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8.557274 - BERLIOZ: Nuits d'ete (Les) / CHAUSSON: Poeme de l'amour et de la mer / DUKAS: La peri
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Ernest Chausson (1855-1899): Poème de l’amour et de la mer
Paul Dukas (1865-1935): La péri
Hector Berlioz (1803-1869): Les nuits d’été

In kultivierter Umgebung aufgewachsen, hatte Ernest Chausson weit gefächerte künstlerische Interessen. Seine Familie überredete ihn, Jura zu studieren, doch praktizierte er nie als Anwalt. Statt dessen widmete er sich der Musik und trat 1879 in Massenets Orchestrier- Klasse am Konservatorium ein. Gleichzeitig besuchte er informell den einflussreichen Unterricht von César Franck. Nach dem Verfehlen des Prix of Rome 1881 unterbrach er die offizielle Ausbildung, während sich ein starker Einfluss von Richard Wagner geltend machte. Nach seiner Heirat 1882 konnte er ein Leben führen, das ihm viele Reisen erlaubte und die Verbindung mit führenden Schriftstellern, Musikern und Künstlern jener Zeit. Er starb 1899 an den Folgen eines Fahrradunfalls.

Chaussons Poème de l’amour et de la mer (Gedicht von der Liebe und vom Meer) entstand in den Jahren 1882 bis 1890, revidiert 1893. Es handelt sich um eine Folge von Gedichten von Maurice Bouchor, dessen Verse bereits Vorlage einer Reihe von Liedern Chaussons waren, darunter eine Folge von Shakespeare-Übersetzungen. Das Werk beginnt mit La fleur des eaux (Die Blume des Wassers), dessen Musik die romantischruhige Stimmung des Gedichts widerspiegelt mit der von Lilienduft erfüllten Luft. Sie erreicht einen rhapsodischen Höhepunkt, bevor sich wiederum Ruhe ausbreitet und die Streicher das schlichte Et mon coeur s’est levé par ce matin d’eté einführen. Eine Überleitung führt zu einer langsameren Passage, Quel son lamentable et sauvage, die Stimmung wechselt und erreicht vor einem rhapsodischen Abschluss noch einmal einen Höhepunkt. Das Interlude trägt die Bezeichnung Lent et triste und beginnt mit einer Fagott-Melodie, gefolgt von einem kurzen Cello-Solo, sodann hellt sich die Stimmung auf und es endet, wie es begann: in c-Moll. La mort de l’amour (Der Tod der Liebe) ist zunächst mit Vif et joyeux bezeichnet, wenn der Sänger die Annäherung an die Insel besingt. Das führt nach vorübergehender Ekstase zu einer Sombre et solennel bezeichneten Passage in g-Moll, da die Erinnerung an die Liebe nun gestorben ist. Des Stück endet mit Le temps des lilas (Zeit des Flieders), einem Abschnitt, der den Tod der Liebe betrauert.

Freund Debussys und Schüler des mit Bizet befreundeten Ernest Guiraud (1837–1892), kam Paul Dukas dem Gewinn des Prix de Rome sehr nahe, verließ dann allerdings das Pariser Conservatoire um eine frühe Karriere als Kritiker und Orchestrator zu verfolgen. Sein überaus kritisches Empfinden brachte ihn dazu, viele seiner eigenen Kompositionen zu vernichten, gleichwohl blieb er eine wichtige Figur im französischen Musikleben und ein hoch respektierter Lehrer. Er ist weithin bekannt für sein symphonisches Scherzo nach Goethe L’apprenti sorcier (Der Zauberlehrling), das 1916 in St. Petersburg von Fokin choreografiert wurde.

La péri (Die Fee), ein Poème dansé, entstand 1911/12 und wurde vom russischen Tänzer Ivan Clustine, Ballettmeister an der Pariser Oper, choreografiert, bevor er 1914 der Tanzgruppe der Pavlova beitrat. Das Werk ist Natalia Trouhanova gewidmet, die die erste Aufführung 1912 tanzte. Sie war vom freien Tanzstil der Isadora Duncan beeinflusst. Eine Fanfare geht dem eigentlichen Poème voraus, dessen Musik mit eigenen Themen für Iskender und die Fee diesem Szenario folgt:

Es geschah, dass, als seine Jugend zu Ende ging, der Magi gewahr wurde, wie sein Stern zu sinken begann. So reiste Iskender kreuz und quer durch den Iran, um die Blume der Unsterblichkeit zu finden. Drei Jahre vergingen, ohne dass er fündig wurde, bis er ans Ende der Erde kam, jenen Punkt, wo sie in das Meer und die Wolken übergeht. Dort lag auf den Stufen, die zum Hof von Ormuzd führen, ein Fee, schlafend in ihrem Juwelenmantel. Ein Stern leuchtete über ihrem Haupt, ihre Laute ruhte an ihrer Brust, und in ihrer Hand leuchtete die Blume. Es war eine Lotusblume wie ein Smaragd, der gleich dem Meer in der Morgensonne funkelt. Iskender stieg lautlos über die Schläferin und nahm, ohne sie aufzuwecken, die Blume an sich, die in seinen Fingern sogleich wie die Mittagssonne in den Wäldern von Ghilan schien. Die Fee aber öffnete ihre Augen, klatschte in die Hände und schrie auf, da sie das Licht von Ormuzd nun nicht mehr erreichen konnte. Dabei betrachtete Iskander ihr Gesicht, das an Schönheit jenes der Gurdaferrid übertraf. Und er begehrte sie in seinem Herzen. Die Fee erkannte die Gedanken des Königs, denn die Lotusblume in seiner Hand wurde purpurn und trug so das Antlitz des Begehrens. Die Dienerin der Reinen wusste, dass diese Blume des Lebens nicht für Iskender bestimmt war, und sprang behende auf, um sie zurückzuholen. Der unbesiegbare Herrscher wandte sich jedoch von ihr ab, hin und her gerissen zwischen seiner Sehnsucht nach Unsterblichkeit und dem, was seine Augen sahen. Die Fee tanzte den Tanz der Feen, kam dabei näher und näher, bis ihr Gesicht jenes von Iskander berührte, und schließlich gab er ihr die Blume ohne Bedauern. Dann sah der Lotus aus wie aus Schnee und Gold, gleich dem Gipfel des Elbourz in der Abendsonne. Die Gestalt der Fee schien im Licht zu zerfließen, bis nur noch eine Hand erkennbar war, die die Blume der Leidenschaft hochhielt, welche im Himmel entschwand. Iskender verstand dies als Zeichen für sein nahes Ende und fühlte, wie Schatten sich um ihn legten.

Hector Berlioz wurde in der französischen Provinz Isère als Sohn eines Arztes in eine Familie von einiger lokaler Bedeutung geboren. Als Kind unterrichtete ihn sein Vater. Schon zu dieser Zeit hatte er verschiedene Leidenschaften, darunter einen unwiderstehlichen Drang zur Musik, der ihn schließlich zum Komponieren führte. So beendete er eines Tages seine medizinischen Studien in Paris, auf denen der Vater bestanden hatte, um sich der Musik zuzuwenden. Er war nicht untätig als Komponist, nahm aber klugerweise doch Stunden bei Jean-François Lesueur (1760–1837), dessen Konservatoriumsklasse er 1826 beitrat.

Im Jahr 1829 sah Berlioz erstmals Shakespeares Hamlet mit Charles Kemble als Prinz und der irischen Schauspielerin Harriet Smithson als Ophelia. Diese Erfahrung war überwältigend. In jener Saison hatte er Gelegenheit, weitere Stücke zu sehen und an der allgemeinen Verehrung für Harriet Smithson teilzuhaben, in die er sich verliebte, um zunächst abgewiesen zu werden, was gleichsam in die autobiographische Symphonie Fantastique mündete. Erst nach seiner Rückkehr aus Rom, wo er dank des Prix of Rome zwei Jahre hatte verbringen können, und als ihr Stern zu sinken begann, willigte sie in die Heirat ein. Diese Verbindung sollte für beide wenig Glück bringen.

In den folgenden Jahren blieb Berlioz ein Außenseiter im französischen Musikleben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Kritiker, während er als Komponist und Dirigent eher im Ausland erfolgreich war. In jener Zeit und auch später wurde er als der Typus des genialischen Individualisten angesehen, als romantischer Künstler, getrieben zu enthusiastischen Ausbrüchen ebenso wie zu paranoiden Reaktionen auf Kritik und Gegnerschaft, wie seine Mémoires zeigen. Nach dem Tod seiner Frau 1854 konnte er die Sängerin Marie Recio heiraten, mit der er schon zwölf Jahre lang eine Beziehung hatte. Ihr plötzlicher Tod 1862 und der seines Sohnes Louis, eines Marineoffiziers, 1867 umdüsterte seine letzten Lebensjahre. Berlioz starb 1869.

Seine literarischen Interessen bezeugen Lieder und Chorwerke. Für Les nuits d’été (Sommernächte), eine Gruppe von Liedern, weniger ein geschlossener Zyklus, verwendete er Verse des romantischen Dichters und Schriftstellers Théophile Gautier (1811–1872), der in Paris ganz in seiner Nähe wohnte. Dessen Gedichte La comédie de la mort (Die Komödie des Todes) erschienen 1838, es ist indessen überliefert, dass Berlioz einige der Gedichte bereits im Manuskript kannte und sie vertonte, lange bevor das ganze Werk im Jahr 1841 vollendet war. Die Lieder sind für Mezzosopran oder Tenor und Klavier geschrieben und Louise Bertin gewidmet, der Tochter von Louis Bertin. Dieser gab das Journal des débats heraus, für das Berlioz Beiträge lieferte, und komponierte fünf romantische Opern mit unterschiedlichem Erfolg. 1843 orchestrierte Berlioz das vierte Lied Absence für seine Geliebte Marie Recio; die übrigen Lieder orchestrierte er auf Anregung eines Verlegers für die Veröffentlichung 1856, nun mit verschiedenen Widmungen versehen.

Das erste der Reihe, Villanelle, zelebriert den Frühling und die Liebe und ist Louise Wolf gewidmet, Kammersängerin des Großherzogs von Weimar, wo Liszt für die Aufführung von Werken Berlioz’ gesorgt hatte. Das Lied reflektiert den Geist des Gedichts. Le spectre de la rose (Der Geist der Rose) ist der Kontraaltistin Anna-Rose Falconi in Gotha gewidmet, die Berlioz in London gehört hatte, und zwar speziell für ein Konzert in der Residenzstadt. Das Gedicht inspirierte später Michail Fokin (1880–1942) zu einem Ballett, getanzt von den Berühmtheiten Karsavina und Nijinsky. Es erzählt den Traum eines Mädchen vom Geist der Rose, die es auf einem Ball am Vorabend getragen hatte. Für die Orchesterversion fügte Berlioz eine Introduktion für gedämpftes Solo-Cello, Flöte und Klarinette hinzu, dazu kommt eine Harfe. Sur les lagunes: Lamento (In den Lagunen: Lamento) mit seiner von Melancholie durchtränkten dunklen Tönung ist dem Weimarer Sänger Feodor von Milde gewidmet. Gautiers Originaltitel lautet Lamento: La chanson du pêcheur (Lamento: Das Lied des Fischers), und so suggeriert die Musik Wellenbewegung. Absence, der hannoverschen Sängerin Madeleine Nottès gewidmet, die das Gretchen (Marguerite) in seiner Oper Faust dort 1853 gesungen hatte, fleht um die Rückkehr des Geliebten. Dem Tenor Caspari in Weimar gewidmet, ist Au cimetière: Clair de lune (Auf dem Friedhof: Mondschein) ein weiteres Lamento, dessen tiefe Traurigkeit durch L’île inconnue (Die unbekannte Insel) zerstreut wird, gewidmet Rosa von Mille in Weimar. Es ist dies eine Vertonung des Gedichts mit dem Titel Barcarolle. Das Lied suggeriert das Unerreichbare: einen Platz, wo die Liebe ewig währt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Thomas Theise


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