als Prototyp der Gattung des Verismo, dessen Vertreter meist krasse Stoffe bevorzugten, die aus dem Alltagsleben gegriffen waren. Der Einakter spielt am Ostermorgen auf dem Kirchplatz eines sizilianischen Dorfes. Turiddu kehrt nach seiner Soldatenzeit heim und findet seine frühere Geliebte Lola mit dem Fuhrmann Alfio verheiratet. Er wendet sich nun dem Bauernmädchen Santuzza zu, trifft sich aber während Alfios Abwesenheit nachts heimlich wieder mit Lola. Vor dem Beginn der Ostermesse wartet Santuzza Turiddu vor der Kirche auf und fleht ihn an, zu ihr zurückzukehren. Doch Turiddu weigert sich, zum Sklaven ihrer Eifersucht zu werden und wirft Santuzza zu Boden. In ihrer Verzweiflung verrät sie Alfio nun den Treuebruch seiner Frau. Der Fuhrmann schwört Rache; als Turiddu die Dorfbewohner nach dem Kirchgang zu einem Umtrunk lädt, verschmäht Alfio das ihm gereichte Glas und fordert ihn zum Duell. In der Szene Mamma, quel vino è generoso [13] nimmt Turiddu von seiner Mutter Abschied. Die Duellanten entfernen sich. Von Reue ergriffen stürzt Santuzza herbei, doch schon verkünden Stimmen im Hintergrund, dass Turiddu getötet wurde.

 

Richard E. Rodda

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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