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8.557312-13 - HANDEL: Gideon
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Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Gideon (Zusammengestellt aus den Werken Händels von John Christopher Smith (1712-1795))

 

Nach dem Tod Georg Friedrich Händels 1759, war das Londoner Publikum noch immer ganz verrückt nach der Musik des Komponisten, der ihnen so sehr ans Herz gewesen war. John Christopher Smith erfüllte diesen Nachfrage, indem er sich der Mitarbeit des früheren Librettisten Händels Thomas Morell versicherte und das Alte Testament nach geeigneten Stoffen durchforschte. Morell verfasste ein Libretto, das auf der Geschichte von Gideon beruhte, und John Christopher Smith versah den Text mit Arien, Ensembles und Chören aus Händels Opern und Oratorien, fügte aber auch einige seiner eigenen älteren und neueren Kompositionen hinzu.

 

Bei seinem ersten Besuch in London hatte Händel als Komponist italienischer Opern ersten Ruhm geerntet, und schon bald kehrte er zurück, um sich ständig dort niederzulassen und seine enge Zusammenarbeit mit dem Theater fortzusetzen. In den 1730er Jahren sah er jedoch die Notwendigkeit für gekommen, eine neue musikalische Form zu entwickeln: das Englische Oratorium, das englische religiöse Texte mit dem Reiz der Musik seiner italienischen Opern verband. Das Unternehmen stellte sich als äußerst populär heraus, und selbst nach Händels Tod konnten sich seine Oratorien im Chormusik-Repertoire behaupten, auch wenn dies den einheimischer Komponisten zum Nachteil gereichte, die nicht mit seinen Vorgaben konkurrieren konnten.

 

In den vielen Jahren, die Händel in England verbrachte, vergewisserte er sich der Hilfe der beiden Smiths, Vater und Sohn, zweier Landsleute. Der ältere Johann Christoph Schmidt wurde 1683 in Kitzingen als Sohn eines angesehenen Kaufmanns und Stadtrats geboren. Er hat Händel möglicher Weise an der Universität in Halle kennen gelernt, als dieser dort seine kurze Zeit als Student absolvierte. Auf alle Fälle zog Schmidt nach dem Tod seines Vaters 1704 nach Nürnberg und kurz darauf nach Ansbach. Er heiratete, und nachdem seine erste Frau 1708 im Kindbett gestorben war, ehelichte er seine zweite Frau, mit der er vier Kinder hatte. 1716 nahm er eine Einladung Händels an, der Ansbach besucht hatte, mit ihm in London zu arbeiten. Später folgten ihm seine Frau und die drei Kinder, die noch am Leben waren. Sein erster Sohn, das zweite Kind, der zur Irritation späterer Autoren den Namen seines Vaters erhalten hatte, änderte wie sein Vater seinen Namen in die englische Form John Christopher Smith.

 

John Christopher Smith der Ältere war Händels wichtigster Kopist und Assistent und arbeitete bis zum Tod des Komponisten 1759 mit ihm zusammen. Auf diese Weise gelangte er als Erbe in den Besitz der Manuskripte Händels, die er nach seinem eigenen Tod 1763 seinem Sohn hinterließ. Die Händel-Autographe wurden 1795 König Georg III übergeben und werden heute, wie auch der übrige Bestand der Royal Music Library, von der British Library verwaltet, während die Aufführungspartituren im Besitz der jüngeren Stieftochter Smiths blieben und schließlich 1851 in einer Auktion versteigert wurden.

 

Der jüngere John Christopher Smith wurde 1712 in Ansbach geboren und ging in London zur Schule. Im Alter von 13 Jahren erhielt er Klavierunterricht von Händel und studierte Komposition bei Thomas Roseingrave und Johann Christoph Pepusch. Er konnte sich schon bald einen Namen als Musiklehrer und, in geringerem Maße, als Komponist machen. In den 1750er Jahren, vor allem nach der Erblindung Händels, unterstützte er ihn bei der Aufführung seiner Oratorien,. Darüber hinaus war er unbezahlter Organist und Chormeister am Findlings-Hospital, wo er nach Händels Tod mehrere Jahre die jährlich stattfindenden Aufführungen des Messiah dirigierte. Er arbeitete auch in drei Opern mit David Garrick zusammen. Seit 1762 war er Musikmeister bei der Princess of Wales und diente in dieser Eigenschaft bis zum Tod der Prinzessin 1772. Zwei Jahre später zog er sich nach Bath zurück, wo er 1795 starb.

 

Smith genoss im Musikleben Londons ein hohes Ansehen, zog jedoch die Gesellschaft führender Köpfe anderer Berufsgruppen vor. Seine erste Frau war die Schwester des späteren Lord Longford, und nach ihrem Tod und dem ihrer gemeinsamen Kinder heiratete er die Witwe des Königlichen Leibarztes Dr. Coxe und übernahm die Verantwortung für ihre Kinder. Seine Beziehung zu Händel war sehr bedeutsam, und der Besitz der Aufführungspartituren und Manuskripte Händels versetzte ihn in eine konkurrenzlose Position, wenn es darum ging, die jedes Jahr regelmäßig statt findende Reihe von Oratorien fortzusetzen, die zu Händels Lebzeiten begonnen worden war. Von 1760 bis zu seinem Rückzug aus dem Musikleben arbeitete er mit dem blinden Organisten und Komponisten John Stanley zusammen, um die Oratorien, die an den Freitagen der Fastenzeit in London aufgeführt wurden, bereit zu stellen. Sein erster eigener Versuch in dieser Gattung war David’s Lamentations over Saul and Jonathan aus dem Jahr 1740, darauf folgte zwanzig Jahre später Paradise Lost, nach Milton, jedoch blieb Händel der alles überragende Komponist dieser Gattung.

 

Das Pastiche, eine Art zusammen gesetztes Werk, das Ausschnitte aus anderen Werken – oft auch von verschiedenen Komponisten – zusammenführt, verfolgte im frühen 18. Jahrhundert deutlich kommerzielle Absichten. Zunächst in der Oper angewendet, bot es bald auch ein ebenso probates Mittel für neu-bearbeitete Oratorien an. Smith besaß einen Vorrat an Händelschem Material, auf den er zurückgreifen konnte, und er konnte am 16. März 1764 mit Rebecca sein erstes Oratorium vorstellen, das auf Händel zurück ging. Bei der selben Gelegenheit gelangte auch das Händel-Pastiche Nabal nach einem Libretto von Thomas Morell zur Aufführung. Morell hatte Händel die Libretti zu Judas Maccabaeus, Alexander Balus, Theodora und Jephtha sowie wahrscheinlich auch zu Joshua geschrieben. Für Händels englische Fassung eines älteren Werks unter dem neuen Titel The Triumph of Time and Truth hatte er einen Text verfasst, der auf die bestehende Musik passte, und für Nabal hatte er die gleiche Aufgabe übernommen. Auch bei dem späteren Oratorium Gideon von Smith verfasste er die Worte zu der Musik. Gideon wurde am 10. Februar 1769 an Covent Garden uraufgeführt. Der Großteil der Musik stammte von Händel, doch übernahm Smith die Ouvertüre und sechs Vokalstücke aus seinem eigenen Oratorium The Feast of Darius von 1762, das wiederum zum größten Teil auf seiner Oper Dario (nach einem Libretto von Metastasio) aus dem Jahr 1746 beruhte.

 

Die Geschichte von Gideon wurde aus dem Buch der Richter übernommen. Nach der Eroberung von Kanaan durch Joshua siedelten sich die Israeliten vor allem in der bergigen Region von Galiläa an und im Süden der Zentralregion von Kanaan. Sie begannen im Laufe der Jahre den bäuerlichen Lebensstil des Volkes anzunehmen, das sie erobert hatten. In den Gebieten, in denen sie sich angesiedelt hatten, wohnten noch Kanaaniter und benachbarte Völker, die Moabiter, Ammoniter und Midianiter. Das stellte die Ursache für weitere Konflikte dar, und seit seiner Ankunft im gelobten Land war das Volk Israel viele Jahre in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, die mit wechselndem Geschick ausgetragen wurden.

 

Zu der äußeren Gefahr kam eine innere hinzu. Die früheren Bewohner Kanaans huldigten Baal und anderen Gottheiten. Die Israeliten unterlagen zu jener Zeit der Versuchung, vom wahren Glauben abzufallen und dadurch ihre besondere Identität als Volk zu zerstören. Für den Verfasser des Buchs der Richter, des Buchs Samuel und des Buchs der Könige, war es nur zu offensichtlich, dass ein Abfall die sofortige Bestrafung nach sich ziehen würde. Aus diesem Grund lieferte Gott die Israeliten sieben Jahre lang der Herrschaft der Midianiter aus (Richter VI.1), und der Verfasser wurde nicht müde, die Geschichte des Abfalls immer wieder zu erzählen und die der Bestrafung, die auf dem Fuße folgte. Die Geschichte von Gideon folgt den Geschichten von Deborah, Jaël und Barak (Richter VI-VII).

 

 

Die Handlung

 

CD 1

 

Teil I

Die Kinder Israels haben sich von Gott abgewandt und seinen Zorn auf sich gezogen. Sie werden von allen Seiten angegriffen, vor allem von den Midianitern, die sich mit den Todfeinden der Israeliten, den Amalekitern, verbündet haben. Die Israeliten werden von einem Propheten ermahnt, Reue zu zeigen, und sie suchen den Segen Jehovas. Ein Israelit erzählt von Gideon, der das Lager der Midianiter gesehen hat und angesichts ihrer Vorherrschaft in Wut geraten ist. Ein Engel erscheint Gideon und offenbart ihm, dass er den Feind besiegen wird. Gideon sucht ein Zeichen und bringt Speisen als Opfer dar. Der Engel streckt seine Hand aus, und Flammen schlagen aus den Opfergaben. Alle verfolgen erstaunt das Schauspiel, während der Engel verschwindet.

Der midiatische Prinz, Oreb, betet zu seinem Gott, Baal, dass er plane, die Israeliten anzugreifen. Er wird von Gideons Vater, Joash, beobachtet, der das Volk aufweckt, doch es ist allein Gideon, der dem Feind entgegentritt und ihn besiegt. Oreb gibt sich geschlagen, und Gideon lässt Gnade walten.

 

Teil II

Das Volk kehrt mit der guten Nachricht in die Stadt zurück. Der alte Eliakim preist Gideon, und das Volk jubelt. Doch Gideon ist entschlossen, den Worten des Engels zu folgen, und in der Nacht stößt er in der heiligen Grotte die Statue des Baal um und bringt ein Opfer dar. Donner verkündet, dass sein Opfer angenommen wurde.

 

CD 2

 

Am nächsten Morgen entdeckt der Priester des Baal die Zerstörung der Statue und die Verwüstung der heiligen Grotte und verlangt Vergeltung. Joash erklärt, dass sein Sohn sein Handeln nicht leugnen würde. Es entsteht ein allgemeiner Disput, doch Eliakim gebietet dem Volk zu schweigen und verlangt seine Rückkehr zu Gott. Der Priester des Baal droht mit Bestrafung, und Joash, der den zurückkehrenden Gideon erwartet, warnt seinen Sohn vor seinem möglichen Schicksal. Gideon wendet sich an die Menge und erklärt, dass, wenn Baal die Macht hätte, er sich selbst verteidigen sollte. Sie sollten sich wieder Gott zuwenden. Den Priester des Baal packt die Angst, und er lässt seinen Speer sinken. Gideon wird als Held gefeiert.

 

Teil III

Der Priester des Baal fordert Gideon und seinen Gott heraus. Gideon bittet Gott um Regen, und es beginnt zu regnen; dann bittet er Gott, Regen nur auf ein Schaffell fallen zu lassen. Das Wunder geschieht zum allgemeinen Erstaunen. Eine Trompete ruft die Israeliten zu den Waffen, und Joash sieht den Triumph seines Sohnes voraus. Viele bieten ihre Hilfe an, doch Gideon folgt dem göttlichen Geheiß und wählt nur dreihundert Männer aus. Mit diesen ist Gideon siegreich, und ein Bote überbringt die Nachricht von seinem Triumph. Es herrscht allgemeiner Jubel, und Eliakim begrüßt die Rückkehr des Volkes zu Gott in Frieden.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Peter Noelke


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