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8.557309 - NIGHT AT THE OPERA (A) - Favourite opera arias, duets and ensembles
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Eine Nacht an der Oper

Verdis Rigoletto basiert auf Victor Hugos Le roi s’amuse und dreht sich um den Fluch eines Vaters gegen den Herzog von Mantua und dessen Hofnarren, den titelgebenden Rigoletto, der selbst Vater ist. Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt im dritten Akt. Gilda, Rigolettos geliebte Tochter, ist von dessen Feinden am Hof entführt und vom Herzog verführt worden, für dessen Beseitigung Rigoletto den Auftragsmörder Sparafucile engagiert hat. Am Ufer des Mincio warten Rigoletto und Gilda vor einem zweistöckigen Haus. In der Uniform eines einfachen Kavallerieoffiziers betritt der Herzog die Schenke im Untergeschoß und verlangt von Sparafucile Wein und ein Zimmer. Während der Herzog mit Maddalena, der Schwester Sparafuciles flirtet, spricht dieser draußen mit Rigoletto, um zu erfahren, ob der ‚Kavallerieoffizier’ der besagte Mann wäre. Im sich anschließenden Quartett beteuert der Herzog Maddalena seine Liebe, während Gilda – die dies von draußen durch einen Mauerspalt beobachtet – mit gebrochenem Herzen die Treulosigkeit ihres Geliebten beklagt, auf die ihr Vater sie hingewiesen hatte. Rigoletto heißt seine Tochter heimgehen und — in Männerkleidern getarnt — die Stadt zu verlassen. Unterdessen überredet Maddalena ihren Bruder, den Herzog zu verschonen und statt seiner den erstbesten Mann, der die Schenke betritt, zu töten. Gilda, die dies belauscht hat, beschließt, sich für den Herzog zu opfern und betritt in Verkleidung die Schenke, worauf Sparafucile sie erdolcht und Rigoletto – wie besprochen – die Leiche in einem Sack übergibt. Rigoletto will den Sack, in dem er natürlich den Herzog wähnt, schon in den nahen Fluß werfen, als er die Stimme des Herzogs aus der Schenke vernimmt und die Täuschung erkennt. Er öffnet den Sack und sieht im Licht eines Blitzes das Gesicht seiner Tochter.

Mozart komponierte La clemenza di Tito (Die Milde des Titus) im Jahre 1791 anläßlich der Krönung Kaiser Leopold II. von Böhmen in Prag. Das nach Metastasio von Mazzolà verfaßte Libretto hat die Wohltätigkeit des römischen Imperators Titus zum Thema, dessen Freund Sextus von der eifersüchtigen Vitellia zum Mord an Titus angestiftet wird. Als sie erfährt, daß sie wider Erwarten wohl doch Titus’ Frau werden kann, nimmt sie von ihrem Plan zwar Abstand, kann das Attentat, das freilich mißlingt, jedoch nicht mehr verhindern. Sie gesteht Titus ihre Schuld, der Milde walten läßt und sowohl ihr als auch Sextus vergibt. In der Arie Parto, ma tu, ben mio (Ich gehe, aber dann Geliebte) des ersten Aktes geht Sextus auf den Plan Vitellias ein. Der begleitende Part der Baßklarinette entstand ursprünglich für den Wiener Hofklarinettisten Anton Stadler, der auch Pate für andere späte Werke Mozarts stand.

Die wohl bekannteste Opernumwandlung von Goethes Faust ist die gleichnamige, 1858 entstandene Oper des französischen Komponisten Charles Gounod. In seiner Cavatina im dritten Akt besingt der vor dem Haus Marguerites von seinem satanischen Ratgeber Mephistopheles alleingelassene Faust die Unschuld der Geliebten. Mephistopheles kehrt aber schon bald mit einem Schmuckkästchen zurück, das Marguerite versuchen soll. Tatsächlich wird sie Faust, der ihr in Gestalt eines jungen Mannes erscheint, nachgeben, das Kind, das sie ihm gebären wird, jedoch später im Wahnsinn töten. Die letzten Szenen zeigen sie deshalb in Kerkerhaft und zum Tode verurteilt. Faust sucht sie, gemeinsam mit Mephistopheles, zur gemeinsamen Flucht zu überreden, doch Marguerite findet Zuflucht bei Gott. Himmlische Stimmen verheißen ihr Erlösung, den teuflischen Ränken zum Trotz.

La Bohème, Puccinis berühmte Oper aus dem Jahr 1895, spielt im Quartier Latin, dem Künstlerviertel von Paris und geht auf Henri Murgers Roman Scène de la vie de bohème zurück. Der verarmte junge Dichter Rodolfo verliebt sich in Mimì, eine Stickerin, die im selben Haus lebt. Doch ihre Liebe ist zum Scheitern verurteilt und Mimì sucht Zuflucht bei einem anderen. Bevor Mimì schließlich ergreifend ihrer Schwindsucht erliegt, können sich beide ein letztes Mal ihrer Liebe versichern. Zuvor hatten Rodolfos Freunde noch versucht, etwas Geld zu sammeln, um Mimì helfen zu können und Colline, der Philosoph der Gruppe, macht sich auf, seinen alten Mantel – Vecchia zimira – zu verpfänden, um Medizin kaufen zu können.

Mozarts Don Giovanni entstand als weitere Zusammenarbeit mit dem Dichter Lorenzo da Ponte 1787 in Prag, wo sie auch uraufgeführt wurde. Erzählt werden die Eskapaden und das Schicksal des ruchlosen titelgebenden Frauenhelden, der am Ende vom ‚steinernen Gast’, der Statue jenes Komturs, den Don Giovanni im Kampf um die Ehre dessen Tochter erstochen hatte, hinab in die Hölle gezogen wird. In Là ci darem la mano (Reich mir die Hand) erprobt Don Giovanni seine Verführungskünste an der Bäuerin Zerlina, deren bevorstehende Hochzeit mit Masetto gerade gefeiert werden soll.

Die Handlung des auf Schillers Drama basierenden Don Carlo Verdis von 1867 ist durchaus komplex. Ursprünglich auf ein französisches Libretto geschrieben, entstand 1884 dann eine italienische Fassung. Don Carlos, Infant von Spanien, liebt Elisabeth de Valois, die jedoch seinem Vater, Philipp II., dem König von Spanien als Braut zugedacht ist. Die Dinge vereinfachen sich nicht, als Don Carlos ein mitternächtliches Rendezvous mit einer Dame hat, die er für Elisabeth hält, bei der es sich tatsächlich aber um die Prinzessin Eboli handelt, die ihn ihrerseits für sich zu gewinnen trachtet, angesichts seiner wahren Gefühle nun jedoch auf Rache sinnt. Don Carlos ist zudem in politische Unruhen um Flandern verwickelt und wird durch Einfluß des Großinquisitors eingekerkert, sein Vertrauter Rodrigo aus den gleichen Gründen gar erschossen. Don Carlos trifft Elisabeth schließlich noch einmal am Grab Karls V., des alten Königs, um ihr endgültig Lebewohl zu sagen, da er sich für die Sache Flanderns entschieden hat. Noch ehe König und Inquisition den Infanten fassen und töten können, ertönt die Stimme Karls V., wodurch Don Carlos die Flucht ins Kloster gelingt. In den beiden hier eingespielten Arien opfert sich Rodrigo für seinen Freund Don Carlos, da er mit den belastenden Beweisen des Verrats allen Verdacht auf sich gelenkt hat.

Offenbachs Les contes d’Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen) wurde 1881 vollendet und uraufgeführt — ein Jahr nach dem Tod des Komponisten. Das Libretto basiert auf drei Novellen des titelgebenden deutschen Literaten. Im vierten Akt (in früheren Fassungen der Oper im dritten Akt) besingen Hoffmanns Freund (bzw. seine Muse) Nicklausse und die venezianische Kurtisane Giulietta auf einer Gondel auf dem Canal Grande die Schönheit einer Liebesnacht. Giulietta wird Hoffmann später hintergehen und dessen Gegenspieler, dem schurkischen Dapertutto, helfen, Hoffmanns Spiegelbild zu erlangen. Die Barcarolle zählt zu den bekanntesten Melodien der Oper.

Händels frühe Reputation beruht zu einem guten Teil auf seinen italienischen Opern, von denen eine ihn auch in London bekannt machen sollte, wo er dann bis zu seinem Tod im Jahr 1759 lebte und arbeitete. Seine Oper Orlando, die hier 1733 uraufgeführt wurde, handelt vom Schicksal des zwischen Liebe und Ritterruhm, zu dem ihn der Zauberer Zoroastro drängt, hin- und hergerissenen Orlando. Die Liebe zu Angelica macht ihn wahnsinnig, doch durch Zutun Zoroastros wird Orlando zur Vernunft gebracht, so daß Angelica am Ende mit ihrem Geliebten, Medoro, vereint ist. Mit seiner großartigen Arie im dritten Akt Sorge infausta una procella (Ein drohender Sturm erhebt sich), die Händel für den berühmten Baß Antonio Montagnana geschrieben hatte, greift Zoroastro in der ihm zukommenden Rolle des deus ex machina in das Geschehen ein.

Im London der Restauration war es Mode, die Werke Shakespeares zu adaptieren und dem Zeitgeschmack anzupassen, als Ergänzung zu einem weiterhin aktuellen Repertoire von Schauspielen mit nennenswerten musikalischen Elementen. The Tempest (Der Sturm) wurde von verschiedenen Autoren adaptiert und gelangte in diesen revidierten Fassungen auch zur Aufführung. Bei der Fassung, deren Musik Henry Purcell (der 1695 starb) zugeschrieben wird, weiß man sicher nur von einer Aufführung im Jahr 1712. Der größere Teil der Musik wird heute jedoch im allgemeinen John Weldon zugeschrieben, was auch für die berühmte Arie Arise ye subterranean winds (Erhebt Euch, Ihr unterirdischen Winde) gilt, die von einem Teufel gesungen wird.

Verdis Il trovatore (Der Troubadour) wurde 1853 in Rom uraufgeführt. Manrico, der Troubadour des Titels, ist der verloren geglaubte Sohn des alten Grafen von Luna, entführt und aufgezogen von der Zigeunerin Azucena. Die Handlung dreht sich um den Konflikt zwischen Manrico und seinem Bruder, dem jungen Grafen von Luna, die beide die selbe Frau lieben: Leonora. Im weiteren Verlauf der Handlung gelangen Manrico und Azucena schließlich in Gefangenschaft des Grafen. Leonora, die eigentlich Manrico heiraten wollte, bietet sich selbst als Preis für dessen Gnade an, nimmt sich aber, um Manricos Liebe nicht zu verraten, das Leben. Der Graf sieht sich getäuscht und läßt Manrico hinrichten, worauf ihm Azucena eröffnet, daß er seinen eigenen Bruder getötet habe. Die Rache für die Hinrichtung ihrer eigenen Mutter durch den alten Grafen ist vollbracht. Die bewegende Arie der Leonora D’amor sull’ali rosee (Auf den rosigen Flügeln der Liebe) erklingt, als im Innern des Palastes, in dem man ihren Geliebten, Manrico, gefangen hält, das Miserere angestimmt wird.

Bizets Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer) wurde 1863 erstmals in Paris gegeben. Die Handlung spielt auf Ceylon (Sri Lanka), wo die Perlenfischer Zurga und Nadir der Liebe zur schönen Priesterin Leila entsagt haben. Nadir aber hat den Eid gebrochen. Da auch Leila als Priesterin Brahmas an ein Gelübde gebunden ist, werden beide zum Tode verurteilt, können – von Zurga befreit – jedoch fliehen. Im Duett Au fond du temple saint (Der Tempel Brahmas strahlt) erinnern sich Zurga und Nadir der ersten Begegnung mit Leila.

Richard Strauss und sein Librettist Hugo von Hoffmannsthal schildern in Ariadne auf Naxos, die in ihrer zweiten Fassung erstmals 1916 gegeben wurde, wie auf Anordnung eines neureichen Adligen eine Opera seria, nämlich Ariadne auf Naxos, und die Aufführung einer Commedia dell’arte miteinander verquickt werden. Der für die Oper zuständige junge Komponist ist zunächst verzweifelt ob dieses Ansinnens, kann jedoch schließlich überredet werden, dem Kompromiß zuzustimmen. Ehe die Komödianten sich über sein Werk hermachen, singt der Komponist, der nun erkennt, daß seine Zustimmung ein Fehler war, ein Loblied auf die Musik als heilige Kunst.

Gianni Schicchi ist der dritte Teil in Puccinis Trilogie Il trittico von 1918. Die Handlung basiert auf einer Episode aus Dantes Inferno: Für die habgierigen Verwandten eines eben Verstorbenen soll Gianni Schicchi dessen Testament zu ihren Gunsten ändern. Gianni Schicchi überlistet jedoch die gesamte Familie des Verstorbenen, der nun durch sein Zutun alles ihm selbst vermacht hat. In Avete torto! (Ihr habt Unrecht!) setzt sich Rinuccio, ein jüngeres Mitglied der beraubten Familie und liiert mit Lauretta, der Tochter Gianni Schicchis, für diesen ein und legt dar, warum gerade er der Richtige für die Aufgabe der Testamentsfälschung sei. Die Musik geht dem Erscheinen Schicchis unmittelbar voraus.

Bellinis I Puritani (Die Puritaner) erklang erstmals 1853 in Paris und spielt zur Zeit des Englischen Bürgerkriegs, also um 1650. Ein galanter Kavalier verhilft der gefangenen Königin Henrietta Maria von Frankreich zur Flucht, indem er diese mit dem Schleier seiner eigenen Braut, Elvira, tarnt. Diese verfällt ob der vermeintlichen Untreue höchst bühnenwirksam dem Wahnsinn, ehe sie durch den Sieg der Puritaner ihren Verstand im allgemeinen Happy End wiedererlangt. In Suoni la tromba (Die Trompete möge ertönen) hat Sir Giorgio, Oberst im Ruhestand und Elviras Onkel, den jüngeren puritanischen Oberst Sir Riccardo Forth, der Elvira selbst liebt, davon überzeugt, alles zu tun, um Elviras Verlobten, den Kavalier Lord Arturo Talbo, zu beschützen – vorausgesetzt, daß dieser nach seiner geglückten Flucht nicht in die Schlacht gegen die Puritaner ziehen wird. Gemeinsam fordern sie Freiheit.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Matthias Lehmann


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