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8.557288 - ELGAR: Ave Maria / Give unto the Lord / Te Deum and Benedictus, Op. 34
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Edward Elgar (1857-1934)
Geistliche Chorwerke

 

Edward Elgar wurde 1857 im westenglischen Worcester als Sohn eines Klavierstimmers, Organisten, Geigers und Musikalienhändlers geboren, dem er auch seine musikalische Grundausbildung verdankte. Aus einfachen Verhältnissen stammend, hatte er später eine Reihe von Hindernissen zu überwinden, um sich in der gehobenen Gesellschaft zurechtzufinden; dabei fand er eine große Stütze in seiner neun Jahre älteren Frau, der Tochter eines pensionierten indischen Armeegenerals. Seine Laufbahn begann Elgar als freiberuflicher Musiker und Lehrer. Er spielte Violine und Orgel und leitete lokale Liebhaberorchester und -chöre. Erste große Aufmerksamkeit erzielte er nach mehreren gescheiterten Versuchen 1897 mit dem Imperial March, komponiert anlässlich des sechzigjährigen Thronjubiläums von Königin Victoria. Weitere Bekanntheit erlangte er 1899 mit den so genannten Enigma-Variationen. Das Oratorium The Dream of Gerontius von 1900 wurde später zu einem der meistgespielten Werke der englischen Chorliteratur.

Die öffentliche Anerkennung führte zu zahlreichen Ehrungen; vollends gefestigt war Elgars Stellung, als er einen Kompositionsauftrag für die Krönungsfeierlichkeiten von König Edward VII. erhielt. Er wurde mit zahlreichen Ehrendoktoraten ausgezeichnet und 1904 geadelt. Spätere staatliche Ehrungen waren u.a. 1911 der Order of Merit und 1931 die Verleihung des Baron-Titels. Das musikalische Establishment des Landes würdigte seine Leistungen 1925 mit der Goldmedaille der Royal Philharmonic Society. Der Tod seiner Frau im Jahr 1920 entzog ihm die Unterstützung, die er während vieler Ehejahre erfahren hatte, und so waren die letzten vierzehn Jahre seines Lebens in kompositorischer Hinsicht von nachlassender Inspiration und Schaffenskraft gekennzeichnet. Seine Verpflichtungen als Dirigent – im Konzertsaal wie im Schallplattenstudio – erfüllte er jedoch weiterhin nach Kräften. Sir Edwar Elgar starb 1934 in Worcester.

In seinen frühen Jahren in Worcester hatte Elgar ein reges Interesse an den musikalischen Aktivitäten der St. George’s Church genommen, an der sein Vater die Orgel spielte. Dort wurde er auch mit der katholischen Liturgie vertraut. Für die St. George’s Church entstanden seine frühen Vertonungen des Tantum ergo, Salve Regina und Domine salvum fac. 1885 übernahm er die Organistenstelle von seinem Vater, hatte jedoch keine rechte Freude an diesem Posten, vor allem fand er kaum ein gutes Wort für den Chor. Bis zu seiner Heirat im Jahr 1889 und seinem Versuch im folgenden Jahr, in London Fuß zu fassen, blieb er in seiner westenglischen Heimat als Geiger, Dirigent und Organist tätig.

Elgars erste Vertonungen des Kirchenlieds O salutaris hostia zur Segnung des Heiligen Sakraments entstand um 1880. Die in einem 1898 erschienenen Kompendium ähnlicher Werke enthaltene F-Dur-Vertonung für Chor und Orgel ist dem einfachen Stil verpflichtet, wie er in der katholischen Kirchenmusik jahrelang bevorzugt wurde. Ähnliches gilt auch für die anderen Vertonungen, einem 1902 veröffentlichten Ave verum, und drei weiteren, 1907 erschienenen Gesängen. Beim Ave verum handelte es sich ursprünglich um eine Vertonung des Pie Jesu, geschrieben zum Gedächtnis an William Allen, einen katholischen Rechtsanwalt aus Worcester, für den der fünfzehnjährige Elgar kurze Zeit gearbeitet hatte, bevor er sich für die Musik entschied. Er bearbeitete das Stück zur Veröffentlichung im Jahr 1902 mit alternierenden Solo- und Chorversen. Ave Maria, das zweite Stück der Gruppe, der Frau seines Freundes Hubert Leicester gewidmet, dem Chorleiter an St. George’s, ist musikalisch gehaltvoller. Es folgt das marianische Ave maris stella, das Elgar dem Benediktiner-Kanonikus Dolman aus Hereford widmete. Das Werk beginnt mit einem Sopransolo, dessen Eröffnungs-Invokation im Chor als Echo erklingt – in einer Motette, die trotz ihrer relativ einfachen Mittel eine subtilere musikalische Fassung des längeren Texts bietet.

1891 verließ Elgar London, wo sich kein unmittelbarer Erfolg eingestellt hatte, und ging nach Malvern, von wo aus er sich dem musikalischen Leben der Region widmete und nebenbei Muße für seine kompositorische Arbeit fand. Der Hereforder Domorganist George Robertson Sinclair beauftragte ihn mit der Komposition des Te Deum und Benedictus für das Three Choirs Festival von 1897. Sinclair ist auch der Widmungsträger. Das für Chor und Orchester bzw. Orgel geschriebene Te Deum beginnt mit einem typisch elgarschen Allegro maestoso, das zum emphatischen Ausruf des Chors, We praise Thee, O Lord, führt – ein Motiv, das später zurückkehrt. Ein Stimmungswechsel erfolgt bei den Worten The Holy Church throughout all the world, einer in verschiedenen Stimmen wiederholten und zu einem dynamischen Höhepunkt führenden Phrase, gefolgt von Tonart- und Rhythmuswechseln bei When though tookest upon Thee. Über einem Orgelpunkt bei When Thou hadst overcome kehrt die Ausgangstonart F-Dur zurück. Noch einmal erklingt das vertraute Motiv des Chorbeginns. Einem großartigen Höhepunkt folgen die Stille der Bitte um Erbarmen, eine Bekräftigung des Vertrauens in den Herrn und ein sanftes Gebet um Erlösung, bevor ein Nachspiel das Te Deum beschließt. Das Benedictus scheint in a-Moll zu beginnen, bevor sich F-Dur als Grundtonart behauptet. Die abschließende triumphale Doxologie wird von der Rückkehr der Orgel zum Allegro maestoso des ersten Gesangs eingeleitet, wodurch die thematische Einheit der beiden Gesänge gewährleistet wird.

Elgars erstes Oratorium, The Light of Life, dessen ursprünglicher Titel Lux Christi auf Drängen des Verlags zur Vermeidung möglicher religiöser Vorurteile ersetzt wurde, basiert auf biblischen Texten, die Edward Capel Cure zusammengestellt hatte, der als anglikanischer Kurat in Worcester beschäftigt war und als Amateurcellist mit Elgar Kammermusik gespielt hatte. Das neue Werk entstand als Auftragskomposition für das Three Choirs Festival und erlebte seine Uraufführung 1896 im Dom zu Worcester. Nach einer Revision wurde es 1899 wiederum beim Festival aufgeführt. Es behandelt die Geschichte der Heilung des Blindgeborenen durch Jesus, wie sie im Johannes-Evangelium erzählt wird. Mit der ersten der beiden hier eingespielten Nummern beginnt – nach der einleitenden instrumentalen Meditation – das Oratorium. Seek Him that maketh the seven stars ist für vierstimmigen Männerchor, die Leviten in den Höfen des Tempels darstellend. Die Stimme des Blindgeborenen erklingt von außerhalb des Tempels und kehrt noch einmal flehend zurück, bevor die Leviten ihr Gebet beenden. Light of the World ist der abschließende G-Dur-Chor in einem auf die Kathedralkonventionen der Zeit zugeschnittenen Stil.

Das Oratorium The Apostles wurde 1903 vollendet und uraufgeführt. Elgar hatte sich seit langem mit der Idee eines Werks über die Apostel getragen. Der Auftrag kam aus Birmingham. Drei Jahre später erfuhr das Thema in The Kingdom eine Fortsetzung. Elgar bereitete die Texte selbst vor, wobei er sich von Charles Gorton und anderen beraten ließ. The Spirit of the Lord ist der Prolog der Apostles und wird häufig als Anthem gesungen. Hier werden verschiedene Motive eingeführt, die später mit der Kirche und mit Christus assoziiert werden. Die Prolog-Worte stammen aus dem Buch des Propheten Jesaja.

1909 verbrachten die Elgars einige Zeit in Italien, wo sie in der Nähe von Florenz in der Villa eines Freundes wohnten. Hier fand der Komponist neue Schaffenskraft und konnte sich erneut seinem Violinkonzert und der Zweiten Sinfonie widmen, und hier entstand auch die Vertonung von Rossettis Übersetzung eines Gedichts des Dante-Freundes Guido Cavalcanti. Diese kurze Meditation über die Sterblichkeit wird bei Elgar zu einem ausgedehnteren, bewegenden mehrstimmigen Gesang, einem Werk von beachtlicher Aussagekraft. Es wurde im September desselben Jahres in Hereford uraufgeführt. Elgar widmete es Alfred Littleton, dem bei Novello-Verlag beschäftigten Herausgeber.

Mit dem ehrenvollen Auftrag für die Offertoriumsvertonung eines Verses aus dem 5. Psalm, O hearken Thou, für die Krönung Georgs V. im Jahr 1911 hatte sich Elgar vollends als bedeutender Komponist etabliert. Das Werk erschien ebenfalls in einer lateinischen Fassung, Intende voci orationis meae. Der Organist der Krönungsfeier, Walter Alcock, Assistent von Sir Frederick Bridge, dem Oranisten der Westminster-Abtei, weist im Vorwort der Werkausgabe auf die ‚vielen erstaunlichen Sequenzen’ und die Schlusskadenz eines Werks hin, das er treffend als ‚ehrfürchtiges Flehen’ bezeichnet.

1912 vollendete Elgar seine Vertonung von Psalm XLVIII; er widmete das Werk Armitage Robinson, dem ehemaligen Dekan von Westminster, der inzwischen als Dean von Wells fungierte. Er war Robinson erstmals einige Jahre zuvor in Alassio begegnet und hatte von ihm theologische und historische Anregungen für seine Oratorien The Apostles und The Kingdom erhalten. Der für sechsstimmigen Chor und Bass-Solo geschriebene Psalm wurde im Juli 1912 in der Westminster-Abtei aufgeführt. Einen glänzenden dramatischen Effekt erzielt Elgar im Eröffnungsabschnitt durch die kontrastrierend eingesetzten Vokalregister. Ein abrupter Stimmungs- und Tonartwechsel tritt bei den Worten For, lo! The kings assembled themselves ein, während ein quasi-rezitativischer Abschnitt zum Bass-Solo We have thought on Thy loving kindness führt. Obere und tiefere Stimmen antworten einander bei Let mount Zion be glad. Der Beginn bildet die Grundlage des Schlussabschnitts.

 Die Vertonung von Psalm XXIX entstand 1914 für das Sons of Clergy Festival der St. Paul’s Cathedral. Das Stück ist George Martin gewidmet, der 1888 Stainer als Organist an St. Paul’s nachgefolgt war. Die kraftvolle Eröffnung, die bei den Worten The God of glory thundereth triumphal emporsteigt, wird dem Text gerecht: Die Zedern zerbrechen, die Wüste erbebt und die Wälder werden kahlgerissen. Es folgt die meditative Ruhe des Tempels und die Rückkehr der majestätischen Eröffnung. Mit dem Segen des Friedens schließt der Psalm.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs

 


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