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8.557280-81 - BACH, J.S.: Cello Suites Nos. 1-6, BWV 1007-1012 (Complete)
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Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Cello-Suiten

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach in eine musikalische Familie geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern kam er in die Obhut seines ältesten Bruders Johann Christoph, der als Organist in Ohrdruf lebte. Dort blieb er fünf Jahre, bevor er 1700 an die Michaelisschule im fernen Lüneburg ging. Drei Jahre später nahm er eine Stelle als Hofmusiker in Weimar an, aber bereits nach wenigen Monaten wechselte er als Organist an die Neue Kirche in Arnstadt. Eine ähnliche Position bekleidete er 1707 an der Blasiuskirche zu Mühlhausen; dort heiratete er seine Base Anna Maria. Im folgenden Jahr setzte er seine Laufbahn als Organist und Kammermusicus am Weimarer Hof von Herzog Wilhelm Ernst fort, einem der beiden Landesregenten. 1714 wurde er zum Konzertmeister befördert und festigte seinen Ruf als Autorität auf dem Gebiet des Orgelbaus und als ausübender Musiker. 1717 verließ Bach den Hof des Herzogs – der jedoch zunächst nicht gewillt war, ihn aus seinem Dienstverhältnis zu entlassen und ihn einen Monat im Gefängnis festhielt – und ging als Kapellmeister an den Hof des jungen Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Dort konnte er sich ganz der weltlichen Musik widmen, da es aufgrund der pietistischen Haltung des Köthener Hofs keinen Bedarf an geistlicher Musik gab. Erst nach der Heirat des Fürsten mit einer laut Bachs Urteil musikalisch uninteressierten Frau sah er sich nach einer neuen Stellung um.

1723 unterzeichnete Bach mit der Stadt Leipzig einen Vertrag als Thomaskantor. Zu seinem dortigen Wirkungsbereich gehörte der Unterricht an der Thomasschule (den er teilweise delegieren durfte), sowie die Leitung der Kirchenmusik an den drei Hauptkirchen der Stadt. 1729 kam die Arbeit mit dem Collegium musicum hinzu, einem von Telemann gegründeten Ensemble der Leipziger Universität; Telemann war der Pate von Bachs fünftem Kind Carl Philipp Emanuel und die erste Wahl der Leipziger Stadtväter für den Posten des Thomaskantors. Bach blieb seinem Posten als Thomaskantor bis zu seinem Tod im Jahre 1750 treu. Die ersten Jahre in dieser Stellung waren hauptsächlich mit der Komposition von Kirchenmusik ausgefüllt, während er den Bedarf an Stücken für das Collegium musicum mit der Bearbeitung früherer Instrumentalkonzerte für ein oder mehrere Cembali deckte. Hinzu kamen zahlreiche neue Werke für Tasteninstrumente sowie die Arbeit an der Sammlung und Herausgabe früherer Kompositionen, vor allem in den vier Teilen seiner Clavierübung.

Die sechs Suiten für Violoncello solo entstanden um 1720 in Köthen. Mindestens die ersten vier schrieb Bach vermutlich entweder für Christian Ferdinand Abel, einen Bassgambenspieler in Köthen oder, was wahrscheinlicher ist, für Christian Bernhard Linigke. Von Abel, der 1715 an den Köthener Hof gekommen war, ist nicht bekannt, ob er auch Cello spielte, während Linike ein hervorragender Cellist war, der sich in dieser Eigenschaft 1716 in Köthen zu früheren Kollegen der preußischen Hofkapelle gesellte, die Friedrich Wilhelm I. bei seiner Thronbesteigung 1713 aufgelöst hatte. Das Originalautograph der Suiten ist verschollen, und die früheste Kopie des Gräfenrodaer Organisten und Komponisten Johann Peter Kellner stammt von 1726. Eine weitere Kopie erstellte Bachs zweite Frau Anna Magdalena wahrscheinlich 1727 oder 1728 für den Kammermusiker Georg Heinrich Ludwig Schwanenberger aus Braunschweig-Wolfenbüttel, der Bach in Leipzig besucht und Unterricht im Generalbass bei ihm genommen hatte. Er war der Pate von Bachs Tochter Regine Johanne.

Jede der sechs Cello-Suiten wird von einem Prélude eröffnet. Im Eingangssatz der Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 entfalten sich die wechselnden Harmonien in Form von Akkordbrechungen. Den üblichen Sätzen Allemande und Courante folgt eine langsame Sarabande, während ein wiederholtes Menuet I ein Menuet II in g-Moll rahmt. Die Suite endet, wie es gebräuchlich war, mit einer Gigue.

Die Suite Nr. 2 in d-Moll BWV 1008 beginnt mit einem ausgedehnten Prélude, das mit einer Reihe grandioser arpeggierter Akkorde endet. Wieder schließen sich Allemande, Courante und Sarabande an. Ein D-Dur Menuet II wird von einem wiederholten d-Moll-Menuett I eingeschlossen, und eine lebhafte Gigue beendet die Suite.

Die Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009 hebt mit einem Prélude an, das in einer späteren Quelle die Bezeichnung Presto trägt. Der Satz beginnt mit einer fallenden Tonleiter und einem Arpeggio, das in voller Resonanz auf der tiefsten Saite des Instruments endet. Einer relativ ausgearbeiteten Allemande folgen eine schlichtere Courante und eine würdevolle Sarabande, ein bekannter Satz, dem sich die beiden noch vertrauteren Bourrées anschließen, deren zweite in c-Moll steht. Die Suite schließt mit einer energischen Gigue.

Bachs vierte Cello-Suite, die Suite Es-Dur BWV 1010, beginnt wie alle anderen mit einem anspruchsvollen Prélude. Es folgen Allemande und Courante sowie eine kontrastierende langsame Sarabande. Einer geschäftigen ersten Bourrée schließt sich eine in ihrer Textur einfachere zweite in derselben Tonart an. Der letzte Satz ist eine lebhafte Gigue.

Die fünfte und sechste Suite unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von den ersten vier. Die fünfte Suite c-Moll BWV 1011 war ursprünglich in scordatura geschrieben, einer bei Streichermusik der Zeit gelegentlich angewendete Praxis, wobei die obere A-Saite auf G heruntergestimmt wird. Das einleitende Prélude besitzt eine langsame, verzierte Introduktion und einen ausgedehnteren, schnellen Abschnitt im Dreiertakt mit der Andeutung einer Fuge. Eine ornamentierte Allemande geht einer Courante und einer langsamen Sarabande voran, die merkwürdigerweise das Akkordmuster der früheren Sarabande-Sätze meidet. Die erste Gavotte wird nach der zweiten, die durch ihren ungewöhnlichen zusammengesetzten Rhythmus auffällt, wiederholt. Die Suite endet mit einer Gigue in punktiertem Rhythmus.

Die letzte der sechs Suiten, die Suite D-Dur BWV 1012, schrieb Bach für ein fünfsaitiges Instrument mit einer zusätzlichen hohen E-Saite. Man hat vermutet, dass Bach diese schwierigere Suite für die viola pomposa komponiert haben könnte, eine fünfsaitige Bratsche, die zwischen 1725 und 1770 gespielt wurde. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er an das violoncello piccolo dachte, ein kleiner dimensioniertes Cello, das sich für ausgesprochene Solomusik eignet und welches Bach auch in anderen Werken verwendete. Das Prélude beginnt mit dem charakteristischen Klangeffekt der Bariolage, wobei die Note D auf alternierenden Saiten wiederholt wird. Die Allemande ist reich figuriert, während die Courante die größeren Möglichkeiten des fünfsaitigen Instruments ausschöpft. Der Sarabande folgen die beiden abwechselnd gespielten Gavottes. Eine technisch anspruchsvolle Gigue beschließt diese letzte Suite.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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