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8.557330 - NAXOS BOOK OF CAROLS (THE)
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Das Naxos-Buch der Weihnachtslieder

Das Naxos-Buch der Weihnachtslieder

 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Programm mit Weihnachtsliedern zusammenzustellen, ist eine entmutigende, aber auch befreiende Aufgabe. Melodien und Worte genießen gleichermaßen das Privileg der Tradition, und Weihnachtslieder sind Teil eines lebendigen Rituals, das von Generation zu Generation weitergereicht wird. Komponisten, Sänger und Hörer haben die Lieder durch eigene Erfahrungen bereichert, sodass die Suche nach einer ‚authentischen’ Fassung eines Weihnachtslieds so hoffnungslos wie unsinnig ist. Die Gesänge, die die Zeiten überdauert haben, verdanken es ihren großartigen Melodien, durch die sie aus unserem Weihnachtserlebnis, ob in der Kirche, im Freien oder zu Hause, nicht mehr wegzudenken sind.

 

Unsere Anthologie enthält 24 Weihnachtslieder, geordnet in vier Gruppen, von denen sich jede einem anderen Teil der Weihnachtsgeschichte zuwendet. Es handelt sich ausschließlich um neue, von Naxos eigens für diese Veröffentlichung in Auftrag gegebene Bearbeitungen, die eine behutsame Mischung aus Bekanntem und Neuem darstellen. Das traditionelle Alternieren von unbegleiteten Strophen, Diskant und Schlussvers-Harmonie wurde in den meisten der bekannteren Lieder berücksichtigt, aber es gibt auch eine Menge an Überraschungen zu entdecken. Sinn der Arrangements war ihre problemlose Verwendung: die Möglichkeit, die Melodie in jeder Strophe mitzusingen, während die Chorpartien fast nie die gewöhnliche Vierstimmigkeit (Sopran, Alt, Tenor, Bass) überschreiten. Das in Zusammenarbeit mit Faber Music erstellte Notenmaterial dieses Naxos-Buchs der Weihnachtslieder ist über www.naxoscarols.com erhältlich.

           

Die Hoffnung

Die erste Gruppe [Tracknummern 1-5] behandelt das Thema der Adventszeit: die Hoffnung auf den Messias oder Christus, der kommen wird, um zu leiden und dann in Herrlichkeit zu regieren. O come, o come, Emmanuel [1] ist eine Paraphrase der sieben ‚O’-Antiphone in einer  Bearbeitung, deren spezielle Farbe die allmähliche Entwicklung der abendländischen Harmonie während der letzten zweitausend Jahre widerspiegelt. Of the Father’s heart begotten [2] kontrastiert die ewige Natur des Gottessohnes mit der Bewahrheitung der Prophezeihung; die Melodie ist alternierend gegen eine schlichte, wiederholte Basslinie und im drei-, zwei- und vierstimmigen Kanon gesetzt. O quickly come [3] ist ein neues Weihnachstlied, dessen lebhafter 7/8-Rhythmus den Ruf nach dem Messias mit größerem Nachdruck wiederholt. Verbum Patris umanatur [4] ist die Bearbeitung eines polyphonen mittelalterlichen Weihnachtslieds, aus dem die Freude über das bewegende Ereignis der Inkarnation klingt. Diese Adventsfolge wird von dem berühmten Lied Lo! He comes [5] gekrönt, in dem sich die Hoffnung der Propheten Israels und der Kirche endlich erfüllt.

 

Die Botschaft

Die zweite Gruppe [Tracknummern 6-12] handelt von der Verkündigung der Geburt Christi und von den Zeugen der Botschaft – Engeln und Hirten. The holly and the ivy [6] findet Spuren in der Naturwelt von Jesu Leiden am Kreuz, wobei zwei traditionelle Weisen miteinander verbunden sind (die weniger bekannte Melodie wurde von einem Tonband in den Archiven der BBC herausgeschrieben. Die Pflanzen- und Blütensymbolik steht auch in Lo, there a Rose is blooming [7] zentral. Alleluja – eine neue Komposition [8] ist die moderne Version eines spätmittelalterlichen Weihnachtslieds,  in dem zwei Engel (in unserer Aufnahme das Ehepaar-Team Joanna und Alexander L’Estrange) sich die frohe Botschaft im Himmel zurufen. Die ungestüm-fröhliche Melodie des Liedes Ding! Dong! merrily on high [9] erklingt zu den Himmelsglocken, die die Geburt des Heilands feiern. While the shepherds watched [10] wird zu einer der bekanntesten Melodien dieses Lieds gesungen, aber mit einer bewusst derben Begleitung, die an die amerikansche „Shape-note“-Hymnodie und andere populäre Chormusikstile erinnert. Unmittelbar darauf folgt The Song of Angels [11]  – eine von Orlando Gibbons’ erlesenen Melodien aus der Sammlung The Hymnes and Songs of the Church. Alle stimmen ein in Hark! the herald angels sing [12], ein  Lied, das die atemberaubende Botschaft der Weihnachtsgeschichte in eleganter Weise zusammenfasst.

 

Das Kind

Von den Feldern vor den Toren Bethlehems eilen die Hirten, um das neugeborene Kind in der Krippe liegen zu sehen, ein wahrlich ungewöhnlicher Anblick, der im Mittelpunkt der dritten Weihnachtslieder-Gruppe steht [Tracknummern 13-18]. Silent night [13] wird als Wiegenlied gesungen, wobei sich das Beginnmotiv der Melodie in unterschiedlichen Tempi in den anderen Stimmen spiegelt. Away in a manger [14], eines der beliebtesten Weihnachtslieder für Kinder, reflektiert den bescheidenen Rahmen von Jesu Geburt.  Es folgt ein weiteres Wiegenlied, in dem die Schluss-Strophe von der intimen Ruhe von Mutter und Kind auf Golgatha vorausweist, wo Maria ihren Sohn am Kreuz sterben sieht: Baby Jesus, hush! now sleep [15]. Die bekannten Worte von O little town of Bethlehem [16] sind in eine neue Melodie gekleidet, während die klassische Choralweise O Jesulein süß zu dem uralten Text Jesu dulcis memoria erklingt [17]. Die Sequenz endet mit der Ankunft der Menge – aus alter wie neuer Zeit – um den neugeborenen Heiland in O come, all ye faithful [18] anzubeten.

 

Der König der Könige

In der abschließenden Gruppe [Tracknummern 19-24] weitet sich der Blick auf all jene, die kommen werden, um anzubeten, von kleinen Kindern bis zu mächtigen Herrschern. In Personent hodie [19] fallen besonders die wiederholten Wortsilben auf (vor allem das ‚vir’ von ‚virgineo’ in der ersten Strophe); die Schluss-Strophe enthält bereits die Melodie des folgenden Tracks als Orgeldiskant. In dulci jubilo [20] ist eine postmoderne Collage aus Vertonungen von Praetorius, J.S. Bach und Stainer mit einer ähnlichen Nebeneinanderstellung von Texten in lateinischer und englischer Sprache. Good King Wenceslas [21] handelt von einem König, der außer dem Christus-ähnlichen Mitleid nur wenig mit der eigentlichen Weihnachtsgeschichte zu tun hat; der musikalische Satz ist eine direkte Antwort auf die Erzählung. In We three kings of Orient are [22] stellen sich die drei ‚Könige’ (im Evangelium als die drei Weisen aus dem Morgenland bezeichnet) nacheinander vor; ihre drei Gaben weisen auf Jesus als ‚König, Gott und Opfer’. I saw three ships come sailing in [23] ist ein Beispiel eines jener Weihnachtslieder, deren Worte im Lauf der Jahrhunderte an Bedeutung verloren haben, wenngleich der spontane Jubel seine ursprüngliche Frische bewahrt hat. Die Sequenz schließt mit einem Weihnachtslied, in dem eine moderne Melodie zu einem traditionellen Text (nach dem 72. Psalm) erklingt: Hail to the Lord’s Anointed [24]. Und so endet die Weihnachtsgeschichte mit einer Vision der Wiederkehr des Messias als König der Könige, um ewigen Frieden zu bringen, wie ihn die Engel auf den Feldern vor den Toren Bethlehems prophezeiten.

 

Fröhliche Weihnachten!

 

Antony Pitts

Deutsche Übersetzung: Bernd Delfs


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