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8.557361 - MOZART / CRUSELL / BACH, J.C.: Music for Oboe and Strings
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Mozart • Crusell • J.C. Bach
Kammermusik für Oboe und Streicher

Im August 1777 kündigte Mozart seine Stellung am Hof des Salzburger Erzbischofs, um in Begleitung seiner Mutter zu einer Reise aufzubrechen, die ihn über verschiedene Stationen in Deutschland nach Paris führen sollte. Vater Leopold, der seinen Sohn bisher auf Reisen begleitet hatte, war aus finanziellen Gründen zu Hause geblieben. Ende Oktober erreichte Mozart Mannheim, den Sitz des Kurfürsten und die Stadt mit dem berühmtesten Orchester Europas. In seinem zweiten Brief nach Hause schildert Mozart dem Vater seinen Besuch bei Christian Cannabich, dem Direktor der kurfürstlichen Instrumentalmusik: Dort sei er u.a. mit einem vorzüglichen Oboisten zusammengetroffen, dem er eine Abschrift seines Oboenkonzerts gegeben habe. Seinen Namen habe er jedoch vergessen; in späteren Briefen identifiziert er ihn als Friedrich Ramm. Die vier Monate in Mannheim brachten nicht die erhoffte Anstellung am Hof des Kurfürsten, sodass Mozart die Weiterreise nach Paris plante, wohin er zunächst mit Ramm und anderen Mannheimer Musikern zu reisen hoffte, für die er seine Bläser- Concertante schreiben sollte. Schließlich kam er, begleitet nur von seiner Mutter, im März in Paris an. Aber auch dort lagen die Verhältnisse ungünstig; vor allem der Adel zeigte sich äußerst reserviert. Als im Juli unerwartet die Mutter starb, drängte Leopold den Sohn zur Rückkehr nach Salzburg, wo er ihm den Posten des Hoforganisten besorgt hatte. 1780 erneuerte Mozart seine Bekanntschaft mit den Mannheimer Musikern, die mit dem gesamten Hof nach München übergesiedelt waren, nachdem Kurfürst Karl Theodor Nachfolger des bayerischen Kurfürsten geworden war. In München erhielt Mozart den Auftrag zur Komposition seiner Oper Idomeneo. In dieser Zeit, vermutlich im Januar 1781, schrieb er für Ramm das Oboenquartett F-Dur KV 370. (Bald danach kam es zum Bruch mit seinem Salzburger Dienstherrn, woraufhin Mozart sich als freischaffender Künstler in Wien niederließ.) Das Quartett beginnt mit einem Allegro, in dem die Oboe das Hauptthema vorstellt und zu einem Nebenthema führt, das zuerst in der Violine erklingt. In der zentralen Durchführung setzen die Instrumente in Imitation ein. Eine Reprise beschließt den Satz. Die Streicher eröffnen das d-Moll-Adagio, in dem der Oboist sogar die Gelegenheit zu einer eigenen Kadenz erhält, in der er seine Virtuosität und Improvisationskunst unter Beweis stellen kann. Das abschließende Rondeau lebt von kontrastierenden Episoden und interessanten Rhythmuswechseln.

Mit Optimismus begann Mozart seine Zeit in Wien, die ihm endlich die ersehnte Unabhängigkeit beschert hatte. Gegen den Willen seines Vaters heiratete er Constanze, die jüngere Schwester der Sängerin Aloysia Weber, und bereicherte das deutsche Opernrepertoire mit dem von Kaiser Joseph II. in Auftrag gegebenen Singspiel Die Entführung aus dem Serail. – Die Serenade c-Moll KV 388 für Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte entstand vermutlich 1782; sie diente Mozart später als Grundlage für das dritte seiner drei Streichquintette von 1787 oder 1788. Inwischen hatten sich seine Lebensumstände verschlechtert: Der Vater war 1787 gestorben, und seine eigenen finanziellen Schwierigkeiten wuchsen angesichts der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Zeit. Die später bei Artaria erschienenen Quintette erwähnt Mozart in einem seiner Bettelbriefe an den Freund und Logenbruder Michael Puchberg. Das Quintett c-Moll KV 406, das hier in einer Fassung für Oboe, Violine, zwei Bratschen und Violoncello eingespielt ist, hebt mit einer Figur an, die auf dem aufsteigenden c-Moll- Dreiklang basiert, gefolgt im vierten Takt von einem unheimlichen Septimensprung, der später an exponierter Stelle wiederkehrt. Diesem nachdrücklichen Beginn, an dem sich alle Instrumente beteiligen, schließt sich eine sanftere Antwort an. Nach einem emphatischen Unisono des gesamten Ensembles folgt das zweite Thema in Es-Dur. Der relativ kurze zentrale Durchführungsabschnitt hält Überraschungen bereit, vor allem in Gestalt des grellen, verminderten Septakkords von c-Moll, dem eine höchst ungewöhnliche Generalpause folgt, bevor das erste Thema in der abschließenden Reprise zurückkehrt. Das Es-Dur- Andante im Dreiertakt enthält die gebräuchlichen Verzierungen in den Oberstimmen und führt zu einem Menuetto in canone, dessen Trio nach Haydnschem Vorbild einen Kanon „al rovescio“ (d.h. von rückwärts) bringt. Der letzte Satz besteht aus leidenschaftlichen Moll-Variationen, deren Thema sich am Ende nach C-Dur aufhellt.

Der Klarinettist und Komponist Bernhard Henrik Crusell wurde 1775 im finnischen Uusiukaupunki (Nystad) als Sohn eines Buchbinders geboren. Seinen ersten Klarinettenunterricht erhielt er als Achtjähriger von einem Militärmusiker. Später tat er in das Regiment der Königinwitwe ein, das er 1791 in Stockholm dirigierte, bevor er 1793 als 1. Klarinettist an das Hoforchester berufen wurde. Er studierte beim Hofkapellmeister Abbé Vogler und in Berlin beim Klarinettisten Franz Tausch. Seine solistische Karriere führte ihn 1803 nach Paris (wo er bei Berton und Gossec Kompostionsunterricht erhielt) und auf andere Auslandstourneen. 1818 wurde er in Stockholm zum Musikdirektor der beiden königlichen Grenadierregimente berufen, eine Position, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1838 bekleidete. Zu Crusells Kompositionen gehören Werke für Klarinette, eine Oper sowie Kammermusik. Sein Divertimento C-Dur op. 9 für Oboe und Streichquartett schrieb er 1822. Das eröffnende Allegro weicht einem zentralen Andante poco Adagio in C-Dur, um in einem schnellen Schlussabschnitt zurückzukehren. Das Werk ist geschickt auf die technischen Möglichkeiten der Oboe zugeschnitten und erfordert vom Oboisten einiges an Virtuosität.

Johann Christian Bach, jüngster Sohn und elftes von dreizehn Kindern Johann Sebastian Bachs, wurde 1735 in Leipzig geboren und erhielt den ersten Musikunterricht vermutlich von seinem Vater. Als Johann Sebastian 1750 starb, zog Johann Christian zu seinem Bruder Carl Philipp Emanuel nach Potsdam. 1754 ging er nach Italien, wo er bei Padre Martini studierte, zum Katholizismus übertrat und sich in Mailand niederließ. 1760 erhielt er am dortigen Dom eine Anstellung als Organist. Seine wachsende Anerkennung als Komponist italienischer Opern führte 1762 zu einer Einladung nach London, wo er sich mit königlicher Unterstützung als Opernkomponist niederließ und das Musikleben der Stadt mit seinem Talent bereicherte. In späteren Jahren geriet er im Zuge eines sich ändernden Musikgeschmacks in finanzielle Schwierigkeiten. Als er 1782 in London starb, trauerte Mozart um einen Kollegen, mit dem er sich bei ihrer ersten Begegnung 1764 in London angefreundet hatte. Johann Christian Bach schrieb Kammermusik für unterschiedlichste Besetzungen, häufig für Kombinationen von Bläsern und Streichern. Das Oboenquartett B-Dur, dessen Veröffentlichung 1764 angekündigt wurde, erschien bei Sieber in Paris als erstes Stück in einer Sammlung mit konzertanten Streichquartetten von Joh. Chr. Bach und seinem Londoner Freund und Kollegen, dem Gambisten C.F. Abel. Es ersetzte ein Quartett von Giardini, dem Kapellmeister am King’s Theatre, in einer ansonsten ähnlichen Sammlung von sechs Quartetten, die in London im Druck erschienen. In einem Genueser Manuskript taucht es sowohl in einer Fassung für Oboe und Streicher als auch (in Es-Dur) für Englischhorn und Streicher auf, während es in der Brüsseler Bibliothèque Albert 1er als Werk Joseph Haydns geführt wird. Dem gefälligen Kopfsatz, einem Sonaten-Allegro, folgt ein Rondeau, das Bachs normaler Praxis folgt, indem es eine zweite Episode in der parallelen Molltonart enthält. Der ganze Satz gleicht in Muster und Metrum einem Menuett mit zwei Trios.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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