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8.557366 - LISZT: Beethoven Symphony No. 9 (Transcription) (Liszt Complete Piano Music, Vol. 21)
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Franz Liszt (1811–1886):
Klaviertranskription der 9. Symphonie Ludwig van Beethovens (S464/R128)

Nur ungern bin ich Ihnen Grund für eine verlorene Wette, aber da Sie mich nun einmal fragen, ob Beethovens 9. Symphonie 1840 in Pest aufgeführt worden ist, so lautet meine Antwort „Nein“. Mehr noch: es ist nicht überraschend, daß die Aufführung dieses außergewöhnlichen Werkes in Pest so lange hat auf sich warten lassen. 1840 betrachteten die meisten Musiker und sogenannten ‚Musikkenner’ in Europa die 9. Symphonie als ein gar erschreckliches Schrecknis. Man versuchte sich mehr schlecht als recht an ihr, zunächst fragmentarisch und zu irgendeinem besonderem Anlaß …
Liszt an Kálmán von Simonffy. Vatikan, 21. Mai 1865

Franz Liszt wurde 1811 als einziger Sohn von Adam Liszt, Rentmeister des Fürsten Esterhazy, in dessen Diensten schon Haydn gestanden hatte, im ungarischen Raiding geboren. Frühe Förderung durch Mitglieder der ungarischen Aristokratie erlaubte es ihm, 1822 nach Wien zu gehen, wo er Schüler Czernys wurde und es zu einem nachgerade zur Legende gewordenen Treffen mit Beethoven kam. Von Wien ging es weiter nach Paris, wo ihm Cherubini zwar die Aufnahme am Conservatoire verwehrte, er das Publikum jedoch gleichwohl durch sein Spiel zu beeindrucken vermochte. Unterstützung fand er bei der Klavierbauer-Familie Erard, für deren Instrumente Liszt auf seinen Konzertreisen warb. Nachdem Adam Liszt 1827 gestorben war, ließ sich auch seine Mutter in Paris nieder, wo Liszt unterdessen seinen Lebensunterhalt mit Klavierstunden bestritt, ansonsten viel las und von der ihn umgebenden intellektuellen Gesellschaft profitierte. Sein Interesse an virtuosen Aufführungen wurde erneuert, als er den großen Violinisten Pagannini im Konzert erlebte, dessen technischer Vollkommenheit er fortan nachzueifern trachtete.

In den folgenden Jahren entstanden eine ganze Reihe von Kompositionen, darunter Liedtranskriptionen und Opernfantasien, wie sie eben zum Rüstzeug eines Virtuosen gehören. Liszts Beziehung mit der verheirateten Marie Gräfin d’Agoult ließ ihn Paris verlassen und jahrelange Reisen führten beide zuerst in die Schweiz, erneut zurück nach Paris, ehe es weiter nach Italien, Wien und Ungarn ging. 1844 trennte er sich von seiner Lebensgefährtin und Mutter seiner drei Kinder, führte seine Konzertkarriere allerdings noch bis 1847 fort. Im selben Jahr nahm Liszts Beziehung zur polnischen Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein (die von ihrem Mann, einem russischen Fürsten, getrennt lebte) ihren Anfang. Im folgenden Jahr ließ er sich mit ihr in Weimar, Goethes Stadt, nieder und wandte sich der Entwicklung einer neueren Form der Orchestermusik, der Tondichtung, zu, widmete sich daneben – wie stets – aber natürlich auch der Revision und Veröffentlichung früherer Kompositionen.

1861, im Alter von 50 Jahren, zog Liszt dann nach Rom, wo sich Fürstin Carolyne bereits ein Jahr zuvor niedergelassen hatte. Schienen die überwundenen Hürden von Scheidung und Annullierung den Weg zu ihrer Heirat nunmehr geebnet zu haben, so sollten sie doch weiterhin in getrennten Appartements leben. Liszt nahm schließlich die niederen Weihen eines Abbés und lebte fortan abwechselnd in Weimar, wo er der jüngeren Generation lehrend Rat gewährte, Rom, wo er seine religiösen Interessen verfolgen konnte und Pest, wo man ihn nun als Nationalhelden betrachtete. Er starb 1886 in Bayreuth, wo seine Tochter, die Witwe Wagners, lebte und sich um das musikalische Erbe ihres verstorbenen Mannes kümmerte.

Wie auch immer es um die Richtigkeit von Liszts Beschreibung bestellt war, 50 Jahre nach der durch die Hartnäckigkeit seines damaligen Lehrers, Czerny, erwirkten Begegnung mit Beethoven in Wien, brachte er jenem unvermindert großen Respekt entgegen, was man auch an seinen Bemühungen in Zusammenhang mit den Beethoven Denkmälern in Bonn und Wien, seinem Einsatz für Festivals mit Beethovens Musik und der Aufnahme von Werken Beethovens in seinen Konzert-programmen ablesen kann. Und auch unter den in seinem Testament von 1860 aufgeführten Dingen, waren es namentlich die Totenmaske Beethovens und dessen Broadwood Pianoforte, die er besonders wertschätzte. Das Pianoforte kam später als Schenkung von Prinzessin Carolyne und deren Tochter, Prinzessin Hohenlohe an das Nationalmuseum zu Budapest.

Im Sommer 1837, den er gemeinsam mit Marie d’Agoult im Landhaus George Sands in Nohant verbrachte, arbeitete Liszt an den Klaviertranskriptionen von Beethovens 5. und 6. Symphonie, die dann gemeinsam mit der Transkription der 7. Symphonie 1840 veröffentlicht wurden. Diese frühen Transkriptionsarbeiten sollten später freilich revidiert und durch Transkriptionen der sechs verbleibenden Symphonien Beethovens ergänzt werden, wobei er die 9., die er 1851 bereits für zwei Klaviere bearbeitet hatte, erst nach einigem Zögern anging. Wie seine Zeitgenossen über diese Symphonie dachten, läßt sich aus dem oben zitierten Brief Liszts an Kálmán von Simonffy ablesen. Die ersten drei Sätze der neuen Transkription entstanden in den Jahren 1863/64, das Finale, das ihn hatte zögern lassen, folgte 1865. Die Schwierigkeiten, die ihm gerade dieser Satz bereitete, wurden selbst durch den schließlich in zwei Systemen über dem reduzierten Orchesterpart separat abgedruckten Chorpart nur teilweise gelöst. Immerhin half dieser Schritt, die musikalische Struktur des in den regulären beiden Systemen der Transkription integrierten Chorsatzes besser zu verdeutlichen. 1863 lebte Liszt zurückgezogen im Kloster Madonna del Rosario auf dem Monte Mario außerhalb Roms, gemeinsam mit nur einer Hand voll anderen Gläubigen. Seine Zelle war äußerst einfach ausgestattet, und lediglich ein kleines, dazu noch defektes Klavier stand ihm zur Verfügung. Sein relativ ruhiger Lebenswandel wurde allenfalls durch Besuche gelegentlicher Gäste unterbrochen, unter ihnen auch Papst Pius IX. Die Revision seiner früheren Beethoven-Transkriptionen und die Vollendung des gesamten Zyklus’ nahm Liszt erst auf Drängen des Musikverlages Breitkopf und Härtel auf. Während er sich auf die Zulassung zu den niederen Weihen vorbereitete, kontrollierte er die Korrekturbögen. Zu dieser Zeit logierte er in der römischen Villa seines Freundes, dem zukünftigen Kardinal Fürst Gustav Adolf von Hohenlohe- Schillingfürst, dessen Bruder eine Tochter Fürstin Carolynes geheiratet hatte. Liszts Transkriptionen sämtlicher Symphonien Beethovens wurde schließlich 1865 mit einer Widmung an Liszts Schwiegersohn, den Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow, veröffentlicht.

Die Transkriptionen müssen für sich selbst sprechen. Was die akkurate Wiedergabe der ursprünglichen Phrasierung und – wo nötig – die Spezifizierung der originalen Instrumentation angeht, ist Liszt äußerst akribisch. Kritiker haben seine Transkriptionen immer wieder mit den früher entstandenen Klavierfassungen der Symphonien durch den Klaviervirtuosen Friedrich Kalkbrenner verglichen, der auf diesem Feld als Pionier gelten kann. So anspruchsvoll seine Transkriptionen aber auch sein mögen: Liszt geht es eben nicht um ein vordergründiges Zurschaustellen virtuoser Klaviertechnik. Auffällig sind vielmehr die überaus geschickte Problembehandlung bei Fragen der Balance und des Klangs, die hilfreichen Fingersätze, die er dem Interpreten an die Hand gibt und die Sorgfalt, die er auf eindeutige Stimmunterscheidung in der Notation verwandt hat.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann


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